Günter Weschke

Das Schafkopfen

Ach wie schön ist es in Bayern,
Kirchenwirt und Feste Feiern.

Ja, die Bayern sind ein fleißiges und gottesfürchtiges Völkchen, die gern am Sonntag, nach dem Gottesdienst, in den Kirchenwirt gehen.
Hier wird politisiert, getrunken, geschafskopfelt und über “die da Oben” gelästert.
Die niedrige Gaststube ist schnell gefüllt und am Tresen stehen die, die immer am Tresen stehen. (noch)
Es geht recht laut zu, denn es gibt viel zu diskutieren.
Der Herr Bürgermeister hatte angeregt, endlich die alte lehmige Dorfstraße zu erneuern, an jedem Regentag, verwandelte sie sich in eine schlammige Rutschbahn.
Unter dem Motto, “Unser Dorf soll schöner werden”, hatte er angeregt, dass jeder Anlieger, einen gewissen finanziellen Anteil übernehmen  sollte. Natürlich brachte das die Bayern in Rage, und wenn ein Bayer in Rage ist, schützen auch die fettesten Lederhosen, rein gar nichts.
Also machte man sich auf den Weg zum Bürgermeister, um hier wieder Recht und Ordnung zu schaffen. Na ja, Mistgabeln hatten sie keine dabei, es sollte also friedlich zugehen.
Nachdem der Bürgermeister den Papierkorb, den er sicherheitshalber gegen die Bürotür gelehnt hatte, wieder an seinen, dafür vorgesehenen Platz gestellt hatte, nämlich unter den Schreibtisch, öffnete er vorsichtig die Tür zu seinem Büro und herein quoll der Groll der Bauern.
Es waren der Kirchenwirt, ihm folgten der Ober und der Unter Bauer, sie machten mächtig viel Lärm, hatten sie sich doch vorher beim Kirchenwirt schon so in Rage geredet und auch gesoffen, dass sie jetzt dieses Ventil  öffnen mussten, um endlich loszuwerden, was sie so sehr beschäftigte …äh, ja, was wollten wir hier eigentlich?
Ach ja, also, Karl, so geht es nicht, du kannst jetzt nicht einfach etwas bestimmen und wir armen Bauer sollen dann die Zeche zahlen.
Karl verschaffte sich etwas Ruhe und sagte dann, Leute, seit mehr als hundert Jahren, wurde an dem Fahrweg nichts erneuert, so kann es aber nicht weitergehen. Wenn wir unser Dorf schöner machen wollen, muss einfach dieser Weg, durch eine richtige Straße ersetzt werden.
Ihr seit doch die Nutznießer davon.
Und denkt auch einmal daran, dass in absehbarer Zeit dann auch Touristen zu uns kommen werden.
Aber Karl, gab der Unter Bauer zu bedenken, wir drei sind doch die Einzigen, die für die neue Straße aufkommen müssen, alle anderen liegen doch abseits davon, sind damit auch keine Nutznießer.
Das können wir alleine nicht Stemmen.
Karl ging zum alten Eichenschrank und entnahm ihm eine Flasche Branntwein, stellte auch vier Gläser auf den Tisch, goss sie voll und prostete den anderen damit zu, sie taten es ihm nach.
Also, fragte der Bürgermeister, was schlagt ihr vor?
Die Drei sahen sich verdutzt an, wie, wir sollen etwas Vorschlagen?
Ja, sagte Karl, ich möchte das jetzt nicht alleine über die Bühne bringen.
Also ???  Na ja, meinte der Ober Bauer, wir könnten eine Tombola machen, oder auch Lose Verkaufen, auch in der nahen Stadt, da werden dann auch diese Leute herkommen.
Was haltet ihr denn davon, wenn wir beim Kirchenwirt, ein Schafkopfen -Turnier veranstalten, es können alle Mitmachen, aber ein jeder muss für jede Runde einen bestimmten Betrag einzahlen.
Das hört sich ja nicht schlecht an, es müssten aber wenigstens zweihundert Personen daran teilnehmen. Im Kirchenwirt kann der große Saal mit Tischen vollgestellt werden, an denen dann gespielt wird.
So ein Turnier kann ja über eine Wochen gehen und der Gewinner bekommt als Prämie eine große, fette Sau.
Sie redeten sich in Eifer und waren alle dafür.
Der Bürgermeister musste in der Kreisverwaltung einen Antrag dazu stellen, der aber ohne Widerspruch genehmigt wurde.
In der Bayerischen Presse wurde das Turnier groß angekündigt und so geschah es, dass sich mehr als Fünfhundert Menschen aus Nah und Fern, zum Turnier anmeldeten.
Florian, dem Dorfpolizisten, standen die Haare zu Berge, Ja, seits denn Deppert? Wie soll das gehen? Mir san völlig allon, i bin völlig allon.
Die kimma doch alle mit ihren Autos zu uns und one Stroaß dafür ham wia nett.
Ja mei!
Ob der Herr Pfarrer da helfen kann?
Hochwürden wurden alle Pläne vorgelegt, es wurde beraten und gesoffen, nein, denn ohne Trinken geht es wirklich nicht.
Selbst als Hochwürden den HERRN befragte, gab es keine Lösung.
Als Seppl Franzl davon hörte, er war als Wald - Wirtschaftler ortsansässig tätig und war als ein Stehfester Trinker gern beim Kirchenwirt gesehen, sagte er zu sich, ja leck mia am Orsch, so kann es nicht gehen.
Beim Bürgermeister beantragte er die Aufhebung der geplanten Veranstaltung, dafür aber ein Schafkopfen unter allen Beteiligten, also aller Anwohner von Droambusch.
Jetzt waren auch alle Anderen damit einverstanden und so kam es, dass an einem Wochenende dieses Turnier stattfand.
Gleich nach dem Gottesdienst ging es zum Kirchenwirt, (der war eigentlich der einzige Richtige Gewinner, sein Umsatz stieg enorm) hier ging es nun aber hoch her, die Karten waren gemischt und das Spiel begann.
Nach sechs heiß umkämpften Stunden, stand der Gewinner fest, es war der Herr Pfarrer, er hatte nicht nur gewonnen, er hatte auch alle anderen unter den Tisch gesoffen.
Als die Siegerprämie überreicht werden sollte, gab es keine, man hatte schlichtweg vergessen, wer der Spender hätte sein sollen und da sich niemand dazu bereit erklärte, mussten die Fäuste für eine Klärung sorgen.
Ja mei!
Die alte Dorfstraße blieb wie sie war und so hatten die Bauern an jeden Sonntag nach dem Gottesdienst einen guten Grund, zum Kirchenwirt zu gehen, um darüber zu diskutierten.
Ja mei!
 

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