Günter Weschke

Der große Klau

 


Früher ging ich gerne Einkaufen, heute habe ich eine Zugehfrau, die mir alles besorgt, was ich ihr aufschreibe.
Manchmal aber überkommt es mich immer noch, und ich gehe selbst auf Einkaufstour.

Eigenartigerweise, hatte ich schon immer den Wunsch, einmal etwas wertvolles zu Klauen.
So brannte tief in meinem Herzen eine Flamme, ein unwiderstehliches Feuer, ein Feuer der Versuchung.

Nachdem ich mir einen todsicheren Plan zurechtgezimmert hatte, gehe ich am 4. Advent Samstag „Einkaufen“.

Im großen Kaufhaus in München sehe ich mich um, ja, es hat sich doch schon viel verändert, moderne Verkaufstheken, auch eine gut sortierte Parfümerieabteilung.
Aber ganz besonders interessiere ich mich, für die Verkaufsfläche vom Juwelier Christ.
Mein Herz hüpft vor Freude, als ich dieses prächtige Gefunkel sehe.

Beim Gang durch die Gänge, entgehen mir auch nicht diverse Kameras, zur Kunden Überwachung.
Alles andere ist natürlich Übungssache

Ich betrachtete die Auslagen und entschied mich für einen sehr teuren Diamant Ring.
„Darf ich mir einmal diesen Ring näher ansehen?“

Die freundliche Verkäuferin legte mir diesen Ring, auf einem Samttablett vor.
Ich nahm eine kleine Lupe aus meiner Tasche und betrachtete diesen wertvollen Ring ausgiebig.

Heute, am letzten Samstag vor Weihnachten, war hier natürlich sehr viel los.
Das hatte ich natürlich in meinen Plan eingeschlossen.

Es dauerte daher auch nicht lange, da wurde meine Verkäuferin, von einer ihrer Kolleginnen angesprochen, ihr doch bei einer Kunden Beratung zu helfen.

Unschlüssig sah sie mich an, sagte dann aber, entschuldigen Sie bitte, aber ich bin sofort wieder bei ihnen.
Ich nickte ihr zu und betrachtete weiterhin den Ring.

Als sie also weg war, nahm ich den Ring in meine Hand, drehte mich aber dabei so, dass ich seitlich zur Kamera stand.
Langsam, wie unbeabsichtigt, steckte ich die Hand in meine Jackentasche, zog ein Taschentuch hervor, schnäuzte mich und steckte es wieder ein.
Der Ring lag in meiner Jacke.

Die Verkäuferin kam zurück, sah mich fragend an … bitte, wo ist der Ring?
Ich tat verblüfft, wie bitte? Sie haben doch gerade den Ring mitgenommen, als sie zu ihrer Kollegin gingen.

Sie war blass geworden, drückte auf einen unsichtbaren Knopf und sagte dabei, ich rufe jetzt den Hausdetektiv.

Es kam ein Herr, der sich von der Verkäuferin ihren Verdacht erläutern ließ.
Er sah mich an. Haben sie etwas dazu zu sagen?

Ich tat empört und so sagte er … bitte folgen Sie mir in mein Büro.

Dort angekommen meinte er … gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit, nehmen die Ladendiebstähle immer mehr zu. Der dadurch entstehende Schaden, ist immens hoch.
Ich werde also die Polizei hinzuziehen müssen.

Kurz darauf betraten zwei Polizisten das Büro, einer war eine Frau.

Na Herr Wolter, was haben wir denn heute?`

Ja, es scheint so, als habe der Herr einen wertvollen Ring gestohlen.

Der Beamte wendet sich an mich, was sagen sie dazu?

Natürlich habe ich nichts gestohlen.

Na dann geben sie mir einmal ihren Ausweis. Er telefoniert mit seiner Dienststelle, stellt Fragen.

Nach dem Gespräch sagt er. Also, bisher liegt gegen den Herrn Nichts vor. Legen sie doch bitte alles, was sie in ihren Taschen haben, hier auf den Tisch.

Umständlich krame ich alles hervor, Geldbörse, Schlüsselbund, Kaugummis, … plötzlich bekomme ich einen so plötzlichen, starken Niesanfall, dass alle entsetzt ein paar Schritte zurücktreten.

Ich entschuldige mich dafür, greife in meine Hosentasche, ziehe ein großes, schmutziges, rot kariertes Taschentuch hervor und beginne, mich laut und ausgiebig zu schnäuzen.

Danach lege ich das Tuch zu meinen anderen Dingen, die bereits auf dem Tisch lagen.

Etwas angewidert sagt die Polizistin, stecken sie ihr Tuch sofort wieder ein, das ist ja so etwas von unhygienisch, das glaubt man ja kaum.

Dankbar komme ich ihrer Aufforderung nach, stecke das Tuch in die Tasche, in der bereits der Ring liegt. Schnell knülle ich das Tuch zusammen, in der Mitte steckt der Ring.

Nun, sagt der Beamte, sind sie mit einer Leibes Visitation einverstanden? Ich nicke mit dem Kopf, dabei sage ich, natürlich, es kann ja nur der Wahrheitsfindung dienen,
Die Leibesvisitation, die der Beamte vornahm, brachte nichts zutage. Die Tasche, mit dem Tuch, hat er nicht angetastet.

Nun sagt die Beamtin, es könnte aber auch sein, dass sie den Ring verschluckt haben.

Aber ich bitte sie, was trauen sie mir denn nicht noch alles zu?

Ja, sagt ihr Begleiter, dann nehmen wir sie erst einmal mit aufs Revier.

Er fertigte ein Protokoll an und überreichte den Durchschlag an den Kaufhausdetektiv. Ein vollständiger Bericht wird ihnen zugestellt werden.

Auf dem Revier kam der herbei gerufene Amtsarzt, gab mir eine Tablette, danach musste ich in einer Zelle warten. In der Zelle stand ein Eimer, abgedeckt mit einem Sieb, darauf musste ich also meine erzwungene Notdurft verrichten. Jedes Mal, musste ich die Klingel betätigen, damit der „Stuhl“ untersucht werden konnte.

Nach sechs Stunden erschien der Arzt, er sagte, wir konnten keinen ungewöhnlichen Gegenstand feststellen.

Vor der Entlassung musste ich noch ein Protokoll unterschreiben.

Zu Hause angekommen, wickelte ich den Ring aus, was für eine Pracht, welch ein Glücksgefühl.

Als ich den Ring in Nürnberg, an einen Juwelier verkaufen wollte, klickten plötzlich die Handschellen.

Scheiße!

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