Tina Kaiser

Charlotte - einsamer Knall

Es ist Silvester. Heute ist Silvester. In ein paar Stunden ist das Jahr endlich vorbei. Charlotte kann es kaum abwarten. Sie ist vor 5 Monaten, genau heute sind es 5 Monate her, verlassen worden. Irgendwie ist sie drüber hin weg und irgendwie nicht. Sie liebt ihn nicht mehr und will ihn auch nicht zurück und trauert der Beziehung auch nicht mehr hinter her, aber sie denkt, dass sie nie wieder jemanden finden wird, der sie liebt. Sie denkt, dass selbst, wenn sie jemanden findet, es eh nicht lange hält. Jedenfalls definitiv keine 8 Jahre mehr. Aber sie lebt vielleicht eh nichmehr so lange, schließlich ist sie schon 30. Ja, is kein Alter, aba als sie 20 war, wollte sie gefühlt jeder Mann heiraten und heute… Heute haben die Männer so lange Interesse an ihr, bis sie auch welches hat und damit schlägt sie sie scheinbar immer wieder in die Flucht. Man darf sich heutzutage nich mehr verlieben, dann geht alles in die Hose. Damit versaut man scheinbar alles. 

Sie hatte jetzt jemanden kennen gelernt. Joseph. Er ist bisschen älter als sie und steht mit beiden Beinen im Leben. Und sie verstehen sich perfekt. Wenn sie zusammen sind ist es, als wären zusammen, nur, dass sie es nicht sind. Mit ihm hatte sie letztens auch ihren ersten Singlesex.
Ja, der erste Singlesex ist was ganz besonderes und deswegen hat sie auch auf den „Richtigen“ gewartet.
Und es war unbeschreiblich!
Sie is jetz nich gekommen, aber darum geht es ja auch gar nicht beim Sex, findet sie. Es geht um die Nähe, das Vertrauen und die Intimität. Und es war so Intim… abgesehen davon, dass er unglaublich schöne Hände und Arme hat, kann er damit so verdammt zärtlich sein, das kann man gar nicht in Worte fassen. Und er hat sie gefragt, wie sie es machen möchte! Es war ihm wichtig, dass sie es schön findet und sich wohl fühlt. Und beim Sex hat er sie die ganze Zeit eng festgehalten und sie hat seine Muskeln gespürt… so animalisch!!! Es war einfach der Richtige. Auch, wenn es mit ihnen beiden jetz nix wird, für diesen Moment war er definitiv der Richtige. Und das ist ja schonmal was. Aber jetz ist sie verliebt und naja… schwierig halt… er sagt, so schnell sei er nich… die alten Leute wieder, kommen so schnell nich hinterher.. haha.. nich lustig.

Naja.. abwarten… aber sie kann nich abwarten, sie macht sich zu viele Gedanken.
Die dumme Nuss denkt alles kaputt!! 

Er brauch vielleicht einfach nur noch n paar Tage und sie denkt, dass sie ihn jetz in die Flucht geschlagen hat und er ihr eigentlich gar nicht mehr zurück schreiben will und hofft, dass sie sich nich mehr meldet. Und genau das würde sie am liebsten tun. Sich eingestehen, dass sie es versaut hat und er nix mehr von ihr wissen will und heulend und trauernd den Chat löschen, damit sie nicht in Versuchung kommt, ihm wieder zu schreiben.
Aber nicht die Nummer löschen, falls er es sich doch anders überlegt… ja, die Hoffnung…

Und heute, wo das neue Jahr bald beginnt, ist sie allein mit ihren Gedanken. Wie schön wäre es, wenn es jetzt klingeln würde und er würde vor der Tür stehen und sie könnte ihm WIEDER in die Arme springen und dann würden sie sich küssen und als Paar ins neue Jahr starten. Tja. Pech.
Am Liebsten würde Charlotte dem ganzen Liebesgefühlszeug absagen und es lassen. Nicht mehr verlieben. Nicht mehr das arme kleine Herzchen mitten ins Schlachtfeld werfen, in der Hoffnung, dass dort jemand steht, der es auffängt und sich behutsam drum kümmert. 

Aber da ist diese Hoffnung, die ihr klebt, wie ein blöder Kaugummi in den Haaren. 
Die Hoffnung, dass, wenn man einen Zettel mit seiner Telefonnummer an einen Luftballon bindet und diesen empor steigen lässt, dass sich dann der Traummann meldet. Dass man beim Einkaufen mit jemanden zusammenstößt und so die Liebe seines Lebens findet. Dass es wirklich jemanden gibt, der mit Pfeil und Bogen auf dem weißen Pferd angaloppiert kommt und um ihre Liebe kämpft. Jemand, der ihr selbstgepflückte Blumen schenkt. Jemand, der sie sehen will, so oft es geht. Jemand, der sie wirklich liebt und das für immer. 

Daran klammert sie sich. An ihre Hoffnung, die sie nicht loslässt. 

Mal sehen, was das nächste Jahr so mit sich bringt. 
Bis jetzt sieht es dürftig aus. 
Kein Liebesbrief, kein weißes Pferd, kein Pfeil und Bogen, keine Blumen, kein Kuss, kein Ring, kein Prinz.

Nur sie allein in ihrer Wohnung. Und die Raketen draussen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.12.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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