Günter Weschke

Erna und Icke, Urlaub auf dem Bauernhof



Wia sitzen beede am Frühstückstisch:

Erna weeste noch, vor een paar Jahren ham wa mal Urlaub uff eenen Bauanhof jemacht?
Dett wa doch damals eene schöne Zeit. Kannste dia noch an den varrückten Hahn ainnan?
Ainna mia bloß nich an den Hahn, ja, der Urlaub wa irjendwie schön, aber diesa irre Kampfhahn wa ja wie een klenet Unjeheua, imma wenn ick üba den Hof jehen musste, um zum Klo zu kommen, rannte der mia nach, dabei krähte er wie blöd und vasuchte mir in die Beene zu Picken.
Eenmal issa mia sojar uffn Kopp jefloren.
Ha, ha, ha, ja, daran kann ick mia noch jut ainnan. Ett wa ja ooch janz schön schwer, die Hühnakacke aus deine Haare zu waschen.

Willste noch ne Tasse Kaffe?
Ja Erna, kann ick noch een jekochtet Ei ham?
Na klar Otto, dabei fällt mia ein, im Hühnastall haste ja mal vasucht, een Ei von die Hühna zu klaun, dett haste denn hintam Haus mit eene Nadel anjepiekt und in eenem Zuch ausgesaugt.

Na dett musste mia nich jetzt saren, wo ick doch noch een Ei essen will.
Und dett ick dett damals so in eenen jroßen Schluck trinken musste, lach doch daran, dett dett Ei schon angebrütet wa, und dett dett kleene Küken darin in eenem Stück wa, konnte ick ja nich vorher sehn, darum mein jroßer Schluck.

Aba dett wa so lustich, dett ick mia vor lachen in die Hose jepinkelt hatte.

Na watt iss Otto, willst dett Ei nich mehr essen?

Nee Erna, die Ainnerung daran iss schrecklich.

Wia hatten ja den Urlaub mit Vollpension gebucht, also Frühstück, Mittachessen und Abendbrot wa inklusive.

Zu der Bauanfamilie jehörte ooch der alte Opa, der saß also imma mit am Tisch.
Dett erste Mal beim Mittachessen, -ett jab vorher eene Suppe-,sacht der Baua zum Opa, jib mia mal deine Zehne, ich bin denn schnella fertich mit dem Essen, danach kannst du dia mit dem Essen ja Zeit lassen.

Ick denke, mia tritt een Ferd, nimmt doch der Opa seine Zehne raus, tunkt sie in die Suppe, und jibt sie danach seinem Vater, der steckt sie in den Mund und beginnt seine Suppe zu schlürfen.

Also, dett sin so Bräuche auf dem Land, die wia inne Stadt nich kenn.

Der Zahnlose Opa saß dann am Tisch und wartete uff seine Zehne.

Na Erna, wa dett Ei jut?

Lecka Otto, so mit een wenich Salz schmeckt ett jut.

Also die Tiere uff dem Hof, waren schon lustich, der geile Hahn saß jeden Tach uff een anderet Huhn und ließ sich üba den Hof traren.
Aba wenn er die Erna sah, jab ett keen Halten mehr, er sprang vom Huhn und jagte die Erna üba den Hof.

Der Opa saß uff seinen Stuhl uff die Veranda und imma denn, wenn der Hahn die Erna jagte schrie er laut, “Los nu bespring sie mal so richtich!”

Erna fand das natürlich unpassend und eines Tares sagte sie zu ihm; 
Opa, wenn du noch eenmal den Hahn uff mia hetzt, denn nehm ick dia  deine Zehne weg und du kannst vahungan.

Beim anschließendem Mittagessen, fragte der Bauer nach den Zehnen vom Opa?
Opa sagte, die hab ich verloren.
Ja, wie kann man denn seine Zähne verlieren?
Na beim Küssen!
Waaas? Beim Küssen?
Ja, beim Küssen.
Aber sag mir einmal, wen hast du denn geküsst.
Niemanden.
Aber du sagtest doch eben, beim Küssen.
Na ja, ich habe ja nicht geküsst, aber die Frau Erna hat mich geküsst.
Nach dem Kuss habe ich dann meine Zähne vermisst.

Der Bauer schaut meine Erna an.
Was haben sie mit den Zähnen meines Sohnes gemacht?

Na dett wa so. Ihr Sohn, also der Opa, hat den Hahn uff mia jehetzt, denn hatte jeschrien, detta mia bespringen soll.
Also, dett jeht janich.
Mein Otto wa nich dabei, weil der jrade vasucht hatte, eene Kuh zu melken, watt ihm aba nich jelungen iss, weil die Kuh ihm den Eima wegnahm, denn ett wa nich die Kuh jewesen, sondan die Magd, die sich jrade jebückt hatte, um ihren schwarzen Schal uff zu hem, der ihr runta jefalln wa.
Mein Otto iss een bißken kurzsichtich.

Ick hatte ja ooch den Opa vawahnt, aba der hat imma weita gebrüllt, so dett ick mia nich mehr zu helfen wusste, ihn einfach uff sein Mund küsste, wobei rein zufällich, seine Zehne in mein Mund laren.

Jenau so wa ett.

Und wo sind die Zähne jetzt?

Die hat sich euer geiler Hahn jegriffen und trägt sie jetzt im Schnabel, wenn der mia damit beißt, na ick wees nich.

Ja, so wa unsa Urlaub uffn Bauanhof.

Beim Abschied gab die Bäuerin meiner Erna noch een Paket und sagte: Dett iss een Andenken, an ihren Urlaub bei uns.

Als wa zuhause dett Paket uff machten, lag der geile Hahn darin, dabei wa een Zettel, da stand druff - juten Appetit -.































 












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