Gherkin

Gefangen unter Fabelwesen


oder

L O S T     V O I C E

 

Co-Autorin: Sandra Kroll

 

 

 

Die Schriftsteller-Vereinigung Pegasus 3000 hatte zum großen jährlichen Kongress geladen. Im Jahr 2023 wurde er in Schöllkrippen abgehalten, und zwar im Ortsteil Schabernack. Man hatte ein riesig großes Zelt errichten lassen, das 6000 Gäste beherbergen konnte. Und dieses Zelt war bis auf den berühmten letzten Sitz ausgebucht. Seit dem Jahr 2000, oftmals fälschlich als Millenniumsjahr bezeichnet, wurde dieser Kongress zelebriert. Der erste hatte in Heidelberg stattgefunden. Nun also Schöllkrippen. An 3 aufeinander folgenden Tagen gab es jede Menge Programm und Literatur ohne Ende. Von 8 Uhr früh bis 3 Uhr in der Nacht Live-Programm. Alle 6 Stunden eine Pause. Und auch in der Pause wurde etwas geboten. Hier wurden Literatur-Verfilmungen gezeigt. Das großzügige Buffet war vor dem Zelt aufgebaut worden. Im Zelt hielten sich in den Pausen nur noch wenige Menschen auf. Die sahen den jeweiligen Film. Vor dem Zelt aber wurde gegessen und getrunken. Ein Kongress-Besucher sagte: „Es ist unfassbar, wie viel Intellektuelle und solche, die vorgeben, recht intellektuell zu sein, fressen und, besonders, saufen können! Vor allem aber SAUFEN!“ Es könnte kaum heißer sein. Es ist August. Ein heißes und schwüles August-Wochenende 2023. Die Pandemie ist endlich Geschichte. Die intellektuellen Literatur-Freaks treffen sich in einem Zelt!

 

Dietz Bering: Intellektualität: Emotionstreibend in hohem Maße, mehr Schimpfwort als seriöser Begriff, ist sie Startzeichen für engagierte Polemik und Garant für wütende Repliken!“ (SIC!)

 

Man hatte den berühmten Pianisten Lang Lang gewinnen können, es sang ein glänzend aufgelegter Jonas Kaufmann, es spielten die grandiosen Electropopper FM Belfast aus Island, und zudem gab es noch allerlei Comedians, Poetry Slam vom Feinsten, Wortakrobaten und Stand-up Mundart-Dichter aus dem unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg. Hauptsächlich aber wurde gelesen und äußerst heftig diskutiert und disputiert. Der diesjährige Kongress konnte nun endlich wieder stattfinden, da die Corona-Beschränkungen aufgehoben worden waren. 3 lange Jahre hatte es keinen Pegasus 3000 Kongress mehr gegeben, sehr zum Leidwesen aller Fans dieses Events. Das gewaltige Zelt war prall gefüllt. Es bebte schier vor lauter wildwüchsig-diffuser, wabernder Geistespotenz. Diese wuchtige Präsenz gewaltiger Geistesriesen, all die „freien Radikalen“ im Zelt, diese schiere Übermacht der Medienintellektuellen, all das öffnete dem staunenden unterfränkischen Gaffer, der ein wenig lahm diesem wilden Treiben im Zelt und drumherum, schüchtern und befangen, im Trachtenjanker, aus der sicheren Entfernung zusah, das tumbe Maul – und hielt es offen. Man lauschte der Diskussion und dem intellektuellen Diskurs, man verstand rein gar nichts, was aus den gewaltigen Boxen im Riesenzelt nach außen drang, und man trank dazu Dosenbier und fraß resche, frische Brezeln. Das Mahlen und Knirschen, all das Gluckern und Rülpsen, es unterlegte die mediale Gestalt des enorm eloquenten Intellektuellen in seiner pompösen Verfallsform mit den exakt richtigen Tönen.

 

In Schabernack und Umgebung gab es kein einziges freies Bett mehr.

 

August, noch immer sehr schwül, schon der Juli ist sehr heiß gewesen, jetzt aber, Anfang August, machte die Sonne einen grandios großartigen Job! Ich hatte noch keinen August, gefühlt, erlebt, in dem es so heiß war. Wie es sich für ein ordentliches Jury-Mitglied gehörte, waren die Herren im flotten Anzug unterwegs, die Damen im sommerlichen Kleid.

 

Wie immer, und nun erstmalig wieder nach der Zwangspause, sollte am 3. Tag der Newcomer des Jahres gekürt werden. Die illustre Jury setzte sich zusammen aus dem genialen Theater-Autor und Dramatiker Ulf Schmidt (Stadt der Arbeit/Das Blaue Wunder/Das Prinzip Jago, AufRuhr), Sir Neo Overstreet (Ruhrpott Junge/Heimat im Herzen), Gerd Caspar (Der Verschollene/Die Fortsetzung), Rüdiger Jagsteit (Philosoph/Glossist oder Glossator, wie man möchte), und den beiden bekannten Damen Maura Canetti (Mach dich vom Acker, du Bitch!) und Monalisa Cohn (Fein ohnmächtig).

Maura Canetti hatte die kurz zuvor erkrankte Maria-Lena Flenner (mein Krieg/dein Krieg) ersetzt.

 

Allgemein herrschte die Meinung vor, man müsse „zwingend“ die sehr begabte Sandra Konrady aus Gelsenkirchen auszeichnen. Das geflügelte, vergoldete Pferd mit den weit geöffneten Schwingen, in stilvoll ziselierter Feinarbeit veredelt, sollte ihr für ihre große Gabe, das „Fantasy-Genre“ bereichert zu haben, eine deutsche Joanne K. Rowling, verliehen werden. So die Meinung der Jury Mitglieder, bis auf einen. Und der bin ich. Gestatten, Gerd Caspar. Ich wetterte lautstark: „DAS ist doch keine wie auch immer geartete Literatur-Gattung! Das ist Bullshit! Das nehme ich nicht ernst!! Zauberer, Elfen, Magie, Kobolde, Hexen, Leprechauns und Lichtwesen? Geht‘s noch? Hallo?“ So wetterte ich lauthals, mit sprühender Lippe. „Dass mich das Mäuslein beiße“, geiferte ich, „so etwas gehört zum Vorlesen ans Kinderbett, aber doch nicht unter erwachsene Menschen!“ „Diese Harry Potter Reihe hatte aber immerhin 15 % deutsche Leser! Jeder 6. Deutsche hat alle Bücher dieser Reihe gelesen, Gerd!“ wandte Maura ein. Und Ulf meinte gar lakonisch: „Jetzt komm‘ mal runter, Marcel Reich-Ranicki (hüstel), wir müssen diesem Trend Rechnung tragen. Heute geht nichts mehr ohne Vampire, Geister, Zombies und Fabelwesen. Sandra Konrady hat eine Riesen-Fangemeinde, und ihr Roman ‚‚Eluk Tira‘‘ ist sogar in der Spiegel Bestseller-Liste gelandet…“ „Ja“, brüllte ich, „auf dem letzten Platz. Ich würde solch ein tumbes Zeug nicht einmal dann lesen, wenn ich Geld dafür erhielte!“ Ich echauffierte mich jetzt aber mal so richtig. Ich belferte: „Fabelwesen!? Hrmpff! Drauf gepfiffen!!“

 

Neo Overstreet saß da wie ein Buddha, mit verschränkten Armen. „Ick find die knorke, die Sophia!“ „Sandra!“ meinte Maura. „Na jut, dann eben Sandra. Die is knorke!“ Sein Versuch, als Ruhrpottler, zu ‚berlinern‘, misslang gründlich. Das ging so daneben wie bei der lila Kuh, die ich beim Tandem- Radfahren zu beobachten einst geglaubt hatte. Aber da hatte ich mächtig einen im Tee.

 

Maura sagte: „Sandra hat es verdient, dafür belohnt zu werden. Diese ausufernde Fantasie, diese so umwerfend liebevoll gezeichneten Charaktere, ihr Fleiß, all die versteckten kleinen, ironischen und spaßigen Sidesteps, also, ich finde, den Pegasus hat in diesem Jahr nur eine Autorin verdient, diese Frau Konrady!“ Rüdiger Jagsteit warf ein: „Eluk Tira, und das ist lediglich der 1. Teil einer Trilogie, hat bereits 937 Seiten aufzuweisen. Wenn das kein Fleiß ist, dann weiß ich auch nicht. Mir nötigt es eine Menge Respekt ab. 937 Seiten!“ Aber ich war nicht zu beruhigen: „Dann gebt ihr doch diesen verdammten Preis! Dann geht doch alle zu Netto, verdammt! Ja, lasst ihn uns ihr überreichen. Gut so, es kann nur eine geben, die den Preis verdient hat, die olle Konrady. Aber ich lese von ihr nicht ein geschriebenes Wort, so wahr ich Gerd Caspar heiße! Nicht ein fucking Wort!!“

 

Die Laudatio hielt, launig und äußerst eloquent, Maura Canetti. Freudestrahlend nahm die nunmehr sehr berühmte Fantasy Grand Dame Sandra Konrady den vergoldeten Pegasus entgegen. Es flossen auch ein paar Tränchen. Artig bedankte sie sich. Hoch in den Himmel hob sie das geflügelte Pferd. Weit oben, dort wo die anderen sicherlich hinstrebten, und wo sie nun ja endlich angekommen war. So viele Zeitungen würden ihr Konterfei abdrucken, ihre Vita würde in allen Magazinen und in der Fach-Literatur bald zu lesen sein, ein Exklusiv-Interview mit dem >Berliner Tagesspiegel< war nur noch eine Frage der Zeit. Sandra hatte es geschafft. Presslippig hatte ich der Zeremonie beigewohnt. Kein Ton war über meine Lippen gekommen. Ich hatte meinen Widerstand aufgegeben und ließ die anderen machen… Auch spendete ich keinen Applaus. Ich wand mich mit Schaudern ab von allem Trubel. Meine Stimme hatte die Konrady nicht erhalten. Lange bediente ich mich, die S. Konrady wanderte gerade siegestrunken aus dem Zelt, am Buffet vor dem Zelt. Ich trank Most, fraß sieben Canapés, konnte mich einfach nicht beruhigen. Geben die der Sandra Konrady den Pegasus! Einige Pressevertreter und etliche Fotografen hielten den Auszug der Königin noch fest, in Wort und Bild. Wieder reckte sie, siegestrunken, ihren Pegasus in den Himmel des Nachmittags. Ich? Demonstrativ sah ich weg. Was ging es mich an? Ich glaubte noch zu sehen, wie sie mich entdeckte und fixierte. Aber rasch hatte ich mich abgewandt. Dem Blickkontakt wollte ich mich entziehen.

 

Sollte ich mich aus dieser Jury verabschieden? Um den Kopf frei zu bekommen, ging ich ein wenig im Kahlgrund spazieren, strebte dem Hahnenkamm entgegen. Das ist dort der höchste Berg. Wieder war es sehr heiß. Mit Hemd und Schlips war ich völlig falsch gekleidet. Das Jackett hatte ich zwar ausgezogen, aber es war immer noch unerträglich heiß. Ich bog gerade um die Ecke (direkt an einer Weggabelung), da trat sie aus dem Unterholz. Sie. Sandra Konrady.

 

Wie konnte sie wissen, dass ich im Kahlgrund spazieren gehen wollte? Wie konnte sie wissen, dass ich zum Hahnenkamm ging? War sie eine Hexe? Eine Seherin? Zum Teufel!

 

Ich erschrak sehr, es durchfuhr mich heiß. Denn die Frau trug in ihrer rechten Hand eine Waffe. Ich erkannte da eine schwarze Glock 19, eine halbautomatische Pistole, die sie jetzt wortlos auf meine Stirn richtete. Sandra trug ein ebenso schwarzes Bandana, ein schwarzes Rüschenkleid, schwarze Schuhe. Oweh, die Nemesis in Person. Meinen Puls wollte ich in diesem Augenblick erst gar nicht wissen. Das Herz schlug mir bis zum Hals. Endlich, sie sprach: „Wollen wir zwei Hübschen einen kleinen Ausflug machen? Was meinen Sie, Gerd Caspar, wäre das denn nicht mal eine nette kleine Abwechslung im tristen Alltag eines Jury-Mitglieds? Wie ich hörte, waren Sie durchweg gegen den Vorschlag, mir die nette Trophäe in diesem Jahr zu überreichen. Stimmt das etwa nicht? Waren Sie nicht der Einzige in der Jury, der strikt gegen eine Preisvergabe an mich war? Nein?“ Ich schluckte, rang hart nach Luft und Worten. „Gut, es stimmt, ich hatte da so meine, tja, ääh, großen Bedenken, richtig…“ Weiter kam ich nicht.

 

Wir hatten also einen Maulwurf in der Jury sitzen. Interessant.

 

„Papperlapapp, Mumpitz, das ist alles Quark. Solchen Mist muss ich mir nicht weiter anhören, Bürschchen…“ Hatte sie tatsächlich Bürschchen gesagt?? „Sie haben gesagt, dass Sie mein äh Geblubber in Schriftform nicht einmal dann lesen wollten, wenn Sie dafür bezahlt würden. Nun, jetzt erhalten Sie die Möglichkeit dazu, werter Herr! Machen wir doch einen kleinen Spaziergang, nicht? Gehen wir!“ Sehr nachdrücklich hatte sie die letzten Sätze gesprochen.

 

Frau Konrady setzte die Waffe jetzt tiefer. Sie zielte mit der Glock auf mein Herz. Ich schwitzte sehr stark. Hässliche Flecke unter den Armen und am Rücken zeugten davon, dass ich mich hier reichlich unwohl fühlte. Und das lag nicht nur an der sengenden Hitze. Ob die Frau auch so stark schwitzte? Das war unter dem Bandana nicht zu sehen. Die schwarze Hexe nötigte mich mit ihrer vorgehaltenen Waffe, seitlich in den Wald zu gehen, vor ihr her. Sie hatte eine ziemlich große und offensichtlich schwere Tasche bei sich, die sie lässig über der Schulter trug. Wir gingen tief in das Unterholz hinein. Endlich kamen wir an einer Lichtung an. Dort gab es einen Baumstumpf. Meine Nemesis hatte bis jetzt nicht gesprochen. Jetzt bellte sie kurz: „Dort setzen Sie sich nieder! Jetzt!“

 

Gehorsam setzte ich mich auf den Baumstumpf. Sie zog aus ihrer Umhängetasche ein Manuskript heraus. Ein sehr dickes Manuskript. Ich ahnte es schon, aber da sprach sie es bereits aus: „Das ist mein Roman „Lost Voice“, mein Herr. Den werden Sie jetzt lesen. Schön laut. Ich höre Ihnen zu. Es wird Sie erheitern zu hören, dass ich selbst nur dann gewillt bin, diese Waffe hier (dabei schlenkerte sie mit dem Lauf) einzusetzen, wenn Sie länger als 1 Minute abzusetzen die niedere Stirn besitzen!“

 

Das waren ja nette Aussichten. Sie übergab mir den Schinken, ich schluckte erneut. „Da werde ich aber hin und wieder etwas trinken müssen, Frau Konrady!“ „Pegasus-Preisträgerin Sandra Konrady, so viel Zeit muss sein!“ „Haben Sie nun etwas zu trinken in Ihrer Monster-Handtasche oder nicht?“ „Schon wieder so ungezogen, Bursche?“ „Bursche?“ „Ja, Bursche! Und ja, ich habe etwas hier, für Sie…“ Und Konrady zog aus ihrer Handtasche eine Dose Diät-Cola, reichte sie mir. „Sind Sie denn Borderliner oder so was?“ fragte sie. Ich entgegnete nichts darauf, nahm die Cola und riss sie auf. Sofort nahm ich einen Schluck, stellte die Dose neben mich auf den Moosgrund. „Nur immer dieses Gezeter und Genöle, immer diese Wutausbrüche und Zornattacken. Sie müssen ein Borderliner sein, Meister Caspar! Nun lesen Sie, mein Herzchen, lesen Sie… Die Stimmbänder sind geölt, die Zunge marschiert wie gewollt, also lesen Sie endlich, Liebelein!“ Sie säuselte mich jetzt an, und ich war deutlich eingeschüchterter als zuvor, da sie mich so angeherrscht hatte. Ich räusperte mich, dann sah ich auf dieses dicke Bündel Papier auf meinem Schoß hinab. Das konnte ja heiter werden. Wie viele Minuten würde ein 700-Seiten-Roman an Lebenszeit verbrauchen? 360? Mehr? Das 17 Uhr Vesper konnte ich vergessen. Sandra Konrady öffnete ebenfalls eine Dose Diät-Cola und trank. Dabei hielt sie weiterhin die Waffe auf mich gerichtet. Sie hatte das alles sehr geschickt mit nur einer Hand zur Lippe führen können. Indem sie diese Dose auf ihrem linken Oberschenkel abgestellt und dann den Clip aufgerissen hatte, alles im Stehen. Sehr raffiniert. Die Frau hatte echt etwas drauf. Keine Frage. Langsam setzte ich an und las, presslippig und schleppend:

 

 

 

L O S T      V O I C E

 

 

Inspiriert durch denn Song „Would you still love me?“ von Stefanie Heinzmann

Würde ich mich selbst noch lieben, wenn ich das verliere, was mich ausmacht? Meine Stimme, mein Talent, dass, worüber ich mich definiere und definiert werde? Was würde ich dann tun? Was, wer, bin ich dann? Kann ich mich dann selbst noch im Spiegel ansehen? Mich akzeptieren?

Kapitel 1

Sie stand in jenem Bereich, zwischen Backstage und Bühne, jener Zwischenwelt, die man betritt, bevor es auf die Bühne geht und man sich manchmal fragt: Was tue ich hier? Oder: Ist das alles wirklich wahr? Ist das doch nur ein Traum? Man sieht und hört, ohne selbst gesehen zu werden, das Publikum und gleichzeitig spürt man hinter sich den Trubel der Crew und aller anderen aus dem Backstagebereich im Rücken. Man selbst befindet sich in einem merkwürdigen Gefühl, das Herz pocht wild, Freude und Angst zu versagen, mischen sich mit dem Gefühl, sich gleichzeitig von außen zu beobachten, während man alles doch gleichzeitig aus seinen Augen und sich selbst heraus beobachtet und wahr nimmt. Wunderschön, herrlich verwirrend und einem auf seltsame Art Kraft gebend. Sie badete in dieser wundervollen merkwürdigen Wahrnehmung.

Merlin hatte sich angewöhnt, vor jedem Auftritt kurz in genau dieser Zwischenzone stehen zu bleiben, ihre Augen zu schließen, sich auf das Wahrnehmen all dieser Eindrücke und Gefühle zu konzentrieren, sich von all dem durchströmen zu lassen, bis sie, kurz, bevor sie bereit war, los zu gehen, einige Male kräftig und tief durchatmete, sich langsam vorbeugte, bis sie ihre Zehen berührte, kurz verweilte, und dann ihre Arme vorstreckend, sich langsam wieder erhob und die Arme mit ausgestreckten Händen und Fingern, über ihren Kopf bewegte, dabei atmete sie tief ein und erst wieder aus, wenn ihr ganzer Körper gerade gestreckt war. Langsam ließ sie dann ihre Arme zur Seite hinunter. Erst dann machte sie den ersten Schritt über die Grenze, der sie aus der
so eigenartigen und doch wundervollen Zone herausführte.


 

Ich wagte zu schlucken und eine kurze Pause zu machen, sah zu Frau Konrady hoch. Die wackelte mit der Waffe und sagte mit tiefer Stimme: „Eine Minute…“ Das war Drohung genug. Ich las:

 


 

Sobald das Publikum sie sah, jubelte es begeistert los und rief freudig und voller Erwartung ihren Namen, schwenkte Schilder oder Tücher und klatschte freudig in die Hände. Die anderen waren schon längst auf ihren Postionen und bereit loszulegen. Merlin musste lächeln, als sie sie alle sah und daran dachte, wie verdutzt sie waren, als sie zum ersten Mal ihr Ritual durchgeführt hatte. Da waren sie nicht die einzigen gewesen.

Am Anfang, bevor sie ihren großen Durchbruch gehabt hatten, brachte das einige Veranstalter und Eventmanager durcheinander, einige hatten sogar in ihrer Eile und ihrem Stress versucht, Merlin davon abzuhalten. Doch Archi, ihr Gitarrist, meinte dann immer nur: „Da können sie gleich versuchen, die Sonne am untergehen oder den Wind daran zu hindern zu wehen.“

Kurz, es war unmöglich, nichts konnte Merlin daran hindern, ihr Ritual durchzuführen. Inzwischen war es so etwas wie ihr Markenzeichen, auch wenn sie es nicht aus diesem Grund tat, nur um einen Trend zu setzen oder sich damit besonders hervorzutun. Es war einfach etwas, das ihr selbst, für sie selbst, wichtig war. Sie brauchte es einfach, weil es ihr so gut tat.

Sie nickte ihren Leuten zu, alle waren bereit, sie wollten den Laden heute so richtig rocken, Merlin konnte dieses begeisterte Feuer in ihren Augen sehen. Oh ja, sie wollten alle gemeinsam Musik machen und mit allen ihre Liebe für die Musik teilen. Darum waren sie alle hier.

Mir klopfenden Herzen und unter dem Jubel des Publikums ging sie ans Mikrofon, die ersten Töne ihres Eröffnungssongs schwebten mit dem Jubel um sie herum, nun stand sie vor dem Mikro, blickte ins Publikum, nickte und wippte mit der Musik bis zu ihrem Einsatz mit, ließ sich von Rhythmik und Beat mitreißen, gleich würde der Moment kommen, und sie wusste, der Jubel und die Begeisterung würden sich noch mehr steigern, wenn sie die ersten Töne singen würde, die ersten Worte des Songs lagen ihr schon schmackhaft auf Zunge und Lippen. Da! Gleich!

Sie holte tief Luft, um Kraft für den ersten langen Ton zu haben, bereitete ihren Körper auf das Singen vor. Die Nervosität war nun weg. Ihr Herz schlug immer noch, doch nun aus lauter Freude, Freude am Singen. Aus dieser Freude, dieses Eine tun zu dürfen, was sie immer schon geliebt und gelebt hatte, womit sie sogar ihr Geld verdienen durfte, mit dem, was sie über alles liebte, mit jenen, mit denen sie diese Leidenschaft schon lange teilte und so dankbar für all das war, für all jene, die sie unterstützten und geholfen hatten, ihre Fans, die immer da waren und sich ihre Songs anhörten und vor allem, hören wollten - und das immer wieder und wieder.

Es war so großartig. Es ist ein langer Weg bis hierher gewesen und nicht immer ein leichter, aber sie hatten es geschafft. Und nun, durften sie allen dankbar das zurückgeben, was sie von so vielen bekommen hatten.

Merlin wollte nie mehr etwas anderes machen als Musik, als zu singen, das war ihr eigener Lebensinhalt, dass, was sie ausmachte. Singen, Musik, das war sie, Merlin.


 

Ich trank rasch einen Schluck der Diät-Cola, wischte mir den Mund und meinte trocken: „Mir wäre jetzt sehr nach einer Zigarette, Sie Pegasus-Preisträgerin!“ Da war viel Zynismus in meiner Stimme.

Sandra Konrady meinte nur lakonisch: „Das werden Sie in einer Minute nicht schaffen, Caspar. Wir haben jetzt bereits fast 30 Sekunden verbraucht. Was meinen Sie? Sollten Sie nicht weiterlesen?“

Ich sah es ein. Besser, ich las weiter. Dieses Fuchteln mit der Glock nervte extrem. Ich setzte erneut an, bangen Herzens:


 

Der Einsatzton kam, sie öffnete den Mund, hatte vorher noch einmal Luft geholt, ihren Rücken und Körper gestrafft, damit sie den Ton und die Luft tief aus ihrem Bauch holen konnte, blickte dann entschlossen nach vorn, mit der Hand am Mikro… jetzt!

Erst merkte das Publikum nichts, vielleicht dachte es, es würde sich um einen Scherz handeln, einen Joke, den man sich schon mal erlaubt, um gute Stimmung zu verbreiten. Doch, nach und nach, breitete sich von der ersten bis zur letzten Reihe eine Ahnung, ein Gefühl der Unruhe aus, etwas stimmte hier nicht.

Kurz wurde es still auf der Bühne, dann setzte die Musik noch mal von vorne ein. Vielleicht doch nur eine Panne? Bereit, jederzeit loszujubeln, wenn der Gesang einsetzten würde, warteten die Leute gespannt auf diesen von ihnen so heiß erwarteten Song. Die Karten waren nicht gerade günstig, viele hatten lange gespart, um sie sich für ihre Lieblingssängerin leisten zu können, einige hatten sich sogar extra Urlaub genommen. Merlin war unglaublich gut und jeden Cent wert. So warteten sie auf jene Stimme, die sie so gerne live hören wollten, nach deren besonderen Klang sie sich sehnten, ihn erwarteten. Alle schauten gespannt auf sie. Sie warteten und blickten auf die große Leinwand, mittels derer man Merlin auch von weit hinten sehen konnte. Aber es kam nichts, nicht ein Ton kam aus Merlins Mund, obschon sich ihre Lippen bewegten. Anstatt jedoch eine wild begeisterte und Energie versprühende Merlin, sahen sie eine verzweifelte, verängstigte und mit vor Entsetzen geweiteten Augen da stehende Merlin. Sie wirkte vollkommen verunsichert wie ein kleines Kind, das nicht begreifen konnte, was da mit ihm geschah, was da los war.

Wieder und wieder versuchte Merlin mit ansteigender Panik ihre Stimme erklingen zu lassen, so wie sonst auch, die ersten Töne zu singen oder überhaupt einen, irgendeinen Ton über ihre Lippen zu bringen. Doch es kam einfach nichts, rein gar nichts, egal wie oft sie es auch versuchte. Alles war still, jeder schwieg, alle starrten sie an, wie konnte eine so große Menge nur so leise sein? Es war regelrecht totenstill, auch auf der Bühne war nichts mehr zu hören. Sie fing an zu zittern, wurde immer verzweifelter, bis sie schließlich zu weinen begann. Egal, wie lange sie es auch versuchte, es gelang nicht, nicht einmal Worte wollten ihr über die Lippen kommen, auch ihr aus tiefster Angst und Verzweiflung abgesetzter Schrei kam ihr nur als warmer Atem aus dem Mund, blieb stumm und ungehört.

Wie konnte das sein? Sie hatte vorhin doch noch ein paar Gesangsübungen machen können, sogar einige Worte mit den Leuten von der Crew gewechselt - und nun war ihre Stimme nicht mehr da? Einfach von jetzt auf gleich verschwunden? Weinend und zitternd glitt sie auf die Knie, ihre Hände umklammerten noch den Mikrofonständer, als hätte sie Angst, loszulassen und endgültig alles zu verlieren, was ihr je Halt gegeben hatte.

Sie hatte ihre Stimme verloren!


 

Die Dramatik des gerade Gelesenen erfasste auch mich. Instinktiv hatte ich, der bis dahin eher lakonisch und sehr ruhig gelesen hatte, die Stimme erhoben, den Satz „Sie hatte ihre Stimme verloren!“ stieß ich in relativer Verzweiflung in der Stimme hervor. Das brachte mir einen doch recht anerkennenden Blick der Autorin ein. Ich hatte mich packen lassen. Ein Schluck Cola, ein nahezu sehnsüchtiger Griff an die Packung Zigaretten in der Hemdtasche, dann las ich weiter:


 

Das war unmöglich, ihr ging es doch gut. Sie achtete sehr auf ihre Gesundheit, tat alles, was sie konnte, damit sie nie krank wurde. Und alle Termine waren so gelegt, dass es ihr genug Zeit gab, sich gut zu erholen, damit sie auch genug langen Atem zum Durchhalten hatte. Wie konnte ihr das nun also passieren, wie konnte sie verlieren, was ihr so wichtig und wertvoll war? Sie war einfach weg. Weg, fort, verloren. Ihre Stimme.

Merlin sackte immer mehr körperlich und seelisch in sich zusammen, wurde immer kleiner, schrumpfte nur noch auf das Gefühl zusammen, in einen tiefen, bodenlosen, finsteren und kalten Abgrund aus Angst und Verzweiflung hinabgezogen zu werden. Sie sank immer tiefer hinab, ohne jede Rettung.

MER!!!!!“ Sie machte die Augen auf und sah zu der Stimme auf, die sie gerufen hatte.

Archi kniete neben ihr und legte sanft seine Hand auf ihre Schulter. „Mer, du musst erst mal von der Bühne runter. Keine Sorge, wir finden raus, was los ist. Ich bin da, wir alle sind da, du bist nicht allein.“ Sagte er, doch in seinen smaragdgrünen Augen war deutlich die Sorge zu sehen. Er hatte versucht, zuversichtlich zu klingen, damit Merlin nicht noch mehr Angst bekam, doch sie kannte ihn jedoch gut genug, um zu sehen, dass selbst er, der sonst immer der Entspannteste und Gelassenste von ihnen war, zutiefst schockiert war. Wie um seine Worte zu bestärken, versammelten sich die anderen um sie beide und bildeten einen Kreis. So konnte Merlin nur noch sie und ihre geliebten Gesichter sehen. Sie war nur noch von geliebten Menschen umgeben, und vor dem aufgeregten Publikum abgeschirmt.


 

Wieder ein Schluck Cola. Ich sah auf Sandra Konrady. Sie schien es zu genießen, dass ein solcher Vortragender ihr Werk las, der durchaus darin geübt war, Texte einem Publikum zu präsentieren. Sie trank und nickte mir dann zu. „Fahren Sie fort, Caspar. Nur zu…“ Wieder musste ich schlucken.


 

Sie war ihnen sehr dankbar, sie wusste und spürte, wie sie ihr damit versuchten zu helfen, und ihr Kraft zu geben, ihr das Gefühl zu geben, dass sie wirklich nicht allein war. Vor allem Archis Hand auf ihrer Schulter, fühlte sich wie jenes Seil an, das sie nach und nach aus der Dunkelheit aus Verzweiflung und Angst langsam ans Licht zog. Und dieses Seil, das wusste sie, würde, egal was kommen würde, nie reißen. Niemals.

Ganz sachte und langsam, löste sie ihre zitternden Hände vom Mikroständer und stand langsam und vorsichtig mit Archis Hilfe auf. Hätte er sie nicht gestützt, wäre sie gleich wieder durch ihre zitternden Beinen gestürzt. Ganz langsam und vorsichtig gingen sie, immer die vor sich hin weinende Merlin im Auge behaltend, richtig Backstage.

Und so musste Merlin zum allerersten Mal in ihrem Leben etwas tun, was sie noch nie zuvor getan hatte, und nicht einmal auch nur je gedacht hätte, dass es einmal dazu kommen würde.

Sie musste die Bühne verlassen, ohne auch nur einen Ton gesungen zu haben oder auch nur ein Wort an das Publikum gerichtet zu haben.

Sie, ihre Stimme hatte versagt, das konnte nicht sein. Sie hatte sich und alle anderen enttäuscht. Aus lauter Verzweiflung fing sie lautlos an zu schluchzen. Ihre Stimme, ihre Begabung, ihren ganzen Lebenszweck, sie hatte wohl alles verloren. Ihre Stimme war fort, und ob sie sie je wieder zurück bekommen würde, konnte sie jetzt und hier nicht sagen. Vielleicht hatte sie alles für immer verloren.

Sobald sie im Backstagebereich angekommen waren, brach Merlin ohnmächtig zusammen. Der Schock war einfach zu groß. Archi fing sie auf, sie bekam noch mit, wie er sie hochhob und in Richtung Garderobe trug. Dann glitt sie davon.


 

Ich blickte auf. Jetzt sah Sandra Konrady gar nicht mehr so zynisch, beängstigend belustigt oder gar grausam entschlossen aus. Nein, sie sah sogar freundlich auf den Leser hinab. Die Waffe hatte sie nun am Oberschenkel angelegt. Sie drohte nicht mehr damit. Offensichtlich hatte ich gut gelesen.

„Lassen Sie nur, Caspar. Wie Sie gelesen haben, hat mich sehr gefreut. Ohne jeden Zweifel sind Sie voll in die Geschichte der armen Sängerin, die ihre Stimme verloren hat, eingestiegen. Dann habe ich wohl ihr Herz und ihre Seele erreicht mit der bisherigen Lektüre, ja?“

Ich nickte bekräftigend. „Doch, dass, was ich bisher gelesen habe, hat mich überzeugt. Die Angst und die Verzweiflung haben Sie gut übermitteln können. Man leidet mit der Sängerin. Und diese Frage treibt den Leser oder Hörer um: Was um alles in der Welt ist da passiert? Warum ist die so hervorragend trainierte Stimme weg?“

Sandra meinte sanft: „Sie brauchen nicht mehr weiter zu lesen. Das reicht. Ich sehe schon, Ihre Lektion haben Sie gelernt…“ Sie packte die Glock 19 in ihre Monsterhandtasche. Ohne Zweifel hätte sie dort auch noch eine Pizza, 6 Flaschen Bier und mehrere Äpfel unterbringen können. Es war mit Abstand die größte Handtasche seit Golda Meir.

Dankbar sah ich sie an. „Danke! Nicht, dass mich der Fortgang der Geschichte nicht interessieren würde… Aber für den Moment hatte ich genug an Lesestoff.“ Ich steckte mir eine Zigarette an und inhalierte mit gewaltigem Suchtpotenzial, tief und wie erlöst. „Wenn Sie wissen wollen, wie es nun weitergeht, dann gebe ich Ihnen gern eine Kopie des Manuskripts. Ist allerdings noch sehr viel zu lesen.“ Das konnte ich sehen. Der Schinken auf meinen Schenkeln wog schwer. Ich sagte, um ihr eine Freude zu machen: „Freut mich ganz ungemein, dass Sie auch fernab von all den Gnomen, Elfen, Zwergen, Feen und Fabelwesen aller Art ganz hervorragende Belletristik zustande bringen können. Respekt. Ich dachte tatsächlich, Sie wären zu solch einer Literaturgattung gar nicht in der Lage. Was ich da bislang lesen durfte, hat mich überzeugt…“

„Sagen wir doch du zueinander. Ich bin die Sandra.“ „Ich heiße Gerd, aber das weißt du ja sicher schon lange.“ „Also, Gerd, ich hoffe, du verzeihst mir die Bedrohung mit der Waffe. Aber ich war so sauer, dass ich fast geplatzt wäre. Diese bornierte, peinliche Attitüde eines blasierten Affen hat mich total fertig gemacht. Überheblich und arrogant fand ich das. Aber das vergessen wir jetzt mal ganz flott. Wie du gelesen hast, hat mich davon überzeugt, dass du deine Meinung über mich sehr deutlich revidiert hast.“

„Sehr richtig, Sandra. Ich habe jetzt tatsächlich meine Lektion gelernt. Man sollte nicht vorschnell urteilen. Nur, weil du bislang im Fantasy-Bereich unterwegs warst, heißt das nicht, dass du dieses Sujet nicht zu bedienen weißt. Ich bin geheilt und bitte vielmals um Pardon. Es tut mir sehr leid!“

„Das hat gut getan, Gerd“, sagte Sandra, nahm einen langen Schluck Cola und freute sich sichtlich. „Damit sind wir wieder gut miteinander. Vielleicht, wer weiß, können wir sogar Freunde werden!“

„Nichts spricht dagegen, liebe Pegasus-Gewinnerin! Und du hast diesen Preis vollkommen zu Recht erhalten. Ich wäre niemals in der Lage, solch dicke Bücher zu schreiben. Nur, jedoch dies noch: Ein Fantasy Liebhaber werde ich aber im Leben nicht mehr! Sorry! Kann nichts damit anfangen!“

„Aber das macht doch nichts. Dir hat Lost Voice, bis dahin, gefallen. Und das zählt doch. Jetzt weißt du, dass ich auch anders kann. Ich habe mir deinen Respekt verdient. Und allein dies war, keine andere Intention hatte ich, mir wichtig. Mission accomplished. Und wir sind ab jetzt und heute sogar befreundet. Ein rundum gelungener Tag für mich…“ Sie kramte aus ihrer Riesen Handtasche den Pegasus hervor und hielt ihn hoch über dem Kopf in den Himmel. Ich gönnte Sandra Konrady diesen Triumph jetzt doch sehr. Neidlos blickte ich sie an. Sie hat den Pegasus verdient, gar keine Frage. Sollte er sie auf seinen Schwingen in ungeahnte Höhen tragen.

„Ohne zu spoilern, was kommt denn jetzt noch auf den Leser zu bei LOST VOICE?“

„Na ja“, meinte Sandra, „Merlin findet sich im Zwischenbereich wieder. Allerlei Fabelwesen kümmern sich um sie. Es ist dieser diffuse Bereich zwischen Wachen und Träumen. Und hier, fabelhaft, erlebt die Sängerin Merlin dann allerlei Abenteuer mit allerlei Geistwesen und….“

Ein entsetzlicher Schrei drang aus meiner Kehle und ließ die Vögel in den Baumwipfeln um uns herum aufgescheucht und in Panik davon flattern. „Aaaaargh“, brüllte ich, „nein!! Das ist doch Bullshit! Bitte nicht! Geistwesen? Geht das denn jetzt schon wieder los? Neeeeeein!!“

Sandra Konrady kramte die Glock 19 aus ihrer Handtasche und richtete die Waffe mit strenger Miene auf mich. Und sie zielte auf einen Punkt genau zwischen meinen Augen. „Zigarette weg! Lesen, Caspar! Sie werden das komplette, 712seitige Manuskript jetzt lesen, haben wir uns da verstanden, ja?“ „Ich bitte Sie, das ist zu grausam, Frau Konrady! Das können Sie doch nicht mit mir machen… Das ist unmenschlich…“ Ich war der Verzweiflung nahe, schnippte aber gehorsam die Zigarette weg, die die Pegasus-Gewinnerin nun energisch austrat.

„Lesen!“ meinte sie kategorisch. Sie schlenkerte mit der Glock. „Sie werden jetzt sofort lesen!“

Ich nahm entnervt das Manuskript zur Hand. Was für ein Tag!


 


 

LOST VOICE AUSZUG:
Sandra Kroll, Autorin aus
Gelsenkirchen

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.11.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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