Brigitte Waldner

Weil ich ein Unmensch bin,

den alle Nachbarn nicht mögen,
weil ich mich nicht plündern lassen mag
und dennoch geplündert werde,
weil ich mich nicht mobben lassen mag
und dennoch gemobbt werde,
weil ich mich nicht steinigen lassen mag,
und dennoch gesteinigt werde,
weil ich mich nicht verleumden lassen mag
und dennoch verleumdet werde,
dass ich die Patchwork-Kinder des Fußfesselträgers bedrohe,
dass ich nichts anderes zu tun habe,
als ständig am Zaun zu stehen und hinunterzuschauen,
werde ich wieder von Bewohnern aus meinem Ort
zur Katzenrettung gerufen,
und heute fahre ich zum Tierarzt.

Auf mich kann man sich verlassen,
wie auf eine weiße Weste,
die weder blutig noch vorbestraft ist.
Und weil ich a bisserl neugierig und die Bessse (Böse) bin,
kriege ich auch noch das Katzengeschirr,
das Futter und diverses Zubehör mitgegeben,
und außerdem noch eine Futterspende versprochen
und eine Unterstützung für die allfälligen Kastrierungen zugesagt.

Ich bin das Lamperl, sagt man bei uns hier,
(ob helles Licht oder Lämmchen,
kann sich jeder aussuchen, wie er meint,)
mit dem (fast) jeder macht, was er will,
ich solle mir nichts gefallen lassen von Halunken
mit elektronischen Fußfesseln,
ich würde nichts mehr zu verlieren haben.

Oh ja, ich habe viel zu verlieren,
mein Haus, mein Grundstück, meine Tiere und mein Leben.
Wer mag mich nicht? Die neuzugezogenen Niederländer,
die von der Fußfessel gegen mich Aufgehetzten,
die selber nicht ganz koscher sind,
die „Alten“ mögen mich alle.
Von denen sind leider nicht mehr viele hier,
sind die meisten weggestorben.
Sogar der Nachbarhund, der immer anschlägt,
sobald ich meinen Garten betrete oder auf der Straße gehe,
der auf mich gehetzt ist, mich anknurrt, mich anbellt,
hat mich noch nie gebissen!

Der Nachbar mit der Fussfessel hat sich bei dem Eskalationsbüro beschwert,
dass mein Grundstück um einen Meter höher liegt, als seines,
und ich immer hinunterschauen würde,
deshalb möchte er mein Grundstück kaufen,
damit ich nicht mehr hinunterschauen kann.

So ein Kasperl, warum kauft er die Immobilie unter meiner?
Wir wohnen auf einem Berg.
Da wird immer ein Haus höher stehen und eines tiefer.
Wenn einer das nicht möchte, dann muss er dort nicht kaufen,
oder muss ganz oben auf dem Grat was bauen.
Dann kann er auf alle anderen Häuser hinunterschauen.
Dann muss er im Tal in der Ebene, im Flachland etwas kaufen.
Vor vier Jahren kaufte er die Immobilie unter meiner,
ich habe ihn damals auf alle möglichen Probleme aufmerksam gemacht,
aber er hat gesagt: Frau Waldner, machen Sie sich keine Sorgen ....
Alle seine Versprechen hat er inzwischen mehrfach gebrochen
und das Vertrauen mehrfach missbraucht.

Text und Fotos: © Brigitte Waldner

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