Philipp Menner

Alptraum des Nächsten (Leseprobe)

Wenn er doch wüsste wo er ist. Dann wäre ihm wohler, doch durch den schwarzen Sack kann er nichts sehen. Das letzte was er mitbekam war, dass er einen Schlag oder etwas ähnliches auf seinen Hinterkopf gespürt hatte. Irgend jemand hatte ihm am Heimweg abgepasst. Er konnte sich nicht erinnern, dass ihm wer gefolgt wäre. Wie denn auch, bei dem Alkohol was er gesoffen hatte. Der Mann versuchte zu sprechen, doch schnell merkte er das seine Lippen sich nicht bewegen ließen, geschweige denn öffnen. Er merkte auch das er auf etwas saß und das man ihn gefesselt hatte. Auf einem Stuhl mit Arm- und Rückenlehne. Die Beine waren, wie die Arme, fest an dem Sessel gebunden.
Einen kurzen Stich fühlte er im Genick, vielleicht von dem Schlag neulich. Eine Benommenheit überfiel den Gefesselten, es war nicht von dem Schlag.
Als er wieder aufwachte war der Sack noch immer über seinen Kopf gezogen. Aus dem Nichts drehte sich sein Magen um und unerklärliche Angstzustände setzten ein. Leise hört er ein "Klick", nicht weit von ihm, es musste recht nahe sein. Erst jetzt bemerkte er das bei seinem erwachen eine Melodie zu hören war, die nun schwieg. 
Im selben Moment als er die fehlende Melodie merkte, nahm man dem Gefesselter den Sack vom Kopf.
Blendende Lichter empfingen ihm, erkennen konnte er noch immer nichts. Das Licht brannten zu stark in seinen Augenlidern, er musste schon länger in dieser Lage sein.
Wieder ein sanftes leises "Klick", dieses mal wusste er aus welcher Richtung es kam. Hörte sich nach klassischer Musik an. Mit so etwas hatte er nichts am Hut geschweige den von Komponisten.
Die Sehkraft kam sehr langsam wieder. Dem Sitzende fiel auf das er in eine Art Lagerhalle war und die Musik ertönte von einem kleinem Tischlein. Der fast am Ende der Halle war, ein moderner Plattenspieler. Zwischen der Musik und ihm stand ein Rollwagen, es lag etwas darauf er konnte es nur nicht erkennen.
Unangekündigt trat ein Kittelmännchen vor die Augen des Erwachten.
"Schön nicht", sagte der Mann in Weiß.
In seinen Fesseln gefangen wollte er in anbrüllen, wieder versagten seine Lippen und es kamen nur dumpfe Laute.
Der Kittelträger mit OP Maske und Handschuhen machte eine sarkastische Bewegung, als wäre dieser betroffen.
"Ach ja, Pardon ich war mit dem Gedanken bei Beethovens Neunter. Ich hatte ja ganz vergessen das ich den Mund zugenäht habe."
Sprachs und zwinkerte ihm zu.
"So haben wir keine Probleme, ich mag es auch lieber wenn sie schweigen."    
Der Medizinerverschnitten stellte sich gerade vor ihm hin mit den Händen am Rücken, wendet sich dem Rollwagen zu. Ersichtlich wie Beethoven ihn erheiterte summte er alles nach was er hörte. Langsam und mit einer unheimlicher Leichtigkeit schob er den Wagen neben seinen Gefangen. 
Dieser starrte auf das Wägelchen. Das Licht der Hallenbeleuchtung reflektierte eine Menge blank pulliertes Metall. Fast so grell wie vorhin als er wach wurde. Auf dem kleinen Tischchen lag eine große Auswahl an OP Besteck. Es sah neu aus, zum Vergleich was an Handwerkzeugen ebens auch auf dem Rollwagen liegt.
Hinter seiner OP Maske sah er dem am Stuhl gefesselten Mann an.
Der Gefesselte zuckte immer wieder nach dem Weißkittel, als wolle er in beißen oder möglichst erwischen. Der Mann in Weiß machte sich einen Spaß daraus ihm auszuweichen. Hier und da als er auswich kicherte er.
Als Beethoven das Molto vivace anstimmte, wich der Kittel nicht mehr aus. Nun stand er zu weit weg um überhaupt berührt zu werden.
"Genug gespielt, wir sollten anfangen.", und ging aus seinen Blickfeld.
Auf der Rückseite des Gefesselten stand ein größerer Tisch, bedeutend länger und größer als der Rollwagen. Ene Mene Muh, dachte das Kittelmännchen und konnte sich nicht entscheiden mit was es als nächstes spielen soll.
Von der anderen Seite als er ging, trat er vor seinen Gefangenen.
Der Kittelbesitzer verbarg was hinter seinen Rücken.
"Rate mal was ich da habe. Ich denke das könnte uns beiden gefallen. Los rate."
Wie ein verspielter Quizmoderator, der es kaum erwarten konnte das man eine leichte Frage errät, drehte er seinen Oberkörper hin und her.
Er wusste ohnehin, das sein Opfer kein Wort sagen konnte, als er fortführte:
"Wieso bekomme ich nie eine Antwort? Wie soll ich mich jetzt fühlen mit keiner Antwort?" 
Ruckartig schnellte ein Zeigefinger auf das Auge des Genähten. Der Finger stoppte nur knapp. 
"Schade. Dabei dachte ich, mein neuer Kandidat wäre klüger. Nun dann muss ich es wohl zeigen."
Als Belohnung schnippte er ihn mit dem Zeigefinger. Eine zu schnelle ruckartige Bewegung des Handgelenks und der Finger wurde zur Peitsche. Der Fingernagel brannte in seinem Auge.
Gekränkt neigte das Kittelmännchen sein Haupt und ging wieder nach hinten, in Richtung des großen Tisches. Der im Stuhl hört noch auf dem rechten Ohr die abklingenden Schritte. 
Anlass mal durch zu atmen, wenn auch durch die Nasenlöcher.
Der Puls wollte nicht nachlassen, dem gefesselten Mann raste das Herz vor Angst und Zorn.
Von links kam etwas Luft, gleichmäßige Luft. Drehend den Kopf, suchend wo dieses Lüftchen herkam.
Erschrocken sah er links neben sich die OP Maske erscheinen. Auge im Auge.
Ein Atemzug durch die Maske und der anscheinende Mediziner schwingt einen Vorschlaghammer. Mit einem weiten Schwung fiel der Hammer, auf das Knie. Das linke Knie.
"Der Kandidat hat null Punkte." 
Ein dumpfer hoher Schrei pfiff durch die zugenähten Lippen. Es kam nichts heraus. Sein linkes Knie wollte es aber anders, große Teile seines Kniegelenks lag nun vor seinen Füßen.
Der Gefesselte wollte nicht glauben was hier passiert, der Schock jagt ihm Schmerzen durch den restlichen Körper.
"Ich zeig´s nochmal, vielleicht merken sie es sich für die nächste Runde."
Der Mann im weiße Kittel stand noch vor ihm. Geschwungen wie beim Golf. Das rechte Knie. Das knacken und brechen schallte durch die Halle. Dieses mal konnte der Mann in seinen Fesseln es hören. Er sah aber auch, dass sein linkes Schienbein heraus ragte, wie ein Hühnerbein mit Chillisoße. Erstarrt vor Schrecken, dass es das eigene Bein ist, konnte er es in seinen Sessel nicht glauben. Er kann es nur Fassungslos ansehen, sein Bein. Er würde so gern seine Qualen heraus schreien, doch nur sein dumpfes Selbstlaut ist zu hören. 
Eine Stimme unterbrach seinen starren Blick:
"Am Abschlag muss ich wirklich noch üben. Dabei übe ich doch so oft."
Mit einem Gelächter ging er zum kleinen Wegelchen. Den Vorschlaghammer mit schleifend, wollte der Mediziner nach sehen was er am Rollwagen so lag. 
Der Wagen war voll mit dem Blut von den Beinen.
"Na toll, jetzt ist das auch noch dreckig geworden"
, schrie das Kittelmännchen und wollte toben.
"Schön, wenn Sie wieder eine Runde aussetzten wollen."
Statt zu toben griff er in seine geradezu schneeweiße Kitteltasche. Ein kleines Etui kam zum Vorschein. Es wurde zügig geöffnet. Das Kittelmännchen nahm eine vorbereitete Spritzen heraus. 
"Gute Nacht, bis zur zweiten Runde", hörte der Gefesselte noch bevor er nichts mehr sah, spürte oder merkte.
Er war noch nicht ganz da und er merkte wieder diese Übelkeit und Angstzustände. Seine Augenlider ließen sich sehr schwer öffnen. Mit viel Aufwand schafft der Gefangene es doch seine Augen zu öffnen.
Hektisch sah er nach seinen Beinen, kaum zu glauben was geschehen war. Die Beine waren noch an ihm dran.
Doch es ist doch passiert, das linke Schienbein hing nur noch an Hautfetzen am Oberschenkel. Das rechte sah noch immer aus wie eine Hühnerkeule mit Ketchup. Panik mischte sich mit seiner Übelkeit hinzu, die Angst nahm bizarre Züge.
Dem Gefangenen wurde schlecht, was ist los. Er konnte nicht anders, er musste sich übergeben. Sein Mund quoll über, seine Lippen blockierte alles, bis der Druck doch zu groß wurde.
Es schoss alles zwischen den Nähten, wie ein kaputter Rasensprenger gab er alles. Einmal versagt kurz die eine Düse, mal die andere, dennoch bewässerte er den Betonboden.
Es schmerzte und brannte noch, selbst als er vorerst fertig war.
"Diese Missgeburt", dachte sich der Rasensprenger.
Die Übelkeit ließ nicht nach, Schweiß erbrach seine Haut als stünde er in einer Sauna.
Ängstlich sah er sich schnell um, soweit es seine gefesselten Position zuließ.
Die Halle sah so aus wie vorhin als er schlafen gelegt wurde.
Der kleine Plattenspieler war noch an seinen Platz. Dieser klang als würde er was anderes spielen als zuvor. Der Rollwagen rechts neben ihm war noch da, nun sauber geputzt, mit all seinen Zubehör. Die Lichter waren noch an und strahlten hell, viel zu hell für ihn. Seine Angst befahl im sich weiter umzusehen, vielleicht ist ja doch eine Möglichkeit der Rettung zu sehen. Es gibt Fenster, doch sie waren zu hoch in der Halle. Selbst wenn er nicht gefesselt wäre könnte er nicht an der Wand hoch. Spät merkte er das linker Hand etwas neues zu sehen war.
Das Kittelmännchen.
Er sitzt an einem Esstisch, wann kam das hierher. Sein Puls raste, als er ihn sah. Trotz seiner noch immer anhaltenden Übelkeit und Angst, wollte er leise sein. Wer weiß was ihm einfällt. Der Mediziner isst etwas, er sah wie Besteck zum Mund geführte wird. Aber nicht was, er sitzt mit dem Rücken zu ihm. Der Mann in Weiß wusste wohl, dass sein Gefangener nicht entkommen kann. Im Detail sah er am Kopf seines Folterknechten einen Gehörschutz. 
Als das Kittelmännchen fertig war mit essen, tupft er seinen Mund mit einer Serviette ab. Vielleicht kann er sein Gesicht erkennen. Der fertig Gespeiste setzte wieder eine OP Maske auf, keine Chance auf sein Gesicht.
Als der Mediziner aufstand bemerkte dieser das sein Opfer wach ist. Der Kittel ging aber nicht auf ihm zu, sondern zur grässlichen Musikquelle und schaltet sie ab. Nun nahm er den Ohrenschutz ab, sah zu seinem Opfer im Stuhl und ging auf ihm zu.
Im Stuhl keuchend, sah er ihn näher kommen. Mit jeden Schritt den er machte und sich ihm näherte, steigerte er automatisch sein keuchen.
Der Mann in Weiß war fast bei ihm. Er geht aber links an ihm vorbei. Auf gleicher Höhe blieb er neben dem Sessel stehen, wendet sich zu seinem Gefangen zu. 
"Was lautes oder etwas leises?" 
Fragte er seinen Gefesselten. 
Die Zornfalten des gefesselten Mannes bilden einen Kanal, sein Schweiß floss leicht ab, er blieb stumm. 
"Dann suche ich was aus. Aber Schlager gibt´s nicht."
Lachend verschwand er aus seinem Blickfeld. Nach kurzer Zeit ging er wieder am Gefangenen wieder vorbei. Mit einer Schallplatte unter seinem Arm ging er zurück zum Plattenspieler. Die Musik erklang. Gebunden am Sessel, riss er die Augen weit auf, er kennt die Musik. 
Der nächste Schweißausbruch, die nächste Panik.
Das Kittelmännchen kam wieder zurück zu ihm. Ist nun hinter ihm, langsam und nahezu sanft fuhr er seitlich an seinem Nacken hoch Richtung Schädeldecke. Oberhalb seiner Ohren machten die Hände des angeblichen Arztes halt.
"Ja, ich war bei ihnen zu hause. Ich musste sie einfach mitnehmen. Ist ja auch eine gute Platte."
Der Griff wurde härter. Der Kopf des Gefangenen wird gedreht. Gezwungen musste er die OP Maske ansehen. Nun wollten sich die Augen des Gefesselten erst recht nicht mehr schließen.
Dreckig vom Erbrochenen, atmete er immer hektischer.
"Du kommst noch dahinter, wer ich bin." Hauchte die Maske ihm an. Des Mannes Gesicht nahm die Farbe von Schnee an, Als er diesen Satz hörte.  
Das Kittelmännchen ließ ihn los.
Endlich hört er auf, diese Missgeburt; dachte erleichtert das Opfer.
"Nun solange die Musik noch läuft, sollte ich was tun. Denken sie nicht auch?" 
Sagte es und klatschte seine Hände einmal zusammen und geht hinter das kleine Wegelchen.
Der Mann in Weiß starrte abwechselnd zu seinen Gefangenen und dem kleinen Wagen.
Schließlich sagt der Peiniger:
"Sehen sie, ich habe sie schon seit einem halben Jahr hier. 
Sie wären erstaunt was die Medizin alles hinbekommt", ein schmunzeln konnte der Gefesselte trotz OP Maske erkennen,
"Das Ganze hier hat mich etwas viel gekostet. Aber der Aufwand ist es wert."
Langsam beugte er sich zu ihm wieder hinunter und sprich deutlich:"Bis jetzt vermisst sie keiner. 
Keine Vermisstenanzeige und kein Mensch der nachfragt.
Oh wie schön das zu wissen."
Fassungslos erbleichte der Hörer, er zittert ungewollt.
Der Gefesselte konnte es nicht glauben das er diese Wahrheit hören soll. Er musste einfach den Kopf schütteln, dass konnte nicht wahr sein. "Da kann man noch so viele Freunde haben. Doch wenn sich keiner für sie interessiert, sind es doch keine Freunde.
Oder wie sehen sie das?"
Der Mediziner kramte in dem kleinen Wegelchen herum, während das Opfer endgültig in Panik verfiel.
"Keine Panik, ich kann doch helfen.
Ich habe ja alles da um zu helfen."
Er zog aus dem kleinen Wagen eine große Spule mit dünner Schnur hervor. Im vorbei gehen um das Tischlein, nahm er eine haken artige Nadel an sich. Vor dem Sessel und Gefesselten stellte er sich auf. Der Mann im Kittel winkte mit beiden:"Alles da und auf geht´s. Die Musik spielt noch."
Gleichmäßig wie zügig gab er der Nadel Schnur.
Das Kittelmännchen kniet sich vor sein rechtes Bein und sucht. Wo sollte er nur anfangen, er setzte die Nadel oft auf die Haut um zu sehen wo es passt. Die gekrümmte Nadel stach jedes mal dabei. Nach etlichen Sticheleien nun doch, am unteren Knieende sticht und bohrte sie sich einen Weg durch Haut und Gewebe. 
Zu bedacht und langsam, aber nicht wie ein Anfänger machte sich das Kittelmännchen daran zu zunähen.
Quälend lange fühlte es sich an, der Besitzer des Beines hyperventiliert. So wie ihm fast schwindelig wurde, spürte er eine Berührung auf seinem rechten Bein.
"Na, hätten wir das. Nun zum anderen", sagt der Mann in Weiß, er hatte auf das fertige Knie geklopft.
Krampfend schaut der Gefangene hinab zu den Worten die er gehört hat.
"He nicht schlapp machen, dass wird schon. Oder wollen sie gleich aufgeben? Es wäre schade", der Mediziner hörte kurz auf, seinen Vorgang am linken Knie zu wiederholen.
Der Gefangene bekam leichte Ohrfeigen auf die rechte Wange. Gefolgt von unten:"Das haben wir gleich." 
Ein Lachen beendet den Satz und die Ohrfeigen.
Die kleinen miesen Stiche begannen von vorne. Das quälende voran kommen der Nadel. Jede Bewegung von ihr schmerzte, jedes nachziehen des Fadens. Der in Fesseln gelegte Mann wird schwach, er konnte seinen Kopf nicht mehr halten. Er kippte zur Brust, seine Muskeln versagen.
Er ist ohnmächtig geworden.
 
Ich fühle mich schwerelos. 
Als sei ich ein Vogel. 
Hoch über allen Sorgen und Nöten.
Die Freiheit eines Tieres. 
Es ist schön den Wind zu spüren.
Durch die Luft zu gleiten wie ich will, wohin ich will.
Kein Druck und Zwang, der einem verfolgt.
Einfach leben.
Ich will ein Vogel sein.


Ein Ruck, noch ein Ruck. Es zieht am ganzem Körper des Gefangen.
Die Oberschenkel, dem ganzen Rücken entlang und den Armen.
Schwammig versucht er seine Augen zu öffnen.
Ihm kommt wieder diese Übelkeit hoch, gepaart mit Angstzustand.
"Ob das vom ´verarzten´ liegt", fragt sich der gefangene gequälte Mann, "reiß dich zusammen du Versager, mach die Augen auf."
Da steht wieder wer vor ihm. Die Person stand aufrecht von der Wand weg.
"Was ist das für ein Alptraum? Das geschieht hier nicht!
Das ist nicht real, ich muss träumen", denkt der Gepeinigte und ist voller Panik. Das Herz schlägt fester als zuvor, der Rhythmus seines Herzens pochte in seinen Ohren. Er wollte sich nicht rühren, da sein Herz schon in seinen Ohren trommelte.
Als würden Morgensterne den Takt angeben.
Eine schwarz gekleidete Person.
Sie trägt hohe Militärstiefel, Lackschürze, -handschuhe, -OP Haube und Schreisserbrille. Das ist er, es muss das Kittelmännchen sein.
Es hält ein breites Cognacglas, schwenkend sieht er seinem Opfer zu.
In seiner Aussichtslosigkeit erkannte er, dass der böse Kittelmann seine Wangen-, Mund- und Nasenpartien frei gelassen hat. Wenn er alle Erinnerungen zusammen setzen könne, vielleicht kann er eine Beschreibung abliefern und den Behörden übergeben. Falls er entkommen kann. 
Gefangen probiert er wieder frei zu kommen, vielleicht dieses mal. Sein Arm ließ sich leicht bewegen, ein Versuch ist es wert. Nach sehr wenigen Millimeter sticht und zieht es entsetzlich. Ein beispielloser Schmerz, der Gepeinigte weint und gab nur hohe dumpfe Schmerztöne von sich. "Bloß nicht rühren, da ist was an mir", mehr Gedanken und Handlungen konnte er sich nicht leisten. Doch einer war es noch, sein Mund ist immer noch vernäht.
"Na endlich wachst du auf, dachte schon die eine Woche Scherereien wären um sonst gewesen. Am liebsten hätte ich dir den Ernährungsschlauch drinnen gelassen und dich in den Acker geschmissen. Gut zu erleben das du die zweite Runde mitmachst.
Ich gratuliere dir", sagt der SM Arzt grinsend und trinkt einen Schluck von seinem Cognac.
Locker bewegt er sich von der Wand zu seinem Opfer. Diesem ist noch immer schlecht, schmerzerfüllt und verwirrt.
Wie kann man auf der Wand sich so leicht bewegen ohne auf den Boden zu fallen?
Der böse Arzt steht fast senkrecht zu seiner Kopfhöhe und wirkt recht locker dabei und trank genussvoll.
"Jetzt schau mich nicht so verwirrt an und lass dich nicht so hängen. Immerhin war das aufhängen von deinen Körper eine kleine Aufgabe. Aber ich gib zu ich habe es genossen", sprach der angedeutete Mediziner.
Als habe der Blitz eingeschlagen, pochte jede Nervenbahn in seinem Körper. Er erkannte das sein Foltermeister nicht auf der Wand steht. Sondern direkt unter ihm steht und sich seine Position anschaut. Das Kittelmännchen grinste als habe es das bekommen was er wollte und nimmt noch ein Schlückchen.
Danach schaute er ihn von unten schief an:
"Hast du´s erst jetzt begriffen wie und wo du bist?", unterhalb der Schweißerbrille kam ein finsteres langes Lachen heraus. Die einen Tränen fielen aus Panik hinab zu Boden, die anderen aus Freude. Aus Verzweiflung musst der Aufgehängte mit Weinkrämpfen kämpfen. Jedes Zucken wird mit den Eisenhaken bestraft.
Diese wurden durch seine hintere Seite seines Körpers gebohrt.
Lange und gebogene Eisenhaken, vierzehn Stück sind eingefädelt worden.
Die Haken sind mit stabilen Drähten an der Decke verankert worden.
Er hängt auf 2 Meter Höhe hängt er nun. Wie ein Getier beim Schlachter das ausbluten muss, damit man dessen Fleisch besser verarbeiten kann.
Erst jetzt begriff das humanoide Tier seine Situation.
Mit fließenden Tränen und laut dumpfen Verzweiflungschreien will er sich nicht damit abfinden.
Er kann nicht entkommen.
Unter dem Fluss seines Schicksals erkannte er, dass der SM Schlachter seine Tränen mit seinem Cognac auffängt.
"Cognac schmeckt um so vieles besser wenn paar Spritzer Wasser drinnen sind", sagte der Schlachter und trinkt mit Genuss, "Du solltest dich zusammen nehmen bevor es losgeht."
Als das Glas leer geworden war, fokussiert das Kittelmännchen sein Opfer an. Der Arzt geht aus seinem Blickwinkel und kommt sogleich wie er ging. Sein Peiniger hat das Cognacglas gegen eine große Sichel ausgetauscht.
"Bevor ich eine Ausnahme mache, wirst du zuhören", er zeigte auf seinen Mund.
"Jedes Kind auf der Welt hat Eltern, Vater und Mutter. 
Selbst Waisenkinder. Es kommt leider sehr oft vor, dass man besser nicht weiß woher man abstammt. Manche sind gute Eltern, manche nicht."
Während Der SM Arzt erzählt, geht er zu einer Kurbel an der Wand.
Der Gehängte wird etwas hinunter gelassen.
Sehr langsam, jede Umdrehung des Mechanismus brachte dem Hängenden mehr Ängste zutage.
"Das menschliche Sozialleben zeigt uns oft, dass es ziemlich skrupellose Personen gibt. Die nicht davor zurück schrecken, mit allem was schlechtes in ihnen inne wohnt, dafür einzusetzen was sie begehren. 
Nur um es zu bekommen.
Oder aus reinen Vergnügen."
Die Kurbel stoppte. Er ist nun dort wo man ihn haben will.
Der Gepeinigte sieht seine vergossenen Tränen am Boden klar und deutlich vor sich.
Er hörte Schritte die näher kamen.
Schwere Schritte, er hört sehr klar das die Stiefel Metall an dem Sohlen haben.
Schwere harte Schritte.
"In unserem menschlichen Sozialwesen gibt es noch andere.
Die diese skrupellose Instinkte nicht haben.
Sie besitzen dafür andere Eigenschaften."
Das Opfer spürte etwas kaltes an seinem verwundeten Bein, welches er zusammen genäht bekommen hat.
"Willst du diese Eigenschaften erleben?"
Die Kälte wanderte um seine not geflickte Wunde.
Ein Bunsenbrenner frisst sich durch sein Knie. 
Die Stichflamme ist erbarmungslos.
Sie schmelzt sein Fleisch, Gewebe, Knochen und Zellen.
Die Flamme ließ nicht zu das Blut floss.
Der Geruch vom verbrannten Fleisch, seinen Fleisch.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.10.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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