Jürgen Skupniewski-Fernandez

Phänomen

Phänomen

Noch schwimmen die Gedanken ziellos durch den Kopf. Eingeblendete Déjà-vu Momente, als würde sich alles verschieben, das Erlebte neu aufgelegt. Ständige Wiederholung.Manchmal dauert es Stunden, vereinnahmt vom bereits Erlebten. Jeder Schritt, jede Emotion im Wiederholungsmodus präsenter Gegenwart.

Das Zimmer mit seinen großen Fenstern strahlt Ruhe aus. Das frühe Tageslicht hellt den Raum auf. Eine tiefe Ruhe, Überbleibsel der Nacht, ist immer noch zu spüren. Weißgetünchte Wände reflektieren Licht und Ruhe, verschmelzen zu einer emotionalen Tiefe.

Zwei Betten stehen sich gegenüber. Er richtet sich auf. Seine Augen verlieren sich an den weißen Wänden, bis sie das Fenster erreicht haben. Sekundenlang verharren sie in dieser Position. Dann wandern sie weiter und blicken auf das gegenüberstehende Bett.

Das Fußende bis zur Mitte, bedeckt ein weißes Laken. Deutlich hebt sich die weichanmutende Daunenfüllung ab. Von der Bettmitte bis zum Kopfende, aber ist das Laken tiefschwarz verkohlt. Umrisse eines Körpers zeichnen sich ab. Stille. Die Augen ruhen auf dem halbverkohlten Bett. Ist es zum Teil verbrannt? Die Luft ist frisch und klar. Nichts deutet auf einen Brand hin.
Der anfangs leblose Körper bewegt sich. Ein Arm sucht sich seinen Weg und streift das Laken von sich. Der verkohlte Kopf und Oberkörper richten sich. Der anscheinend verbrannte Kopf belebt sich und freundliche Augen schauen sich im Zimmer um.

Dann halten sie inne und wenden sich ihm zu. Er erkennt seinen besten Freund wieder. Es ist seine Körperhaltung, die Gestik und Aura, die ihn umgibt. „Du siehst heute so anders aus, verbrannt, verkohlt. Was ist geschehen?“ „Nichts, nichts ist geschehen. Das ist doch belanglos“. Der Freund richtet sich auf. Streckt und dehnt sich und fährt mit der Hand über Kopf und Gesicht. Dabei bröckelt die verkohlte Schicht von seinem Kopf und Körper, gleich einer verpuppten Raupe, die sich mit dem Licht vereinigen möchte.Er erhebt sich vom Bett und geht zum Fenster. „Du siehst, nichts ist geschehen. Du musst dir keine Gedanken machen“. Er lächelte noch, dann ist er irgendwohin gegangen. Dahin, wo es ihm wohl recht gut geht.

Er starb vor einem Jahr. Sein Körper wurde verbrannt und seine Asche haben seine Freunde dem Meer übergeben. Er liebte das Meer, das Licht und die Sonne.

Der Kreis hat sich geschlossen, auch wenn die Gegenwart mit Phänomen immer mal wieder Momente einblendet, die der bereits erlebten.

 

 

 

 

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