Tina Kaiser

Emma - die Liebe suchend

Erfüllt von Hoffnung sitze ich im Bett und suche nach dem Mann, der mit Pfeil und Bogen auf dem weißen Pferd angaloppiert kommt und um meine Hand anhält. Der Prinz, der mich zu seiner Prinzessin macht und mit mir ein Königreich aufbaut. Der Werther, der mich anschmachtet und heimlich über mich Gedichte schreibt. Ich suche meinen Damon, dem nichts auf der Welt von der Liebe zu mir abbringen kann. Der Gott, der mir den Olymp zu Füßen legt. 

Aber ehrlich gesagt, ich bin 30 Jahre und erwachsen. Mir ist klar, dass ich von all dem im Zweifel höchstens 15 Prozent bekommen werde und selbst das scheint mir gerade unmöglich.

Ich bin quasi gerade eben von einer langjährigen Beziehung getrennt. Naja.. ich wurde verlassen. Weil ich bin, wie ich bin und wegen einer anderen. Und ich denke mir, dann wird das der nächste Frosch, den ich irrtümlicher Weise für meinen Prinzen halten werde, wohl auch tun. Jeder.
Kennt ihr diese Leute, ich glaube jeder kennt so jemanden, die jemanden kennen, der einen kennt, von dem man sagt, dass derjenige immer allein war und es niemand für möglich hielt, dass derjenige mal jemanden abbekommt, weil dieser so eine eigene Art hatte und dann doch jemanden fürs Leben fand?
Ich denke, so jemand bin ich. Nur, dass ich wirklich niemanden finden werde. Obwohl, nein, das stimmt nicht, ich denke, dass ich jemanden finden werde, derjenige aber mich nicht will. Eben, weil ich anders bin.

Andererseits, wenn ich Filme schau, dann möchte ich genau sowas haben. So eine Liebe. Morgens zusammen aufwachen, die Augen aufmachen und wissen, dass man der glücklichste Mensch auf der Welt ist.

Aber ich denke, ich habe zu hohe Ansprüche… 

Das Ding ist, ich möchte, dass man MIR hinter her rennt, nicht umgedreht. Leider ist es immer irgendwie umgedreht der Fall, weil ich immer das Gefühl habe, ich müsste jemanden erst beweisen, dass er mir hinter her rennen will. Das mache ich immer. Meldet sich der Typ nicht, melde ich mich. Antwortet der Typ nicht, schreibe ich. Will sich der Typ nicht mit mir treffen, frage ich nach. Hat der Typ keine Zeit, frag ich erneut nach. 

Damit ist jetzt Schluss. Wer an mich denkt, soll es mir zeigen. Wer mich sehen will, soll sich anstrengen. Wer mir seine Gefühle zeigen will, soll sie mir beweisen. Wer mich haben will, soll um mich kämpfen. Ich schreibe nicht mehr zuerst. Ich antworte auch nicht mehr sofort und nicht immer. Ich melde mich auch mal ne Woche nicht. ich habe auch mal keine Zeit.

Aber was ist, wenn das niemand tut???
Niemand?
Und deswegen mach ich das dann immer.

 Alle sagen immer, dass ich so toll und so hübsch bin und dass sie es nicht verstehen können, dass ich single bin. So ein Schwachsinn. Wäre ich so toll, dann gäbe es jemanden, der für mich bis ans Ende der Welt segeln würde. Ich bin nicht perfekt ja und oft in jeder Hinsicht to much, aber ich gebe immer so viel und ich möchte doch nur jemanden finden, der mich für immer und ewig lieben wird. Ich möchte Jemand, der den ersten und auch den siebenhundertsten Schritt macht, um mir das zu beweisen. Jemand, der in meine Vorlesung kommt, um bei mir zu sein, der mir Blumen pflückt und mir Liebesbriefe schreibt. Okay, ja bisschen zu viel, ich weiß, aber: 15 Prozent.

Wo sind meine 15 Prozent?

Ich bin hübsch, ja, schon.. aber vor allem bin ich süß. Wenn ich jemanden liebe, dann richtig und für immer. Dann will ich jeden Tag wissen, wie sein Tag war und zwar jede einzelne Sekunde. Ich höre mir alle dummen Witze an, die seine Kumpels gerissen haben und überdenke jedes Teil, was er zusammengeschraubt hat und habe die Straßen vor Augen, in denen er sich über andere Autofahrer aufregte. Ich backe, ich koche. Ich versuche sexy zu sein, wie er es will. Ich versuche die Vorzeigefreundin zu sein. Ich zicke nicht und mich interessieren keine anderen Männer. Mich interessieren dann nicht einmal Einhörner. Ich bin loyal und süß. Wo sind also meine 15 Prozent, wenn ich doch 3470 Prozent gebe.
Das ist nicht fair. 

Aber so ist die Liebe. Schiller oder Goethe, keine Ahnung mehr genau wer, sagte mal… „Welch ein Glück geliebt zu werden und lieben, Götter, welch ein Glück“

Ich interpretiere, schweres Wort, das so, dass es das schönste Gefühl auf der Welt ist, verliebt zu sein, egal, ob unglücklich oder nicht. Weil die Liebe mit ihrem Positivem auch alle anderen Facetten bietet und einem zugleich alles fühlen lässt. Liebe, Hoffnung, Enttäuschung, Zweifel, Schmerz, alles. Und deswegen sollte man das in vollen Zügen genießen, weil nicht anderes auf dieser Welt einem das bieten kann. 

Nur die Liebe.

Also fühle ich es weiterhin.

Die Hoffnung auf meine 15 Prozent.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.11.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Die Autorin, geboren 1960, wohnt im Dreiländereck Nordrhein-Westfalen/Hessen/Rheinland-Pfalz. Erst spät hat sie ihr Talent zum Dichten entdeckt und ihre Gedanken und Erfahrungen zusammengetragen. So entstand eine Gedichtsammlung, an der die Autorin gerne andere Menschen teilhaben lassen möchte, und daher wurde der vorliegende Band zusammengestellt.

Das Leben ist zu kurz, um es mit Nichtigkeiten zu vergeuden oder um sich über die Schlechtigkeit der Welt allzu viele Gedanken zu machen. Wichtig ist, dass man sich selbst nicht vergiften lässt und so lebt, dass man jederzeit in den Spiegel schauen kann.

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