Elke Müller

Amerika....

Das Häuschen lag zwar weit abgelegen, für Unkundige nicht leicht zu finden. Trotzdem war Vorsicht geboten. Tala lauerte noch auf eine Antwort. Dustu bat, die Antwort, welche man sich erhoffte, bis zum nächsten Tag zu verschieben. Tala hatte genug, er hatte gehofft Maßregeln treffen zu können um sich rächen, aber wie es aussah nicht gelingen würde. Ein schneller Sieg war heute wohl nicht in Sichtweite. Auch war er kein Mann, der eine Beleidigung je verzieh. Er gierte nach einem Kampf von dem noch nach einem Jahr gesprochen werden sollte. Erhob sich, ohne eine Mine zu verziehen und stapfte voran. Ihm schlossen sich seine zerstreuten Männer an. Auch die Jäger welche zur Jagd aufgebrochen, aber ins Lager zurück gekehrt, ihre Beute geteilt und zum Abtransport fertig gemacht, verschwanden. Immerhin, der Tagesablauf eines Kriegers war angefüllt mit Arbeit. Neben der Jagd, dem Fischfang oder Sammeln von Früchten gab es auch noch andere Arbeit die zu erledigen war. Viele Stunden verbrachte man mit dem Anfertigen oder der Reparatur von Waffen, Werkzeugen und der Kleidung, aber auch mit dem Neubau oder Instandhaltung der Wohnstätte. Gegen Sonnenuntergang war Talas Entscheidung endgültig gefallen. Ohne irgendein Wort zu verkünden verschwand er mit seinem restlichen Gefolge von Kriegern. Dustu lies sie gehen, ohne sie zu begleiten. Dann standen er und Ashley sich gegenüber, allein. Sie war verwirrt auch verunsichert, was sie gehört, gesehen und gefühlt hatte, warf ihm einen trotzigen Blick zu. Er dagegen wusste nichts mit der Frau anzufangen. Sie war ein seltsames und unbegreifliches Wesen. „ Du hast verdammtes Glück, das du noch lebst. Eine zweite Chance bekommst du nicht. Halte einfach dein loses Mundwerk, es wird von nun an, nicht gerade angenehm werden im Wald zu sein,“ sagte er zähneknirschend und blitzte sie wütend an. Zum Abend nahm er einen Köcher von der Wand, neben dem an über Kreuz verknoteten Rohlederriemen sein Tomahawk und ein ausgehakter Bogen hingen. Er verließ die Hütte. Schloss trotzdem die Tür sorgsam ab. Der Mond war aufgegangen und sein Licht war zu schwach um das dichte Laub der Bäume zu durchdringen. Dustu kannte den Weg durch das dunkle Dickicht seit Jahren und lenkte seine Schritte über Felsen hinweg dem Walde zu, ohne sich um die Richtung zu kümmern welche er einschlug. Der Knall eines Schusses lies ihn aufhorchen und bewog ihn stehen zu bleiben um zu lauschen. Lenkte darauf hin seine Schritte zu einem kleinen abgelegenen See. Dort gab es kein Geräusch zu hören, nur ein leichtes Lüftchen wehte. Die Felsen warfen im Licht des Mondes dunkle Schatten und sahen wie furchtbare Riesen aus. Sein Blick schweifte umher. Plötzlich gewahrte er ein Licht vom gegenüberliegenden Ufer, auf einer hervorragenden Spitze sichtbar. Bald darauf ein weiteres Licht, wahrscheinlich von einer Holzfackel. Es dauerte nicht lange und Flammen stiegen empor. Bemalte Krieger hatten sich um ein Wachfeuer niedergelassen. „ Sie treffen schon ihre Vorbereitungen,“ murmelte Dustu vor sich hin. Schwarze Schatten spielten zwischen dem Feuer als wenn Tänze ausgeübt, oder zum Kampf gerüstet wird. Er hatte diese Schritte befürchtet. Schüttelte den Kopf. Dies sieht nicht gut aus, wird uns noch viel zu schaffen machen.“ Drehte sich um und lief durch Morast und Gebüsch hindurch und über Felsen hinweg in Richtung Hütte zurück.  
Ashley hatte sich platt auf den Fußboden gelegt, wartete unruhig und mit lauschendem Ohr auf die Rückkehr des Hausherren. Sie glaubte nicht mehr an Frieden. Zu oft hatte sie erleben müssen, dass Menschen ihres Volkes trotz dieses Friedens zusammengeschossen worden waren. Weiße hielten sich nicht an Verträge oder das gegebene Wort. Der Kampf um die Erhaltung ihres Lebensraums und der Lebensgrundlagen in den Reservationen sowie deren Feindseligkeiten beginnen immer wieder aufs Neue. Für die Leute aus den oberen Schichten sind wir Dreck.Jeden Mann mit einer bestimmten Stellung in der Regierung, wartete eifersüchtig darüber einen Platz zu bekommen. Ihm ist es egal, ob mittels Mord, Erpressung, Intrigen oder per Fügung des Schicksals. Sie war traurig, wenn sie an ihr Volk dachte, was in Not und Gefahr schwebte. Wie sie, eine Gefangene. 
Leise und erschöpft öffnete Dustu die Tür. Schloss erneut ab und legte einen Balken vor. Hängte seine Waffen an ihren Platz zurück. Ashley richtete sich leise auf. Ihre Augen hefteten sich an sein Gesicht. Mit unheilverkündender Miene sprach er von seinen Befürchtungen mit niedergebrannten Dörfern und niedergemezelten Bewohnern, welchen Zorn und Wut diese bei seinen roten Brüdern erweckt hatten. Ihr lag eine Erwiderung auf der Zunge, presste aber ihre Lippen aufeinander. Plötzlich hockte er sich neben ihr, zog sein Messer hervor, fasste nach ihren Händen und trennte die Handfesseln durch. „ Mach dir keine Hoffnung, dass du etwas besonderes bist, obwohl du unglaublich hübsch bist. Es gibt Dinge die nicht für gewisse Augen noch Ohren bestimmt sind.“ Wendete sich ab und ohne ein weiteres Wort, ging er schlafen.

Ein blauer Himmel breitete sich über ihn aus. Er trug einen Umhang welcher aus Wapiti- Bison- oder Hirschhäuten gefertigt war, wodurch er perfekt mit der Umgebung verschmolz. Er hatte sich in die Einsamkeit einer Schlucht zurück gezogen. Ein kleiner Bach, dessen Lauf, mal hier und da durch mächtige Felsblöcke versperrt, stürzte von einer Felswand herab. Das Gewehr lehnte an einem Felsblock. Auf weichem Moos, bestückt mit einer Vielzahl von kleinen weißen Blüten sitzend, focht Heika einen furchtbaren Kampf, zwischen seiner Liebe und seinen Stolz aus. Was jetzt geschehen war, hatte er immer befürchtet, immer geahnt. Unzählige Albträume hatten ihn in so manchen Nächten geplagt. Ashley war verschwunden. Vergebens suchte er sich seiner Gemütsbewegung zu erwehren. Aufmerksam betrachtete er die Landschaft. Lauschte bei jedem Geräusch und achtete auf jedes Knacken im Gebüsch. Aber nichts geschah, alles blieb ruhig. Dadurch waren seine Gedanken abgelenkt und so bewunderte er die undurchdringliche Macht der Natur, welche sich hier darbot. Es dauerte nicht lange und ein anderes Geräusch drang an sein Ohr. Sofort sprang er auf die Füße, griff nach seinem Gewehr, lauschte angestrengt und hielt sich bereit, sein Leben so teuer wie möglich zu verteidigen. Doch auch diesmal blieb alles ruhig. Bis erneut ein Knall aus einem Gewehr, gefolgt von einem Ruf seines Namens erfolgte. Heika antwortete nun. Jemand kletterte von Felsen zu Felsen hinab, gelangte auf diese Weise zu ihm hinunter. Heika verdrehte die Augen. „ Nicht übel. Mit diesem Wagemut beeindruckst du hier niemanden.“ Sein verstörter Blick aus seinen dunklen Augen glitt an dem Freund vorbei. Redmon strich sich die verschwitzten Haare zurück. „ Ich wollte eigentlich meine Suche schon aufgeben. Dann dachte ich mir, dich hier zu finden.“ Lies sich erschöpft auf einem Baumstumpf nieder. „ Außerdem, wollte ich mit dir reden, ein Gespräch würde dir sicher gut tun.“ Bedrückt schaute Heika zu Boden. „ Interessiert dich, was passiert ist so wenig? Mich jedenfalls schon.“ Heika schloss die Augen, seufzte. Ihm war übel, wenn er an all die Wünsche und Sehnsüchte dachte, welche sich regten. An diesen Tag würde ohnehin alles anders werden. „ Ich bin kein kleiner Junge auf dem man aufpassen muss. Was willst du.“ „ Zur Hölle noch mal! Auch wenn du mit mir vielleicht Tagelang nicht reden solltest, ich werde nicht still hier herum sitzen, wenn es eine Möglichkeit gibt Ashley zu finden!… Kennst sie ja, wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann tat sie es auch. Flying Pipe hat mehrere gute Visionen gehabt. Wir können eigene Ermittlungen anstellen.“ Noch immer hielt Heika seinen Blick abgewandt. „ Versuch es nur,“ sagte er kurz angebunden. „ So? “ Abschätzig verzog Redmon seinen Mund. Manchmal fürchtete er sich ein wenig vor ihm. Vor allem vor dem, was er dann tat. „ Gut, wie du meinst, nur… Wir sollten uns nicht streiten… Falsches von morgen kann heute durchaus das Richtige sein…. Hör mal, ich habe etwas nachgedacht. Wenn wir alle Verdächtigen ausschließen, wer bleibt dann übrig? Es muss jemand sein der eine Nummer zwei ist, aber die Nummer eins werden will und… da fällt mir nur ein Name ein. Keine Freunde und immer allein. Ein Rassist und Leuteschinder! Kennt keine Skrupel und sein Ehrgeiz hat keine Grenzen. Ist jähzornig und aufbrausend, der nichts im Leben gebacken bekommt. Wenn man eins und eins zusammenzählt, sieht man sofort, worauf es hinausläuft. Was sagst du dazu?“ Heika atmete tief durch. Hatte nicht richtig zugehört. Schüttelte heftig den Kopf. Sein Blick verriet in aber. „ Warum so verwundert?“ „ Wo sind deine Beweise dafür ?“ „ Es gibt Wege es heraus zu finden.“ „ Für die Leute aus den oberen Schichten sind wir ja doch nur Dreck. Sie versuchen uns bewusst kleinzuhalten, während …“ Ihm war die Politik egal, hatte keine Sympathie dafür, wenn er an all die Kriege und den Grausamkeiten dachte. Er hatte Dinge gesehen und erlebt, welche er nie vergessen wird. Vor allem auf Frauen und Kinder hat man es besonders abgesehen und fallen den Vernichtungsfeldzug nicht nur der weißen Soldaten zum Opfer. Unter unmenschlichen Entbehrungen und großen Verlusten versucht so mancher Stamm diesem Gemetzel zu entfliehen. Dadurch hatte sich immer mehr Hass und Bitterkeit in ihm aufgestaut. Noch vor ein paar Jahren lebte sein Volk noch frei. Als Kind war die Welt noch unverfälscht. Später, nach ein paar Jahren, musste man die ganze Last von einer gesetzlosen Welt, angefangen von Drogen und Zuhältern, Scharlatanen und Verrückten mit auf den eigenen Schultern tragen. Seine Muskeln waren angespannt, der Puls ging schnell. „ Jetzt sag doch etwas!“ „ Sollten all deine Worte stimmen, dann… ist es gefährlich. Womöglich bringt es uns alle in Gefahr. Uns bleibt wohl erstmals nichts weiter übrig als abzuwarten. …. Vor allem, gib gut auf dich acht. Es könnte doch sein, dass schließlich an irgendeiner Stelle jemand lauern wird,“ murmelte Heika. Wieder war dieses Gefühl der Ohnmacht in ihm aufgestiegen, was ihm ständig begleitete. Wandte sich um. „ Ich werde noch etwas durch den Wald streifen,“ und schritt langsam davon. Fast minutenlang blickte Redmon ihm nach, bis er sich auf den Heimweg ins Lager machte.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.03.2023. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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