Heinz-Walter Hoetter

Der Fall T-Bird (Teil 17)

Random & Shannon

Ermittlungsagentur NEW YORK

 

Der Fall T-Bird

(Teil 17)


 


 


 

T-Bird und ich starrten uns ein paar lange Sekungen an. Der Androide zuckte auf einmal mit seiner Zunge, als hätte eine Würgeschlange ein Kaninchen entdeckt.


 

Sieh einer an, Schnüffler“, kam es aus ihm heraus, „erinnern Sie sich noch an mich?“


 

Auf die Begegnung mit T-Bird war ich nicht vorbereitet. Jedenfalls nicht hier im Robot Master Club. Ich überlegte schnell und bewegte mich seitlich weg, damit ich Gomez und Mendoza sehen und gleichzeitig T-Bird beobachten konnte.


 

Der Mann, den ich für Mendoza hielt, fragte gelangweil und mit tonloser Stimme: „Was soll das hier eigentlich? Ich will wissen, was los ist, aber sofort.“


 

Dieser Dreckskerl da heißt Random“, sagte T-Bird. „Er ist ein verdammter Schnüffler, der seine Nase überall reinsteckt. Wir sollten ihm eine harte Lektion erteilen, die er nicht so schnell vergisst.“


 

Gomez ging um die Bar zu der Tür, die zu seinem Büro führte. Mendoza, den ich jedenfalls dafür hielt, folgte ihm. Dann drehte sich Gomez um und sagte zu T-Bird: „Schaffen Sie diesen Kerl hier raus, egal wie!“ Sein Begleiter nickte mit dem Kopf und bestätigte die Anordnung Gomez mit einem schrägen Grinsen im Gesicht. Auch Brennauer verschwand unauffällig wie ein Geist, der sich die ganze Zeit im Hintergrund gehalten hatte.


 

Gewiß doch“, sagte T-Bird und kam mit tänzelnden Schritten auf mich zu.


 

In dieser Situation fasste ich mit meiner rechten Hand unter meine Jacke, griff nach meiner Achtunddreißiger und richtete sie schußbereit auf den Androiden, der verdutzt stehen blieb.


 

Immer mit Ruhe“, zischte ich und zielte weiterhin auf T-Bird.


 

In diesem Moment schaltete jemand das Licht aus.


 

Dann hörte ich Schritte, die schnell auf mich zukamen. Ich drückte ab und die Waffe spuckte eine orangene Flamme aus. Das Geschoß zerspitterte irgendwo einen Spiegel. Plötzlich spürte ich, wie kalte Metallhände nach meiner Kehle griffen. Ich schoß sofort noch einmal, aber im gleichen Augenblick wurde mir die Waffe aus der Hand gerissen. Ich stand blank da. Dann traf mich eine Faust am Kopf, eine Faust, die härter war als Gußeisen.


 

Ich stolperte nach hinten. Wieder spürte ich einen heftig geführten Schlag, der diesmal an meinem Kinn landete. Damit war es aus.


 

Das Licht ging wieder an. Ich lag auf dem Rücken und fasste mich an die Kinnlade, die stark schmerzte. Der Androide T-Bird stand über mir und hielt meine Waffe in der Hand. Er grinste abfällig.


 

Jetzt reicht's! Schaff' diesen Kerl hier sofort raus, T-Bird!“ rief Gomez, der an der Tür stehen geblieben war. „Sorgen Sie dafür, dass er nicht wiederkommt. Ich will dieses Arschloch hier nie wieder sehen!“


 

T-Bird grinste noch breiter.


 

So Jungchen“, sagte er mit brüchiger Stimme. „Jetzt geht es dir an den Kragen.“ Sein Gesicht strahlte förmlich vor sadistischer Lust, als er mit der Waffe nach meinem Kopf schlug.


 

Ich hatte mich mittlerweile etwas hochgerappelt und wartete den richtigen Zeitpunkt ab, um mich zur Seite zu drehen. T-Birds Faust mit der Achtunddreißiger fuhr an meinerm Kopf vorbei und traf nur meine Schulter. Das brachte ihn dichter an mich heran. Ich packte ihn sofort an den Aufschlägen seiner Jacke und riss ihn über mich. Wie ein Akrobat flog T-Bird in hohem Bogen durch die Gegend und schlug mit dem Gesicht krachend auf den harten Boden. Der Androide schien benommen zu sein. Schnell griff ich nach der Waffe, die ihm beim Sturz aus der Hand geglitten war und schlug mit dem harten Knauf mehrmals hintereinander auf seinen Hinterkopf. T-Birds Körper zuckte plötzlich ein paarmal wie eine Forelle am Haken und wurde dann ruhig.


 

Ich trat einige Schritte zurück und betrachtete den Schaden. Ein solches Fest hatte ich schon lange nicht mehr mitgemacht. Es bewies mir zudem, dass ich noch nicht ganz eingerostet war. Gomez und Mendoza waren nicht mehr da, wie ich feststellen musste. Sie dachten offenbar, dass mich der Androide wohl fertigmachen würde und hatten sich aus dem Staub gemacht, um dem Gemetzel an mir zu entgehen als mögliche Zeugen.


 

Ich wollte jetzt nur noch schnell veschwinden. Bis jetzt war ich aber auf nichts gestoßen, was das Risiko rechtfertigte, den Hals gebrochen zu bekommen. Außerdem kam ich zu der Überzeugung, dass es mir vielleicht nicht mehr möglich sein würde, noch einmal in den Klub hereinzugelangen, und entschloß mich dazu, einfach zu bleiben. Doch wo sollte ich mich verstecken?


 

Ich ging raus auf die Terrasse und sah mich um. Rechts von mir waren eine Reihe Fenster. Wenn ich mich nicht irrte, mussten es die Fenster zu den Büroräumen des Klubs sein.


 

Ich warf meinen Blick nach oben und erkannte ein schräges Dach und eine kleine Plattform. Wenn ich dort hinaufkam, würde ich mich in Sicherheit befinden und könnte abwarten, bis der Betrieb im Klub lebhafter wurde. Von da aus könnte ich weiterforschen, ohne aufzufallen, dachte ich.


 

Ich wusste, dass ich Höhe gut vertragen konnte. Ich klettere auf die Balustrade der Terrasse, griff nach oben und fand Halt an einem schmalen Sims, das unter dem Schrägdach entlanglief. Dann zog ich mich mit einem gekonnten Klimmzug hinauf. Ich erreichte die kleine Plattform ohne große Mühe, weil ich einen gut durchtrainierten Körper besaß, den man in meinem Beruf auch braucht, wenn es mal schwierig werden sollte, wie beispielsweise jetzt.


 

Oben auf der Plattform war eine Luke. Käme mir jemand nach, was ich für unwahrscheinlich hielt, könnte ich ihn mit meiner Waffe außer Gefecht setzen. Im Augenblick war meine Stellung damit so gut wie unangreifbar.


 

Etwas später wurde es in dem Klub plötzlich lebendig. Tief unter mir fuhren vor dem Hoteleingang des Ritz-Plaza ziemlich teuere Schwebegleiter aller Art und Bauweise vor. Eine Tanzkapelle begann zu spielen und auf der Terrasse gingen bunte Lichter an. Ich zog mich etwas zurück, um nicht entdeckt zu werden und zündete mir eine Zigarette an. Ich entschloß mich dazu, noch etwa eine Stunden hier oben zu warten. Vielleicht würde ich noch etwas herausfinden.


 

Draußen war es mittlerweile schon dunkel geworden. Der Betrieb im Klub war im vollen Gange. Die zurückhaltende Musik der Kapelle wurde vom Stimmengewirr und Lachen der Gäste übertönt.


 

Für mich wurde es langsam Zeit, in Aktion zu treten.


 

Ich öffnete die Luke und hangelte mich hindurch. Auf der anderen Seite befand sich ein Raum, der leer war. Vorsichtig schlich ich weiter, weil die angrenzenden Räume nur diffus beleuchtet waren. In einem weiteren Raum standen Büroschreibtische, Schreibmaschinen und Schränke voller Akten herum. Ich ging leise weiter. Plötzlich hörte ich Stimmen. Eine Tür wurde geöffnet und jemand schaltete das Licht ein. Ich trat zurück in den Schatten und blickte durch den schmalen Schlitz einer Belüftung. Ich erblickte Gomez, der von einem Mann begleitet wurde. Sein Gesichtsausdruck war kalt und feindselig.


 

Gomez blickte zu ihm hinüber. „Also, Mr. Donghu“, sagte er, „wenn Sie kein Geld haben, gehen Sie wieder. Ich habe langsam genug von Ihnen.“


 

Der Mann langte in seine rechte Jackentasche und zog ein Packen Banknoten daraus hervor. „Ich habe Geld, Mr. Gomez“, sagte er, „und sparen Sie sich Ihre verdammten Unverschämtheiten!“ Dann warf er das Bündel Banknoten auf Gomez Schreibtisch.


 

Hier sind tausend! Zählen Sie nach!“


 

Gomez nahm das Päckchen, strich es glatt und fing an, die Banknoten zu zählen. Als er damit fertig war, legte er das Geld in einen Panzerschrank direkt hinter seinem Schreibtisch und nahm etwas heraus, das ich schon mal gesehen hatte. Es war eine ähnlich Schachtel, wie ich sie in Marks Koffer gefunden hatte. Den Inhalt konnte ich nur erahnen.


 

Donghu nahm die Schachtel hastig an sich, öffnete sie, untersuchte sie sorgfältig und ließ sie in seiner Jackentasche verschwinden. Danach verließ er wortlos den Raum.


 

Gomez setzte sich hinter seinem Schreibtisch und starrte einen Augenblick auf die gegenüber liegende Wand, ehe er wieder seine Arbeit aufnahm.


 

In der nächsten halben Stunde kamen noch zwei weitere Personen herein, eine dicke, ältere Frau und ein junger Bursche, der wie ein Student aussah. Beide trennten sich von jeweils fünfhundert Planetendollar und erhielten dafür eine dieser ominösen Schachteln mit unbekanntem Inhalt. Dann gingen auch sie.


 

Nach dem Besuch der letzten beiden Personen schaltete Gomez das Licht seines Büros aus und ging. Kurz danach hörte ich einen Aufzug, wie er surrend nach unten fuhr. Das war meine Chance hier unerkannt rauszukommen und schlich mich durch einen dunklen Gang bis hin zur Aufzugstür. Dort wartete ich etwa acht bis zehn Minuten, um mir ganz sicher zu sein, dass Gomez weg war. Dann drückte ich den Knopf für die letzte Etage. Als der Fahrstuhl da war, öffnete sich automtisch die Tür und ich stieg ein. Unten angekommen, trat ich hinaus in die Dunkelheit eines mit hohen Sträuchern bewachsenen Seitenweges, der hinaus auf die Straße führte, seitlich etwas abgelegen vom Hoteleingang. Ich schlug den Weg zu meinem Sportgleiter ein, den ich in einer einsamen Seitenstraße, etwa fünfhundert Meter von mir, abgestellt hatte und erreichte ihn etwa zehn Minuten später. Ich stieg ein, schaltete auf Vorwärtsfahrt und düste mit halber Kraft davon.


 

Fortsetzung folgt irgendwann!

Ende Teil 17


 

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