Günter Weschke

Der Jäger



Hermann lebte bereits seit vielen Jahren allein, er war passionierter Jäger und ist seit vielen Jahren Mitglied in einem Jagdverein.
Nicht aus Liebe zur Jagd, sondern aus Liebe zu den Tieren hatte er sich entschlossen, bei den Jagden dabei zu sein.
Ja, es besaß auch eine sehr gute Flinte, eigentlich eine Attrappe für ihn, schoss er doch nur sehr selten auf ein Tier, meist nur dann, wenn es krank war.

Auf seinen Wanderungen durch die Wälder, war er meist allein, er liebte diese stille Ruhe des Waldes, er hörte den Wald atmen, er lauschte den vielen verschiedenen Tierstimmen und bemerkte auch, gerade jetzt im Herbst, das Herabfallen der Eicheln, wenn sie auf den Waldboden aufschlugen.

Oft setzte er sich dann irgendwo hin und lauschte einfach nur.

Plötzlich vernahm sein Ohr ein ungewöhnliches Geräusch, es hörte sich an, wie das unterdrückte Jaulen eines Hundes.
Langsam ging er weiter, immer vorsichtig darauf bedacht, keine unnötigen Geräusche zu machen.
In einiger Entfernung sah er, unter einen der strauchartigen Büsche, lag ein Tier, etwa ein Hund?
Ganz langsam ging er näher, blieb immer wieder stehen, um dem Tier keine Angst zu machen.
Es musste Verletzt sein, denn es lief nicht einfach fort, sondern lag auf dem Bauch und sah ihn mit großen, bernsteinfarbenen Augen an.
Hermann sprach mit leisen, ruhigen Worte, ich sehe, du bist ein Wolf, wo kommst du denn her?
Du scheinst schwer verletzt zu sein, oh, ich sehe, deine linke Pfote steckt in einer gemeinen Falle.
Lass mich überlegen, wie ich dir helfen könnte?
Als Erstes muss die Pfote befreit werden, dass kann ich aber jetzt und hier nicht machen, du brauchst vor mir keine Angst zu haben, aber das kannst du ja nicht Wissen.
Ich werde meinen Rucksack hier her legen, du kannst dann meinen Geruch riechen, vielleicht gewöhnst du dich schon mal daran.
Ich laufe zurück zu meinem Haus und hole etwas Medizin für dich, es sollte doch wohl mit dem Teufel zugehen, wenn ich dir nicht helfen könnte.
Hermann machte sich auf den Weg, hinter ihm blieb es still.
In seinem Haus entnahm er aus seinen kleinen Medizinschrank eine Schlaftablette, in einen kleinen Mörser stieß er sie zu Pulver, vermischte dieses mit etwas Hackfleisch, welches er im Haus hatte und machte sich damit wieder auf den Weg zum verletzten Wolf.
Außerdem nahm er auch etwas sterilen Verband mit und einen Wundreiniger.
Nur so, dachte er, kann es gehen, die Falle vom Lauf der Tieres zu Lösen, ohne dass der Wolf in angreifen könnte.

Ganz langsam und dabei zum Wolf redend, ging er auf das Tier zu, der lag immer noch so das, wie er ihn verlassen hatte.
Auf den Weg hierher, hatte Hermann er eine größere Astgabel gefunden, an dieser befestigte er nun das Fleisch und schob es dem Wolf hin.
Der beachtete das Fleisch nicht, sonder sah immer nur zum Jäger.
Erst nach etwa einer Stunde schnupperte er am Fleisch, ja, es hatte einen verlockenden Geruch und schließlich siegte der Hunger und er verschlang das Fleisch.
Jetzt hieß es abwarten. Hermann hatte keine Ahnung, wie und ob das Schlafmittel wirken würde.
Aber er hatte Zeit und wollte dem Tier helfen.
Nach eine Weile legte der Wolf seinen Kopf auf die ausgestreckte, gesunde Pfote, er schloss die Augen und sein regelmäßiger Atem zeugt von einen tiefen Schlaf.
Jetzt kam die Stunde des Jägers.
Von einer nahestehenden Birke, schnitt er ein Stück weiche Rinde ab, zog mit dem Messer, breite Innenfasern ab, Dann schnitt er noch ein paar dünne Birkenzweige ab.
Mit der Astgabel stieß er an den schlafenden Wolf, der zeigte aber keine Reaktion.
Hermann kniete sich neben das Tier, mit beiden Händen versuchte er die starken Stahlklammern der Falle zu öffnen.
Das war sehr schwer, aber endlich schaffte er es doch und der Lauf des Wolfes war frei.
Jetzt musste er schnell sein, er versuchte, so gut es ging, reinigte er die Wunde und legte die sterile Binde darüber. Dann begann er den Lauf zu Schienen, mit den Bastfasern der Rinde und ein paar Zweigen, schien es zu gelingen.
Zum Schluss umwickelte er alles mit einer kräftigen, dünnen Liane.
Stolz betrachtete er sein Werk.

Langsam brach die Dunkelheit herein, nein, er konnte das Tier jetzt nicht allein lassen, also suchte er Holz, Zweige und alles möglichst brennbare, und machte ein schönes Lagerfeuer,
Zuvor hatte er den Waldboden mit Zweigen abgefegt, um ein Übergreifen des Feuers zu verhindern.

In der Nacht erwachte der Wolf, er war kein Knurren oder Jaulen, es war eben nur ein Geräusch, aber Hermann war sofort wach, legte noch etwas Holz auf das Feuer und sah nach dem Tier.
Die bernsteinfarbenen Augen sahen im Licht des Feuers wunderschön aus, er sprach zum Wolf in seiner ruhigen Art.
Der leckte sich mit seiner Zunge immer wieder über sein Maul.
Hermann nahm die Astgabel und ließ aus einer Thermosflasche, langsam etwas Wasser über die Astgabel, zu seinem Maul rinnen.
Bereits nach kurzer Zeit begann das Tier, mit der Zunge, das Wasser aufzunehmen.
Danach schlief es wieder ein.
Am anderen Morgen überlegte der Jäger, wie er den Wolf in die Nähe seiner  Hütte bringen könnte.
Hier im Wald, konnte er nicht ewig die Zeit verbringen.
Wieder ließ er seinen Rucksack beim Wolf.
Nach etwa zwei Stunden erreichte er in der Stadt den Jagdmeister, dem er alles erzählte.
Der trommelte ein paar Kollegen zusammen und Hermann besorgte vom Metzger ein wenig Hackfleisch, das Tier musste schließlich noch einmal in den Schlaf versetzt werden um es transportieren zu können.
Alles verlief so, wie es geplant war.
Dem Wolf wurde ein stabiles Halsband angelegt und er wurde in der Nähe von Hermann’s Hütte, mit einer Kette, an einen Baum gebunden,.
An dieser Kette konnte er, wenn er Laufen konnte, herumgehen, aber es wird noch längere Zeit dafür brauchen.
Hermann brachte ihm täglich sein Fressen und auch Wasser in einem Napf, der Wolf war ein “braver” Patient.
Jeden Tag verbrachte der Jäger mehrere Stunden bei dem Tier, immer wieder redete er mit ihm und jeden Tag rückte er dabei ein paar Zentimeter näher an den Wolf heran.
So geschah es, dass er sich eines Tages, neben den Wolf legte.
Seine ruhige, bedächtige Art war es, dass das Tier selbst auch ruhig blieb.
Der Wolf spürte, es geschah hier etwas Neues, unbekanntes, er liebte diese Stimme des fremden Mannes, es waren keine lauten Schreie, kein Gebrüll, wie er es gewohnt war, wenn er irgendwo auftauchte.
Eines Tages schnupperte der Wolf an die lang ausgestreckte Hand des Jägers.
Der ließ es geschehen.
Am anderen Tag, lagen auf dieser Hand, ein paar kleine Fleischbrocken, ohne zu zögern, nahm der Wolf das Fleisch an, er leckte sogar die Stelle ab, auf der das Fleisch gelegen war.
Hermann war überglücklich.
Von Tag zu Tag, kamen sich die Beiden näher.
Die Stimme des Jägers war für den Wolf wie eine Art von Medizin, er konnte sehen, wie der Wolf sich freute wenn Hermann kam, er wurde dann unruhig und versuchte sich zu erheben.
Eines Tages geschah ein kleines Wunder, der Wolf stand dort, wo er immer geschlafen hat, als er Hermann sah, wurde er unruhig, er machte auf sich Aufmerksam.
So wie es seine Art war, ging er langsam auf den Wolf zu, sprach dabei beruhigend auf ihn ein.
In seiner Hand hatte er wieder etwas Fleisch und streckte nun seine Hand dem Wolf entgegen.
Immer näher zum Wolf und dann geschah ein Wunder, das Tier nahm das hingehaltene Fleisch und fraß es, einfach so, als wäre es die natürlichste Sache der Welt.
Hermann hatte Tränen in den Augen, Tränen der Freude, dann sagte er, du brauchst einen Namen, einen der zu dir passt, ich nenne dich einfach -Wolf-.
Von Tag zu Tag wurde das Tier kräftiger, lief an der langen Kette hin und her.
Dann kam der Tag, an dem Hermann die Kette löste, der Wolf schien es nicht bemerkt zu haben, er kam auf Hermann zu, lief um seine Beine und legte sich schließlich zu seinen Füßen nieder.

Diese einmalige Freundschaft wurde jäh unterbrochen, als ein Gastjäger auf einer Jagd, -Wolf- erschoss.
Unwissend darüber, wen er erschossen hat.

Hermann zog sich mit seiner großen Trauer zurück, er besuchte täglich ein einsames Grab im Wald, an dem er viele Stunden verbrachte.


























 















 










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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.11.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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