Karin Keutel

Schwarzer Holunder

Schwarzer Holunder
Es ist nur eine von vielen Erinnerungen, die das Leben in früherer Zeit widerspiegelt
So erinnere mich noch sehr gut an das Leben meiner Großeltern auf ihrem
großen Bauernhof und dem schönen Bauerngarten in dem ein großer Holunderstrauch
wuchs, er machte keine Arbeit, aber er spendete seine Blüten und Beeren.
Fast in jedem Garten stand früher ein Holunderstrauch und seine Heilkraft floss in das
tägliche Leben ein.
Viele überlieferte Geschichten zum Hollerstrauch konnte meine Oma an kalten
Winterabenden erzählen. So ist mir noch im Gedächtnis geblieben, dass der
Holunder die Nähe der Menschen sucht, da er häufig an Häusern und Scheunen
zu finden war, was man teilweise heute noch sehen kann.
Wenn der Holunder blühte und gedieh, war Haus und Hof vor bösen Hexen sicher.
Man hängte auch in der Walpurgisnacht einen Holunderzweig über der Tür auf,
um die bösen Hexen abzuwehren, die in dieser Nacht ihren Ritt zum Harzer
Brocken antraten, denn es galt damit ihr Hab und Gut vor den Hexenmächten zu
schützen und Unheil abzuwehren.
Wenn im Juni die ersten Dolden weiß leuchteten und ihren Duft verströmten, war
es an der Zeit einige Dolden zu ernten, Holundersaft herzustellen, um später mit
Wasser verdünnt eine erfrischende Limonade zu trinken.
An Sonntagnachmittagen gab es in Teig ausgebackene Blütendolden mit
Puderzucker bestäubt.
Ein schmackhaftes Gebäck, auf das wir uns immer freuten.
Aus den im Spätsommer reifen Beeren kochte meine Oma Holundersaft, um zu
kalter Jahreszeit den vitaminreichen Saft in Tee oder Limonade zu verwenden.
Ihre aus dem Saft und mit Pudding hergestellte Suppe hatte im Winter eine
wärmende und wohltuende Wirkung, wenn wir vom Schlitten fahren zu ihr kamen.
So lernte ich schon als Kind, bei meiner Oma und auch zu Hause bei meinen
Eltern, wie man sich die Kraft der Natur zu eigen machen kann.
Vieles davon kam in den Jahren in Vergessenheit, doch ist es an der Zeit, sich
wieder mehr mit den Früchten, die uns die Natur schenkt, zu befassen und sie
zu nutzen.
Von den zehn Holunderarten ist der schwarze Holunder der beliebteste Strauch.
Wenn er im Juni blüht und seine weißen, Schirmchen ähnlichen Dolden ihren
intensiven, süßen Duft verströmen, muss ich an die Erzählungen von früher denken.
Es kommen mir die Holunderküchlein in den Sinn, die zu meinen beliebtesten
Backwaren zählen und denke mir dabei:
„Holunder grüßt mit Blütenweiß vom Gartenzaun herüber,
da ruht ein federleichter Hauch, an einem alten Hollerstrauch.
Es duftet süß und fein, Hollerküchlein sind bald mein.
Er wächst heran mit Wunderkraft und zaubert holden Beerensaft.

Bild & Text ©Karin Keutel

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