Dina Riebeck

Fake

Sie sah sich. Eine Frau mit sinnlichen Lippen, rehbraunen Augen mit Wimpern, auf die ein Kamel neidisch gewesen wäre. Sie war tadellos geschminkt und ihre Frisur saß perfekt: Braunes, langes, durch einen Lockenwickler perfekt gelocktes Haar. Auch ihre sportliche Figur ließ sicherlich einige Herzen schneller schlagen. Ihr Körper war zwar sportlich, hatte aber immer noch weiche, weibliche Rundungen.

Sie bekam täglich hunderte von Nachrichten. Die meisten beinhalteten Komplimente über ihr Aussehen, ihre Figur, Schminke oder ihre Augen. Viele Frauen wollten Beauty Tipps oder forderten Beziehungstipps von ihr ein. Die Männer hingegen wollten sie entweder sofort heiraten oder, dass sie sich auszieht und vor der Webcam auf dem Bett rekelte.

„Toller Hecht 23“, auch wenn der Name es nicht vermuten ließ, schien anders zu sein. Er interessierte sich für Ihre Hobbys und für ihre Gedanken zu sämtlichen Themen. Ihre alltäglichen Chats erfüllten sie mit Freude.

„Hey Püppchen, wie geht es dir? Hattest du einen anstrengenden Tag?“

Sie kicherte wie ein kleines Mädchen über die Anrede: „Ach…, nur drei Heiratsanträge und einen 10 km Lauf. Bei dir? “

„Nur drei? Die Männer bei dir müssen blind sein.“ Ihr Herz schlug schneller. „ Bei mir ist alles tipi topi, jetzt, wo wir texten. Chef war heute bisschen nervig, war die ganze Zeit in meiner Nähe…. Pause war da heute nicht drin.“

„Ja, das kenne ich. Mein Chef lässt mich auch nie in Ruhe.“

„Hahahaha….., ja, das kann ich mir vorstellen. Würdest du bei mir arbeiten, würde ich dich auch nicht in Ruhe lassen ;) `

Sie strahlte über das ganze Gesicht. Auch wenn seine Texte manchmal etwas flach erschienen, erwärmten sie ihr Herz und schmeichelten ihr.

„Püppchen, sag, wie war es bei deiner Oma? Geht es ihr besser?“

„Leider nicht, sie kann nach Ihrer Hüft- OP immer noch nicht aufstehen und hat immer noch starke Schmerzen. Wir machen uns alle unglaubliche Sorgen um sie. Es ist stressig für sie und für uns, da immer jemand bei ihr sein muss und wir den Arzt fast täglich anrufen. Ich gebe langsam die Hoffnung auf, dass es nochmal besser wird.“ L

„Heyyy, bitte nicht traurig sein. Ich ertrage es nicht, wenn diese schönen Augen weinen.  Ich kann dich ja leider nicht umarmen und trösten…. Wir sollten uns wirklich mal treffen!!! Vielleicht zum Joggen!..... Aber ich habe eine kleine Geschichte für dich, die dich eventuell aufmuntert.“  

Sie war gerührt von seiner Anteilnahme. Sie hatte das Gefühl, dass sie ihm alles hätte erzählen können. Er würde immer für sie da sein. Sie malte Herzchen auf ein Blatt.

„Also neulich habe ich meine Nachbarin gesehen, ich weiß gar nicht wie die heißt, naja…. Ist auch egal, wie sie sich so durch unsere Eingangstür geschoben hat mit zwei vollen Einkaufstüten fast nur mit Keksen gefüllt. Ich glaube ein Alibi- Salat war auch noch drin. Eine wahre Kugel ist sie, ein richtiger Brummer, mit einem engen Top und einer Leggings an. Du solltest ihr unbedingt einmal Modetipps geben. Ihr Anblick tat schon echt in den Augen weh. Jede Speckfalte war deutlichst zu erkennen. Würg.  Auf jeden Fall kam der kleine Junge von oben gerade die Treppe herunter  und versuchte sich zwischen Wand und ihr vorbeizuquetschen, da drehte sie sich auf einmal zu mir um und blickte mich durch ihre fettige, schwarze Brille  mit roten Herzchen am Brillenrahmen an. Dabei hat sie den Armen, kleinen Jungen zwischen ihrem Po und der Wand fast zerdrückt. Hahhahahaha…. Unglaublich! Der arme Junge hat fast keine Luft mehr bekommen. Und sie? Was macht Sie? Stell dir vor, sie hat es nicht mal bemerkt!!!! Hahahahahahaha…… Das einzige, was sie zu mir sagte war:“ Was glotzt du denn so?“ dann ist sie einfach in ihrer Wohnung verschwunden. Der arme Junge hat erstmal `n Eis auf den Schock von mir bekommen. Hhahahahahaha …. Kannst du dir vorstellen so fett zu sein, dass du nicht mal mehr merkst, wenn du einen Jungen einquetschst?“

Sie antwortete nicht mehr, sondern klappte einfach ihren Laptop zu. Ihr Herz schien nicht mehr zu schlagen. Die Kekspackung war auch schon wieder leer und es war dunkel geworden. Dennoch konnte sie  ihren Schatten im Spiegel sehen, eine kugelige Silhouette einer Frau mit langen, braunen Haaren und einer großen schwarzen Brille mit roten Herzen am Brillenrahmen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.09.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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