Klaus-Peter Behrens

Der Kater und der wilde Norden, 11

Zum ersten Mal gelang es mir durch die waffenstarrende Menge hindurch einen Blick auf das zu werfen, was jenseits der Staumauer lag.

Ich mußte zugeben, der Kater hatte Recht gehabt.

Die steile Schlucht weitete sich auf dieser Seite zu einem breiten Talkessel, der einen schier endlos erscheinenden See beheimatete. Ich war beeindruckt. Der Druck auf die Mauer mußte immens sein. Kurz glaubte ich ein kräftiges Kräuseln zu sehen, als sei etwas sehr Großes knapp unterhalb der Wasseroberfläche unterwegs. Ich bekam jedoch keine Gelegenheit für einen zweiten Blick, da unserer Bewacher uns durch eine verrostete Tür ins Innere des Staudamms schubsten.

Wow, da ist ja der Kölner Dom ne Imbisstube gegen“, entfuhr es dem Kater, kaum dass wir das Innere betreten hatten. Ich kannte den Dom zwar nicht, aber der Anblick von Innen raubte einem schlicht den Atem. Wir standen auf einer Plattform, von der wir einen erstklassigen Blick auf eine grünlich beleuchte, gigantische Kaverne genießen konnten. Ich schätzte, dass es bis zum Kavernenboden deutlich weiter hinab ging als vom Finsterburger Nordturm zum Wassergraben. Die Tiefe übertraf die unserer Burganlange sogar um ein Vielfaches.

Ich war sprachlos.

Ehrfürchtig sah ich mich um und stellte fest, dass es hier zuging wie in einem Ameisenbau.

Auf unzähligen Leitern und Gängen waren Goblins in alle vier Himmelsrichtungen unterwegs. Andere drehten an großen, in den Wänden eingelassen Rädern. Gleich eine ganze Gruppe aufgeregter Goblins mit seltsamen Gerätschaften in der Hand stand auf einem von mehreren runden, haushohen und breiten Podesten und betrachtete ratlos einen turmähnlichen Aufbau mit sieben massiven Stützen, von dem Dampf aufstieg.

Gute Wartung sieht anders aus“, maunzte der Kater, der sich ebenfalls neugierig umsah. Zeit zum Staunen blieb uns allerdings nicht, denn unsere neuen Freunde trieben uns mehrere Stockwerke tief über Leitern und Gänge hinab und bogen dann in einen Gang ein, der kreisrund und hoch genug für drei aufeinanderstehende Trolle wäre. Das gute alte Finsterburg in dem ich mich vor nicht allzulanger Zeit noch verlaufen hatte, kam mir mit einem mal unendlich beengt vor.

Schließlich endete der Marsch vor einer überraschend neuwertig wirkenden, sehr stabilen Tür.

Euer neuef Fuhaufe“, erklärte unser zahnloser Freund.

Das heißt Zuhause nicht Fuhaufe! Du musst die Zunge mehr an den Gaumen pressen oder dir n Zweitgebiß zulegen, sonst versteht dich deine eigene Mutter nicht mehr“, tadelte der Kater.

Leider war der Zahnlose für gute Ratschläge nicht offen. Entsprechend schnell wurden wir mit freundlichen Fußtritten in unseren neuen Aufenthaltsort verbracht, einer spärlich durch eine seltsame ruß- und flackerfreie an der Decke befestigen Vorrichtung beleuchteten Kammer. Dann fiel die massive Tür hinter uns ins Schloss und machte deutlich, dass wir bis zur Halskrause im Mist steckten.

Immerhin haben sie uns nicht umgebracht“, versuchte ich etwas Positives an der Sache zu finden. Doch ich kannte den Kater anscheinend immer noch nicht.

Vielleicht freuen sie sich ja, dass die gähnende Leere ihrer Speisekammer ein Ende hat“, grummelte Mikesch.

Das ernüchterte mich.

Wir müssen hier raus, sofort, wer hat eine Idee?“, fragte ich.

Mikesch Gesichtsausdruck nach zu urteilen, konnte ich das vergessen.

Ich hab mal ne Sendung über den Hooverdamm gesehen. Irre stabil. Das hier sieht ähnlich aus. Wenn Du nicht ne Tonne Dynamit dabei hast, Meister Nobel, kannst du das vergessen.“

Ich rutschte resigniert an der Wand herunter und vergrub mein Gesicht in den Händen. So tief hatten wir noch nie in der Patsche gesessen. Was sollten wir nur tun?

Er könnte Kohl kochen“, schlug Gorgus vor.

Ne,ne, dann sterbe ich lieber ehrenvoll“, wehrte Mikesch ab.

Ich überging die Spitze und und unterbreitete alternative Vorschläge, aber alle endeten stets an der massiven Tür unseres Gefängnisses.

Ich glaube, uns fällt nie ein guter Plan ein“, seufzte ich niedergeschlagen. Möglicherweise brauchte ich aber keinen mehr; denn plötzlich ging die Tür auf und der Zahnlose gefolgt von einem halben Dutzend schwer bewaffneter, finster drein blickender Begleiter erschien.

Ich nehme die Hühnchenbrust in Weißweinsoße und zum Dessert Vanillieeis mit heißen Himbeeren. Und beim nächsten Mal klopf gefälligst an, bevor du reinplatzt“, miaute Mikesch gewohnt dreist drauf los. 

Nächftes Mal stehft du auf der Fpeifekarte“, fauchte der Zahnlose wütend zurück.

Wohl kaum für dich. Kater sind zäh, das ist nichts für Zahnlose. Und nun trab los, sonst wird mein guter alter Kumpel der Zauberer sauer und hext dir n zweiten Kopf an oder Schlimmeres. Sei froh, dass er so ein sanftmütiger Typ ist, sonst hätte er hier längst aufgeräumt.“

Aufgeregtes Geraune setzte darauf hin ein.

Du bist ein Fauberer?“

Ich nickte gewichtig und versuchte eine möglichst amtliche Miene aufzusetzen.

Man nennt mich Squeeze, den Turmvernichter und Donnerschleuderer, mächtiger Magier von Finsterburg und Beherrscher der Elemente“, setzte ich mich dreist auf den Olymp und wedelte dabei theatralisch mit den Armen. „Ihr tätet gut daran, uns zuvorkommend den Ausgang zu zeigen sonst werde....“

Weiter kam ich nicht, denn ein halbes Dutzend Lanzen, die den Eindruck erweckten, häufiger im Gebrauch zu sein, spießten mich nahezu auf. Vielleicht hätte ich nicht ganz so dick auftragen sollen.

Dann kannst du ficher unfere Probleme mit der Turbine drei wegfaubern. Unfere Techniker find da überfragt.“

Mal gesetzt den Fall, dies läge ein wenig außerhalb meines umfangreichen Repertoires?“, wandte ich vorsichtig ein.

Dann greifen wir auf alte Traditionen furück....“

Ich hob fragend die Augenbrauen.

...und das Fellbündel wird dem Gott des tofenden Wafferf geopfert. Und jetzt lof!“

wird fortgesetzt

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.11.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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