Günter Weschke

Der lange Weg zurück


Der lange Weg zurück

Der Mexikaner lehnt mit dem Rücken an der Theke, den schwarzen Sombrero hat er lässig, an einer Kordel, auf der Schulter liegen.
An seinen Stiefeln sind silberne Sporen angebracht, ein breiter Gürtel mit großer silberner Schnalle, ein rotes Halstuch und die zwei Colts, sind richtige hin Gucker.
Die schwarzen Haare, seine buschigen Brauen und sein lächerlich wirkender Schnäuzer, dessen Enden, vorbei an den Mundwinkeln, wie eine dünn gedrehte Kordel, herabhängen, bringen ihm manch spöttischen Blick ein.
Er ist von mittelgroßer Statur, braun gebrannt und muskulös.

In seine Linken hält er ein Whisky Glas.

Die Pendeltür wird aufgestoßen und Sheriff Tim Valance betritt den Saloon.
Sein Blick überfliegt den Raum und bleibt bei dem Mexikaner hängen.
Er durchquert den Raum und stellt sich neben dem Fremden.

Na Mex, auf der Durchreise?

Der Angesprochene dreht sich zum Sheriff hin um, betrachtet ihn von oben bis unten, dabei bleibt sein Blick auf dem Stern hängen.

Nach einer längeren Pause sagt er “ Mein Name ist -Pedro, Felippe Gonzales -, Sheriff!”

“ Na gut, bist du auf der Durchreise?”

“ Ich sag es dir, ja, ich bin auf dem Weg nach Chelson!”

Der Sheriff blickt den Mexikaner scharf an.
“Und mein Name ist -Sheriff Tim Valance -!”

“Gut zu Wissen, Sheriff Tim Valance!”

Alle Anwesenden Gäste hatten fast atemlos dem Rededuell gelauscht.
Niemand kannte den Fremden, aber jeder kannte den Sheriff, der lässt sich nicht so ohne weiters Duzen. Nicht von einen Fremden.

“Darf ich dich zu einen Whisky einladen?” Der Mexikaner sah den Sheriff dabei herausfordernd an.

Tim Valance war überrascht, er nickte und sagte dabei, “Die Einladung nehme ich an!”

Nachdem die beiden Männer ihren Whisky getrunken hatten, hörte man von Fern Hufgetrappel, dazu die wilden Anfeuerungsrufe des Kutschers.

Die Postkutsche aus Dawson ist diesmal pünktlich.
In einer großen Staubwolke gehüllt, hält sie genau vor dem Saloon.
Neben dem Saloon steht das Bankhaus von Chris Simmer, Bankhaus hört sich schon gewaltig an, aber in dem alten Holzhaus steht der einzige, sichere Tresor weit und breit.
Die Rancher der Umgebung konnten hier ihr Geld hinterlegen, denn auf
ihren Ranches, gab es keinen Tresor.

Nachdem sich draußen der Staub gelegt hatte, entstiegen der Kutsche drei Männer, Fernandes Harper und sein Bruder Collin, dazu Paul Strecker, alle drei betraten den Saloon.

Während draußen der Kutscher ein paar Pakete, einen Sack mit einigen bestellten Dingen auslud, steuerten die Drei die Theke an.

Dem Keeper riefen sie zu, “Eine Flasche Scotch und drei Gläser!”

Eifrig kam der dem Wunsch nach.

Der Sheriff und der Mexikaner standen noch immer an der Theke, es sah alles sehr lässig aus, aber jeder spürte die plötzliche Anspannung, die auch auf die anwesenden Gäste übersprang.

Der Kutscher betrat den Saloon, beladen mit den mitgebrachten Sachen, er stellte sie neben der Theke ab, jetzt sah er sich um, erkannte den Sheriff, sein Gesicht verzog sich zu einem Grinsen.

“Mensch Tim, schön dich hier zu sehen, verjagst du immer noch alle Ganoven und alles Gesindel aus deiner Stadt?”

Der Angesprochene Grinste zurück, “Na du kennst mich doch, altes Haus, meine Stadt halte ich sauber”

Der Keeper schob dem Kutscher ein Glas Whisky zu, der dankte und trank das Glas in einem Zug aus.

“Oh, tut das Gut!”

“So, jetzt werde ich dem alten Simmer einen Besuch abstatten, den Geldsack in der Kutsche verstauen und mich wieder auf den Weg machen!”

Von hier musste die Kutsche wieder zurück, über Dawson nach Colorado Springs.

In der Zwischenzeit hatte ein Bursche die Pferde gewechselt, denn den weiten Weg zurück, konnte ein Gespann nicht schaffen.

Als der Kutscher, mit dem Geldsack, das Bankhaus verließ, standen plötzlich die beiden Harper Brüder, sowie Paul Strecker vor ihm, die Brüder hatten ihre Revolver in den Händen.

“Mach keinen Quatsch, lass den Sack fallen und dreh dich um!”

Der Kutscher gehorchte und die Drei nahmen den Sack, schlugen den Kutscher zu Boden, sprangen auf bereitstehende Pferde und versuchten, so schnell wie nur Möglich, das kleine Nest, welches sich Stadt nannte, zu verlassen.

Im Saloon hatte plötzlich der Mexikaner einen seiner Colts in der Hand, er richtete ihn auf den Sheriff, “Machen sie keinen Blödsinn, bleiben sie im Saloon, trinken noch einen Whisky mit mir und können dann danach machen was sie wollen!”

Die Pendeltür wird auf gestoßen und der Kutscher taumelt herein. Er hält sich den Schädel, durch seine Finger läuft Blut und tropft auf den Boden.

Einige der im Saloon befindlichen Männer hatten mitbekommen was geschehen war, sie wollten zu ihren Pferden und der Kutsche nachreiten.

Der Sheriff hielt sie zurück, ”Männer, die entkommen uns nicht, lassen wir ihnen einen kleinen Vorsprung, dann aber holen wir sie uns!”

Er wendete sich zum Mexikaner, der hatte seinen Colt bereits wieder weggesteckt und sagte. “Sheriff, sorry, ich wollte hier nur ein Blutvergießen vermeiden!”
Der Sheriff sah den Mexikaner an, sagte dann; “Ich hatte sie erkannt, ihr Steckbrief hängt in meinem Office, aber auch ich wollte hier kein Blutbad anrichten.
Kommen sie mit, ich bringe sie rüber in mein Office, eine Zelle ist auch noch für sie frei!”

“Sheriff, hören sie, ich hatte keine Wahl, ich musste auf den Kerl schießen, sonst hätte er mich erwischt!”

“Das können sie alles dem Richter erzählen, der wird dann beurteilen, was mit ihnen geschieht!”

“So, legen sie ihre Waffen hier auf den Tisch und kommen sie…

“Das sollten sie nicht tun, das verschlimmert nur ihre Lage!”

“Doch Sheriff, ich sperre sie jetzt hier in ihre eigene Zelle, leihe mir ihr Pferd und werde den Dreien  nachreiten!”

Während die Männer im Saloon auf den Sheriff warteten, hatte sich ja eine Wendung im Geschehen abgespielt.

Die drei flüchtenden Männer konnten nur auf diesem einen Weg nach Westen reiten, rings um sie, breitete sich eine Wüstenartige Landschaft aus.
Paul Strecker blickte hinter sich, ganz in der Ferne erkannte er eine feine  Staubwolke, sah aus wie ein einzelner Reiter.

Er machte die Brüder darauf aufmerksam.

“Lassen wir ihn näher kommen, dann können sich die Gäule etwas erholen!”

In der Zwischenzeit sind ein paar Männer aus dem Saloon zum Office des Sheriffs gelaufen, konnten ihn aus der Zelle befreien, nachdem er ihnen die Sachlage erklärt hat, holten sie ihre Pferde.
Der Sheriff hatte auch schon die Polizei Station in Colorado Springs, per Morse, informiert, sodas auch von dort Unterstützung zu erwarten war.

Er  besaß auch ein zweites Pferd und schon bald machte sich ein Trupp von neun Reitern auf die Verfolgung des Mexikaners.
Jetzt hatte auch der Verfolger die drei Männer erreicht.
Sie hatten ein kleines Feuer entfacht und sich einen Kaffee gebrüht.
Sie erkannten den Mexikaner und grinsten, der kam näher, stieg vom Pferd und blieb am Feuer stehen.

“Ich denke, das Geld welches ihr geraubt habt, reicht nicht für Vier, also werde ich es an mich nehmen.!”

Im gleichen Augenblick zog Paul Strecker seine Waffe, aber der Schuss vom Mexikaner kam schneller, Strecker fiel seitlich zu Boden.

Die zwei Brüder zogen fast gleichzeitig, der Schuss von Collin traf den Mexikaner an der Schulter, die Kugel von Fernandes bohrte sich in den Schenkel des Mexikaners.
Seine beiden Schüsse aber trafen Collin ins Herz und Fernandes in der Brust.
Collins war natürlich sofort tot, während Fernandes fluchend am Boden lag, er versuchte noch einmal auf den Mexikaner zu schießen, aber auch jetzt noch, war der schneller, beide Brüder waren also tot.

Humpelnd ging er dann zu den Pferden, die etwas unruhig dort standen, wo sie vorher angepflockt wurden.

Auf das Pferd, welches den Geldsack trug, legte er dann seinen Sattel, nahm sich einen Becher und trank erst einmal in Ruhe etwas davon.
Er ahnte natürlich, das der Sheriff schon längst hinter ihm her war.

Seine Verletzungen schmerzten und so versuchter er, einen Platz zu finden, wo er den Geldsack verstecken konnte.
Die große Kandelaber Kaktee war ihm gerade recht, er streckte. wie zum Schwur, seine drei großen fingerartigen Auswüchse in den Himmel.

Als die Reiter den Mexikaner erreichten, saß dieser am Boden und versuchte die Schußwunden zu verbinden.

Sheriff Valance sah ihn spöttisch an, “Na, hast dir selbst angeschoßen?”

“Nö, das waren die drei Gauner, die dort hinten liegen!”

Nach kurzer Erklärung und Besichtigung des Tatortes, ging es wieder zurück.

Der Mexikaner wurde wieder in eine Zelle gesteckt, und Doktor Flinders musste ihn dort versorgen.

“Nun sag einmal, da wir das Geld nicht bei den drei Toten gefunden haben, wo du es versteckt hast?”
Der Sheriff sah ihn erwartungsvoll an?

“Ich hatte ja auch geglaubt, das sie das Geld bei sich gehabt hätten, aber ich fand nichts!”

Nach vier langen Wochen, kam Richter Lukas Bradner in den Ort.
Er war ständig unterwegs, musste er doch in den abgelegenen Orten Recht sprechen.

Nach nur einen Verhandlungstag, wurde der Mexikaner zu zwei Wochen Haft verurteilt.
Für die erste Straftat gab es keine Zeugen und für die Tötung der drei Männer, wurde die Tat als Selbstverteidigung dargestellt.

Nach den zwei  Wochen bekam er seine Waffen zurück und musste den Ort noch am gleichen Tag verlassen.

Der Ritt zu der Kaktee war leicht, seine Verletzungen waren fast verheilt und er war froh, endlich ein Ziel zu erreichen, von welchem er stets geträumt hatte.

Schon von Weiten sah er die drei Schwurfinger der Kaktee.

Er stieg vom Pferd und näherte sich der Pflanze, er bückte sich, hob den schweren Stein an, als er einen schmerzhaften Biss verspürte, erschrekt erblickte er eine Schlange, es war eine grüne Todesotter, ihr Biss war absolut tötlich.

Es nützte nichts mehr, er tötete sie mit seinem Messer, zerstückelte sie und trat auf die zuckenden Reste herum, er schrie vor Wut und Verzeiflung, danach glitt er in eine, ihn für ewig umfangene Dunkelheit.
















































 
























 














 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.05.2023. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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