Hella Schümann

Emden

Todmüde kam ich gestern von der Tagesfahrt nach Emden und Greetsiel zurück. Morgens um 3:30 Uhr klingelte der Wecker. Ich hatte nur 3 Stunden geschlafen. Dann am Bus sprach mich gleich eine Frau an und wir konnten uns sogar zusammensetzen, das erste Mal seit langem dass ich bei so einer Unternehmung Unterhaltung hatte. So fing die Fahrt schon mal gut an. In Emden war ich dann wieder allein, weil die Anderen nach Norderney wollten. Da ich ja immer fotografiere, war das auch gut so. Am interessantesten war der Ratsdelft für mich. Das Sonnenlicht warf tolle Spiegelungen ins Wasser, sodass ich 350 Fotos mit nach Hause brachte. Als ich dann mal in die Fußgängerzone wollte und dort die Kamera hob, um zu sehen, ob sie ein lohnendes Fotoobjekt wäre, entstand plötzlich ein Geschrei. Eine sehr speziell aussehende ältere Frau rief nach der Polizei und fing an, mich zu beschimpfen, weil ich ein Foto von ihr gemacht hätte. Nun weiß ich, dass man nicht einfach Menschen fotografieren darf, ohne sie zu fragen. Allerdings kann man mehr als 4 Leute aufnehmen, wenn keiner davon im Fokus steht. Ich habe aber nicht fotografiert, weil dort auch ein Obdachloser saß, der statt Schuhen Plastiktüten an den Füßen trug und so etwas Trauriges fotografiere ich nicht. Die Frau aber werde ich mal beschreiben: Sie war ganz in Rosa gekleidet, hatte die Haare mit vielen kleinen Knoten gebunden und Schleifchen im Haar, natürlich auch in Rosa und sie schien schon ziemlich alt zu sein. Als ich die Straße dann wieder zurückkam, hielten zwei junge Frauen die Hände hoch und sagten lachend: „Nicht fotografieren.“ Sie hatten die Geschichte beobachtet und entschuldigten sich dann für das Verhalten der Frau. Ich hatte das gar nicht ernst genommen, denn mein Gewissen war rein.

Zum zweiten Frühstück saß ich am Museum für Landesgeschichte, denn dort gab es ein Cafe und einen Laden und als ich sah, dass die ältere Dame am Nebentisch ein leckeres Stück Pflaumenkuchen mit Sahne aß, bestellte ich das Gleiche. Dann bemerkte ich, dass sie jedes Mal lächelte, wenn mir auch danach zu mute war, weil jemand vorbeikam, der besonders anders aussah. So kam ich mit der Dame ins Gespräch und sie erzählte aus ihrem Leben und war mir sehr sympathisch; eine sehr wache, intelligente Frau, die das Leben genießt und daran teil hat und das mit 84 Jahren.

Ich konnte mich mal wieder nicht vom Wasser lösen und so wanderte ich dort entlang, immer mit der Kamera im Anschlag, bis ich zu einem großen Boot kam auf dem sich gerade zwei Männer verabschiedeten. Ich glaube es war der Heringslogger im Emder Museumshafen. Auf meine Frage, ob ich mal an Bord kommen dürfe um zu sehen, ob auf der anderen Seite des Schiffes auch Spiegelungen zu sehen wären, kam ich nun mit dem Tischler des Schiffes ins Gespräch. Ein schönes Gefühl, auf einem Schiff über das Schiff zu reden und er interessierte sich sogar für meine Fotos. Er war dabei, die Hölzer zu streichen und hatte auch einiges zu restaurieren.

So ging der Besuch in Emden mit vielen interessanten Begebenheiten zu ende.

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