Heinz-Walter Hoetter

Erinnerungen sollte man pflegen

 


 


 

Eigentlich erinnere ich mich nur noch sehr vage an diese damalige Reise mit einem marsianischen Freund, die schon lange im Dunkel des Vergessens geraten war.


Aber ich hatte ja mein Recall-Gerät.

 

***

 

Ich besaß damals einen dieser neuartigen Gravi-Sportwagen auf Terra und fuhr mit meinem Freund, den ich im Reiseraumschiff "Phönix" kennengelernt hatte, ganz spontan zu einer ausgedehnten Spritztour nach New York City, die zu einer kosmopolitischen Weltstadt an der Ostküste der Vereinigten Staaten geworden war, die mittlerweile mehr als 30 Millionen Einwohner beherbergte, von denen viele aus allen Ecken des Universums kamen.

Mein Freund war Marsianer und wollte für ein paar Wochen auf der alten Erde mal wieder ein bisschen Urlaub machen. Die erste Zeit mit ihm ging alles gut, doch dann stellte sich heraus, dass wir beide zwei grundverschiedene Menschen waren, die sich außerdem fast so gut wie nichts zu sagen hatten.

Ich ging beispielsweise gerne in einfache Restaurants, in denen noch nach alten Rezepten gekocht wurde, aber mein Freund wollte immer in diese supermodernen Fresstempel gehen, in denen man von künstlichen Menschen bedient wurde. Mir lag das einfach nicht, weil mir das zu unpersönlich vorkam.

Auch mochte ich lieber in verträumten Seitengassen spazieren gehen, wo es so richtig gemütlich war, aber mein marsianischer Freund bevorzugte lieber die heißen Orte mit den futuristischen Diskos, in denen man die weiblichen Huren-Androiden reihenweise für ein paar galaktische Dollar abschleppen konnte.

Trotz aller persönlichen Widersprüchlichkeiten während unserer Spritztour nach New York kamen letztlich fast vierzehn Tage Halligalli zusammen, die mich beinahe um den Verstand gebracht hätten.

Endlich ging es zurück in meine gewohnte Umgebung, die weit außerhalb New Yorks auf dem Land lag. Unterwegs erzählte mir mein Freund vom Mars, dass er Regisseur sei und unseren gemeinsamen Ausflug verfilmen möchte. Er wolle daraus eine tolle Geschichte machen, wie er sagte.

Später setzte ich ihn am Raumflughafen ab, der auf unserem Weg lag, weil er kurzfristig, aus nicht näher geschilderten Gründen, noch eine Stadt auf dem Mond besuchen wollte.

Wir verabschiedeten uns schließlich freundschaftlich, wobei er mir seine elektronische Visitenkarte in die Hand drückte, auf der sein Name stand und ihn tatsächlich als Regisseur von Visions-Filmen aller Art auswies, die er unter anderem auch für die Mind-Trip Corperation herstellte, einer bekannten Traumfabrik in Hollywood, wo alles Erlebte, so auch Erinnerungen, in lebensechte 3D-Movies verwandelt werden, die man sich mit Hilfe dieser hochmodernen Recall-Geräte reinziehen konnte, von denen ich mir erst kürzlich eines dieser Dinger gekauft hatte, welches ich gerade vorsichtig vom Kopf nahm und neben meinem Bett auf die eigens dafür bereitgestellte Ablage legte.

Erinnerungen sollte man pflegen, dachte ich noch schläfrig verschwommen. Dann zog ich mir die kuschelige Decke über den Kopf, drehte mich auf die Seite und schlief bald ein.

 

 

ENDE

 

(c)Heinz-Walter Hoetter


 

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