Tina Kaiser

Ella - Dornröschen‘s Traum

Ella. Ja, was soll man großartig zu Ella sagen. Ella ist allein. Ella ist traurig, aber das weiß niemand.
Ella ist vor einem halben Jahr verlassen worden und seitdem in Tausend Teile zerbrochen. Am Tag der Trennung brach ihr Herz. Und jeden Tag, der darauf folgte brach jedes einzelne Teil erneut. Ella ist exponential gebrochen. Ihr Herz ist exponential gebrochen. Und es hat kein Ende.
Und niemand weiß es.

Ella befindet sich in einem Kreislauf des Todes.
Sie verliebt sich und wird verletzt. Und jedes verdammte Mal fühlt es sich genauso an, wie vor einem halben Jahr. Dann will Ella alles aufgeben.. die Gefühle, die Liebe, den Schmerz. Keinen mehr an sich ranlassen und sich verschließen. Es tut zu weh, um es noch ein Mal zu fühlen.
Doch dann fällt ihr immer wieder Goethe ein.

Goethe sagte Mal: „Wenn Kopf und Herz dir schwirrt,
                               
was willst du besseres haben,
                               
wer nich mehr liebt und nich mehr irrt,
                               
der lasse sich begraben.“

Das ist Ella’s Leitspruch geworden, weil er so stimmt. Die Liebe ist das stärkste Gefühl der Welt. Weil sie so viele Facetten beinhalten.. Freude, Leid, Hingebung, Schmerz,…
Und die Liebe sollte man fühlen, jede einzelne Facette und dankbar dafür sein. Liebe beginnt und beendet Kriege. Die Liebe zwingt selbst Klaus in die Knie. Und selbst er hat nie seine Gefühle abgestellt, weil auch er, wie Goethe, weiß, dass man die Liebe lieben muss.
Denn nur, wer liebt, der lebt.
Und deswegen lässt Ella es immer wieder zu, sich zu verlieben. Weil sie lebt und das zu 100 Prozent. Mit all ihren Facetten.

Ella wurde für eine andere Frau verlassen. Und dieser Schmerz sitzt tief. Dennoch ist er nichts im Vergleich zu dem Schmerz, den die Wahrheit ihr zufügt.
Sie hats verkackt. Sie ist Schuld. Sie hätte es verhindern können. Sie wusste es seit einem Jahr.
Sie hat sich seit einem Jahr immer gesagt: „Wenn er mich morgen wegen ihr verlässt, würde es mich nich wundern.“ Sie hat damit gerechnet, ein verdammtes Jahr LANG!!!!!

Und sie hat nichts getan. Nichts. Gar nichts. Aus Angst, es würde nichts bringen. Aus Stolz, weil man sie lieben soll, wie sie ist, und wer das nicht kann, ist nicht der Richtige. Aus Scham, um sich nicht bewusst zu machen, dass sie nicht gut genug ist. Aus Dummheit, weil sie dachte, wenn es so kommt, dann is es Schicksal und soll wohl so sein. Aus Vertrauen, weil sie dachte, er würde für immer und ewig nur sie lieben.

Und dann kam es und bis heute hasst sie sich für ihre Dummheit. Und mit jeden Mann, den sie kennen lernt, mit dem sie sich was vorstellen könnte, merkt sie dann wieder genau diesen Schmerz, wenn man sie wieder nicht will.
Man will sie nicht.
Man will es auch nicht mit ihr probieren, so sehr will man sie nicht.

Ella hat oft überlegt, warum man sie nicht will. Die einzige logische Erklärung ist, dass sie verflucht ist.
Ja.
Das Schicksal gab ihr ihren Traummann, den einzig Richtigen, für sie und sie hat ihn nicht halten können. Hat sich nich genug Mühe gegeben. Hat es verkackt. Und zur Strafe muss sie jetzt diesen Schmerz immer und immer wieder fühlen. Für immer und ewig. Die Strafe.

Die Strafe und Goethe. Goethe und die Strafe. Wer wird siegen?

Ella hat sich ein Märchenzimmer gebaut. Himmelbett, Traummänner an den Wänden (Klaus und Damon), Rankelpflanzen und Rosen, eine Höhle, buntes Licht, ein Einhorn, ein Drache und einen Regenbogen. Damit sie, wenn sie traurig, allein und verzweifelt is denken kann: „Ich hab das alles. Was brauch man mehr. Ich brauch keinen Mann, ich hab ein ganzes Märchenzimmer.“

Ein Dornröschenzimmer. Keiner kommt an den Drachen vorbei. Keiner findet sie in der Höhle, die hinter den Rosenranken versteckt is. Keiner kann sie aus ihrer Strafe befreien. Denn niemand weiß, dass sie existiert in ihrer Höhle.
Alle Prinzen reiten vorbei. Oder sie bleiben kurz stehen um den Drachen zu sehen. Was diese Prinzen nicht wissen, ist, dass Dornröschen ihre Anwesenheit spürt. Sie spürt jeden Huftritt, jeden Atemzug, das rauschende Blut in den Adern des Pferdes und des Prinzen. Immer dann schöpft sie Hoffnung, dass doch Jemand kommt und sie rettet. Das Jemand den Drachen erlegt und sich durch die Rosenranken kämpft und sie zu befreien.
Aber wer würde das schon tun.
Für eine Fremde.
Ohne zu wissen, was ihn dann erwartet.
Niemand.
Und so bleibt Dornröschen, wo sie ist und fühlt weiterhin mit jedem Hufschlag die Hoffnung auf Erlösung.

Hufschlag, Goethe, Strafe. Hufschlag, Goethe, Strafe. Immer wieder. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und so hofft sie weiterhin, dass der Prinz eines Tages vor ihr steht, ihr sagt, dass er den Drachen erlegt, die Dornen überwunden und die Höhle gefunden hat und sie jetzt aus ihrer Strafe erlöst und für immer an ihrer Seite sein wird. Dann küsst er sie und, wenn sie nicht gestorben sind…

Die Geschichte muss jetzt leider enden. Ich muss aufhören zu schreiben. Ich höre einen Hufschlag…

Bitte erlöse mich diesmal.

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.03.2023. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Der Liebe kann man immer und überall begegnen, auch donnerstags; sie kündigt sich nicht an.

Sie ist von einer auf die andere Sekunde da. Sie kennt weder Gesetze noch Grenzen. Sie stellt augenblicklich alles und jeden auf den Kopf. Alter hat für sie keine Bedeutung. Allerhöchstens die von ihr Getroffenen fühlen sich mitunter in ihre Teenager-Zeit versetzt, verstehen sich selbst am wenigsten und fragen mit einem Kribbeln im Bauch und ziemlich verwirrt: „Warum?“

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