Schreibübung unter Verwendung der Worte "Feuer", "fremd" und "Brücke" in maximal 1000 Wörtern
Das Bündel aus Haut, Knochen und Leinenhemd ist kaum mehr als Mensch zu erkennen, als die Wachen es auf den Karren heben. Die schweren Ketten scheinen den mageren Körper förmlich zu erdrücken.
Doch die Wachen lässt es kalt, mit bitterem Lächeln steigt einer der Männer auf den Karren und setzt das Bündel auf eine Kiste, auf dass es von den Umstehenden gesehen werden kann. Eine weitere Demütigung auf diesem langen und schmerzhaften Weg.
Das Falltor hebt sich und der Karren rattert über die Brücke hinein in die Stadt. Hinein in die Strassen voller Leute, dicht gedrängt und gaffend, unruhig und angespannt. Sie alle wissen, was kommt. Tausende Augen folgen der schmalen Gestalt auf ihrem Weg zum Marktplatz. Die meisten Verurteilten werden begleitet von Schmährufen, von Flüchen und sogar von Steinen. Doch die Menge schweigt, ein stiller Tribut.
An ihrem Ziel angekommen zerren die Wachen ihr Opfer vom Karren und hieven es auf den Holzstapel, wo sie es aufrichten und an den hohen Pfahl binden. Die junge Frau, das Gesicht verzogen von Schmerzen und Furcht, hebt müde den Kopf. Unvermindert sieht sie ihre Richter an, allen voran den Bischof. Trotz ihrer Qualen ist ihr Blick stolz und ungetrübt.
Der Kirchenmann tritt näher und wendet sich der Menge zu. „Seht hier die Sünderin, die Gesandte des Teufels! Seht wie reuelos sie selbst jetzt noch ist! Obschon sie bereits Ketzerei und Mord begangen hat, obschon zu lebenslanger Haft verurteilt hat sie sich ein weiteres Mal gegen den Herrn versündigt. Sie bezeugte falschen Glauben und gab sich lüsternen Dämonen hin! Das Urteil lautet Tod, möge Feuer ihre Seele reinigen und uns von ihrem Übel befreien!“
„Der Herr hiess mich kämpfen und ich ergriff das Schwert. Er hiess mich mein Volk zu verteidigen und ich vertrieb unsere Feinde. Ich folgte treu Seinem Wort bis zu diesem letzten Tag, meine Arbeit ist getan. So es Sein Wille ist möge Er nun über mich richten.“
Die Stimme der jungen Frau ist kratzig und schwach, doch ihre Worte dringen an jedes Ohr. Selbst im Angesicht ihres Endes wankt sie nicht in ihrem Glauben.
Die Wachen, mit Fackeln in der Hand, entzünden den Scheiterhaufen. Kurz darauf beginnt das Holz zu qualmen und eine dichte Rauchwolke verhüllt den Pfahl. Einige treue Männer haben in der Nacht grünes Holz in den Scheiterhaufen geschoben – ein letzter Dienst an der jungen Frau, die sie einst anführte, ein rascher und schmerzloser Tod.
Der Bischof hebt einen prächtig gekleideten Arm vor Nase und Mund, er starrt erwartungsvoll auf den Scheiterhaufen. Doch nur das Knacken von Holz und das Fauchen der Flammen erklingt, kein Schmerzensschrei durchdringt die Luft. Schliesslich lässt der Bischof das Feuer löschen. Die junge Frau lehnt zusammengesackt gegen den Pfahl, nur noch von den dicken Seilen gehalten. Ihr dünnes Leinenhemd hängt nur noch in Fetzen von ihrem Körper und gibt den Blick frei auf ihre Haut. Kaum ein heller Schimmer ist zu sehen. Blut, alt und frisch, bedeckt den mageren Körper. Dunkle Flecken, viele davon in Form von Händen und Fingern, zeichnen die junge Gestalt.
Eine der Wachen erklimmt den Scheiterhaufen und tastet prüfend nach dem Puls der jungen Frau. „Sie ist tot!“
Ein beinahe zufriedener Blick schleicht sich in die Augen des Bischofs, verblasst jedoch rasch wieder, als er die bedrückten Menschen betrachtet. „Die Sünderin ist von uns gegangen, der Herr hat abermals über das Böse triumphiert!“
Irgendwo aus der Menge heraus erklingt ein leises „Kyrie eleison“. Herr, erbarme dich. Immer mehr Leute flüstern, dann rufen diese Worte und bitten ihren Gott um Gnade für die junge Frau, die so viel für sie getan hat. Die Wachen blicken sich unruhig um. Sie sind fremd hier und verstehen nicht, wie die Bewohner der Stadt so viel Achtung für eine Sünderin haben können, für eine sogar zweifach verurteilte Ketzerin.
Ein Ruck geht durch den Bischof, barsch wendet er sich an die Wachen. „Das Feuer soll brennen, bis ihr Körper nicht mehr als Asche ist! Enzündet den Scheiterhaufen erneut!“ Die Männer gehorchen zögerlich. Die Menge wird unruhig, Unmut über diese Tat macht sich breit. „Seht, brave Leute, wie sehr ihr immer noch unter dem Bann dieser Hexe steht! Erst wenn sie völlig von dieser Erde getilgt ist werdet ihr erlöst aus ihrem Zauber und kehrt zurück zum Herrn!“ Die Flammen lodern auf, die Wachen ziehen besonders qualmende Äste heraus und legen Holz nach, bis der Körper der jungen Frau vergangen ist.
Anschliessend wird die Asche sorgsam zusammengetragen und im nahen Fluss verstreut, auf dass keiner auch nur auf die Idee käme mit Reliquen der jungen Frau zu handeln.
Zwanzig Jahre später wird bei einem weiteren Prozess die Unschuld der jungen Frau bewiesen, später wird sie heiliggesprochen. Die meisten Franzosen hegten nie einen Zweifel daran, ihre Legende überdauerte Jahrhunderte. Beständig ist das Erbe der Jungfrau von Orléans, ungetrübt ist das Gedenken an Jeanne d'Arc.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.12.2022.
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Ein diabolischer Plan
von Doris E. M. Bulenda
„Krachen, Scheppern und dann gewaltiger Lärm, als ein schwerer Gegenstand an die Wand geworfen wurde. Oh verdammt, die Verrückte spielte drüben in der Küche schon wieder ihr absolutes Lieblingsspiel – Geister vertreiben. Gleich würde sie hierher ins Wohnzimmer stürzen, wo ich versuchte, in Ruhe meine Hausaufgaben zu machen. Und dann würde sie mir wieder lang und breit erklären, welches Gespenst gerade versucht hatte, durch die Wand zu gehen und sie anzugreifen. Ich hasste sie! Ich hasste dieses Weib aus ganzem Herzen!“
Die 13-jährige Eva lebt in einer nach außen hin heilen, kleinbürgerlichen Familie. Hinter der geschlossenen Tür herrscht Tag für Tag eine Hölle aus psychischer und physischer Gewalt durch die psychopathische Mutter und den egomanischen Vater.
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