Günter Weschke

Das Leben hat viele Facetten


Vor kurzem ist mein Nachbar plötzlich verstorben, er war ein angenehmer Mensch,  lebte noch viele Jahre nach dem Tot seiner Frau und ging auch oft mit, wenn ich zum Angeln ging.
Seit kurzer Zeit bewohnt ein neuer Nachbar dieses Haus, ein unangenehmer Typ, grüßt selten, trägt einen Vollbart, was ihn mir schon sehr verdächtig macht.
Das Verdächtigste an ihn, sind aber seine Fußfesseln, die ich einmal erblickte, als er sich im Garten seine Strümpfe zurecht zog.
Welcher Mensch trägt schon freiwillig Fußfesseln?
Eine Fußfessel ist doch auch kein Ehering!
So versuchte ich, über Googel, im kriminal Archiv, etwas zu erfahren.
Und ich wurde Fündig.
Ich fand unter seinem Namen einen Vollbärtigen Verbrecher, der vor mehr als fünfzehn Jahren, seine Frau und ihr ungeborenen Kind ermordete, indem er ihr, mit seinem Rasiermesser, einfach die Kehle durchschnitten hatte.
Und der war jetzt mein Nachbar?
Ab sofort versuchte ich, keinen Blickkontakt mehr herzustellen, ließ von professioneller Seite, an meine Wohnungstür, ein Querriegelschloss anbringen, an den Fenstern wurden Sicherheitssysteme verbaut, das Dach wurde mit Dornenbestückte Solarplatten ausgelegt, im Garten stellte ich sog. Bärenfallen auf und um die Sicherheitszone noch zu vergrößern, wurde die Haustür durch ein raffiniertes Finger Print System abgesichert.

Verbunden wurde alles mit der nächstgelegenen Polizei Station.

Am Haus wurden auch noch zehn Bewegungsmelder, mit Kamera Funktion angebracht.

In der ersten Zeit, so etwa im Zeitraum von sechs Monaten, ging jedes Mal ein Höllenlärm los, wenn ich mich im Garten bewegte, ich musste mir natürlich erst Merken, wo überall diese Bewegungsmelder angebracht waren.
Auch für die Polizei war es eigentlich unzumutbar, jedes Mal mit Blaulicht zu mir zu Fahren, um die Lage zu Überprüfen.

So war ich doch eines Tages sehr verblüfft, als mein Vollbärtiger Nachbar an meine Tür Läutete und mir einen Zettel überreichte, er meinte nur, “damit sie Wissen, wo überall ihre Bewegungsmelder angebracht wurden, und der Lärm dann endlich aufhört!”
Wie hat der Kerl herausgefunden, wo ich überall diese Bewegungsmelder angebracht hatte?
Na ja, er brauchte sich ja nur zu Merken, wo es -wann- Klingelte.

Eines Abends Läutete es wieder an meiner Tür, durch den Spion sah ich, es war der Vollbart.
Was sollte ich jetzt machen?
Nein, ein Rasiermesser sah ich nicht in seiner Hand, aber ich erkannte einen größeren Gegenstand, den er in der rechten Hand trug.
Ich griff nach meinen Baseball Schläger, der jetzt immer neben der Wohnungstür stand, legte noch eine Sicherheitskette in ihre Riegelvorrichtung und fragte durch die Tür: “Ja bitte, wer ist da?”

Eine Tiefe Stimme antwortete:; “ Ich bin’s, ihr Nachbar, ich habe hier etwas Besonderes für sie!”
“Was, so spät noch?”
“Na es ist doch erst sieben Uhr!”

Was hatte der vor?
Will er mir einen Sandsack über den Schädel ziehen?

“So warten sie einen Moment!” Vorsichtig löste ich die Kette, öffnete dann die Tür, aber nur Spaltbreit, in meiner zitternden rechten Hand hielt ich mich am Baseball Schläger fest.

“Ach, sie sind es tatsächlich!”

Als ich sah, dass er unbewaffnet war, öffnete ich die Tür ganz und ließ ihn eintreten. 

“Sie wollten doch nicht etwa schon schlafen gehen?”

“Äh nein, nein, ich war nur überrascht, heute noch Besuch zu 
bekommen!”

“Hier, schauen sie mal, was ich mitgebracht habe!”

Ängstlich blickte ich auf seine Hände!

“Dass ist ein ganz besonderer Tropfen, den muss man genießen!”

Er zauberte eine Flasche hervor, bei deren Anblick mein Säuferherz jubelte, einen 38er Rotwein, fast unbezahlbar.

“Äh, wie komme ich zu dieser Ehre?”

“Na ja, ich wohne ja nun schon fast eine Ewigkeit als Nachbar neben ihnen und so dachte ich, es ist an der Zeit, sich mal richtig vorzustellen.
Dieser vorzügliche Tropfen, sollte eine Hilfe dazu sein!”

“Na dann kommen sie mal rein, so hier geht’s ins Wohnzimmer!”

“Sie wohnen aber sehr feudal, Donnerwetter, hätte ich nicht gedacht, hier einen so belesenen Herrn anzutreffen!”

“Aber das Täuscht, den prall gefüllten Bücherschrank, habe ich mit dem Haus zusammen erworben, aber ja, ich lese aber auch sehr gern!”

“So hier sind die Gläser, darf ich auch die Flache Öffnen?”

“Diese tiefrote Farbe und der unwiderstehliche Duft, einfach traumhaft schön!”
“Sehr zum Wohl!”

“Ich habe mich ihnen ja noch nicht so richtig vorgestellt, mein Name ist Walter von Orten, Professor für Daten Chemie und Gerichts Medizin!”

“Oh, ein, ein Herr Professor und das ganz in meiner Nähe!”

“Ja, ha, ha, man kann sich ja seine Nachbarn nicht immer aussuchen!”

“Also Herr Professor, der Wein ist einfach Super, eigentlich zu schade zum Trinken!”

“So, nun lasen wir mal den Herrn Professor weg, sag einfach Werner zu mir!”
“Oh, danke Werner, dann bin ich der Richard!”

“Vor einiger Zeit habe ich rein zufällig gesehen, so dachte ich, dass du eine Fußfessel trägst, ich wart mir da ganz sicher!”

“Das ist jetzt aber köstlich, ich musste mich einer OP an einem Hüftgelenk unterziehen, damit das Gelenk geschont wurde, durfte ich keine großen Schritte machen, diese Fußfessel war ein starkes Gummiband, welches mich daran hindern sollte!”

“Eine Frage, hattest du dich meinet wegen so aufgerüstet?”

“Meine Antwort ist -ja-, dafür geht die nächste Einladung an dich und ich sorge für einen passenden Wein!”


















 






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