Günter Weschke

Aufgegeben



Als arbeitsloser Penner, sitze ick täglich hier am Bahnhof Zoo, in Berlin rum und versuche, so einiger Maßen über die Runden zu kommen.
Mit stumpfen Blicken mustere ick andere Menschen, die mir aber völlig egal sind.
Es ist ein ziemlich kalter November Morgen.
Ick sitze auf einer Bank, habe mir aus meiner Decke und ein paar Zeitungen geschält und blicke hinüber zum Bahnhof.
Jeden Morgen kommt jemand vom Roten Kreuz, bringt mir einen Becher heißen Tee und ein belegtes Brot, fragt wie es mir geht, gibt mir ein paar Zigaretten. Na ja, ein paar Drogen wären mir lieber gewesen.
Der Tee tut jut und meine Lunge freute sich auf den Qualm, den ick tief in mir einsauge.
Danach gehe ick rüber zum Bahnhof, jeh runter zu den Toiletten, kann mir dort auch etwas Waschen, kleene Katzenwäsche.
Rudi, der Mann dem der Bratwurststand jehört, ist auch schon am Arbeiten, ick helfe ein Wenig, denn danach bekomme ick auch schon die erste Bratwurst
Nun muss ick aber schauen, wo und wie ick zu etwas Kleingeld komme, brauch jetzt einen “Schuss”!
Da kommt auch schon mein -Arbeitjeber-, Hans, vom Nuttenhotel in der Kantstraße, gibt mir einen Stoss Werbezettel, “Hier, vateil die mal alle jut, aba nich wieda wegschmeißen!”
“Kannst dia nachher och ‘nen Schuss Kofen!”
Ja und so stehe ick am Bahnhof und drücke jeden, der hier vorbei kommt, zwei Zettel in die Hand, zwei deshalb, weil die dann schneller weg sind.
Dann kommt ooch schon der Hans wieder zu mir, na, alles jut jejangen?
Na klar, wie imma!
Hia haste ‘nen Zehner, reicht ooch for zwee “Schuss!”

Dauert nich lange, denn kommt och schon die Irma hier vorbei, hat drei große Plastiktüten, da sind ihr Klamotten drin.
Früher hat se ooch schon fünf Tüten jehabt, aba zwee davon hamse ihr jeklaut.
Sie bietet mia een Käsebrot an, aber nee, danach iss mia heute nich.

Aba jetzt jlänzen meine Augen, da kommt “Schrotti“, der hat imma Stoff “Na, watt brauchste denn?”
“Jib mia mal watt Jutet, so for eenen Zehner!”
“Hia, sind zwee Tüten!”
Ick loofe damit gleich in den Bahnhof, such mir eene Toilette, die noch etwas sauberer iss, dett Pulva löse ick in Wasser und füll ett dann in die kleine Flasche mit die Spritze und setz mia dann den Schuss.

Och, tut dett jut.
Ick merke richtich, wie ett mia imma besser jeht.
Jetzt iss ett ooch nich mehr so kalt und mein Freund Rudi schenkt mia noch een Paar jebratene Würste.

Denn jeh ick noch inne Kantstraße, zum Nuttenhotel, räume draußen den anjesammelten Abfall weg, denn ick weeß ett jenau, hia kriege ick ne Flasche Bia und ooch eenen oda zwee Schnäpse.
Manchmal jibt ett ooch noch watt Warmet zum Essen.

So, mal sehn, watt Morjen der Tach so bringt.

Da iss ja ooch schon meine Bank, alte Zeitungen hab ich ooch mitjebracht, und die olle Decke iss ooch noch da

Also denn…jute Nacht bis Morjen..

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.11.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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