Brigitte Waldner

Der Jussuff


Der Jussuff hat mich heute ausgetoggert,
niedergeschneckt, ausgelacht,
persönlich angegriffen, massiv,
und verlangt, ich soll hundert Euro bezahlen,
mich bei meinen Nachbarn entschuldigen
und mich total eingeschüchtert.
Er unterstellte mir eine große Menge,
wegen der Eier, die mir der Nachbar auf die Fassade,
auf den Balkon und auf das Dach geschmettert hatte.

Wurde er von den Nachbarn bestochen?
Ich bin das Opfer.
Er hätte die Aufgabe, zu de-eskalieren.
Hat mich als Täter hingestellt.
Hat mir mit Anwalt und Gericht gedroht,
wenn ich mich seinen Anweisungen nicht füge.
Er sagte, er habe mit Karlii gesprochen
und der sagt nix Gutes über mich.
Ich sollte mir anhören, was er über mich sagte.
Ich habe gesagt, das will ich nicht hören,
das kenne ich eh schon tausendmal,
wie er mich überall schlecht macht.

Der Jussuff hat mir mein Polizeiprotokoll gegen die Ohren
geschlagen - verbal - und meine Aussagen belacht.
Der Jussuff hat gar kein Recht dazu.
Ich habe dem Jussuff sofort den Vorschlag gemacht,
Karlii soll 55 Euro ans Tierheim spenden
in meinem Namen. Das kostet ein Kübel Fassadenfarbe,
als Tatausgleich.
Der Jussuff hat den Vorschlag nicht angenommen.
WARUM?

Nachdem ich von Jussuff heute eine ganze Stunde traktiert worden war,
sadistisch frauenfeindlich und opferfeindlich,
bin ich aufgestanden und gegangen.
Dann hat er mir noch eine Drohung hinterhergerufen.
Das würde den Rahmen sprengen, wenn ich das hier beschreibe.
Wer soll den Jussuff ernst nehmen?
Der war zugedröhnt, glaube ich.
Ich geh dort nimmer hin zum De-Eskalationsbüro.
Der ist nicht koscher.
Er kommt auf keinen grünen Zweig.

Der Jussuff hat heute massiv eskaliert.
Der hat mir das Gehirn zu verdrehen versucht,
und gemeint, für mich wäre es besser,
wenn ich nicht mehr auf der Welt wäre.
Ich sei nichts wert und meine Nachbarn das Feinste,
wo gibt. Ich bin nicht normal und sehr dumm und ungebildet.
Die Nachbarn mögen mich nicht,
Kinder und Mann habe ich auch keinen
und mein Grundstück bin ich auch nicht bereit,
dem Karli zu verkaufen.
Und Karlii sei nix vorbestraft.
Ein anständiger Mensch. Fleißig. Er arbeitet viel.
Er habe niemals nie keine Fußfessel nicht jemals gehabt.
Ich bilde mir nur ein, dass ich sie gesehen habe.

Der Karlii macht halt manchmal „Bleeedsinn“,
wenn er betrunken ist. Das gäbe er ja zu.
Aber das maaacht ja nix. Ich bin die „Bessse“ (Böse).
Lauter so dummes Zeug hat der Jussuff geredet.

Der Jussuff hat mich heute zum Eierwerfen aufgefordert
gegen ein Haus in der Stadt, visasvis von seinem Eskalationsbüro.
Er sagte: „Das schaffen wir auch noch.“
Was hat der genommen?
Ich hätte ihn gerne gefragt, welche Drogen er
von den Nachbarn bekommen hat,
hab mich aber nicht getraut.
Ich habe ihn dreimal gefragt:
„Was wollen Sie von mir, was ich machen soll?“
Es kam kein vernünftiges Gespräch mit dem Jussuff zustande.
Der De-Eskalierer war wie ein falsch gesteuerter Roboter.
Mit dem war nicht zu reden.
Ich sollte zu allem ja und amen sagen,
was er mir unterstellte.
Und so wie ich einen Satz begann, seine Anschuldigungen zu widerlegen,
hat er mir den Satz schon abgewürgt.
Zum Glück habe ich nach einer Stunde durchschaut,
dass er nur ein Ziel hatte, mich zu beseitigen.
Dann bin ich gegangen.
Dann habe ich für 2 Minuten Parkzeit überziehen noch 1,50 nachzahlen müssen.

Das nennt man in Österreich DE-ESKALIEREN mit Experten.
Die haben mir einen mutmaßlich drogensüchtigen Experten aufs Auge gedrückt.
So kam er mir vor. Ich bin komplett schockiert.

© Brigitte Waldner

 

Ich war dem Jussuff relativ gewachsen, aber er mir absolut nicht.
Er wollte mich in den Sack stecken.
Ich habe schon eine Rechtsauskunft eingeholt,
das war nicht korrekt, was der Jussuff mit mir machte.
Es war mutmaßlich eine Nötigung. Er ist mutmaßlich bestochen worden dazu.
Er hat mir ja auch gesagt, der Täter sei vorstrafenfrei. Und das stimmt ja nicht,
der ist mehrfach vorbestraft,
hat noch Bewährungsfrist außerdem und ist kein kleiner Fisch.
Und das hat mich stutzig gemacht.
Die Alarmglocken haben während der ganzen Sitzung bei mir geläutet.
Ein Glück, dass ich weggelaufen bin.
Brigitte Waldner, Anmerkung zur Geschichte

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