Brigitte Waldner

Siegfrieds Freund Walter S., 19,


war ein besonders schwerer Bandit.
Anfang Mai 1971 wurde er aus einer Haft entlassen.
Bis Mitte Juni verübte er schon wieder zwei Einbrüche.
In der Nacht stieg Walter durch ein Fenster
in ein Hallenbad in Bad Kleinkirchheim ein,
brach mehrere Automaten auf
und erbeutete über 500 Schilling.
Durch eine Verbindungstüre kam
er ins Gasthaus „Badewandl“.
Dort entwendete er Lebensmittel,
knackte die Musikbox
und verschwand durchs Kellerfenster.
Da er vorher schon zweimal den gleichen Einbruch verübt hatte,
wurde sofort nach ihm gefahndet.
Gefangenenhaus hatten sich Walter und Siegfried kennengelernt.
In der Nacht zum Samstag brach Walter in der Stadt ein Auto auf,
um dann gemeinsam mit dem 31-jährigen Siegfried
mit einem Schweißgerät den Kassenschrank
einer Eisengroßhandlung aufzubrechen. Der Versuch scheiterte.
Walter wurde in Bad Keinkirchheim gestellt und verhaftet.
Man fand im Hotel in Villach,
wo er die letzten Tage vor dem Einbruch gewohnt hatte,
einen Koffer mit Geld, aus dem sich
möglicherweise weitere Straftaten ergaben.

Siegfried ist ein Onkel von meinem Senior-Nachbarn,
könnte heute noch am Leben sein und wäre heuer 84.
Sein Freund Walter müsste demnach 72 sein.
Googelt man den Namen Walter S.,
findet man nur seinen Familiennamen in Bad Kleinkirchheim
und in anderen Orten.
Googelt man Siegfried mit seinem Familiennamen,
findet man diese Namenskombination
in genau dieser Schreibweise 12 x in Österreich,
mit Schwerpunkt in Oberösterreich und Kärnten,
sogar in der Nähe, wo er jetzt wohnen könnte,
weil dort Verwandte von ihm ein Haus hatten,
was er geerbt haben könnte.
Vor Siegfried muss ich mich nicht fürchten.
Meine Vorfahren wurden nie von ihm bedroht.
Er war ein anständiger Bandit. Das muss man ihm zugutehalten.
Als er einmal einen Bauern aus dem Ort überfiel,
sagte der Bauer: „Siegfried geh heim!“ und Siegfried ging heim.
Seine Nachbarn hat er wenigstens in Ruhe gelassen,

im Gegensatz zu seinen zwei Neffen, Großneffen und Urgroßneffen,
die ich schon alle Banditen-Generationen ständig als Räuber und Diebe im Haus habe
und die immer noch unbescholten sind,
trotz der schweren Delikte an mir und meinen Vorfahren,
und anderen wehrlosen Opfern in unserer Gegend
und wo immer sich ein wehrloses Opfer fand,
bei dem kein Risiko war.
Normalerweise stellt ein Bandit in seiner Nachbarschaft nichts an.
„Rudi und Gerhard geht heim!“ Kann ich sagen, sooft ich will,
sie hören es nicht, und reagieren nicht darauf;
sie kommen, um zu stehlen und zu rauben,
weil die Polizei dagegen machtlos ist und nicht einmal was glaubt,
wenn ich was sage.
Mein Senior-Räuber-Nachbar ist mit Walter S. fast gleichaltrig.
Vielleicht sind sie ja Räuber-Freunde und ich habe Walter schon
auf Besuch bei meinen Nachbarn gesehen, ohne es zu ahnen,
um wen es sich handelt.

© Brigitte Waldner

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