Francois Loeb

SPRING

Ein Rätsel? Wer kann helfen dieses in der neuesten Wochengeschichte aus meiner Feder zu entschlüsseln?:

SPRING

Frühjahr oder Frühling, beides Begriffe, die mein Herz in Wallung bringen. Oder gar Lenz, da bewegen sich all meine Synapsen, sehnen sich nach Sonne und Blütendüften. Wie oft wird diese Jahreszeit des Auflebens der Natur, das Gegenteil des Ablebens besungen. Doch ich halte mich an ‚Spring‘, dem englischen Ausdruck, der genau beschreibt, was da geschieht, bei meiner kürzlichen Wanderung am eigenen Leib erfahren habe.

Frühmorgens, als ich loszog, die Natur sich streckt und dehnt, die letzten Nebelfetzen sich verziehen, der Morgentau behände sich auf Halme zur Ruhe setzt, alles noch verschlafen wirkt, geschah so Sagenhaftes, dass ich es nur in Gegenwart und in Anführungszeichen schildern kann. Die Vergangenheit würde dem nicht gerecht.

„Ich wandere über Stock und Stein. Dem Waldrand entlang, indem das scheue Reh die Flucht vor mir ergreift.
Das einzige Relikt der Zivilisation, der ich entspringe, ist eine Telegrafenleitung, die meinem Fuss-Pfad verbissen folgt, Worte überträgt. Hoffnungsvolle. Verdammende. Alle unhörbar. Stumm für mich. Beredet für die Empfangenden.

Da! Im Aufstieg hängen an einem dieser Drähte ein Paar Babyschuhe. Frage mich, wie diese dort den Weg hinauf gefunden, was sie dort zu suchen haben. Während ich meine Gedanken wälze, diese bereits so dünn durch den Morgenschweiss geworden sind, als wären sie ein genialer Wiener Apfelstrudelteig, bei dem selbst die tiefsten Gedanken durchblicken und alsdann durchsickern können.

Erneutes Da! Selbst der dünnste aller Gedanken hätte nicht daran gedacht, hebt sich die Schuhspitze von der Sohle des linken Hängeschuhs und eine feste tiefe Greisenstimme erschallt, blickt auf mich herab. Nicht zu glauben, die Stimme des Babyschuhs hat dreiundzwanzig Augen. Jedes in einer Regenbogenfarbe durchmischt mit schillerndem Meeresblau jeden Wetters. Das Auge mit dem sturmtiefdunkelblau schwebt zu mir herunter, setzt sich auf mein linkes Ohr, dringt in dieses ein. Beginnt zu erzählen. Von seiner Geburt vor Tausenden von Jahren. Damals, als der Mensch noch in Höhlen hauste und Schuhe ob für Kleinkinder oder Greise, noch einen unerfüllten Traum darstellten.

Überlaut, um den üblen Tinnitus zu übertönen, spricht die Stimme in meinem linken Trommelfeld, das sich dadurch eher wie ein Trommelfels anfühlt: 'Du bist auserwählt, an meiner Hand in diese keine Uhrzeit kennende Urzeit zu springen, denn du liebst das Wörtchen SPRING, das sei dir gewährt.'

Und flugs geht es los. Mit Überlichtgeschwindigkeit werde ich auf eine dunkle Wolke gehievt. Sie überspringt Jahrtausende im Nu. Auf der rasenden sturmgepeitschten Fahrt erkenne ich Regenwürmer, die ausgetrocknet auf dem Wolkenpfad liegen und ihre Stimme erheben, mir kundtun, dass sie leider nicht der Trockenheit bedachten, die nach dem Regen zwangsläufig einzutreten habe, was ihnen ihre Zukunft nahm und nicht mehr wiedergeben könne. In Acht soll ich mich nehmen, dass nicht Ähnliches mir widerfahren werde.

Da falle ich wie in Trance von meiner Wolke, lande im Hier und Jetzt. Bin ein Regenwurm, der mit aller Kraft versucht, das nasse Ufer des betonierten Wegs zu erreichen, auf dem ich in diesen herrlich Morgen wandere. Wandere? Eher springe, denn der Wurm, der ich bin, hat Flügel. Bunte Flügel eines Schmetterlings, mit denen ich in die vor mir liegende Zukunft fliege.“

Wer hilft mir diesen Wachtraum zu entziffern, den ich nicht verstehen kann. Auch nicht an diesem so wundervoll taufrisch springenden Frühlings-Morgen ...


Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:


F R Ü H J A H R S T R A U M

Jahrringe
Sich als seien
Es Schlangen winden.

Innig
Kundtun
Mit grimmig
Blick wir sägen an
Der Zeit die uns bleibt.

Sie war
Einst weit
Doch unsere Zeit
Bedeutet keine Ewigkeit.
Herzlichst
François Loeb

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.03.2023. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Als junges Mädchen erfand ich schon lustige Geschichten, die ich meiner Nichte erzählte. Meine Dichterei geriet in Vergessenheit, erst meine Kinder Walter und Beatrix gaben mir, durch ihren herzigen Kindermund die Idee wieder zu schreiben.
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