Günter Weschke

Gasthaus -Zum Landinger-

Zum Landinger

Ein kleines Dorf in Bayern.
Ringsherum viel Wald, aber auch Felder und Äcker.
Gleich neben der kleinen Kirche steht der alte Gasthof, es ist eine ehemalige Brauerei, die bereits in vierter Generation in Familienbesitz ist, gleich hinter dem Gasthof, liegt eine große Wiese
Noch der Vater vom jetzigen Besitzer, hatte dort Bier gebraut.
Aber nun haben sich die Zeiten geändert.
Die Gaststube ist selten voll, meist nur Sonntags, nach dem Besuch  des Gottesdienstes. 
Früher war die Wirtschaft täglich gut besucht, man schätzte die gute, heimatliche Küche, dazu das frische Bier und auch das selbst gebackene Brot, waren sehr beliebt.
Gäste kamen aus der nahen Kreisstadt und auch der Herr Bürgermeister trank hier gern seine Maß Bier zum Schweinsbraten.
Aber wie gesagt, die Zeiten haben sich geändert.
Ein reicher Investor, hatte es auf Gasthaus und Wiese abgesehen, hier ließe sich ein großes Wellnesshotel einbauen.
Die waldreiche Umgebung hatte viel Natur zu bieten.
Eine vorsichtige Anfrage beim Gastwirt, ob er denn Verkaufen würde, war negativ.
So versuchte er, den Bürgermeister  der Kreisstadt, für seine Pläne zu begeistern.
Dort traf er auf offene Ohren.
Es  scheint, als hätten sich beide Männer gesucht und gefunden.
Landinger selbst stand in seiner Küche, um den Abwasch zu machen, als er die Glocke seiner Eingangstür hörte.
Er ging in die Gaststube und sah dort einen Mann, ärmlich gekleidet, der ihn ansah und um etwas zu Essen bat.
Nie hatte er einen Bettler aus dem Haus gejagt und so sagte er…komm setz dich, etwas wird sich schon finden.
In der Küche bereitete er einen Teller vor und stellte eine Flasche Wasser auf den Tisch.
Der Fremde sah ihn dankbar an und begann zu essen.
Landinger ging wieder an seine Arbeit, als er damit fertig war, ging er zurück in die Gaststube.
Der Fremde hatte alles aufgegessen und bedankte sich beim Wirt.
Er sagte: Ich bin heute schon sehr früh aufgebrochen. Aber jetzt bekam ich doch Hunger und konnte nicht mehr weiterlaufen, darum habe ich versucht, hier etwas Essen zu bekommen.
Der Wirt sagte: Ich gebe gern etwas ab, wenn ich sehe, dass es ein anständiger Mensch ist, der zu mir kommt.
Jetzt in der kalten Jahreszeit, wo das Weihnachtsfest vor der Tür steht, haben die wenigsten Menschen Zeit, schon gar nicht für Andere.
Der fremde Mann sagte plötzlich zum Wirt:
Ich habe den großen Stapel Holz hinter ihrem Haus gesehen, sicherlich ist es ihr Feuerholz für den Winter, wenn es ihnen also Recht ist, würde ich sehr gern bereit sein, es zu Zerkleinern und schön zu Stapeln.
Landinger war überrascht, aber auch hocherfreut und sagte:
Das wäre wirklich eine Hilfe, aber ich nehme sie nur an, wenn ich ihnen dafür, für ein paar Tage, ein Zimmer anbieten darf, natürlich mit freier Kost.
Der Fremde gab Karl - so hieß der Wirt mit Vornamen -, die Hand und sagte, mein Name ist -Petruo-,  dann bin ich der Karl.
Petruo machte sich gleich an die Arbeit.

Plötzlich erschienen zwei Gäste, der Herr Bürgermeister, sowie der Investor.
Komm Karl, setz dich einmal her, wir möchten mit dir etwas besprechen.
Hier, der Herr Goldmann, hatte ja schon einmal kurz über den Ankauf der Wirtschaft, sowie der Wiese, gesprochen.
Er möchte dir ein neues Angebot machen.
Nein, das ist nicht nötig, ich verkaufe nicht.
Hör die erst einmal seinen Vorschlag an.
Also Herr Landinger, ich biete ihnen einhunderttausend Mark, für das alte Haus, die Scheune mit der Brauerei sowie der Wiese hinter dem Haus.
Und wenn sie mir das Doppelte bieten, ich verkaufe nicht.
Jetzt mischt sich der Bürgermeister ein:
Schau mal hier Karl, ich habe einen Pfandschein, den du vor längerer Zeit meinem Vater ausgestellt hast, als du das damalige Skatturnier verloren hattest, weist du noch?
Ich könnte natürlich jetzt die fünfzigtausend Mark einfordern, kann es aber vergessen  und vernichten, wenn du Herrn Goldmann dein Anwesen verkaufst.
Ich habe nicht so viel Geld um den Scheck auslösen zu können.
Plötzlich betrat Petruo die Gaststube, setzte sich an einen Tisch und bat um ein Glas Bier.
Karl ging sofort hinter den Tresen und zapfte das Bier, das er zu Petruo brachte.
Er sagte, hier, eine Pause haben sie sich verdient.
Ja danke, ich bin mit Allem fertig.
Wie fertig?
Na ja, das Holz ist geschlagen und sicher gestapelt.
Das ganz Holz?
Ja natürlich.
Der Bürgermeister ruft Karl zurück an seinen Tisch.
Also, was meinst du?
Die Wirtschaft hält dich doch nicht mehr am Leben, kaum noch Gäste, also auch kaum noch Unsatz!

Draußen fährt ein Reisebus vor, der Fahrer kommt in die Wirtschaft.
Karl geht zu ihm. 
Kann ich ihnen helfen?
Aber ja, ich habe zwanzig Fahrgäste im Bus, sie haben Hunger und möchten hier auch Übernachten, haben sie noch Zimmer frei?
Karl schaut ihn mit offenem Mund an…äh ja, natürlich, habe ich.
Na dann bringe ich mal alle hier rein.
Der Fahrer geht zum Bus und kurz darauf kommen zwanzig junge Leute in die Gaststube.
Einige von ihnen haben Gitarren.
Karl geht zum Bürgermeister.
Also du siehst ja, ich habe ein volles Haus und viel zu tun.
Petruo kommt dazu und sagt zu Karl…komm, ich helfe dir, bleib du in der Küche und ich mache hier die Getränke für die neuen Gäste.

Herr Goldmann sagt zu Karl, ich komme noch einmal wieder, mit einem neuen Angebot, dann übernehme ich auch die Kosten für den Scheck.

In der Küche steht Karl vor dem fast leeren Kühlschrank …was soll ich den Gästen denn nur Vorsetzen?
Petruo kommt ebenfalls in die Küche und sagt zu Karl, ,.,.,geh du mal in die Gaststube zu den Gästen, ich kümmere mich hier um alles Andere.
Karl war wie betäubt, wie soll ich das nur schaffen?
Die jungen Leute waren alle fröhlich, sangen zur Gitarrenmusik.
Es dauerte nicht lang und Petruo kommt mit einen großen Tablett, voller dampfender Speisen.
Große Freude in der Gaststube, Karl sieht Petruo unsicher an, wie hat der das gemacht?
Es wurde bis spät in die Nacht gefeiert, alle waren lustig und zufrieden.
Der Busfahrer hatte sich zu Petruo gesetzt und lange mit ihm geredet.

Am nächsten Morgen hatte der Busfahrer ein langes Gespräch mit Karl. Nach dem Frühstück, versammelten die jungen Leute vor dem Gasthaus und brachten dem Wirt ein Ständchen.
Danach fuhr der Bur, laut hupend, davon.
Karl ging zu Petruo:
Ich weiß nicht, wie ich mich bei dir bedanken soll, seit du hier bist, geschehen irgendwelche Wunder.
Petruo legte Karl seine Hände auf die Schultern und sagte:
Keine Wunder, lieber Karl, es ist die Kraft des Glaubens.
Jeder Mensch hat das Recht auf Gleichbehandlung, auf Anerkennung und Aufmerksamkeit. 
Du bist ein guter Mensch und deshalb darf ich dir von  - Oberster Stelle - also von ganz Oben, diesen Scheck überreichen, tu Gutes, behalte deine Wirtschaft und es werden jede Woche viele junge Menschen zu dir kommen, um zu Feiern, um zu Ruhen, einfach um Glücklich zu sein.

“Zum Landinger” wurde ein Gasthaus, mit sehr gutem Ruf.


 



















 






 



 




 






 























































































































































 

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