Elke Müller

Amerika....

Eine Träne rollte Salida plötzlich über die Wange. Sie wischte sich über die Augen. Wut und Verzweiflung stieg in ihr hoch. Akamos hatte geglaubte verschüttete Erinnerungen wieder bei ihr an die Oberfläche gebracht. Tränen sammelten sich erneut in ihren Augen. Ihre Gedanken gingen zurück zu all den Toten. Die Weißen haben so viel Leid über ihr Volk gebracht. Sie fielen in der Morgenstunde über das kleine schlafende Lager her. Ohne Rücksicht wurde alles Leben erbarmungslos vernichtet. Erneut sah sie Akamos noch klein, misstrauisch und ungelenk herum tapsen und dann weinend zwischen leblosen Körper sitzend. Seine Mutter war tot, so wie viele anderen um sie herum auch. Ihre Angst war groß. Blindlings mit pochendem Herzen, flüchtete sie so schnell sie konnte, den Jungen fest an sich gedrückt, auf den Wald zu. Irgendwann nach diesem irrsinnigen Lauf blieb sie keuchend stehen. Sie hatte Seitenstechen und bekam kaum noch Luft. Hörte einige Verfolger, welche schnell näher kamen. Auch sie fällt mit dem Kind in die Hände der verhassten weißen Feinde und sieht voller Angst einer ungewissen Zukunft entgegen. Man trieb den kläglichen Rest der noch Lebenden zusammen. Panik stand in dessen Gesichtern. Sie waren hilflos ihren Feinden ausgeliefert, waren Gefangene ohne Schutz und Rechte. Sie waren Gegenstände geworden, mit denen man machen konnte was man wollte. Jetzt hieß es Vernichtung oder Wandel, sterben oder lebendig anpassen. Vor ihren Augen, skalpierte so manch Weißer die Getöteten. Darunter ihre eigene Familie. Sie schloss die Augen für einen Moment. Gedanken schwirrten durch ihren Kopf. Erneut stieg Wut und Verzweiflung in ihr hoch. Warum ging es so ungerecht zu in dieser Welt. War man dagegen machtlos? War es sinnlos sich dagegen zu wehren? Es widersprach ihr kämpferischem Naturell. Konnte es sich nicht so recht erklären. Diese Männer lachten und scherzen, prahlten von ihren Heldentaten und musterten vergnügt die gefangenen Frauen. Es war eine Gruppe die aus Langeweile eine Bestätigung suchten. Das kleine Lager war dazu geeignet. Ihre Beute teilten sie sich untereinander auf. Einer starrte sie an und Habgier lag in seinen Blick. Mit einem verächtlichen Grinsen packte er ihren Arm, riss sie hoch und schob sie vorwärts. Sie taumelte vor Angst vorwärts. Was geschah jetzt wohl mit ihr ? Jemand stellte sich ihnen mit einem anzüglichen Grinsen entgegen. „ Was habt ihr vor mein Freund, mit der Frau und dem Kind ?“ „ Weiß noch nicht recht. Benötige jemand der für mich die Hausarbeit macht.“Die wird dir höchstens davon laufen. Lass uns doch lieber tauschen.“ Dabei wechselte beide einen vielsagenden Blick. Unter dessen, senkte Salida den Blick, unter ihren langen Wimpern suchte sie fieberhaft nach einer Möglichkeit zur Flucht. „ Oliver, überlege mal… die Frau ist jung und schön, eine Indianerin und Gefangene. Sie bringt dir bei einem Verkauf bestimmt einiges Geld ein und der kleine Balg kommt …“ „ Was bietest du mir ?“ Der andere Mann lachte abfällig, sah das plötzliche aufblitzen in dessen anderen Augen. „ Ein Goldstück, mehr nicht.“ „ Zwei.“ „ Abgemacht.“ Um sie zu demütigen, trug sie schmutzige Kleidung, was sie sehr anekelte. Sie kümmerte sich zwanghaft um alltägliche Dinge. Jede Kleinigkeit lenkte sie von ihrem Peiniger ab. Dieser hatte immer die schlechte Laune eines Stinktieres. Sie hatte sich in all den schrecklichen Jahren viel Mühe gegeben um Akamos so viel Liebe wie möglich zu geben. Als er größer wurde, war er stets darauf vorbereitet zu kämpfen oder davon zulaufen, dazu hatte er schon zu viel durchgemacht. Er hat nie viel gesprochen und ließ sich nie etwas anmerken. Aber wenn er sich einmal etwas vorgenommen, dann zog er es bis zum bitteren Ende durch. Ein zaghaftes lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Sie erhob sich mit einer stolzen anmutigen Bewegung. Es fehlte an Holz, so verließ sie das Tipi um den Bestand aufzufüllen. Danach wollte sie an einem Kleid weiter arbeiten.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.10.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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