Timon Kromer

Feuerteufel

Diese Geschichte besitzt zum momentanen Zeitpunkt noch kein Ende, macht aber sicherlich trotzdem Spaß beim Durchlesen.



Großbrand in einem Industriekomplex draußen vor der Stadt. Zeit für die Wiuhwiuh-Kiste. Ich fahre. Wroom. Die Bremsen quietschen. Eine der hinteren Lagerhallen soll es sein. Die Werksfeuerwehr ist auch schon da. Schlauch, Spritze, Hydrant, Position? Check. Wasser marsch. Der andere Wagen kommt nach.

Dann ein Knall.

Der Boden öffnet sich unter uns.

Noch mehr Feuer.

Scheiße.

Okay, immer hin bin ich wieder aufgewacht. Aber wo?

Hat dieser Scheißkomplex etwa einen Keller unterm Asphalt?

Die anderen sind auch da. Zu viert. Wobei dieses Gesicht nicht so gut aussieht. Und die Kleidung ist auch sehr stark angesengt.

Sieht aber nicht so industriell hier aus…

Da ist jemand.

„Was machen Sie hier, gehen sie doch von den Flammen weg!“

„Ein Umweg!? Niemals, dafür habe ich keine Z… Oh Scheiße, seid ihr neu?“

„Watt? Wir sind von der Feuerwehr und hier durch die Decke gefallen.“

„Bitte, lassen Sie uns einfach die ganze Einführung schnell machen, dann kann euch der Rest jemand anderes erzählen. Rennt mal alle hier zum Schalter.“

„Guten Tag Herr… Ticketverkäufer?“

„Pscht! Also, Namen kann ich einfach irgendwas ausfüllen, da achtet niemand drauf, Alter schätze ich einfach mal, oh Gott, vier weitere Formulare… Also gut, kurz gesagt willkommen in der Hölle, wenn ihr dort entlang lauft findet ihr jemanden der euch den Rest erklärt. Und jetzt tschüss, ich habe Arbeit vor mir.“

Interessant. Was der Arme wohl gemacht hat um sich um den Papierkram der Hölle zu kümmern?

Egal, da lang. Würde mich ja mit den anderen unterhalten, lohnt sich aber nicht, so lange niemand nichts weiß.

„Guten Tag, wir bräuchten ein paar Auskünfte.“

„Oh nein, es ist schon wieder passiert! Warum schaut denn niemand mal vor sich, wenn er oder sie zu mir läuft.“

„Oh, tut mir leid, auf was bin ich denn da draufgetreten?“

„Ich bin Kleintierzüchter, ich versuche schon so lange Nachwuchs für meine zwei Flöhe großzuziehen, aber irgendjemand tritt immer drauf, und jedes Mal muss ich hoffen, dass meine beiden Erwachsenen noch nicht zu alt für noch mehr Nachwuchs sind.“

„Da ich mir ziemlich sicher bin, dass das noch oft passieren wird, entschuldige ich mich erst gar nicht so arg, also, wir bräuchten wie gesagt ein paar Auskünfte.“

„Dieses Arschloch macht aber auch nie seinen Job, immer schickt er Leute zu mir. ICH BIN AUCH BESCHÄFTIGT!“

„Ja, ja, ja. Was wenn ich bitte sage?“

„Also gut, willkommen in der Hölle, ihr habt hier zwei Möglichkeiten, entweder ihr sucht euch eine Beschäftigung, oder ihr habt Langeweile. Auf jeden Fall werdet ihr keine gute Zeit haben. Wer seid ihr denn, und warum seid ihr hier?“

„Wir sind von der Feuerwehr, wir sollen hier die Flammen ausmachen.“

„In der Hölle?!“

„Wir sind von der Feuerwehr, wir bekämpfen überall Feuer.“

„Eurer Kleidung nach zu urteilen ist dieser Kampfeswille nicht nur gut für euch gewesen.“

„So viel ich mitbekommen habe, ist der Grund warum wir hier sind keine Brandverletzung, sondern die Hölle hat sich speziell für uns vier geöffnet und uns verschluckt.“

„Ah ja, und die Flammen hatten nichts damit zu tun?“

„Tut uns leid, da waren wir nicht mehr bei Bewusstsein.“

„Darf ich eigentlich fragen, warum du in der Hölle bist? Was muss ein Kleintierzüchter tun um in die Hölle zu kommen?“

„Ihr müsst wissen, dass diese Frage so ziemlich das größte Tabu ist, was man in der Hölle fragen kann. Die offizielle Antwort lautet, dass hier jeder unschuldig ist.“

„Hat es etwas mit dem Kleintierzüchten zu tun?“

„…Die nächste rechts könnt ihr eure Beschäftigungen anmelden. Seid weiße bei der Auswahl und passt auf während ihr dorthin geht…“

„Man sieht si…“

Pass auf!

„Vielleicht lebt der kleine Mann ja noch unter meiner Schuhsohle.“

„Ich würde mir einen anderen Ort suchen, da wo niemand durchläuft, doch ich kann einen schwangeren Floh ja keine weiten Strecken transportieren“

Gibt’s hier Gruppenbeschäftigungen? Egal. Jetzt rechts.

Ein Schalter. Unbesetzt. Ich habe eine schlechte Vorahnung. Der Arme. Egal, ich klingle mal.

„Ja, ja, ich komme ja schon, ich muss nur noch diesen Papierkram fertig machen…

Also gut, machts schnell, ihr wollt eure Beschäftigungen anmelden? Also gut, der Große da, dich habe ich als Bruce Banner auf dem Formular eingetragen, was möchtest du tun?“

„Wir würden gerne etwas zu viert machen?“

„Ich flehe euch an, macht keine Sachen, die extra Regeln benötigen. Wie habt ihrs überhaupt geschafft, zu viert gleichzeitig hierherzukommen? Egal, also welche Beschäftigung würde dich überhaupt interessieren?“

„Ich würde gerne teil der Feuerwehr hier werden.“

„Ich glaube nicht, dass man euch hier die Dekoration zerstören lässt.“

„Und wenn wir bitte sagen?“

„Wisst ihr eigentlich wer den ganzen Scheiß abbekommt, wenn hier irgendwas nicht so läuft wie es soll?“

„Der Teufel?“

„Nein, natürlich nicht, also, ich trage euch bei der Polizei ein, das geht immer, okay?“

„Dürften wir mit deinem Manager reden?“

„Bitte, akzeptiert es einfach und lasst mich weitermachen, es sind mindestens zwei weitere Kilos an Papier in der Zwischenzeit auf meinem Schreibtisch aufgetaucht.“

„So schnell wie du reden können musst, würde ich mir gerne mal ein Buch von dir vorlesen lassen.“

„Also? Akzeptiert?“

„Wenn du uns deinem Manager holst, lassen wir dich in der Zwischenzeit arbeiten.“

„Ja gut, ich sehe, dass selbst die Suche nach meinem Manager kürzer wäre, als mit euch zu diskutieren. Versprecht mir aber bitte, dass ihr so gut wie möglich verhindert, mir noch mehr Arbeit zu machen.“

„Versprochen. So gut wie’s geht.“

„TEUFEL KOMM RAUS!“

Ein Pochen, eine kurze Stichflamme, da steht der Teufel. Groß.

„Was gibt’s?“

„Diese Personen da, haben ein paar Fragen, die ich nicht beantworten kann, und ich gehe kurz weiterarbeiten, tschüss Satan.“

„Guten Tag Herr Teufel, wir hätten zwei Fragen…“

„Luzifer reicht mir. Was denkt ihr wie viele Leute hier hinkommen, weil sie Leute unhöflicher weise beim Vornamen genannt haben? Absolut niemand.“

„Ahem, also gut Luzi, darf ich Lucy zu Ihnen/dir sagen? Also, wir interessieren uns für Feuerwehrtätigkeiten hier in der Hölle, waren uns aber einerseits nicht sicher ob wir Ihnen/dir…“

„Ihr müsst mich nicht siezen, solange ihr auch nicht das Gegenteil erwartet.“

„…Ob wir dir die Dekoration löschen dürfen, und zweitens, waren wir uns nicht sicher, ob wir auch zu viert arbeiten dürfen, kannst du uns hier weiterhelfen?“

„Klar, macht einfach was ihr wollt, und macht das einfach für immer. Der Rest kommt von alleine dazu.“

„Darf ich fragen warum du so gechillt bist?“

„Es ist wirklich sehr einfach gechillt zu sein, wenn man offizielle Erlaubnis hat seinen gesamten Stress und seine gesamte Frustration auf andere abzuladen. Aber keine Sorge, ich bin kein Sadist, alles was ihr spürt kommt hier von alleine. Wer seid ihr nochmal?“

„Steht da auf den Zetteln.“

„Bruce Banner, Peter Parker, J. Jonah Jameson und Ben Parker? …Ich glaube ich muss mal mit eurem Kollegen über die Korrektheit seiner Dokumente reden. In der Zwischenzeit wünsche ich euch eine den Umständen entsprechend schöne Zeit.“

„Ach, keine Umstände wir heißen wirklich so.“

„Wer von euch ist Ben Parker?“

„Dachte ich’s mir. Egal, ich muss eh mit ihm reden, damit er mir die beiden Ausnahmen, die ich für euch gemacht habe offiziell ins Regelbuch einträgt.“

„Ah, passt schon, das kann er ja ab jetzt mündlich wissen.“

„Ihr wisst, dass ihr keine Chance habt, ihn von seiner Arbeit zu befreien? Und wenn ihr jetzt geht, schaut beim Herauslaufen auf den Boden. Er hat sich umgesetzt.“

„Joa, tschüss Satan.“

„Tschüss!“

„Man sieht sich.“

„Wir weichen von dir Satan.“

„Oh mein Gott, ihr seid die ersten die zu mir kamen und nicht direkt auf meine Flöhe getreten sind!“

„Der Teufel hinter unseren Schultern hat uns gewarnt. Wir sind dank ihm jetzt und immer noch Feuerwehrleute.“

„Interessant, vielleicht schafft ihr es ja mal die Hölle auf eine ertragbare Temperatur abzukühlen.“

„Wir werden dafür sorgen, dass es in der Hölle schneit. Auch wenn es nur Feuerlöschpulverschnee sein wird.“

„Ihr habt bereits Feuerlöscher?“

„Ne, dann müssen wir wohl pusten.“

„Material für eure Beschäftigung könnt ihr euch unten in der Lagerhalle abholen, fragt einfach am Schalter nach.“

„Okay, vielen Dank, machen wir gleich.“

Passt auf!

„Oh, ups, zum Glück ist nichts passiert. Wir gehen mal vorsichtig.“

„Ihr lauft in die falsche Richtung, zum Treppenhaus geht’s dort entlang.“

„Oh, vielen Dan…“

Pass auf!

„Zu spät…“

„Ich werde mich wohl wieder umsetzten und es noch mal probieren müssen…“

„Okay, viel Glück, wir sind dann mal weg.“

Ein Schild. „Aufzug“. Und Treppen. Sind wohl richtig,

„Achtung!“

Ein Fahrstuhlbegleiter steht hier.

„Ihr wollt nach unten? Viel Glück, ihr habt die Wahl zwischen einen kaum funktionierenden und unkomfortablen Aufzug und einer Treppe mit schiefen Stufen, die man garantiert runterfällt…“

„Du fährst die ganze Zeit Aufzug?“

„Leider.“

„Wie viele Stufen sind’s?“

„Variiert.“

„Und was macht den Aufzug so schlimm?“

„Er fährt in zufällige Richtungen, es ist immer zu eng für alle Personen die fahren wollen, es wird während der Fahrt enger, manchmal funktioniert der Antrieb nicht, manchmal die Lichter, manchmal die Türen und manchmal alle drei, die Musik kreischt, auf jedem Stockwerk wollen mehr einsteigen, und es gibt darin irgendwie zu wenig Luft…“

„Wir sollten im Brandfall ja eh nicht Aufzug fahren, ich glaube wir versuchen die Treppe.“

„Kriecht herunter, das tut am wenigsten weh.“

„Bessere Idee, wir halten uns am Geländer fest.“

„…und knallt nach dem ersten Schritt mit dem Kopf dagegen.“

„Bessere Idee, wir rutschen auf dem Geländer.“

„Wenn man’s kann geht’s sicher, könnte nur etwas heiß werden währenddessen.“

„Macht was ihr wollt, der Aufzug wird gerade von der dritten Etage gerufen.“

„Welche Etage ist das hier?“

„Irgendwas zwischen der zweiten und der Minus-fünfhundertsten. Viel Glück.“

Tür zu. Egal, Anlauf, Sprung, aufs Geländer und yayyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyy!

Muss atmen, jetzt wieder yayyyyyyyy… Oh, schon da. Das ging schnell. Und das war heiß. Aua.

„Oh komm schon! Jeder der hier unten ankommt blutet entweder oder hat dreckige Schuhe, so werde ich mit diesem Treppenhaus nie fertig.“

„Oh, tut mir sehr leid, aber Achtung, da kommen noch drei andere.“

„Yaaaaaaayyyyyyyyyyyyyyyy!“ „Yippyyyyyyyyyyyyyyyy“ „Heiß, heiß, heiß!“

„Was? Was macht ihr hier für schwarze Flecken? Wieso habt ihr so viel Rus auf eurer Kleidung?“

„Berufsrisiko für Feuerwehrleute. Immer hin haben wir keine Blutflecken gemacht.“

„Doch, das Geländer hat mir einen Sprissen gegeben, diese Flecken da gehören zu mir.“

„Oh komm schon! Der Himmel wartet auf mich, wenn ich oben angekommen bin und alles sauber ist. Ich arbeite jetzt schon seit immer hier dran und bin noch beim ersten Stockwerk! Wisst ihr eigentlich wie sch…“

„Was ist?“

„Der… Der Aufzug kommt, schnell, hat jemand eine Tüte?“

„Endlich ist Tür offen. Uaaaaargh!“

„Oh, ich glaube diesem armen Fahrstuhlfahrer wurde schlecht.“

„Uaaaaaargh!“

„Und unserem Fahrstuhlbegleiter wohl auch.“

„Oh, komm schon, du fährst jetzt schon seit immer mit diesem Aufzug, du hättest dich ja auch mal daran gewöhnen können!“

„Soll ich dich daran erinnern, was das erste und letzte Mal passiert ist, als du Aufzug gefahren bist?“

„Wenn du das Problem so gut kennst, dann mach doch mal was dagegen!“

„Habe ich ja, jetzt kotzt mir niemand mehr in den Aufzug.“

Oh, er wird wütend.

„Ähm, wir verabschieden uns mal, wir müssen noch ins Lager.“

„Ich wünsche für euch freundlicherweise, dass wir uns nicht so bald wiedersehen.“

„Ja, und danke für die ganzen Warnungen vor dem Aufzug.“

„Immer wieder unfreiwilliger Weise gerne.“

Rechts zum Materiallager. Brauchen Schläuche, Feuerlöscher, Helme und Wasser. Einfach weiter. Noch ein Schild. Da. Durch die Tür.“

DAS DARF DOCH NICHT WAHR SEIN!

„Oh, ups.“

„Ich dachte ihr wärt schon lange beim Materiallager durch und hättet dieses Gebiet damit für mich und meine Tierchen sicher gemacht.“

„Offensichtlich war diese Annahme falsch.“

„Egal, ich akzeptiere die Tatsache, dass es wahrscheinlich nicht nur klug war, sich hier hin zu setzen. Wenn ihr euer Material wollt, geht dort zum Schalter und nervt den Typen dort ein bisschen.“

„Wir werden ihm einen Floh ins Ohr setzen.“

„Den, den er mir zertreten hat, als ich mich hier hin umgesetzt habe?“

„Wenn du ihn noch hast, gerne.“

„Bitte holt jetzt euer Material. Je eher ihr eure Beschäftigung aufgenommen habt, desto niedriger die Kindersterblichkeitsrate meiner Flöhe.“

Klingel.

„Ihr schon wieder? Füllt diese Materialliste aus und kommt erst zurück, wenn ihr euch ganz sicher seid, dass ihr fertig seid. Ich muss jetzt arbeiten, der Papierturm wächst.“

Schläuche, Feuerlöscher, Helme, Wasserzugang, Äxte, Atemmaske mit Sauerstoffflaschen. Passt.

„Gut, eure Liste kommt auf meinen Papierstapel, es sind nur noch 80 Zentimeter Papier vor euch, ich rufe euch auf, wenn ich fertig bin, ihr könnt in der Zwischenzeit ein paar Tausend Runden Schere Stein Papier spielen.“

„Könnte man das auch beschleunigen?“

„Eine Unendlichkeit sitze ich hier schon dran. Denkt ihr ich habe den Prozess noch nicht optimiert? Und jetzt kusch!“

„Wollen wir wetten, dass ich es beschleunigen kann?“

„Wenn ihr das könnt, dann bekommt ihr alles was ihr braucht mindestens 10-mal. Und wenn ich es schon damit optimiert habe, dann bearbeitet ihr mir diesen Stapel 10-mal.“

„Einverstanden!“

„Und?“

„Was?“

„Eure Optimierung lautet?“

„Ach so, stimmt.“

„Also?“

„Was?“

„Wie wollt ihr das jetzt verbessern?“

„Das ist kompliziert.“

„Solange es hilft…“

„Ja, tut es… Also… Ähem…Äh… Wie fange ich das jetzt am besten an?“

„Kommt da noch was? Ich muss arbeiten.“

„Natürlich, natürlich.“

„3… 2… 1… Eure Idee?“

„Ok, ok, also, um das zu erklären muss ich etwas ausholen: Es waren ganz normale Alarmglocken, irgendein Industriegebäude brannte. Wir vier saßen um unseren Kaffeetisch, ich hatte ein selbstgemachtes Sandwich, die anderen bestellten sich Pizzen. Grade bevor der Alarm klang, scherzten wir darüber, dass wir endlich mal das Tischbein stabilisieren sollte, da sonst ja eine ernsthafte Verbrennungsgefahr durch heißen Kaffee ausgeht. Verstehst du? Wir sind Feuerwehrleute. Wir haben Angst, dass wir uns in unserer Station verbrennen könnten.

Egal, also worauf ich hinauswollte, nach dem Alarm hieß es natürlich alle in den Truck, ich saß auf dem Beifahrersitz, was natürlich bedeutete, dass ich die Musik bestimmen durfte. Und tatsächlich, auf unserem Mixtape gibt es nicht nur Lieder die mit Feuer oder Wasser zu tun haben, wir haben natürlich auch einen ganz normalen Partymix. Und natürlich, eine Person von uns hört fast ausschließlich Metal, haben wir auch noch ein paar Genren-Mixtapes. Egal, ich schweife ab. Tut mir leid deswegen, ist so eine Angewohnheit von mir. Die lustige Nebengeschichte hat bei mir irgendwie immer Vorrang über das eigentliche Thema.

Also, wir sind fast da, noch zwei-drei Straßen und: Eine Kreuzung. Ich weiß nicht wie oft du es erlebst hast, aber es ist ein sehr schönes Gefühl für Feuerwehrleute, wenn man bei Rot über die Kreuzung fahren darf. Ganz im Ernst, die Person von uns, die gefahren hat, hat absichtlich noch beschleunigt, damit wir nicht über gelb fahren.

Ich dagegen lese mir nochmals alles durch, was wir über den Einsatz wissen müssen. Bla bla bla und so weiter.

Also, um zurückzukommen, was mir, nicht unbedingt zu diesem Zeitpunkt, eher eine Stunde später, aufgefallen ist, du bist komplett unter Zeitdruck. Punkt. Und ich kann dir versprechen, du wirst eine Methode finden unseren Antrag zu beschleunigen, wenn du nicht willst, dass ich weiterhin versuche mit dir zu reden. Denn ganz im Ernst, was war bitteschön der sinnvo…“

Stopp, stopp, stopp! Ganz im Ernst, für so eine sadistische Tat soll euch der Teufel ein zweites Mal holen! Hier ist euer Formular, da ist die Lagerhalle, findet euch selbst zurück, viel Glück und auf möglichst wenige weitere Wiedersehen, tschüss!“

Türknarzen. Gigantischer Raum mit 11 horizontlangen Regalen vor uns. Jedes mindestens 8 Bretter. Dazwischen Leute.

„Entschuldigen Si…“

„Suche Spitzhacke und Schaufel, suche Spitzhacke und Schaufel, suche Spitzhacke und Schaufel, suche Spitzhacke und Schaufel, suche Spitzhacke und Schaufel, suche Sp…“

„Entschuldigung, dass wir Sie gestört haben, Sie scheinen beschäftigt zu sein.“

Ein Schild an der mittleren Regalreihe: „Lasst, die ihr eintretet alle Hoffnung fahren.“

Darunter im Kleingedruckten: „Diese Schilder finden sich im Regal F4, Brett 4, Stütze 538750“

Na dann los.

Klobürsten, Blaumänner, Kinderschaukeln, Hirschgeweihe, 80er Poster, Duschköpfe…

„Irgendeine Ordnung gibt es bestimmt.“

„Bestimmt.“

„Bestimmt.“

„Ohne Zweifel.“

„Garantiert.“

„Suche Spitzhacke?“

„Wir melden uns noch bei Ihnen, wenn wir sie gefunden haben.“

Wecker, Winterreifen, einfach nur Bohnen, Modellflieger, blaue Wachsmalstifte, Göffel…

Dann eine Kreuzung. Rechts Regale, links Regale und vorne… Regale. In der Mitte eine Person.

„Entschuldigen Sie, wissen Sie…“

„Kerzen und Propangas! Kerzen und Propangas?“

„Sie… haben noch was vor?“

„KERZEN UND PROPANGAS!“

Dann links…

Untersetzer, Skibrillen, grüne Wachsmalstifte, Leere, Beziehungsratgeber neben Eheverträge, Laserpointer…

Und links…

Kissen, Gartenzwerge, ein Sammelalbum, Glasscheiben, Verlängerungskabel, Menschen…

„WO SIND DIE ******************************************************* PLÜSCHESEL????“

Links, rechts, gerade aus, links und rechts, nach oben, rechts, rechts, rechts, rechts, rechts, gerade aus, rechts, rechts, links, links, gerade aus, rechts.

Dann im Gang wieder eine Person.

„Hallo, habt ihr zufällig Plakate für ‚Harry und Sally‘ gesehen?“

„Ja haben wir, haben Sie zufälligerweise Feuerwehrausrüstung gesehen?“

„Na sicher, ich bin fünfmal dran vorbeigelaufen. Gleich da, 20 Meter entfernt.“

„Perfekt vielen Dank. Die Plakate befinden sich fast beim Eingang.“

„Wo?“

„Gleich da, 20 Kilometer entfernt.“

Jemand kommt dazu.

„Tatsächlich suche ich den Eingang auch schon seit längerem, wären Sie so gütig mir den Weg zurück zu zeigen?“

„Moment, Sie kennen den Ausgang?“

„Ausgang?“

„Gerettet!“

„Halt, ich will auch mit!“

„Ah, guten Tag, sie habe ich wohl schon seit einer Ewigkeit gesucht.“

„Haben Sie eigentlich schon Druckerpatronen gesehen?“

„Ich gib Ihnen alles was Sie haben wollen, aber helfen Sie mir hier rauszukommen. Bitte.“

Viele Augen. Alle auf mich.

„Ähm… Also… Ich glaube der Ausgang war ungefähr in dieser Richtung. Oder in dieser. Und man muss glaube ich ein oder zwei oder mehr Stockwerke nochmal nach unten. Und dann rechts. Oder links. …

Vielleicht war es auch die ganz andere Richtung.“

Viele Augen. Viel Enttäuschung.

„Herzlich willkommen Fremde. Ihr werdet für immer hierbleiben müssen.“

„Wir alle kamen hier her, dachten wir hätten Glück als wir unser Zeug endlich mal fanden. Doch jetzt? Jetzt sitzen wir hier, fragen bei jedem Neuen hoffnungsvoll nach und hören die ganze Zeit den Esel nach seinen Plüscheseln rufen.“

„Gibt es hier in diesem Lagerhaus Feuer? Könnten wir einfach hierbleiben?“

„Das mag das erste Objekt sein, dass wir hier tatsächlich noch nicht gesehen haben, und wir haben schon manche metaphysische Abbildungen hier angetroffen.“

„Plus natürlich die vielen Milliarden Objekte, bei denen wir absolut keine Ahnung haben, was sie sein sollen.“

„Habt ihr irgendwas spaßiges gefunden?“

„Erstens, was für eine Antwort erwartete ihr? Zweitens: prinzipiell ja, es fehlt nur immer irgendwas. Da oben liegen die Wasserspritzpistolen. Der Abzug ist bei den meisten abgebrochen. 200 Meter oder Kilometer weiter liegen Trompeten ohne Mundstücke. In der entgegengesetzten Richtung liegen Mundstücke ohne Trompeten. Und alles was man hier findet, findet man nur einmal…“

„Habt ihr in dieser Richtung schon nach dem Ausgang gesucht?“

„Ich würde ja gerne behaupten schon überall gewesen zu sein, aber das ist wohl ein utopisches Unterfangen.“

„Und da?“

„Ugh…“

„Vielleicht ja in dieser Richtung?“

„Das bringt euch nichts.“

„Entschuldigen Sie, ich suche nach Taucherausrüstung. Können Sie mir sagen, wo ich wohl Neoprenanzüge, Tauchermasken und Sauerstoffflaschen herbekommen könnte?“

„Sehr gerne, Sauerstoffflaschen gibt es hier, und für den Rest musst du noch ca. 150km in diese oder diese Richtung.“

„Mit der Sauerstoffflasche?“

„Oder ohne, falls du wieder hier hinfindest.“

„Wie viel wiegt die?“

Klettere aufs Regal. Da ist unsere Ausrüstung. Und die Flaschen. Runterwerfen.

„Ich fürchte er wird einen Gipsverband brauchen.“

„So schlecht habe ich nicht geworfen.“

„Stimmt, Sie haben perfekt alle wichtigen Knochen getroffen.“

„Ah, komm. So schlimm ist es doch nicht.“

„Seien Sie mal kurz still. … Was hören Sie?“

„Unaufhörlich schmerzerfülltes Geschrei einer Person mit einem gebrochenen Fuß?“

„Genau das. Ich frage mich, ob diese Person uns das nur vortäuscht, oder ob es ihr wirklich weh tut.“

„Das werden wir wohl nie wissen.“

„Trotzdem wäre eine Entschuldigung wohl angebracht.“

„Stimmt, schließlich tut das Geschrei unseren Ohren wohl kaum gut.“

„Ich meinte eher in die andere Richtung.“

„Ah, komm, tun wir einfach so, als wäre das alles nie passiert.“

„Warum sollten wir das tun?“

„Ich würde mich besser fühlen.“

„Ich glaube trotzdem, dass Sie sich entschuldigen sollten.“

„Wechseln wir das Thema. Gibt es jemand der sich hier in der Lagerhalle auskennt?“

„Klar, unser Bürokrat läuft hier zehnmal pro Stunde auf unterschiedlichen Wegen um sich Papier zu besorgen. Er ist allerdings gut darin, allen möglichen Leuten die nach dem Weg fragen aus dem Weg zu gehen.“

„Wo gibt es Papier?“

„Bei den Gipsverbänden…“

„Okay ne, daran möchte ich nicht erinnert werden. Gibt es sonst noch jemand.“

„Vermutlich der Teufel. Wäre dumm, wenn der sich in seinem zuhause verläuft.“

„Oh. Ich habe eine Idee.“

Neben den Flaschen. Salz!

„Hm. Hmm-hm. Hmm. Hm-m-m. Hm.“

„Sehr schön. Und was jetzt?“

„Jetzt noch irgendein Blutstropfen.“

„Vom Fuß?“

„Ja, aber ohne mich zu erinnern.“

Blubb.

Flammen. … Wassermarsch.

„Sagt mal habt ihr sie eigentlich noch alle? Wer ruft den Teufel nur um ihn dann direkt nass zu spritzen!?“

„Guten Tag Lucy. Wir finden den Ausgang nicht, also dachten wir uns, dass dieses Salz-Pentagramm uns vielleicht helfen könnte. Wir hätten nicht erwartet, dass du so einen flammenden Auftritt hast.“

„Ah, schon recht so. Also kommt ihr vier, stellt euch zu mir in den Kreis und ich bring euch raus. Habt ihr euer Zeug?“

„Warte, warte, und was ist mit uns?“

„Ihr könnt den Verwundeten doch nicht einfach so zurücklassen. Das wäre sehr herzlos von euch.“

„Aber… Aber… Ihr habt doch…“

„Tschüss.“

Wusch. Und weg. Wie beim Anfang.

Von allen Orten an die man sich teleportieren könnte ausgerechnet hier hin?

„Oh. Ich hatte jemand anderen erwartet.“

„Der Flohtyp ist nicht hier. Aber ihr vertropft mir hier das gesamte Treppenhaus. Und es rieselt Salz von eurer Kleidung.“

„Um es realistisch zu betrachten, hatten wir überhaupt keine Ahnung wo uns der Teufel hinteleportiert.“

„Des Weiteren stehe ich immer noch hinter euch.“

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.03.2023. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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