Günter Weschke

Die alte Frau



Sie sitzt im warmen Frühlingssonnenschein auf ihrer kleinen Gartenbank, die Augen geschlossen, empfindet sie es als sehr angenehm, die Wärme der Sonne zu spüren.
Sie hört das Summen der Bienen, das Zwitschern der Vögel und sie ist glücklich, dass alles noch Erleben zu dürfen.
Dankbar, aber wehmutsvoll, blickt sie auf die vergangenen Jahre zurück.
Ja damals, die glückliche Zeit als Teenager, Händchen halten, Küsse Tauschen, verliebt sein, zum Tanz gehen und sich im Rausch der Musik, wie in einem Zauberland der Gefühle wiegen.
Abends, im Bett, wurden dann die wichtigsten Ereignisse, in ihr kleines Tagebuch eingetragen.
Oh ja, es gab sie, diese wundervollen Jahre in der Vergangenheit.
Dann kam sie, die große Liebe ihres Herzens.

Eine schöne große Hochzeit, viele Gäste, viele Blumen und jeder wünschte nur das Beste.
Ja, wenn die nur alle in Erfüllung gegangen wären.
In den ersten zwei Jahren bekam sie zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter.
Schlimm waren die Geburtsschmerzen, aber viel schlimmer war es, als sie erfahren musste, ihr geliebter Mann, betrog sie.

Sie reichte die Scheidung ein und musste nun versuchen, ihre kleine Familie durch zu bringen.
Als Putzhilfe, als Zeitungsbotin, oder auch als Köchin, brachte sie es fertig, ihren Kinder ein ordentlicher zu Hause bieten zu können.

Natürlich waren es schwere Zeiten für sie, die gern Tanzen ging, gern lachte, jetzt ging das alles nicht mehr.

Die Arbeit als Köchin in einem großen Restaurant war nicht leicht, aber sie war noch jung und auch sehr hübsch.
So blieb es nicht aus, das Alfred, der Sohn des Gastwirts, ein Auge, nein beide Augen, auf sie “geworfen” hatte.
Ihre Kinder waren ihr keine Last, beide waren selbstständig erzogen worden, gingen zur Schule, erledigten nach ihren Schulaufgaben, auch kleinere Hausaufgaben, wie Kartoffel schälen, etwas Putzen, oder auch ihre Zimmer aufräumen. 

Alfred lud sie zum Tanz ein, dann zum Essen, als es mehr werden sollte, sagte sie:
“Du weißt, dass ich zwei Kinder habe, ich lass mich mit dir auf kein Abenteuer ein, zum Tanz gehen oder auch mal Essen gehen, sich dabei nett zu Unterhalten, dass ist o.K., aber mehr geht nun einmal nicht!”

Doch Alfred ließ nicht locker, er schenkte ihr nach einem Tanzabend, einen goldenen Ring, mit der Bitte, doch seine Braut, also seine Verlobte zu werden.
Ja, sie hatte sich heimlich in ihn verliebt, er war immer sehr Aufmerksam, nachdem er ihre Kinder kennengelernt hatte, verbrachten sie oft viel Zeit zusammen.
Die Kinder mochten ihn auch und so nahm sie seinen Antrag an.

Die alte Frau lächelte  still vor sich hin.

Ja, ihre Ehe mit Alfred, war doch eine sehr gute Entscheidung gewesen, sie führten eine vorbildliche Ehe.
Nach der Hochzeit, übernahm sie den Einkauf und die Buchführung, ihr Mann kochte nun selbst wieder und es ging ihnen auch sehr gut.
Die Kinder waren Erwachsen und hatten das Haus verlassen.

Sie schreckte hoch, als sie plötzlich die Sirene einer Feuerwehr vernahm, vor ihren Augen liefen furchtbare Bilder ab.

Sie hörte immer noch, wie das Telefon damals läutete und eine Stimme zu ihr sagte, kommen sie bitte schnell ins Krankenhaus, ihr Mann hat einen Unfall gehabt, kommen sie bitte.

Sie kam zu spät.

Jetzt bemerkte sie, dass ein paar Tränen über ihr Gesicht liefen.
Erinnerungen können auch furchtbar sein.

Sie ging zurück ins Haus, aber die Frühlingssonne blieb.




















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