Helga Grote

Liebeskummer



Ein Tag wie im Bilderbuch. Azurblauer Himmel, flirrende Hitze in den Straßen. Sonne pur ! Sie aber muß büffeln für die anstehende Klausur. Endlos lange mathematische Formeln wirbeln durch ihren Kopf. Wenn nur die Wärme nicht wäre............!
Kurzerhand öffnet sie ihr kleines Mansardenfenster, dass einen Blick auf die umliegenden Gärten und die Straße frei gibt. Wie gebannt bleiben ihre Augen an dem offenen Fenster des gegenüberliegenden Hauses heften. Dort steht, genau wie sie, ein junger Bursche, der sich ebenfalls Frischluft zufächelt. Bislang hat sie ihn gar nicht wahr genommen. Aber heute...... Er schaut zu ihr herüber. Winkt ihr zu. Gibt ihr durch Zeichen zu verstehen, dass auch er mit der Wärme kämpft.Verstohlen senkt sie den Kopf. Gut, dass er ihre ins Gesicht steigende Röte aus der Entfernung nicht erkennen kann. Auf einmal ist nichts mehr so wie vorher. Schmetterlinge im Bauch verursachen ein Gefühlschaos hoch drei. Fühlt sich so verliebt sein an? Es müßte herrlich sein, Hand in Hand mit ihm durch die Straßen zu bummeln. Alles nur ein Traum? Trotzdem geht ihr dieser junge Mann nicht aus dem Sinn. Am nächsten Morgen die unerwartende Überraschung:  E R  wartet an der Gartenpforte. Spricht sie an. Seine sanfte Stimme läßt ihre Gefühlswelt in Aufruhr versetzen. Nur nichts anmerken lassen. Aber schon die ersten Worte bleiben ihr vor Aufregung im Hals stecken. Während sie ganz faszinierend von seinen braunen Augen ist, redet er beruhigend auf sie ein. Bald entsteht doch eine lebhafte Plauderei.  Verabredungen folgen und  für sie bricht eine aufregende Zeit an. Eisessen, spazieren gehen , fröhliches Lachen, Ungezwungenheit. 
Wochen, Monate fliegen wie im Flug dahin. Schon werden die Tage kürzer, dunkler. Die Temperaturen sinken ; bald werden weiße Flocken fallen. Nichts kann ihre traute Zweisamkeit erschüttern. Bis zu jenem nebligen Oktobertag. Wie jeden Morgen läuft sie ihm freudestrahlend entgegen. Doch sie spürt, heute ist etwas anders. Und das liegt nicht nur an der Temperatur. Sie hat sich nicht getäuscht, denkt sich aber nichts  dabei. Still umarmt er sie, hält sie dann aber auf Abstand. Ohne Worte blickt er in ihre Augen und drückt ihr dabei einen kleinen Zettel in die Hand. Dreht sich um , geht zurück ins Haus.
Wie angewurzelt steht sie da. Sprachlos. Fassungslos. Was ist auf einmal in ihn gefahren? Hab ich etwas falsch gemacht? Selbstzweifel nehmen Besitz von ihr. Langsam entfaltet sie den Zettel, auf dem in ungelenkter Handschrift steht, dass sein Studien-Aufenthalt beendet ist . Heute geht sein Flieger nach Hause. Vielleicht sieht man sich ja irgendwann einmal wieder.- Heiße Tränen kullern über ihre Wangen. War alles nur ein schönes Sommermärchen? Abends weint sie sich in den Schlaf. Manchmal liegt sie nächtelang wach, sein  Bild vor Augen. Sie kann an nichts anderes mehr denken als an ihn. Schaut sie aus dem Fenster, spürt sie einen  Stich im Herzen, der noch lange anhält. Viel zu lange.
 










 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.10.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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