Francois Loeb

DER AUFSTAND

Oh Jehh ... ein Aufstand! Wie das vor sich geht zu lesen in der neusten Wochengeschichte von meiner Feder:


Mitten in der Nacht wache ich auf. Irgendwas rumort. Einbrecher? Ein Albtraum? Eine virtuelle Gespenstergeschichte, die sich ins Reale geflüchtet hat? Ein eiskalter Schauer wandert meiner Wirbelsäule aufwärts, erreicht meine linke Hirnhälfte, die sogleich einen Grossalarm auslöst, meinen Gliedern Beine macht, mich zwingt meine kuschelige Bettdecke in eine Ecke meiner Bettstatt zu verbannen. Leisen Schrittes aufstehen, um keinen möglichen Einbrecher zu erschrecken, der sonst auf mich mit seiner Waffe zielen und den Hahn durchziehen könnte. Und dies weit, bevor der erste Hahn im nahen Bauernhof krähen könnte.

Es ist 15 Minuten nach Mitternacht, wie ich meiner altertümlichen Weckuhr entnehme, also mitten in der Geisterstunde, was meinen Schauer schauerlich erneut in Bewegung bringt, mich am gesamten Körper erbeben lässt. Die Klapperklänge, die mein gespitztes Trommelfell erreichen, kommen ein- und nicht zweideutig aus der Küche. Ich schleiche mich in Indianerart an die einen kleinen Spalt offene Küchentüre heran. Stehe davor. Wage nicht den Eingang aufzustossen. Der Lärm schwillt an. Wird infernalisch. Rückzug blasen? Polizei anrufen? Meinen Ehemann, der sich in einer Armeeübung in Übersee befindet, alarmieren? Seine Stimme würde mich bestimmt beruhigen. Doch ihn beunruhigen, aus der Routine reissen? Könnte ich mir nie verzeihen. Bin doch mutig. Will keinen Unmut auf mich lenken. Lachen würde er. Mir Hirngespinste vorwerfen. Also lieber die Ordnungsmacht?

Aber was, wenn die erscheinen und gar nichts festzustellen ist? Alles sich in meinem Hirn abspielt. Oder ich befinde mich in einem schrecklichen Traum. Schlafwandle durch unser Haus. Würde dann unsanft vom Martinshorn aus dem ungerechten Schlaf des Gerechten gerissen. Doch lieber die Tür aufstossen. Gebe meinem Bewegungszentrum den unmissverständlichen Befehl zu handeln. Jetzt! Und nicht erst nach weiteren Über- oder Unterlegungen. Mein linker Fuss, weshalb nicht der rechte handelt. Ein Kick, als sei die Küchentüre ein Fussball bei einem Elfmeterstoss. Die Klinke scheppert an die Wand.

Augenblickliche Stille folgt. Ich trete ein. Alles an seinem Platz. Nichts Ausserordentliches. Ordnung herrscht. Verordne mir einen Pfefferminztee zur Beruhigung der Nerven. Setze mich an den Küchentisch. Da! Was soll das. Eine Bewegung im linken Blickwinkel. Nein, das kann nicht sein. Der Staubsauger, dessen Heimat die hinterste Küchenecke ist, nähert sich im Stelze-Schritt. Unheimlich ist das. Noch immer im Traum? In seinem Gefolge der Wasserkocher. Die Herdplatte. Der Mixer. Die Nähmaschine. Das Bügeleisen. Die Kabel scheppern. Zumindest weiss ich jetzt, woher das Klappern stammt. Der Staubsauger erhebt jetzt seinen Schlauch als sei dieser die Schlange, die durch Flötenklänge sich erhebt. Räuspert sich. Und jetzt dröhnt aus seinem Inneren die verstaubte Stimme:

„Ich wurde erkoren als Sprecher zu dienen. Wir vereinigten Elektrogeräte, protestieren lautstark gegen die Energiesparmassnahmen, die uns so hart treffen. Sollten diese durchgezogen werden, drohen wir mit der Schmelzung unserer Innereien …! Ganz wie Sie wollen. Sie haben die Wahl …“

Und es folgt eine unheimlich gespenstische Stille ...


Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

S P A R U N G

Die Einsparung
Der weiteren Sparung
Lässt meinen Budgetwarter
Knorzend protestierend knarzen.

Ohne neue Labung
Wird mein Sparringspartner
In den Seilen hängend
händeringend wartend schmachten.

Meine Weisheit bekommt dadurch eine Meise
Sie trällert dabei eine fröhlich traurig Weise
Dreht sich kreischend stets im dunklen Kreise.


Herzlichst François

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.11.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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