Andreas Langer

Die Zeitreise

Teil 1

Ich wollte mich weiterentwickeln.

Mein Bruder, dieser unselige Mensch, mit dem ich mir zeitlebens die Liebe meiner Eltern teilen musste, schickte mich auf eine Bildungsreise, wie er es nannte.

" Wo soll es denn hingehen?", fragte ich ihn entnervt.

Er wedelte hinter seinem riesigen Mahagonitisch mit den Geldscheinen, von denen seine Firma jedes Jahr durch den weltweiten Verkauf von Kinderspielzeug Unmengen abwirft und ich mutmaßte schon, dass er ein bisschen seine Ruhe vor mir brauchte.

Und so war es auch.

War es wirklich so? Oder steckte noch etwas ganz Anderes dahinter?

Als sein Adjutant, durchaus zeitweise bis häufig entbehrlich, war sein Angebot aber vermutlich nicht nur uneigennützig: " Du gehst zu Bluepointing timejourney und fragst nach der Tour für die Katakomben...".Mir brach der Schweiß aus. Bluepointing timejourney war 50 Jahre nach der Dekontamination der Restzivilisation und des Erdballs, die nach der Kriegsapokalypse des 21. Jahrhunderts nötig gewesen war, im Laufe der letzten Jahrzehnte zum Zeitreiseunternehmen aufgestiegen, dem einzigen seiner Art.

"Ich habe aber keine Erfahrungen mit sowas...", entgegnete ich Gregor. (Kaltschnäuzige Brüder müssen auch einen Vornamen haben).

"Eine nette Umschreibung dafür, dass du Schiss in der Buchse hast..." erwiderte er und schmiss mir das gewedelte Bündel in einer gefächerten Ordnung entgegen, wo es kurz vor der Tischkante griffbereit liegenblieb.

" Na gut", sagte ich knapp. Bei sticheligen Kommentaren dieser Art, ließ ich mich oft nicht lumpen und griff beherzt zu. Auch wenn ich mit Weiterentwicklung gar keine oder andere Vorstellungen gehabt habe, suchte ich nun die Buepointing timejourney auf.

 

Ich meine wir leben im Jahr 2082.

Die Menschheit hatte sich technologisch zwar exponentiell weiterentwickelt, aber der Krieg hatte die Umsetzung des angehäuften Wissens nicht nur stagnieren lassen, es war teilweise sogar verloren` gegangen. In den Teilen des Landes jedoch, denen er nichts bis wenig hatte anhaben können, waren futuristische Skyscraper in den Himmel geschossen. Allerdings ist das Wort "futuristisch" etwas unterhöhlt, wir sind längst in der Zukunft angekommen.

In einem dieser Riesengebäude, nahe eines großen deutschen Flusses, dessen Strom und Luft durch ein ausgeklügeltes Pflanzenphotosynthesesystem erneuert wird, (die Außenfassade war grün bepflanzt), stieg ich mit einem Einpersonenturbofahrstuhl in höhere Sphären und entstieg der Kabine im 69ten Stock.

Nicht nur das Wort futuristisch war unterhöhlt, der Ort meiner Reise war an sich etwas Unterhöhltes.

"In die Katakomben dieser nah gelegenen Kleinstadt...", sagte ich der nickelbebrillten Reisebüromitarbeiterin, die ein blau blinkendes Bluepointing timejourney Namensschild am Revers trug.

"Sie sind sich darüber im Klaren, dass Sie dann ins Jahr 1689 zurückreisen werden?" entgegnete sie, während sie mich kritisch über ihren Brillenrand beäugte.

"Ich bin mir über gar nichts im Klaren", entfuhr es mir. "Für mich ist die Prüfung ihres Angebots keine wirklich freiwillige Sache...".

"Nun gut"' entgegnete sie. " In persönliche Angelegenheiten pflege ich mich nicht einzumischen".

Diese ihre Worte, die ihrem giraffenartig langen Hals so kehlig und dröhnend entwichen, ließen mich überlegen, ob ich es vielleicht mit einer Robotin zu tun hatte.

Bluepointing timejourney war das Mekka erhaltener und sich weiterentwickelnder Technologie, das Roboter, hybride Lebensformen und Zeitreisetechnologie beherbergte. Jeder Laut, der aus ihrer Kehle zu mir drang, ließ eine metronomische Resonanzamplitude in Form plötzlich aufschimmernder blauer Leuchtdioden auf ihrem Bluepointing timejourney Namensschild erstrahlen und gewährte für die Zeit, in der sie sprach, tief erleuchtete Einblicke in ihren vom Jackett umrandeten Ausschnitt. „Die Realität, die sich ihnen dort präsentiert, zeigt sich in einer ganz anderen Umgebung, einer Lebenswirklichkeit, die manch einer aus der heutigen Zeit als primitiv bezeichnen würde“, fuhr sie ansatzlos fort, wobei sie einen Nasenflügel nach dem anderen anhob, um ihre Brille zu richten. „Ja, sofern der Krieg Sie nicht hat verarmen lassen und man nicht in den restricted areas sozialisiert wird. Dann empfindet man das Primitive vielleicht als normal“, stellte ich mit widerstandbietender Selbstzufriedenheit fest.

„Wir veranstalten keine soziologischen Touren.“

Der Laut ihrer Erwiderung war diesmal so kehlig metallisch, dass die Leuchtamplitude, nebst Einblick, volle Strahlkraft bot. Das konnte kein Mensch sein. „Des Weiteren kennt man ja die gängigen Vorwarnungen bei Zeitreisen, nicht das Raum-Zeit-Kontinuum durcheinanderzubringen, was wodurch geschehen kann?“ Jetzt ging diese Dame doch tatsächlich noch in die Rolle der Oberlehrerin. „Indem man zu stark auf die vorherrschenden Ereignisse einwirkt und sie und damit die Zukunft nachhaltig verändert oder indem man seinem früheren Ich begegnet?“ setzte ich fragend an. Ganz der brave Schüler. Eben…“, murrte sie. „Aber da Sie nicht in eine Zeit zurückreisen, in der Sie schon geboren waren, werden sie wohl kaum ihrem früheren ich, ihrem Alter Ego, begegnen. Der erste Punkt ist allerdings eine ernstzunehmende Sache. Bluepointing timejourney macht zerebrale Mitschnitte ihrer Reiseereignisse und diese Amplitudendiodenkette, (sie reichte mir tatsächlich eine Miniaturampel, die an einer grobgliederigen Silberkette hing), wird ihnen anzeigen wie sie in der Vergangenheitssituation idealtypisch interagieren sollten: Grün ist gut, gelb ist grenzwertig,…“ „ und rot der Zukunftstod“, entfuhr es mir, sie poetisch unterbrechend. „Na ja; vielleicht nicht so dramatisch, weil es verändert und nicht unbedingt zerstört, aber bitte, wenn sie es so formulieren wollen…“.

Sie schilderte außerdem, dass es ein unterirdisches Tunnelsystem unterhalb dieser Kleinstadt, dem Ziel meiner Anreise, gäbe, dass viele Kilometer lang wäre. Früher habe es der Zwischenlagerung und Aufbewahrung von Handelswaren gedient, weil der Ort dort ein geographisch wichtiger Handelspunkt, quasi eine Schnittstelle für alle Himmelsrichtungen des Handels gewesen sei. „Und was entsteht, wenn alle lagern woltlen?, fragte sie obligatorisch, um dann freimütig in Oberlehrermanier fortzufahren: „Richtig, Platzmangel! Daher das Tunnelsystem.“

„Was an dieser Reise würde mich denn innerlich reifen lassen?“, wollte ich wissen.

Einen Mundwinkel zog die Dame daraufhin leicht entnervt hoch und sagte: „Ihr Herr Bruder meint es wäre die ideale Erlebnistour für Sie und zu Interaktionen mit damaligen Zeitgenossen und Begegnungen, wird es notwendigerweise immer kommen. Lucy, ihre Reisebegleiterin, wird Sie als Beobachterin ihrer Verhaltensampel im Zweifelsfall zerebral steuern und mit ihnen in Verbindung bleiben, um gegebenenfalls bei notwendigen Handlungsinteraktionen zu intervenieren.“ Eine Art Gedankenübertragung, davon sprach der Volksmund, ich hatte schon davon gehört, aber in die Dimensionen einer anderen Zeit? Die Technologie musste Quantensprünge gemacht haben. „Ähm, okay…“, erwiderte ich kleinlaut.

„Ist 1689 nicht irgendwo in der Schwebe zwischen Mittelalter und französischer Revolution?“, wollte ich wissen.

„Eine Zeitreise in die Französische Revolution hätten wir auch noch im Angebot…“, reagierte sie prompt und ihre Worte wirkten sehr eindringlich, als sie ausführte:“ Wir könnten das umbuchen. Sie würden den Sturm auf die Bastille erleben, an Robespierres Seite stehen und das Guillotinieren mitbekommen. Für diese Art Reise empfehlen wir allerdings eine zusätzliche Lebensversicherung.“

„Danke, aber nein danke“, sagte ich resignierend. Ich war bedient.

„Ich probiere mich dann an diesen Katakomben. Wann geht die Reise los?“

„Gleich sofort, wenn Sie wollen!“ Auf die Antwort hin musste ich mir diesmal die Brille richten und schob zuerst den linken und dann den rechten Nasenflügel nach oben. Ich war baff.

„Wir besitzen Ankleidegarderoben für jedes Zeitalter und jede Epoche der Menschheitsgeschichte. Lucy, ihre Reiseleiterin, wird Sie dorthin bringen, damit Sie sich ihren Reiserucksack zusammenpacken können, nebst Ausrüstung und Waffen…“

„Waffen?“, erwiderte ich entgeistert.

„Nur für den Fall, dass jemand bewaffnet ihr Leben bedroht und sie sich entsprechend verteidigen müssen“, sagte Miss Bluelight.

„Nun denn…“, mein Widerstand gegen die Absichten meines Bruders war gebrochen und schließlich handelte es sich ja um eine Erlebnisreise. Zumindest vordergründig schien es so. Nun kannte ich meinen Bruder aber so gut, dass ich wusste, dass er eigentlich immer noch irgendetwas Anderes zusätzlich in petto hatte. Dennoch waren die letzten Jahre in seiner Spielzeugfirma so arbeitsam, wie ereignislos gewesen. Ich zahlte den Reisebetrag und mit den Worten: „Schreiten wir zur Tat“, schloss ich den Dialog resigniert.

Lucy war eine jüngere Ausführung der Miss Nickelbrille. Wobei sich diese Bezeichnung nicht gerade für eine Misswahl eignet. Vielleicht war sie die Tochter der Dame, die mich in Empfang genommen hatte. Nicht wirklich, weil Robotinnen konnten natürlich nicht gebären, aber vielleicht war sie in etwa nach ihrem Ebenbild erschaffen worden. Ich packte meinen Reiserucksack randvoll, Hemden und Hosen aus dünnwandigem Leinenstoff, robuste und gut verarbeitete Militärstiefel und eine Winterjacke. Diese und noch viele andere Ankleidungsstücke lagen in der gut bestückten Garderobe zum Teil etwas wahllos herum, daher musste ich sie mir nur zusammensuchen und ab und an anprobieren. Lucy wahrte den Anstand und drehte jedes Mal ihren Blick von mir weg.

„Bei der Menge, die Sie mitnehmen, räumen Sie ja schon mal gut mit einem Frauenklischee auf…“, gab ihre leicht metallisch dröhnende Stimme kehlig von sich. Dieselbe energisch humoristische Art wie bei der Dame zuvor, dachte ich mir und errötete leicht, wohlwissend, dass das Privileg der Jugend das Aufbegehren ist. Diese Dame war kaum dem Volljährigenalter entwachsen, daher schwieg ich. Allerdings nahm ich ihren Tipp eine Garnitur, samt Militärstiefeln sofort anzuziehen, dankend an, wodurch der Rucksack merklich leichter und so auch transportfähig wurde.

Was die Waffen anging, lag im Gebrauch kein großes Geheimnis, ich solle einfach nachladen und schießen und das Zielen nicht vergessen, falls der Ernstfall einträte.

„Ich begleite Sie nun in die Kammer, in der Sie in die Zeitreisetransformationsbox steigen, in der Sie in der Jetztzeit entmaterialisiert werden und in den Reisezeitpunkt der Vergangenheit rematerialisiert werden, ein mittlerweile einfaches wie schmerzloses Verfahren. Meine Mutter hat alle erforderlichen Reisedaten bereits in die Box eingespeichert (, ich lag also richtig mit dem Anschauungsobjekt ihrer Konstruktion), so dass Sie umgehend die Box besteigen können. Dann schließe ich die Tür und Sie bitte die Augen. Sie wissen vermutlich, dass Augen der sichtbare Teil des Gehirns sind. Schließen Sie sie nicht, kann es durch das Verfahren zu zerebralen Dysfunktionen, ja bis hin zu anhaltenden Hirnschädigungen kommen. Also Lider geschlossen halten, bis sie rematerialisiert sind!“

Das konnte ja heiter werden. Ich schluckte schwer. „Wie weiß ich denn, wann ich sie wieder öffnen kann?“

„Das merken Sie dann schon von alleine“, entgegnete sie mit robotischer Selbstsicherheit.

„Und falls nicht?“

„Falls nicht, würde ich merken, dass sie sich nicht von der Stelle bewegen und via Zerebralinteraktion mitteilen: „Huhu, Augen auf…!“

„Also quasi Kommunikation durch Gedankenübertragung?“

Mein für die Reise anscheinend lebensnotwendiges Interesse und meine Angst fochten einen inneren Kampf aus.

„Der Laie würde es so bezeichnen“, war ihre Antwort. „Aber in Wirklichkeit ist es dasselbe Verfahren, das wir mit Ihnen und ihrem Körper durchführen, um Sie in die damalige Zeit zu bekommen, nur dass wir es auf ihre Gedanken anwenden. Nur geschieht das Ganze rückwärtsgewandt durch die Zeit, von bald zu jetzt und noch dazu natürlich viel schneller und auch häufiger als beim Rest von ihnen. Ich meine schließlich haben Sie nur einen Körper, aber eine Unzahl von Gedanken.“

Ich tat als verstünde ich vollkommen.

„So, dann ab mit ihnen in die Box.“

Mit mechanischen Bewegungen öffnete sie die Tür der kleinen Kammer und die der Transformationsbox, die eins zu eins aussah wie ein Kühlschrank im oldfashioned style. Ich rede von den Kühlklötzen, die ein bisschen Ähnlichkeit mit der Vorderfront eines Cadillacs haben. Aber auch wenn es keiner war, gefror mir das Blut in den Adern. „Hat es das schon mal gegeben, dass jemand nach der Entmaterialisierung nicht wieder rematerialisiert werden konnte?“ fragte ich zaudernd, während sich ein leicht perlender Schweißfilm auf meiner Stirn bildete.

„Ja.“

„Ja?“, mein Herz pochte wie wild.

„Bei wem?“, wollte ich wissen.

„Bei meinem Vater oder sollte ich lieber sagen meinem Schöpfer? Schließlich hat er meine Mutter konstruiert, deren Vorlage dem Äußeren meiner Konstruktion diente.“

„Wann war das mit diesem ähm Unfall?“ wollte ich wissen.

„Es ist lang her, er hat die Technologie der Zeitreisen erfunden und durch seinen Unfall haben wir den Schlüssel gefunden, dass so etwas nicht mehr geschehen kann. Auch wenn man gewisse Regeln beachtet, wie beispielsweise das Schließen der Augen, läuft man keine Gefahr sich im Äther zu verlieren“, erläuterte Lucy mit einem für eine Robotin verschmitzten Gesichtsausdruck.

„Und w…wo ist er jetzt?“, fing ich an zu stottern.

„Sein Geist ist im Äther. Von da aus steuert er via Zerebralinteraktionen beinahe alles in der Firma. Meine Mutter, die robotischen Angestellten vor Ort und zeitweise sogar mich. Er gibt Anweisungen zu Maschinenhandhabungen und allem Möglichen. Er spricht gerade mit mir.

„Ja? Und was sagt er?“, wollte ich neugierig wissen.

„Er sagt Sie sollen die Klappe halten und endlich in die Box steigen, time is money!“

So eine Impertinenz und dabei wollte ich doch nur in den Genuss beruhigender Sachinformationen kommen. Ich bestieg die geöffnete Box, in der eine Art anatomische Körperform aufrecht stand, für Körper und Kopf vorgefertigt. Instinktiv stellte ich mich eng an diese Form.

„Sehr richtig!“, bellte mir Lucies Stimme entgegen. „Aber jetzt nicht mehr bewegen…“.

Sie knallte die Tür zu und wie es vermutlich in einem Kühlschrank ist, war alles hermetisch vor Außengeräuschen abgeschlossen.

In die Stille der schwach beleuchteten Box drang nur mein leicht hyperventilierender Atem. Was kam als nächstes?

Nun versiegelte der Sog eines Unterdrucks meine Kabine luftdicht. Angstvoll harrte ich der Dinge, die da kommen sollten.

Doch was war das?

Kleine Teile lösten sich von meinem Körper, kleine Hautpartikel von Armen, Beinen, des Bauches und fingen an zu schweben. Erst ein, zwei, drei, vier, die sich langsam Teil für Teil von den Extremitäten lösten, dann mehr und mehr und immer schneller. Meine Füße und ein großer Fetzen meiner Nase stiegen ebenfalls in die Luft und wurden, wie alles was sich löste, von einer Art Staubsauger über meinem Kopf absorbiert. Alles an mir fing sich an von mir zu lösen und wurde eingesogen. Auch wenn ich mich in Selbstauflösung befand, fühlte ich nichts.

Schlagartig leuchtete die Birne meiner Zerebralampel knallrot auf und Lucies Stimme durchzuckte meine noch vorhandenen Hirnregionen:“ Augen zu, verdammt nochmal! Zu machen oder Sie sind unrettbar verloren!“ Ich schloss sie. Das heißt was davon noch an mir war, reichte noch gerade so alles in der schwach beleuchteten Kammer abzudunkeln. Dann bekam ich noch mit wie der Rest von mir, mein Inneres, quasi mein körperloses Selbst, vom Staubsauger oberhalb der Stelle, wo sich einmal mein Kopf befunden hatte, eingesogen wurde. Plötzlich umgab mich tiefe Schwärze.

 

 

Teil 2

In tiefster Schwärze wachte ich auf.

Ich versuchte die Augen zu öffnen, doch es ging nicht. Gab es mich nur noch mental? Natürlich versuchte ich es weiter und nach geraumer Zeit konnte ich linksseitig blinzeln, noch etwas später auch rechtseitig, also setzte sich mein Körper wieder zusammen. Irgendwann erfühlte ich dann doch wieder die schalenartige Körperform in meinem Rücken, die Form war also quasi mitgereist. Anscheinend hatte ich mich rematerialisiert. Mein Instinkt sagte mir, dass ich nicht an plötzlicher Blindheit litt, hier war es wirklich stockfinster. Es roch muffig, modrig, Ventilation gab es hier nicht. Mit einem Mal leuchtete die Ampelkette um meinen Hals auf. Die Farben Rot, Gelb und Grün blinkten jeweils einmal auf.

„Sie sind gelandet.“ Das war Lucy, die sich mit ihrer Stimme mit meinen Hirnwindungen verbunden gehalten hatte. „Sind Sie wohl auf?“ „So genau kann ich das nicht sagen, aber ich vermute es stark“, erwiderte ich.

„Ich ebenfalls, die Messwerte sprechen dafür“, meinte Lucy. „An ihrer Ampelkette befindet sich seitlich ein Schalter. Sie können sie zeitgleich als Taschenlampe benutzen. Ihren Rucksack haben wir ebenfalls durch die Zeit geschickt, er müsste sich unweit neben ihnen befinden. Des Weiteren können Sie von ihrem Landepunkt aus circa 500 Meter dem Tunnel geradeaus folgen und halten sich ab da an der Abzweigung rechts. Ab da ist der Korridor mit Fackeln ausgeleuchtet. Das ist ihre Marschroute, folgen Sie dann dem Tunnel soweit sie können.“

Irgendetwas stimmte da nicht. “Lucy?“ bitte sagen Sie mir, wer kümmert sich um diese Fackeln? Sagen Sie mir worauf ich zusteuere. Mir kommt das Ganze hier nicht wie eine Bildungsreise, sondern wie eine Art Mission vor. Lucy? Luuucy?“ Es knisterte in meinen Hirnleitungen. Waren das meine rematerialisierenden Synapsen? Ich wartete auf ihre Antwort doch die Verbindung zu ihr schien unterbrochen, zumindest blieb sie an der Stelle aus.

Also tat ich wie geheißen. Ich zog die Ampelkette nach oben auf Höhe meines wiederentstandenen Kopfes und drückte seitlich auf den Ampelanhänger. Mit dieser Strahlkraft hatte ich nicht gerechnet. Ein Tunnelgewölbe von ca 5 Metern Höhe und vermutlich fast ebenso breit, umgab mich. Der Ampelstrahl leuchtete eine weite, begehbare Strecke vor mir recht weit aus. Ich befand mich also schon in der richtigen Richtung, die Körperform, in der ich wieder zu Körper und Geist gekommen war, war auf sie ausgerichtet. Ich konnte diese Hülle spielend leicht verlassen und die Kettenlampe offenbarte mir sehr zeitnah meinen Gepäckrucksack, der zwar recht groß, aber doch relativ leicht war.

Ich schulterte ihn. Der Untergrund schien ein Gemisch aus fester Erde und Kiesel zu sein. Das Knirschen beim Auftreten meiner Füße vertrieb die ein oder andere Ratte aus meinem Sichtfeld, das die Taschenlampe ausleuchtete. Ich zählte meine Schritte und kam tatsächlich punktgenau an besagte Abzweigung, bog rechts ab und kam in den angekündigten Fackelgang. Unheimlich war der Anblick, der sich mir bot. Nun sah ich die gewölbten Wände und die Decke dieser unterirdischen Straßenadern. Stein an Stein gesetzt, mitunter von beträchtlicher Größe, bildete mit etwas, das wie Zement aussah, einen ebenmäßigen Wandteppich. Doch das Auge, (mein Auge), verlor sich in der Entfernung im Nichts. Es war als hörte dieser Tunnel nie auf. Das Gefühl ließ auch nicht nach, als ich weiter voranschritt. Stein an Stein, symmetrisch gesetzt, Fackel an Fackel, in immer gleichen Eisenhalterungen, folgten meinem Weg, der sich auf diese Weise bis ins Unendliche fortzusetzen schien. Ich weiß nicht mehr, ob ich 40, 50 oder gar noch viel mehr Minuten so voranschritt. „Tempus fugit“, sagt zwar der Lateiner, „die Zeit fliegt“, aber ich hatte kein Gespür mehr für meine innere Uhr. Doch plötzlich war Schluss. Ein dunkles Loch füllte schlagartig den Raum vor mir und während sich der Geruch von Moder, Moos und Feuchtigkeit in meiner Nase leicht verflüchtigte, war die dunkle Stelle, das höhlenartige Loch, mit einem Mal hellerleuchtet. Der Raum der hierauf sichtbar wurde, bildete den Abschuss des langen, langen Ganges. Eine Unzahl doppelt so großer Fackeln loderten mit grünblauen Flammen auf. Die Feuer strömten alle im gleichen Moment auf. Ja, sie loderten nicht, sondern strömten aufwärts mit dem Tempo und Geräusch von vollaufgedrehten Bunsenbrennern. Es war ein Rundgewölbe. Decke und Wände bildeten die Form eines inneren Iglus aus Stein. Mir gefror, trotz der aufströmenden Fackelfeuer, das Blut in den Adern.

Vor mir, genau in der Raummitte, stand eine Gestalt in einer schwarzen Kutte. Sie hatte den Blick anscheinend gesenkt, so dass ihre Gesichtszüge sich in den Schatten dieser mächtigen Umgebung verloren. So starr und bewegungslos wie die Person dastand, (denn was sollte sie anderes sein als ein Mensch?), ging von ihr etwas Übernatürliches aus. Es hätte mich nicht gewundert, wenn die Naturgesetze nicht bei ihr gewirkt hätten. So unwirklich war die Starre, der Gesichtsschatten und…es war unfassbar, sie hielt ein Bündel in den halb ausgestreckten Armen. So starr die Haltung der Gestalt war, so starr richtete ich auch voller Neugier in ängstlicher Faszination meinen Blick auf Sie und konnte ihn nicht abwenden. Mit einem Mal fing das Bündel an zu weinen und zu kreischen. Ich kam wieder etwas zu mir. Ich war in der Vergangenheit angekommen 1689 hatte mich fest in seinem Bann.

 

3. Teil

Meine Nackenhaare sträubten sich noch immer.

Auch wenn ich mir selber wieder bewusster geworden war, so hatte sich der Schock dieser Begebenheit noch immer in meinen Gliedern verfestigt und nur langsam nahm die Intensität des Adrenalinschubs ab. Mit einem Mal, so als wenn jemand einen Lichtschalter betätigt hätte, erloschen die Flammen. Es war als würden die Feuer urplötzlich von den Fackeln verschluckt, so als habe sich ein Drache entschieden das zerstörerische Element, das seinem Schlund entwich, abzuschalten und die gasartig strömenden Feuerspitzen mit einem kräftigen Sog wieder einzusaugen. Die merkwürdige Gestalt blieb indes mit dem Bündel in den ausgestreckten Armen reglos stehen. Auch das Kind, ja es war wohl ein Baby, hatte aufgehört zu schreien. Mit dem versiegen der Flammen versank alles, auch die mysteriöse Gestalt, in absoluter Dunkelheit. Übrig blieb mein beschleunigter Atem und ich vernahm, dass mein Herz wie das eines Rennpferdes wummerte. Einen kurzen Moment wurde es mucksmäuschenstill in dem Gewölbe. Doch da brachen sich plötzlich Strahlen durch die Decke und es wurde von einem hellen Licht erstrahlt. Ich sah zur hohen Decke, in der sich wie bei einem Pantheon, ein rundes Loch im Gemäuer befand, durch das besagtes kräftig hellweißes Licht den Raum flutete. Alles schien hell weiß ausgeleuchtet. Der Gestalt in der Raumesmitte verlieh das Licht, mehr denn je, die Aura einer Erscheinung, die nicht von dieser Welt zu sein schien.

Da sprach sie:“ Der Prophet hat die Zeichen richtig gedeutet…“

Ich wusste nicht, ob ich schlief oder wachte und starrte wie gebannt, unfähig etwas zu erwidern.

  1. Gestalt fuhr fort: „Am 15. Mai des Jahres 1689 wird ein Mann erscheinen, so sagte der Prophet. Dieser Mann ist durch die Zeit gefallen. Gib ihm das Kind, das zuletzt in deinem Haus als Waise eingetroffen ist und die Welt wird sich viele Jahrhunderte, ohne die Erschütterung eines wirklichen Krieges, weiterdrehen.... Also nehmen Sie das Kind und fallen Sie zurück durch die Zeit. Der große Enven hatte recht, unser Prophet hatte recht, also nehmen Sie es!“

Ich muss wohl einige Zeit nur so dagestanden haben, als mich etwas in die Gegenwart dieser schier unglaublichen Vergangenheit zurückholte. Dem Mund des Kindes entstieg nämlich ein Schrei, der sich mit dem Widerhall des Gewölbes zu einem Geräusch formte, der so markerschütternd war, dass es eigentlich keinen Handlungsaufschub gab. Ich wollte raus hier und doch blieb ich wie in einer Paralyse stehen. Rotes Licht blinkte auf, sein Widerschein fiel auf das Gesicht der Gestalt, deren Konturen von dieser von Menschenhand gebauten Deckenleuchte nun besser zu erkennen waren. Es war zweifelsohne eine Art Nonne oder Glaubensschwester. Welcher Konfession mochte sie wohl angehören und von welchen Waisen hatte sie gesprochen? Ihre Gesichtszüge, ja ihre ganze Erscheinung, wirkte weder männlich noch weiblich, eher wie die eines Hermaphroditen aus einem Science-fiction-Märchen aus der Zukunft, aus der Zukunft von 1689 gesehen oder wie ein Märchen meiner Zeit mit Retroeingschlägen.

Da vernahm ich Lucys Stimme in meinen Gehirnwindungen: „Nehmen Sie es!, sehen Sie denn nicht das rote Licht ihrer Ampelkette? Nicht zu handeln ist hier der faux pas!“

Von Lucys Stimme initialisiert, streckte ich der Nonne unbeholfen und zittrig die Arme entgegen. In ihrem Gesicht spiegelte sich nun gelbes Licht und als ich das Bündel an mich nahm und in meinen Armen fest an meinen Bauch drückte, fiel grünes Licht auf ihr Antlitz. (Man beachte an dieser Stelle die Ergonomie meiner Körperhaltung. Durch das Halten des Babys an meinen Bauch, machten meine Schultern eine leichte Krümmung nach vorne, aber der Reiserucksack ließ mich dabei doch, alles in allem, recht aufrecht stehen.) Ich wollte etwas sagen, merkte jedoch schnell, dass ich ohne Worte einen direkten Draht über meine Gedankenautobahn zu meiner Reiseleiterin hatte:“ Wer ist das Kind?“, flutschte es durch mein Gehirn. (Es war ein Er, ich hatte gerade kurz verstohlen unter dem Tuch in das das Kind gehüllte war, nachgesehen.)

„Das ist er!“, kam es kurz über die Bahn zurück. „Wer?“ erwiderten meine Synapsen. „Der Vorfahr von Stitra!“, sandte Lucy mit Turboantwort zurück. Stitra? War das denn möglich? Armin Stitra war der wahnsinnige Imperator gewesen der im Jahre 2050 den roten Knopf gedrückt hatte. Seitdem war die Welt in weiten Teilen, nach der Dekontamination, ein in vielen Teilen unbewohnbarer Planet geworden, auf dem in den noch bewohnten Orten die Schere zwischen Arm und Reich nicht nur auseinanderging, die Schere drohte sich gegen die Schnittrichtung zu überstrecken und zu brechen. „In was für eine Mission bin ich hier hereingeraten?“, wollten meine Gedanken wissen und Lucy dachte als Antwort sofort zurück:“ Drehen Sie sich um und laufen Sie den Weg, den Sie gekommen sind, zurück so schnell Sie können! Es gibt jemanden, der ebenfalls Envens Prophezeiung kennt. Wenn er dort auftaucht wird er versuchen Sie zu töten und das Kind an sich zu reißen…!“.

Ich überwand erneut meine Schockstarre und gedacht, getan warf ich im Wegdrehen und Losrennen noch einmal einen kurzen Blick über die Schulter zu dem androgynen Wesen, das mich ebenfalls musterte. Das konnte ich noch erkennen, obwohl das Licht aus dem Auge des Pantheons just in diesem Moment dem Raum entschwand und die Szenerie abdunkelte. Gleißend helles Licht musste wieder der Finsternis weichen und zurück blieb das dunkle Loch der Höhle, die ich zuvor so furchtsam betreten hatte. Hoffentlich würde ich diesem Gegner, der das Kind ebenfalls wollte, nicht begegnen. Todesangst war mein Antrieb und insgeheim hoffte ich doch von den Waffen in meinem Reisegepäck keinen Gebrauch machen zu müssen. Fest stand für mich jetzt auch, dass man neben der Reiselebensversicherung auch eine Rücktrittsversicherung für den Krankheitsfall hätte abschließen sollen, allerdings war ich sie ja unmittelbar angetreten. Da war ich also wieder im erleuchteten Fackelgang angekommen und nahm die Beine in die Hand, wie man so schön sagt, das Kind hatte ich dabei von meinen Armen sicher umschlossen und rannte in die Richtung aus der ich gekommen war. „Stitra“ schoss es erneut durch meinen Kopf. „Ja, Stitra“, zuckte es von Lucies Seite durch meine Hirnwindungen. Meine Ampelkette leuchtete noch immer grün und ihr Licht behielt eine solche Strahlkraft, dass ich mich in dem dunklen Gang, nachdem ich an der Abzweigung wieder nach links abgebogen war, erneut gut zurechtfand. Ich sah die Körperform, hielt das Kind zunächst fest in einem Arm, kurz darauf im anderen, um den Rucksack abzustreifen und stellte ihn an der alten Stelle wieder ab. Dann presste ich mich mit dem Rücken wieder gegen die Körperform und hielt in dieser Position das Baby erneut mit beiden Armen mit fester Sanftheit umschlossen. Das mit einem Mal die Kühlschranktür zuschlug wunderte mich doppelt. Zum einen war der Schrank in der Dunkelheit nicht zu sehen gewesen und zum anderen hätte da meine Reisebegleiterin Hand und nicht Hirn anlegen müssen? Sei´s drum. Sie meldete sich dann zwar prompt, aber im gleichen Moment meldete sich klein Stitra zu Wort. Seine Tonlage änderte sich von Weinen, über Kreischen bis hin zu Plärren, so dass ich meine Hirnwindungen richtig anstrengen musste, um Lucy gedanklich zu hören: „Wenn Sie das Gekreische stört, halten Sie dem Kind um Gottes Willen nicht den Mund zu!“

„Halten Sie mich für verrückt?“ erwiderte ich denkend.

„Sie müssen dem Kind allerdings so lange die Äuglein zuhalten und auch die eigenen schließen, bis ihr Bewusstsein wieder in die andere Zeitdimension gesogen wird…“. „Alles klar, erwiderte ich, klein Stitra war indes eingeschlafen, nachdem ich ihm im Haltegriff vorsichtig und behutsam umfassend meine Hand über die Äuglein gelegt hatte.

„Lucy, wann…?“, aber ich musste die Frage gar nicht erst zu Ende denken, denn ich sah schon Hautpartikel vom Baby und mir in die Lüfte steigen. Sofort schloss ich die Augen und hielt die des Kindes weiterhin bedeckt.

Urplötzlich gab es einen Knall und einen Schlag und die ganze Kühlschrankkabine schwankte bedenklich, kippte jedoch nicht um. Dann vernahmen meine Restohren Schüsse und es gab wieder Einschläge, die den Kühlschrank abermals zum Schwanken, aber erneut nicht zum Kippen brachten. Alle unsere Hautpartikel hatten sich zur gleichen Zeit von uns gelöst und ich spürte mein körperloses Selbst wieder in die Lüfte steigen, dass von klein Stitra schwebte neben mir her, als wir eingesogen wurden. Und ab ging die wilde Fahrt!

 

4. Teil

Wieder rematerialisiert mit Kind und Kegel, öffnete Lucy die Kühlschranktür.

„Da haben Sie aber Glück gehabt, das war in allerletzter Sekunde“. „Wer war dieser Angreifer?“, wollte ich wissen. Doch Lucy tat es mit den Worten ab, dass das egal sei und das Wichtige sei, dass die Mission geklappt habe. Außer meiner Reisebegleiterin, bildeten ihre Mutter und mein werter Herr Bruder, den ich bei dem Wort „Mission“ vorwurfsvoll ansah, das Begrüßungskomitee. Die Mutter nahm mir mit aller Vorsicht das Kind aus den Armen. Seltsamerweise weinte oder schrie klein Stitra nicht. Von einem Kind, das eine Zeitreise gemacht hatte, hätte man vielleicht doch erwartet, dass es sich etwas mehr Luft verschafft. „Er weint nicht, weil er spürt, dass sein Nachfahr die Welt verändert hat“, erklang nun Lucy metallische Stimme.

„Ist das denn nicht ein bisschen weit hergeholt und außerdem könnten wir das Gedankenlesen bitte irgendwie wieder abstellen?“, wollte ich wissen und mein Gesichtsausdruck dabei ließ mein Gegenüber wissen, dass ich gedankliche Freiheit zu einer hohen Maxime erhob. Schließlich war die Mission und nichts Anderes war es gewesen, von wegen Erlebnistour oder Bildungsreise, vorbei.

Gregor starrte mich voller Bewunderung an.

„Was geschieht denn jetzt mit dem Kind?“, wollte ich wissen. „Es ist ja unschuldig an den Zukunftsverbrechen seines Nachfahren“.

Die Miss Nickelbrille, (leichte Reduzierungen auf äußere Merkmale sind bei Robotinnen in der Neuzeit keine Straftat), reckte ihren Hals giraffenartig und sprach in blechernem widerhallenden Ton:

„Das Kind wird wissenschaftlich und neuropsychologisch untersucht und ist im ständigen Gespräch mit den besten Fachleuten für gute psychologische Sozialisierung, um erst gar nicht traumatische Verhaltensmuster gedeihen zu lassen, die zu einem antisozialen Verhalten führen könnten. Und damit wird auch verhindert schlechte Verhaltensmuster transgenerational zu übertragen. Das Kind wird, wenn es behandelt wurde, wieder nach 1689 zurückgeschickt.

So wollten sie also den Krieg verhindern.

Danach setzte Lucy zu ihren Abschlussworten an. „Mein Vater Edward Bluepointer, der die Technologie der Zeitreisen erfunden hat, wird für immer im Äther bleiben. Erinnern Sie sich, dass ich sagte wir hätten durch seinen Unfall den Schlüssel gefunden, dass niemand mehr zwischen den Welten in der Zeit steckenbleibt?“

„Ja“, entgegnete ich.

„Der Schlüssel ist die Technologie der Zeitreisen abzuschaffen und auch das Wissen hierüber vollständig zu vernichten.“ Im robotischen Klang setzte Lucy ihren Monolog fort. Wie sich zeigte, kannte Sie keine Gnade ihren Schöpfer nicht in die ewige Verbannung zu schicken. Edward Bluepointer hatte, so ließ sich ihren Worten entnehmen, im Jahre 2049 die Technologie zur Zerstörung der damaligen Welt für Armin Stitras produziert. Stitra wiederum zeigte sich im Gegenzug erkenntlich, indem er die astronomischen Summen der Zeitreisetechnologie finanziert hatte. Hierfür mussten sogar extraterrestrische Materialien eingeflogen werden. Für Lucy war ihr Erschaffer der Wegbereiter dafür gewesen, dass Stitra den roten Knopf gedrückt hatte.

„Meine Mutter und ich vernichten alles, jedes Kleinstteilchen, nebst Aufzeichnungen und Technologie und Maschinen. Mein Vater tobt, aber ich habe einen Disconnect zwischen unseren Gedanken erwirkt.“

Mutter und Tochter zogen daraufhin mit dem Kind von dannen.

 

Schlussszene

Gregor blieb mit mir allein zurück, ich sah ihn vorwurfsvoll an. Schweigend standen wir so da, bis mein Bruder das Schweigen brach.

„Ich bin in Lucy verliebt…“.

„In eine Robotin?“, fragte ich ihn in einem Tonfall, der darauf schließen ließ, dass ich ihn für verrückt hielt.

„Wo die Liebe hinfällt!“ antwortete er trocken. „Außerdem hat ihre Mutter mir jetzt, nachdem Bluepointing timejourney ad acta ist, den Skyscraper für unsere Firma geschenkt.

„Mal was Anderes?“, fuhr ich dazwischen. „Warum hast du mich dieser Gefahr ausgesetzt? Immerhin bin ich dein Bruder!“

„Sei mal ehrlich“, antwortete er bauchpinselnd: „Wem ist es schon vergönnt gleich die ganze Welt zu retten?“

„Aber die Öffentlichkeit kriegt davon doch gar nichts mit!“, antwortete ich erbost.

„Ruhm ist vergänglich! Meine Wirtschaftskraft zwar auch, aber wir hängen ja beide an der Nabelschnur unseres Unternehmens.“

Hatte Gregor tatsächlich gerade von „unserem Unternehmen“ gesprochen? Endlich begegneten wir uns auf Augenhöhe, ich musste dazu nur die Welt retten.

 

Einem lieben Menschen gewidmet, den ich viele Jahre aus den Augen verloren hatte, als wir uns wiederbegegneten haben wir auch zusammen eine Zeitreise gemacht.

 

 

 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Andreas Langer).
Der Beitrag wurde von Andreas Langer auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.11.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Andreas Langer als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Zeit der Angst von Beate Puls



Die dreißig jährige Erzieherin Julia Walken führt ein ganz normales ruhiges Leben. Sie erwartet nicht sonderlich viel vom Leben. Sie wünscht sich Liebe, Geborgenheit und einen Partner an ihrer Seite.
Doch in der Gewalt eines Verbrechers geht es nur noch um das nackte Überleben. Kevin Walter, ein psychisch kranker Mensch, Vergewaltiger und Mörder stellt ihr nach. Nach wenigen Tagen wird ein Verdächtiger verhaftet. Doch ist er wirklich der gesuchte Täter?
Ist die Zeit der Angst vorüber, oder war das erst der Anfang?

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Science-Fiction" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Andreas Langer

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Das Schalentier (Ein Reisebericht) von Andreas Langer (Reiseberichte)
"Strg+Alt+Entf" von Johannes Schlögl (Science-Fiction)
Disteln im Haar von Martina Wiemers (Liebesgeschichten)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen