„Der kleine Bär ist aus seinem Wagen gefallen. Er hat sich sehr wehgetan. Da kamen Ärzte und haben ihn auf eine Trage gelegt. Er wurde in ein Bett gelegt und wurde in Zimmer Nummer 24 getan. Er hat einen Verband um den Kopf und einen Verband um den Arm und einen Gips um den Arm.“
Ich war sieben, als ich das schrieb. Ich war gerade in die zweite Klasse gekommen, kannte jeden Buchstaben des Alphabets und beherrschte saubere Schreibschrift. Jeden Morgen fuhr ich mit meiner besten Freundin und ihrer Mutter zur Grundschule, mittags gingen wir in das Geschäft ihrer Mutter und durften uns für fünfzig Pfennig im Struve-Laden gegenüber eine Naschi-Tüte und manchmal auch eine Tierpostkarte kaufen. Ich liebte meine Löwenbaby-Karte, habe sie noch heute.
Auch die Geschichte vom kranken Bären habe ich aufbewahrt. Dazu ein paar Erinnerungen. Die meisten nur in meinen Gedanken. Aber ich habe auch noch den kleinen Teddybären mit den Klammerhänden. Er begleitet mich auf jeder Autofahrt. Ich habe noch meine Babypuppe. Sie sitzt im offenen Schlafzimmerschrank. Und ich habe noch den Bären, den ich am Geburtstag meines älteren Bruders bekam. Ein Versehen? Ich erinnere mich nicht. Doch er sitzt im Büro auf dem Ruderergometer, das ich nicht nutze.
Sieben Jahre alt… Damals machte ich mir Gedanken über… ja, was eigentlich? Macht man sich als Kind wirklich Gedanken? Und wiegen sie so schwer wie heute? Wann begann die Gedankenschwere?
Damals hatte ich Angst vorm Geräteturnen in der kleinen Turnhalle. Als ich noch jünger war, war ich von der Bank gerutscht und hing zwischen Turnbank und Heizung, hatte Angst. Prägt ein solch kurzer Moment? Hatte ich deswegen Angst vorm Geräteturnen?
Meine Geschichte vom kranken Bären enthielt damals liebenswerte Fehler. Als ich es besser wusste, habe ich sie korrigiert. Als mich diese Korrekturen traurig stimmten, machte ich sie rückgängig. Heute blicke ich auf alle Korrekturen zurück und muss schmunzeln. Doch zugleich macht es mich traurig. Ich weiß nicht, was genau, aber es macht mich traurig. So wie glückliche Kinder mich traurig machen. Ich weiß nicht, warum.
Bin ich der kranke Bär? Die Zimmernummer kenne ich nicht, aber ich habe einen Verband um meinen Kopf, einen Verband um mein Herz und einen Gips um meine Seele…Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Ann-Kristin Jacobs).
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.04.2023.
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