Francois Loeb

BURNIN

Burnout? Besser BURNIN? Urteile selbst:
BURNIN
Mein Arzt und so hoffe ich baldiger Freund hat rund um seine eckige Stirn ein breites Sorgenfaltenband. Nun, das verstehe ich sehr wohl. Krankheiten rund um die Uhr. Darunter einen nicht niedrigen Prozentsatz von Unheilbarem. Bestimmt höher als der von alkoholfreiem Bier, das ich kürzlich mit ihm nach seinem Feierabend im Sternen geniessen konnte. Von dort kommt auch meine Hoffnung, ihn den so treffsicheren Mediziner zum Freund zu gewinnen. Denn es ist entscheidend, im Falle eines Falles auf einen engen Bezug mit jemandem dieser Berufsgruppe zurückgreifen zu können. Und das muss vorbereitet, weitsichtig geplant sein. Deshalb sitze ich auch heute in seinem Ordinationszimmer für den ersten Check-up meines doch noch an Jahren jungen Lebens, obwohl ich mit meinem angebrochenen 41. Lebensjahr in Sekunden berechnet, bereits Multisekundenmilliardär bin. Ja, rechnen sie nur nach. Ich bin kein Lügner. Kein Fake Newsfetischist. Ein ehrlicher Kerl, auf den jeder Freund auch kommende zählen können und stolz sein werden. Ist die Sorgenfaltenorgie auf des Doktors Stirn auf meinen Gesundheitszustand zurückzuführen? Das ängstigt mich insbesondere, da er in den Unterlagen vor sich blättert, mit Augenzeilenhüpfer darüber hinwegsieht, was mich hingegen wiederum beruhigt, denn unzweifelhaft handelt es sich um Laborbefunde, die seine Sekretärin vor Minuten und nicht Sekunden auf sein Pult legte. Und jetzt entringt sich seiner Brust ein grosser Seufzer, der auch aus seinem Augenweiss überquellend quillt, sich in einer dicken Sorgenträne festsetzt, die den faltigen Bergweg zu seiner Wange einfach nicht finden will. Sich in einen seiner zahlreichen Tränensäcke zurückzieht.
Mein Unbehagen um meinen Gesundheitszustand finden die Direttissima zu meiner weissbelegten Zunge. Werde mich schämen müssen, meinem Freund in spe diese rauszustrecken, wie ich es in meiner Kindheit den selbst erworbenen Erzfeinden angedeihen liess. So nehme ich meinen Lippen das Zaumzeug ab, lasse diesen die Frage in den halligen Praxisraum erschallen, was denn meinem Gesundheitscoach Sorgen bereite. Er beruhigt mich unmittelbar nach diesen Worten. Betont, dass seine Bedenken nicht mit mir in Verbindung zu bringen seien, vielmehr eine neue Seuche betreffen würden, die ihn in eine Workaholicphase stürzen werde. Überfüllte Wartezimmer. Dauerklingeleien aller Anschlüsse, wahre Mailsturzfluten und was sonst noch alles an Gesundheitstornados über ihn hereinbrächen, die ohne psychiatrische Hilfe eines entsprechenden Fachkollegen nicht zu überleben seien. Er interpretiert als erfahrener Gesichtsausdrucksleser, meine sich in ein Fragezeichen verwandelnde Nasenspitze richtig und erklärt mir, dass vor wenigen Tagen, also weniger als 100 Stunden ein Labor in China, wohlgemerkt kein Wildtiermarkt, einen neuen Bazillus entdeckt hätte, dem um weltweit verständlich zu sein, ein englischer Ausdruck überstülpt wurde, was in seinen Augen absolut logisch sei. Der Bazillus habe den Namen BURNIN erhalten. Das Gegenstück von Burn-out. Er sei hochansteckend. Verbreite sich im Nu. Nicht etwa durch Atemluft oder Tröpfcheninfektion. Nicht durch Händeschütteln oder anderweitige Kontakte. Viel eher, die letzten epidemiologischen Beweise fehlten noch, durch einfache augenblickliche Augenkontakte, worin das Hauptproblem bestehe. Denn nicht wahr, betont mein kommender Freund, auf den ich jetzt schliesslich noch mehr angewiesen sein werde, die Erdbevölkerung könnte doch in Zukunft nicht blind durch das Leben gehen. Mit Augenbinden versehen. Oder noch sicherer im Tunnelmodus, also nur in solchen überleben können.
Meine Hirnsynopsen beginnen sogleich, sich im Schwindelmodus zu drehen, denn bei der Untersuchung hat mein Arzt zahlreiche Augenblicke mit mir ausgetauscht. Und ich mit ihm, der zuvor mit der überfüllten Strassenbahn in die Klinik zum Check-up fuhr. Doch - und das erstaunt mich sehr - senden die Hirnwindungen beruhigende Signale aus, weisen mich darauf hin, dass die Krankheit wohl bereits seit Langem grassiere. Der Arzt und ich sowie grosse Teile der Bevölkerung seien bestimmt bereits seit Ewigkeiten angesteckt. Nur sei dies da noch kein Nachweis entdeckt, bislang kaum jemanden bewusst. Der Beweis jedoch sei der: Blinder als blind, das sei richtig ins kollektive Unterbewusstsein eingebrannt, daher auch der Name der Seuche BURNIN, könne die Bevölkerung nicht durch die neueste Weltgeschichte und deren Folgen tapsen als in den vergangenen Hunderten von Millionen Sekunden …!
Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:
A U G E N B L I C K
Klick
sagt der
Augenblick.
Und sticht den
Wicht in meinem
Blick der verhindert
Die weite klare Sicht.
Zisch und wisch
Fort vom Dort
Das nächste
Kurze Wort.
Herzlichst
François Loeb
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.02.2023. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Heike und die Elfe von Ingrid Hanßen



Da ich der Meinung bin, dass die Kinder heute viel zu wenig lesen ( sehe ich bei meinen 11 und 13 ), habe ich mir Gedanken gemacht, was man machen könnte um dieses zu ändern.

Es ist nämlich nicht so, dass die Kinder lesen grundsätzlich "doof" finden, sondern, dass die bisherigen Bücher ihnen zu langweilig sind. Es ist ihnen in der Regel zu wenig Abwechslung und Aktion drin und ihnen fehlt heute leider die Ausdauer für einen reinen "trockenen" Lesestoff.

Daher habe ich mir überlegt, wie ein Buch aussehen könnte, das gleichzeitig unterhält, spannend ist, Wissen vermittelt und mit dem die Kinder sich beschäftigen können.

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