Christa Astl

Der Bergsteigerhund

 

 

In meiner aktiven Bergsteigerzeit traf ich natürlich allerlei Menschen mit und ohne Begleitung. Diese Begleiter waren oft Hunde. Starke Boxer, die den Herrn beinahe zogen, müde Bernhardiner, ausdauernde Schlittenhunde, auch manche, die ich gar nicht kannte.

Ein besonderes Erlebnis ist mir noch in Erinnerung. Zwei junge Männer hatten einen Rauhaardackel mit sich. Ein temperamentvoller, noch junger Rüde, dem man die Lust am Dasein anmerkte. Mit seinen kurzen Beinen lief er den Weg trotzdem mindestens doppelt so oft als wir mit unseren langen Berglerhaxen. Kurz gesagt, er hielt unser Tempo wacker mit, sprang vor und zurück und hatte noch Zeit, manches Mausloch aufzustöbern. Es war ein schmaler felsiger Pfad, der uns etwa zwei Stunden aufwärts führte. Dann aber, das letzte Stück zum Gipfel, war ein steiler Klettersteig mit Seilsicherung. Was machen wir jetzt mit dem Hund? Das schafft er nicht, dieses steile Gelände ist nichts mehr für ihn. „Den musst du nun wohl in den Rucksack stecken“. so mein guter Rat. – „Ja, sonst noch was“, meinte das Herrl, „dann lässt er sich zum Schluss immer auf den Berg tragen. Dann muss er halt warten.“ Nach einer kurzen Rast brachen wir auf, ohne den Waldi. Der schaute uns zuerst zu, ungläubig, ob wir ihn wirklich allein zurücklassen würden, und setzte sich brav nieder. Mit wenigen Schritten waren wir bereits einige Meter über ihm. Da merkte er, dass es ernst wurde. Hin und her sprang er auf der Suche nach Tritten für seine Pfoten, vergeblich. Da hob er ein bitterlich weinendes Geheul an, mir erbarmte er so sehr. Aber was soll ich machen? Um die nächste Ecke kommend, hörten wir ihn nicht mehr. Er wird es wohl eingesehen haben und verlässt sich darauf, dass wir wieder kommen. Zügig stiegen wir weiter.

Nur wenige Minuten trennten uns noch vom Gipfelkreuz und der freien Sicht ins Land. Der letzte Schritt – und wen sahen wir??? – Unseren Waldi!!! Schwanzwedelnd, sich fast überschlagend vor Freude, Glück und Übermut, sprang er um uns herum und an uns hoch. Wenn man ihn genau anschaute, sah man den Schalk aus seinen treuen Dackelaugen blitzen, und ein klein wenig boshaftes „Ätsch, ich hab’s doch geschafft und war sogar schneller“! Das sagte sein Freudengebell nur zu deutlich. Ein Stück Wurst hat er sich redlich verdient.

Zurück suchten wir einen anderen Weg, den wir gemeinsam absteigen konnten.

 

ChA 31.01.2023, ein Erlebnis Anfang der Siebziger Jahre

 

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