Loreen Xibalba

Tag 103, 26.09.2022: Teelichter

Nachdem sich unsere Gasrechnung zum 01.01.2023 versechsfachen wird, bemühen wir uns gerade um Alternativen. Wie sich das für ordentliche "Verschwörungstheoretiker" gehört, haben wir uns für den Notfall eine Petroleumheizung und einige Teelichtöfen besorgt. Das mag verrückt klingen, aber bei einer künftigen Heizkostenbelastung von rund 500 EUR monatlich muss man kreativ sein. Natürlich wettern die Zeitungen schon gegen Menschen, die sich in ihrer Verzweiflung um Alternativen bemühen: Die Elektroheizer sind böse, weil sie unsere Stromversorgung gefährden. Und den Teelichtheizern sagt man nach, sie seien zu dumm für die Analyse betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge. So berichtete unsere heimische Lokalzeitung am vergangenen Samstag „aus gegebenem Anlass“ vom Ausbruch eines Feuers in Tuttlingen. Der Brand sei entstanden, weil eine Familie ihre Teelichtöfen während ihrer Abwesenheit habe weiterbrennen lassen. Dabei sei eine heiße Porzellanschale zerbrochen und auf eine brennbare Unterlage gefallen. Grund genug für unseren Lokalreporter, sich über die dummen Teelichtbrenner das Maul zu zerreißen. Die Öfen seien wirtschaftlich fragwürdig und hochgefährlich, zitierte der Schreiberling einen Feuerwehrmann. Wenn man damit einen Raum von sechzehn Quadratmetern beheizen wolle, benötige man rund 30 kleinen Kerzen. Eine echte Heizung erbringe eine Leistung von ca. 2000 Watt und zum Erwärmen eines Raumes benötige man 75 Watt. Ein einzelnes Teelicht bringe es hingegen bloß auf 40 Watt. Und so weiter.

Abgesehen davon, dass nach dieser Rechnung schon zwei Teelichter genügen würden, „um einen Raum zu erwärmen“, hat der Verfasser wohl nicht bedacht, dass „echte“ Heizungen nach einem völlig anderen Prinzip funktionieren als eine Kerze: Möchte ich meine Wohnung zum Beispiel mit Hilfe einer Erdgasheizung erwärmen, heizt sich das Wasser zunächst im Brenner auf und wird anschließend mittels einer Umwälzpumpe durch ein Leitungssystem bis zu den Heizkörpern transportiert. Es gibt also Energieverluste beim Erwärmen des Wassers, bei seinem Transport durch die Leitungen und beim Pumpen. Sprich: der Wirkungsgrad einer „echten“ Heizung dürfte im Vergleich mit einem Teelichtofen eher gering ausfallen. Dafür hat die „echte Heizung“ den Vorteil, dass man sie an einem zentralen Punkt des Hauses installieren und von dort aus alle Räume mit Wärme versorgen kann. Sogenannte Teelichtöfen haben wiederum den Nachteil, dass sie in dem Raum, den man erwärmen möchte, Sauerstoff verbrennen und dort für eine schlechtere Luft sorgen. Entsprechend frotzelte unser Lokalreporter in seinem Artikel, dass die mühsam erzeugte Wärme spätestens nach dem Lüften wieder weg sei. Dem ließe sich entgegenhalten, dass auch eine „echte“ Heizung für schlechte Luft sorgt, und sich auch die Heizwärme der besten Anlage noch nicht als resistent gegen Winterkälte erwiesen hat. Außerdem gilt, wie der Name schon sagt: Brenner verbrennen Sauerstoff. Wenn auch vielleicht an Stellen, an denen die Menschen weniger atmen.

Wir haben unseren ersten Teelichtofen am Samstagmorgen eingeweiht. Zuerst war ich äußerst skeptisch, was dessen Wirksamkeit anbelangt. Doch, wie gesagt, Not macht erfinderisch. Wenn man sich die Heizkosten also nicht mehr leisten kann, muss man nach Alternativen suchen, die einen irgendwie vor der schlimmsten Kälte bewahren. Den Teelichtofen haben wir mit vier Kerzen über einen Zeitraum von ca. vier Stunden betrieben. Nach einer Vorwärmzeit von etwa einer Viertelstunde strahlten die Töpfe eine angenehme Wärme ab, und wenn man die Tonoberfläche mit den Händen berührte, fühlte sich das ungefähr so an, als würde man die Oberfläche eines auf vollen Touren laufenden Heizkörpers anfassen. In unserem Wohnzimmer wurde es zwar nicht wirklich warm. Dafür sorgte eine gewisse Überschlagwärme dafür, dass wir im Haus nicht allzu sehr frieren mussten. Gegen Mittag lugte dann die Sonne hinter den Wolken vor und tat ein Übriges, damit wir uns zu Hause wohl fühlten. Wir haben nämlich den Vorteil, dass sich entlang der Südseite unseres Wohnzimmers eine breite Glasfront erstreckt, die bei Sonnenschein und offenen Rollläden weitere Heizmaßnahmen obsolet macht. Dafür gibt es im Gebäude absolut keine Möglichkeit einen Schwedenofen oder dergleichen zu installieren: Uns fehlt eine freie Wand zum Stellen des Ofens und eine Fassade, an der man ein Abgasrohr befestigen könnte. Abgesehen davon, fänden wir nirgendwo Platz für Brennholz. Als letztes Mittel bliebe höchstens die Installation einer Photovoltaik- oder Solaranlage, zumal wir den Glauben an strombetriebene Gerätschaften verloren haben: Wärmepumpen oder dergleichen kommen uns nicht ins Haus, ebenso wenig wie Elektroautos, E-Bikes und anderer Schnickschnack.        

Ich bin gespannt, wie sich die grüne Zeitenwende anfühlen wird, wenn der Winter einmal an Fahrt aufnimmt. Meine beiden Söhne – beide Feuerwehrmänner – rechnen damit, dass die Häuserbrände drastisch zunehmen werden. Doch nicht nur das wird geschehen: Schon berichten die ersten Zeitungen über Kohlenmonoxidvergiftungen, weil Frierende auf die dumme Idee gekommen sind, in ihrer Wohnung einen Grill anzuzünden. Es soll sogar schon Tote gegeben haben. Ich finde, man sollte solche Irrungen nicht belächeln, sondern lieber einmal hinterfragen, wem dieser ganze Irrsinn nützt und ob nicht alle Verletzten, Toten und brennenden Häuser auf dem Konto unserer vom Wahnsinn beseelten Regierung verbucht werden sollten. Letztlich haben wir derzeit zu lernen, dass es sich bei der Bundesrepublik Deutschland um einen Industriestaat handelt, der seinen Wohlstand nur erhalten kann, wenn er weiterhin günstige Rohstoffe aus Russland bezieht. Ohne diese Rohstoffe drohen uns die vollkommene Deindustrialisierung unseres Landes und ein Rückfall in Zustände, die wir uns nicht einmal in unserer wildesten Fantasien ausmalen können. Einen Vorgeschmack auf diese kommenden Zeiten erleben wir Bürgerinnen und Bürger schon jetzt, wenn wir unsere Heizrechnungen anschauen oder in unbeheizten Supermärkten vor uns hin frieren. Jemand hat entschieden, dass Europa in der Weltwirtschaft keine Rolle mehr spielen soll. Und dieser Jemand sitzt nicht in Russland. Wenn die Menschen das nicht begreifen, werden sie sich schon im nächsten Jahr in einem Alptraum wiederfinden, gegen den die Corona-Hysterie wie ein läppisches Präludium zu einer großen Fuge des Niedergangs anmuten wird.

Der „rechte Verschwörungstheoretiker“ Julian Reichelt hat heute ein Video veröffentlicht, in dem er die steigenden Energiepreise als Vorboten einer sich anbahnenden Nahrungsmittelkrise deutete. Schon jetzt, so Reichelt, seien die Tafeln kaum noch in der Lage den steigenden Bedarf an billigen Nahrungsmitteln bei den unteren Einkommensgruppen zu decken. So reihten sich nunmehr nicht nur Arbeitslose in die Schlangen vor den Essensausgabestellen, sondern auch Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit ihrem Einkommen nicht mehr bestreiten könnten. Julian Reichelt mag zwar ein Propagandist sein, der die Techniken der Massenmanipulation von der Pieke auf gelernt hat. Dennoch trifft er mit seiner Analyse ins Schwarze und dürfte schon bald von der Geschichte bestätigt werden.

Dazu passt mein heutiger Rückblick in die Vergangenheit. So titelte am 26.09.1922 die sozialdemokratische Zeitung DIE FREIHEIT die Schlagzeile „Die Ernährungskatastrophe“ und berichtete im Text über eine Tagung des Landesgesundheitsrats, bei der die Konsequenzen von Mangelernährung erörtert wurden. Die Fragen, die sich die Tagungsteilnehmer stellten, sollten uns zu denken geben. Sie lauteten:

  1. Wie wird bei der volkswirtschaftlichen Bearbeitung von Ernährungsfragen in der Verwaltung am zweckmäßigsten der Volksgesundheit Rechnung getragen?
  2. Welche Nahrungsmittel und Nahrungsmittelmengen müssen vom Standpunkte der Gesundheitspflege unbedingt bereitstehen?
  3. Welche Gesundheitsschädigungen sind zu erwarten, wenn diese notwendigsten Nahrungsmittel nicht in auseichender Menge zur Verfügung stehen?
  4. Welche Gefahren bestehen bei unzureichender Lebensmittelversorgung für die öffentlichen Krankenhäuser und für ähnliche öffentliche Anstalten?

Ich möchte dem Katalog noch eine weitere Frage hinzufügen, die mit Ernährungsfragen nichts zu tun hat, nämlich: Warum erinnerten die Wahlplakate der SPD in ihrem Design bei der letzten Bundestagswahl so frappierend an die Wahlplakate der Weimarer Republik?            

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