Günter Weschke

Handwerklich begabt



Als waschechter Berliner, ging ich nach meiner erstrebten Pensionierung nach Bayern.
Dort wurde ich als “Saupreiß, dammischer” herzlich aufgenommen.
In dem kleinen Kaff gab es außer dem Gottesdienst am Sonntag, keine nennenswerte Abwechslung.
Also wurde ich Willkommen geheißen.

Das Haus, welches ich hier erwarb, war eine schmucke Villa, großer Garten, dicht am Waldrand gelegen, mit wundervollem Blick auf die Allgäuer Bergwelt.

Mangelhaft war nur die alte Klingelanlage, also los, zum Baumarkt und eine moderne, drahtlose Anlage gekauft.

Als motivierter, ungelernter Handwerker schaffte ich es, dass die  Anlage nach zwei Tagen funktionierte.

Hei, war das eine Gaudi, ihr müsst euch vorstellen, Glockenklang von West Minster, Notre Dame und Luftschutzsirene, alles zusammen, oh mein Gott.

Als ich zum ersten Mal Besuch erhielt, raste anschließend die Freiwillige Feuerwehr, vom 5 Kilometer entferntem Feuerwehrhaus der Stadt Memmingen heran.
Natürlich ein Fehlalarm, hier hatte doch keiner die Feuerwehr gerufen.
Oder?
Da das aber immer wieder passierte, wenn jemand an der Klingel läutete,
prüfte ein mitgefahrener Elektroniker die gesamte Anlage.
Fazit: 
Ich musste alles wieder “Rückbauen”, es also in den Zustand versetzen, in dem es war, als ich das Haus Kaufte.
Aber wie sollte dass denn gehen?
Ich hatte doch bereits die alte Anlage entsorgt.

Also wieder hin zum Baumarkt, dort ließ ich mich beraten.
“Nehmen sie doch diese Anlage hier, es ist ein sanftes Glockenläuten, das wird niemanden stören! Es kommt zwar aus China, der Name ist -Die große Mauer-, nur muss diese Anlage ans Netz angeschlossen werden!”

Ich hatte es am Montag gekauft und war am Freitag damit fertig.


Die vielen Kabel und Leitungen hatten mich doch sehr irritiert.
Also um 23.45 Uhr Probeläuten.
Im gleichen Augenblick, begannen die Kirchturm Glocken der hiesigen 
Kirche zu Läuten.
Unheilsvoll schwang das Beben …Bimm-Bamm, Bimm Bamm…
verbunden mit einem grauenhaften Dröhnen, es Klang wie eine Weltuntergangsvorhersage.

Zu meiner großen Verwunderung, strömte das ganze Dorf zur Kirche.

Ich lief auch hinter her.

Alle standen vor den geschlossene, großen Türen, auch der Herr Pfarrer.

Viele der älteren Menschen knieten auf den Stufen und beteten inbrünstig.

Andere bekreuzigten sich immer wieder.
Viele weinten.

Der Pfarrer sprach zu ihnen, von der Jungfrau mit dem Kinde.

Als das Läuten der Glocken nicht mehr aufhören wollte, kam bereits wieder die Freiwillige Feuerwehr aus Memmingen.

Ein Feuerwehrmann erkannte mich in der Menge …

Jetzt wohne ich wieder in Berlin.












  





 

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