Elke Müller

Amerika....

Der Reiter sah schon von weitem das Appalachian - Gebirge. Er ritt um die nächste Biegung, links von ihm blieb der Wald zurück und im Tal versteckt standen schemenhaft die Zelte. Unruhig warf der Hengst seinen Kopf. Leise wieherte er. „ Ruhig,“ sagte sein Reiter. „ Hab dich nicht so!“ Er hielt den Hengst an und stieg aus den Sattel. Sprang über einen kleinen Graben und blieb versteckt bei einer Gruppe von Kiefern stehen. Der Mond schien noch hell genug um die Umgebung zu erkennen. Es war noch genügend Zeit bevor es hell wurde. Er saß wieder auf und trieb seinen Hengst an. Die aufgestellte Wache sollte nicht zum warnen kommen. Er suchte nach einem sich geeignetes Versteck. Erst später wollte er sich zu erkennen geben. Ein zurück nach einem zu Hause. Umkehr kam nicht in Frage. Unter einem Felsvorsprung machte er halt. Sie kannten sich sehr genau, der Rotfuchs mit weißen Strümpfen und der Mann. Er strich über die lange Mähne und kraulte ihm hinter dem Ohr. „ Es gibt gleich etwas zu fressen.“ Nahm Sattel und Zaumzeug ab, gab dem Tier ein Zeichen und es trollte sich. Er suchte verstreut liegendes Trockenholz zusammen und machte ein kleines Feuer. Hunger hatte er keinen. Streckte die langen Beine der Wärme zu. Wenn er Holz nachlegte spiegelte sich sein Schatten kurz an der Felswand wieder. Er nahm einen kräftigen Schluck Quellwasser aus seiner Trinkflasche. Holte ein Säckchen Tabak aus der Hosentasche und drehte sich eine Zigarette. Sinnend schaute er dabei in die Flammen. Seine Gedanken wanderten zurück, zu einem Zeitpunkt, als immer mehr Einwanderer, gierig nach neuem Land und Möglichkeiten, nach Westen zogen. Die Indianer verteidigten aggressiv ihre Freiheit, stand doch ihr Land auf dem Spiel. Hier lebten und waren ihre Vorfahren begraben und ihre Kinder aufgewachsen. Dies machte in den Augen der Siedler sie zu Feinden und Wilden. Keine Schuldgefühle, keine Demut. Einfach seelenlos, unberührt von den Kämpfen und den tiefen, echten Kummer darin. Mit diesem verzerrten Bild war die Vertreibung der Indianervölker im Osten bereits voll im Gange. Widerstand erfolgte noch von den dort lebenden Völker unter ihrem größten Anführer. Sein Name war Tecumseh.
Trotz alldem, dem Wolf ist es egal, wenn die Schafe blöken. Im Krieg gewinnt nur eine Seite. Aber man starb. Starb noch am letzten Tag dieses Krieges, in letzter Minute sogar. Wie viele Minuten zählte ein Krieg? Wann hört er endlich auf? Leider war die Uneinigkeit der Stämme und ihre Unfähigkeit einzusehen, dass nur ein gemeinsamer Kampf aller Indianer langfristig die Perspektive bot, den Landraub der weißen Siedler aufzuhalten und ein indianisches Territorium zu sichern. Doch diese Sichtweise überforderte die meisten Häuptlinge. Ihr Land wurde erobert, sie wurden vertrieben und müssen auf unfruchtbarem Land unter der Knute der Eroberer leben. All dies geschah jetzt auch im Westen und Süden. Ihre Rechte ignoriert, geschlossene Verträge beendet und durch sie Assimilation wurde dafür gesorgt, das die Indianer aufhören, als gesetzliche, soziale, kulturelle, religiöse und rassische Einheit zu existieren. Überall gibt es eben Menschen, ohne jedes Gewissen, dachte er., und war wütend. Als ob es so beschwerlich wäre, etwas zu versprechen, wenn man entschlossen ist, nicht Wort zu halten.“ Er ekelte sich vor sich selbst. Presste die Lippen aufeinander. Ach, leckt mich doch alle...“ Drehte sich erneut eine Zigarette. Ich bin irgendwie einer von euch geworden, überlegte er, vielleicht lag es am Blut seiner indianischen Mutter. Sie war eine außergewöhnliche Frau gewesen. Ein Geräusch und gleich darauf ein schnauben des Hengstes. Plötzlich hob er den Kopf, die Ohren nach allen Seiten lauschend. „ Du wartest auf mich,“ sagte der Mann ruhig und stand auf. Etwas knurrte. Ein Schatten flog auf ihn zu. Winselte und jaulte in langen Tönen. „ Splinter? Alter Junge. Freut mich dich zu sehen. Zum Teufel, wie hast du mich gefunden?“ Er spürte einen Blick im Rücken. Drehte sich um. Sah verblüfft auf einen Jungen, nein jungen Krieger, kein kleines Kind mehr. Dieser lächelte. „ Ich musste mal raus.“ Nicken. „ Nach der Ratsversammlung… warum bist du gegangen?“ Redmon setzte sich ans Feuer zurück. Gab keine Antwort. Sah Akamos nur überrascht und nachdenklich an. Schüttelte den Kopf. Ich war so wütend. Auf mich und auf alles in der Welt. Wenn ich könnte, hätte ich dem Leben - den Handschuh nicht vor die Füße sondern mitten ins Lügengesicht geschlagen… Weißt du was politische Rattenfänger sind? Sicher nicht. Nun, sie spielen gern Krieg und Frieden. Bekommen Titel und tragen Schulterstücke. Ab da denken sie…“ Winkte ab.Also, je höher der Titel und dicker die Epauletten (Schulterstück mit unterschiedlichen Rang ), fühlen sie sich befugt Wahrheit als Lüge, das Unrecht als Recht zu bestimmen. So auch bei dem angeblichen Friedensvertrag im Fort Du Ququesne…. Ehrlich gesagt, es ist eine Eintagsfliege, wie mit allen Verträgen. Verstehst du? Ihr habt ein Land, was sehr große Begehrlichkeiten hegt, was besetzt und verteidigt werden muss!“ Darum wollen und müssen wir kämpfen,“ sagte Akamos trotzig. „ Euer Kampf ist sinnlos. Ihr seit Schutzlos.“ „Warum?“ „ Ihr könnt diesen übermächtigen Feind nicht mit euren Waffen schlagen. Ihr seit technisch und militärisch unterlegen.“ „ Dann besorge uns die richtigen Waffen.“ „ Dies ist unmöglich.“ „ Warum?“ „ Es ist zu spät! Ich bin mir sicher das es eure Häuptlinge bereits wissen.Heftig schüttelte Akamos seinen Kopf. „ Nein! Du lügst! Ich dachte du wärst unser Freund!“ schnauzte Akamos und ballte die Fäuste. Drehte sich um und stiefelte davon. „ Nein! Ihr selbst habt miteinander Schuld daran,“ rief Redmon hinterher. Akamos blieb stehen, kam zurück,Tränen in seinen Augen, hielt den Kopf gesenkt. „ Weshalb sollen wir Mitschuld haben? Ich verstehe nicht...Redmond lächelte. Ich kann dich verstehen, mein Junge. Als junger Krieger will man sich beweisen, zeigen was in einem steckt, seine ersten Lorbeeren verdienen. So war ich auch einmal.“ „ Hast du… auch Angst gehabt?“ „ Oh ja. Und wie.“ Er lächelte wissend. „ Schon als kleiner Junge. Später als Jugendlicher bekam ich öfter die Peitsche von meinem Vater zu spüren. Bei der Armee bei jedem Gefecht, egal gegen welchen Feind es ging, ob mit Pferd oder zu Fuß, die Angst zu sterben war immer da. Man durfte sie bloß nicht zeigen, sonst war es eine Schande und es gab ein hässliches Grinsen der anderen und deren schmierigen Hohn. Man hat lernen müssen zu warten, geduldig zu sein. Aber einmal bricht es aus dir heraus. Dann heißt es deine Ehre verteidigen ohne zu zaudern, auch wenn du den kürzeren ziehst… Was euch fehlt sind Erfahrungen, um Fehler zu vermeiden. Es ist schlimm von den eigenen Jagdgründen und Anbaugebieten vertrieben zu werden. Krankheiten breiten sich aus und der Alkoholismus wird zum Problem. Das Ziel ist jetzt Rache. Rache für den Verlust von Freiheit und für all der Gepeinigten, schonungslos, grausam. Im Gegenzug erhöhen die Siedler und die Armee ihre Vernichtungswut. Es werden feindliche Dörfer und Felder dem Erdboden gleich gemacht, Frauen und Kinder getötet. Siedlungen überfallen, um Gefangene zu nehmen. Wer die Verträge nicht akzeptiert, wird mit aller Härte verfolgt, eingeschüchtert und brutal behandelt und… ihre Anführer ermordet. Alles wird Hand in Hand von Unternehmen und der Regierung voran getrieben, um so Wohlstand und Macht der Eroberer zu sichern.“ Gemeinsames Schweigen. Mein Gott, dachte er, was haben wir an Vertrauen verloren, was wohl die Welt von uns denken muss. Gibt es noch eine Chance für unser Volk?,“ fragte Akamos. „ So eindeutig kann man es nicht sagen.“ Neben Akamos stand plötzlich Abigail. Legte seine Hand auf dessen Schulter. „ Ich bin traurig über das was ich sehe. Es ist zu spät für mich. Die jungen Krieger hören nicht auf mich. Zum Krieg bin ich zu alt…. Verfeindete Stämme haben sich beinah gegenseitig fasst ausgerottet mit Hilfe von Handfeuerwaffen. Aber auch so haben die meisten Stämme nicht erkannt, dass sie nur vereint noch eine Chance gegen die weiße Übermacht haben. Ein Pfeil lässt sich leicht zerbrechen, nimmt man mehrere davon wird es schon schwerer und noch mehr, geht es überhaupt nicht. Wir haben es verpasst eine große Allianz zu bilden, die stark genug wäre, den weißen Siedlern die Stirn zu bieten und so zum Frieden zwingen zu können.“ Aber einmal wird die vernichtete Heimat Vergangenheit sein und die nackte und bittere Wahrheit zeigen, was der Verlust von Freiheit bedeutet.“ e

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.10.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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