Ingrid Grote

Der Himmel über Rom, Teil 14 - VORBOTEN DES STURMS

Der Kaiserpalast auf dem Hügel Palatin wurde streng bewacht. Vanadis nahm all ihren Mut zusammen und fragte einen der Wachposten nach der Antonia Caenis. Zuerst schaute er sie misstrauisch an, doch dieser Name schien ein Zauberwort zu sein, denn er ließ einen Prätorianer kommen, also einen von des Kaisers Leibgarde. Dieser betrachtete sie forschend.
„Hast du denn eine Legitimation?“, seine Stimme klang freundlich und Vanadis sagte ebenso freundlich: „Nein, die habe ich nicht, aber die Antonia Caenis ist meine Herrin, und wenn du ihr sagst, dass ihre Sklavin Vanadis sie sprechen möchte, dann wird sie mich gewiss zu ihr lassen.“
„Hast du das gehört?“ Der Prätorianer wandte sich an den Wachposten, dieser nickte kurz und verschwand dann in dem riesigen Gebäude.
„Du bist eine sehr hübsche Frau!“ Er warf ihr einen bewundernden Blick zu und lächelte dabei.
„Danke! Die Antonia Caenis beschützt mich auch deswegen“, sagte Vanadis vieldeutig, und der Mann sah sie daraufhin respektvoll an.
„Sie ist eine gute Herrin, das sagen viele von ihr“, gab er zu. „Genauso wie unser Kaiser ein guter Kaiser ist.“
„Den kenne ich zwar nicht von Angesicht“, nun musste Vanadis lächeln, „aber ich glaube dir das ungesehen.“ Und dachte: Hoffentlich werde ich die Caenis treffen. Hoffentlich wird sie mir die Bürde abnehmen, denn ich selber kann dem Thumelicus nicht helfen.
Das Gespräch mit dem Prätorianer hatte ihr gezeigt, dass sie trotzdem eine begehrenswerte Frau war, auch wenn der Thumelicus sie nicht lieben konnte. Jedenfalls nicht auf die Art, die sie sich wünschte, nämlich mit Vertrauen, Leidenschaft, Hingabe und Entzücken. Es gab weder das eine, noch alles andere. Wieder wollte sie weinen, doch sie verdrängte die Tränen.
Der Wachposten kam zurück und sagte: „Die junge Frau soll sofort hineingelassen werden zu der Antonia Caenis.“
Er hatte sie als Frau bezeichnet und nicht als Sklavin. Das fand sie schön. Sie verabschiedete sich mit einem freundlichen Blick von dem Gardisten und folgte dem Wachposten.
Der Palast war natürlich riesig. Und er war nicht der einzige, zahlreiche andere Prachtbauten schlossen sich ihm an, denn jeder Kaiser hatte den Palast erweitert, bis schließlich der ganze Palatin-Hügel aus prunkvollen Wohngebäuden, Gärten, Verwaltungssitzen und Foren bestand.
Die Caenis arbeitete in einem der hinteren Gebäude, dort wo die anderen Freigelassenen die Geschicke des Riesenreiches lenkten. Der Kaiser Claudius hatte zu ihnen mehr Vertrauen als zu seinen adeligen Verwandten, außer natürlich zu seiner Ehefrau, der er wohl hörig war.
Die Caenis saß an einem Schreibtisch und studierte gerade eine Schriftrolle. Doch dann sah sie Vanadis und stand auf. Die beiden Frauen umarmten sich.
„Nett hast du es hier“, sagte Vanadis und musste trotz ihrer Niedergeschlagenheit lachen.
„Man tut, was man kann ...“ Auch die Caenis musste lachen. „Aber sprich, warum bist du hier? Was ist passiert? Und setze dich doch!“ Sie wies auf die üppige Polsterbank, die vor dem Fenster des großen Raumes stand.
Vanadis nahm nicht gleich Platz, sondern schaute erst einmal aus dem Fenster. Es war ein grandioser Anblick, prachtvolle Bauten, umrahmt von kunstvoll angelegten Gärten. Die Gärten des Lucullus kamen ihr in den Sinn. Sie schüttelte den Kopf und sagte zerstreut: „Sind die Gärten des Lucullus wirklich so schön?“
Die Caenis schaute sie verständnislos an.
„Ich meine, diese Gärten sind doch wunderbar“, beeilte sich Vanadis zu erklären. „Um wieviel schöner müssen dann die Gärten des Lucullus sein, wenn die Kaiserin..." Sie brach ab.
Die Caenis lächelte etwas schief. „Ja, unsere Kaiserin ...“ Dann sprach sie leise weiter: „Sage besser nichts über sie, hier gibt es viele neugierige Ohren, sprich lieber über das Wetter.“
Vanadis stutzte, sie überlegte und sagte dann: „Das Wetter könnte besser sein, ein Sturm ist aufgezogen, er wühlt alles durcheinander, und gewisse Leute sind sehr sturmempfindlich, bei dem leisesten Wind fallen sie um ...“ Vanadis wusste nicht, ob die Caenis ihr Geschwätz verstehen würde, aber diese trat daraufhin noch näher an sie heran.
„Was meinst du damit? Geht es um den Thumelicus? Dann nennen wir ihn ab sofort Imaginus“, flüsterte sie ihr ins Ohr.
Und Vanadis flüsterte zurück: „Ja. Und um die Kaiserin und die Sidonia. Die beiden Schlampen haben ihn sich vorgenommen und er tut mir so leid.“ Tränen traten ihr in die Augen, aber sie wollte nicht, dass die Caenis es bemerkte.
„Oh verdammt“, fluchte diese untypisch für ihre Art. „Ich hatte gehofft, sie wäre mit ihrem neuen Liebhaber beschäftigt, aber für einen Männerhappen zwischendurch hat sie immer Zeit. War es freiwillig von ihm?“
„Ich befürchte ja, er hat es genossen, ich wollte wegschauen, aber ich konnte es nicht, es war so abscheulich, diese furchtbaren Frauen - und er, so hilflos ihnen preisgegeben.“ Vanadis verzog ihr Gesicht und stöhnte auf. Mühsam sprach sie weiter: „Er ist verloren, wenn er in diesem Haus bleibt. Sie werden ihn so weit treiben, dass er sich töten lässt, um diese Lust zu empfinden.“ Sie wusste nicht, warum sie das sagte, aber es schien ihr auf einmal logisch zu sein.
„Oh! So schlimm ist es?“ Die Caenis versank in Gedanken. „Gut“, sagte sie nach einer Weile leise, „er muss sofort weg von dort. Ich werde ihn nach Capua bringen lassen. Und später vielleicht in ein anderes Land.“
„In ein anderes Land? Das wäre sicher gut für ihn, es schwebt ihm vor, in der Wildnis zu leben, vollkommen unabhängig von anderen Menschen. Vermutlich muss er sich selber finden. Und ich hoffe sehr, dass er irgendwann in Frieden leben kann.“
„Willst du mit ihm gehen?“
„Nein, besser nicht“, sagte Vanadis nach kurzem Nachdenken. Nein, das wollte sie nicht, es war doch sinnlos. „Ich bleibe lieber hier, obwohl ich kein gutes Gefühl dabei habe. Die Sidonia, sie hat mich beim Lauschen gesehen und ich glaube, sie hasst mich.“
„Ach Kind. Und du hast keine Ahnung warum?“
„Natürlich hat sie gemerkt, dass ich und der Imaginus, dass wir beide irgendwie ...“, Vanadis wusste nicht, wie sie es sagen sollte und hörte auf zu sprechen.
„Liebst du ihn?“
Diese Frage traf Vanadis völlig unvorbereitet. „Ja doch, ich weiß nicht ...“, stammelte sie schließlich.
„Also nicht“, stellte die Caenis fest und fuhr mit gedämpfter Stimme fort: „Eine andere Sache, ich habe das erst vor Kurzem erfahren: Ein paar Tage nach unserer Ravenna-Reise kam eine Delegation im Palast an. Du wirst nicht erraten, um wen es sich handelte.“
Vanadis schaute sie fragend an.
„Es waren die Cherusker, der Stamm des Arminius“, die Caenis lächelte, „und sie wollten sich vom Kaiser einen König erbitten, weil sie nämlich keinen mehr haben. Und weißt du auch, wen sie wollten?“
Vanadis hatte zwar eine Ahnung, verneinte es aber.
„Sie wollten den Sohn des Arminius, diese Geisel des Römischen Reiches, die schon seit Ewigkeiten in Ravenna lebt.“
„Was denn, sie wollten wirklich den...“ Vanadis brach bei diesen Worten ab und schaute die Caenis gespannt an.
„Ja, genau diesen wollten sie“, sagte die Caenis.
„Oh!“ Vanadis verschluckte sich fast. Sie wusste nicht, ob das nun gut oder schlecht war.
Die Caenis las wohl ihre Gedanken: „Claudius hatte kurz vorher erfahren, dass der Thumelicus nicht mehr lebte. Doch nun, da die Cherusker ihn als König wollten, wäre sein Tod zwingend gewesen. Der Sohn des Abtrünnigen als der neue Herrscher der Cherusker? Der Kaiser hätte dies nie akzeptiert! Nähere Untersuchungen fanden nicht statt.“
„Das ist schön, schön für dich und schön für den Thumelicus. Niemand wird ihn suchen und ich hoffe, dass er in diesem Leben endlich glücklich wird.“
„Das hoffen wir alle, liebe Vanadis. Der Claudius hat den Cheruskern übrigens einen anderen König gegeben, nämlich den Italicus. Sein Vater war der Bruder des Arminius und stand immer treu zu Rom.“
„Also Thumelicus’ Vetter ... Mir egal, was interessiert mich der neue König der Cherusker!“
Die Caenis stimmte ihr zu. „Zumal wir alle private Sorgen haben.“
Vanadis starrte sie an. „Ist es immer noch dein Titus Flavius?“
„Er war es und er wird es immer sein! Aber er hat Sorgen, seine Tochter ist gestorben, und er liebte sie sehr.“
Die Caenis kümmerte es nicht, dass dieser Titus Flavius verheiratet war, sie nahm Anteil an seinem Leid und versuchte ihn zu unterstützen. Vanadis überkam ein Gefühl des Neides, sie wünschte sich auch, so sehr lieben zu können. Aber wenn es mit dem Thumelicus schon nicht ging, mit wem sonst? „Werde ich jemals richtig lieben können?“, murmelte sie vor sich hin. „Wie ist das wohl? Und wie kann ich es wissen?“
„Wenn es irgendwann geschieht“, sagte die Caenis, „dann wirst du es schon wissen.“
„Ach, ich weiß nicht ...“
Sie umarmten sich und schieden voneinander. Als Vanadis den Palast verließ, wurden ihre Augen wieder feucht, und auf dem Heimweg ließ sie ihren Tränen endlich freien Lauf. Es tat gut und spülte einiges an Bitternis fort.
Zwei Tage später kam die Caenis in das Haus Colonius, um ihren Sklaven Imaginus mitzunehmen.
Es war kein schöner Tag ...

-*-*-*-*-*-*-


Natürlich bekam die Sidonia alles mit. Warum war sie ausgerechnet an diesem Tag im Hause?
Es gab heftige Szenen, als die Caenis mit dem Imaginus das Haus verlassen wollte. „Du verdammte Freigelassene, wie kannst du es wagen!“, mit überkippender Stimme griff die Sidonia die Caenis an.
„Beruhige dich Mutter“, die kleine Colonia wollte sie besänftigen, „der Imaginus ist ein Sklave der Caenis, und sie hat das Recht, ihn mitzunehmen.“
Da kam sie aber schlecht an bei ihrer Mutter: „Du verdammte Missgeburt! Willst mich belehren? Versteck dich lieber, damit man deine Verunstaltung nicht sehen kann!“
Alle, die dieser Szene beiwohnten, schauten betreten zu Boden, es war ihnen peinlich, was die Herrin über ihr eigenes Kind sagte.
Doch der Colonia machte das nichts aus. Sie sah ihre Mutter fest an und sagte: „Es ist im Sinne Roms, dass Freigelassene ihre eigenen Sklaven haben können und über diese verfügen dürfen. Auch wenn ich diese armen Menschen bedaure. Denn kein Mensch sollte ein Sklave sein!“
„Du sprichst ja schon genauso geschwollen wie sie!“, ihre Mutter schaute sie wütend an und es sah aus, als wollte sie sich eher auf ihre Tochter stürzen als auf die Caenis.
Die Caenis war mit zwei kräftigen Sklaven erschienen, und sie nutzte diesen Augenblick, um mit dem Imaginus das Haus zu verlassen.
Die Sidonia verschwand wütend in ihrem Zimmer, aus dem man bald darauf ein Scheppern hörte. Vermutlich hatte sie eine Vase zerschmettert. Oder gar eine Büste.
Vanadis war stolz auf die kleine Colonia. Sie hatte wirklich täuschend ähnlich gesprochen wie die Caenis, fast musste sie nachträglich lachen: Es ist im Sinne Roms, dass Freigelassene ihre eigenen Sklaven haben können und über diese verfügen dürfen. Auch wenn ich diese armen Menschen bedaure. Denn kein Mensch sollte ein Sklave sein!
Nein, das war nicht die Caenis, die aus dem Kind sprach; die Colonia sprach für sich selber, obwohl sie gerade mal neun Jahre alt war. Doch dann überkam Vanadis ein furchtbares Mitleid mit dem kleinen Mädchen. Die Colonia war traurig, denn sie hatte gerade einen Freund verloren.
Vanadis tröstete sie, so gut sie konnte. Es war aber nicht gut genug. Die Kleine schien geknickt zu sein wie eine zarte Blüte im Sturm.
Vanadis versuchte einiges. Zuerst sagte sie zu der Kleinen: „Wenn du älter bist, wirst du ihn vielleicht wiedersehen.“ Doch als das kaum eine Wirkung zeigte, überlegte sie, ob sie ihr ein bisschen mehr Mut machen sollte.
„Du kannst ihn sehen, wenn du willst“, flüsterte sie ihr zu. „Er ist in Capua und befindet sich in der Villa der Caenis. Sie hat sie erst vor kurzem erbauen lassen.“
„Oh danke, liebe Vanadis! Da bin ich aber froh! Vater fährt ja öfter nach Capua, um meinen Großvater zu besuchen. Und ich werde bestimmt öfter mit Vater dorthin fahren. Aber nicht nur wegen des Imaginus’, sondern auch, weil mein Großvater verwirrt und krank ist und nicht mehr lange leben wird.“
Vanadis stutzte: Marcus fuhr oft nach Capua, um dort seinen alten kranken Vater zu besuchen? War es ein Geheimnis? Denn auch keiner der Sklaven wusste davon. Verbrachte Marcus die meisten Tage seines Urlaubs etwa in Capua statt hier bei seiner schrecklichen Frau? Möglich ... Sie schüttelte den Kopf. Männer als solche waren ja schon unverständlich, aber römische Männer ganz besonders.
Sie umarmte die Colonia und diese schmiegte sich in ihre Arme. Doch dann stellte sie Vanadis eine peinliche Frage: „Du und der Thumelicus, was ist mit euch? Ist etwas zwischen euch getreten?“
Während Vanadis krampfhaft über eine Antwort nachdachte, stellte sie fest, dass die Colonia ihn Thumelicus genannt hatte, obwohl er hier im Haus doch der Sklave Imaginus war.
„Du weißt, wer er in Wirklichkeit ist?“, fragte sie zaghaft.
„Natürlich weiß ich es, er ist eine Geisel Roms, sein Vater hat verhindert, dass Großgermanien eine Provinz des Reiches wurde.“
„Aber du wirst ihn nicht verraten, oder?“
„Also wirklich Vanadis, so etwas Unehrenhaftes würde ich doch nie tun ...“ Die Colonia sprach nun wirklich im gleichen hochgeschraubten Tonfall wie die Caenis. Und Vanadis musste kichern. Die Loni fiel in ihr Kichern ein und es dauerte eine Weile, bis die beiden sich beruhigt hatten.
„Du bist mir eine“, brachte Vanadis keuchend heraus, „den Göttern sei Dank, dass du dir die Caenis zum Vorbild genommen hast und nicht etwa mich.“
„Aber das habe ich, Vanadis“, die Kleine grinste. „Du und die Caenis, ihr seid beide meine Vorbilder. Also, was ist mit dir und dem Thumelicus?“
Vanadis wollte der Frage liebend gerne ausweichen. Sie wusste ja selber nicht, was mit ihr und dem Thumelicus passiert war. Oder was nicht passiert war. Ja, das traf es besser.
Doch wie sollte sie es der Kleinen erklären. Ihre Gedanken verwirrten sich, und sie musste wieder an das Schlafzimmer der Sidonia denken, in dem er gefesselt lag.
Ja, sie hatte gehofft, dass er sich zu ihr bekannte, aber er hatte es nicht getan, er war nicht zu ihr gekommen, er hatte sie nicht um Hilfe gebeten, sie war nicht Teil seiner seltsamen traurigen Welt und nun war es zu spät, er befand sich nicht mehr hier. Es war vorbei.
Im Grunde ihres Herzens fühlte sie sich erleichtert. Sie konnte ihm nicht helfen und sie war froh, dass er nun in Sicherheit war, wie sie hoffte. Aber er würde immer in Gefahr sein, er musste nur jemanden treffen, der es verstand, seine Neigungen auszunutzen. Sie erinnerte sich an den letzten Blick, den er ihr zugeworfen hatte. Der war seltsam und sie wusste nicht, was er damit ausdrücken wollte. Dass es ihm leid tat vielleicht? Dass er nicht anders konnte? Dass sie nicht seine Seelenverwandte war? Dass er sie nicht geliebt hatte, außer auf eine vage platonische Art?
Vor zwei Jahren, das kam ihr auf einmal in den Sinn, hatte sie nicht einmal gewusst, was das bedeutete: Platonisch ... Colonia, dachte sie, trotz deiner Jugend hast du mir eine Bildung zukommen lassen, von der manch freier Bürger Roms nur träumen kann. Du hast mich das Lesen und das Schreiben gelehrt, wir haben über die griechischen Klassiker gesprochen und über den Beginn und den Fortgang des Imperiums. Mittlerweile, so glaube ich, könnte ich in jeder vornehmen Gesellschaft einen dummen Satz beitragen, zumindest wird er nicht dümmer sein, als wäre er von einer der großen Damen Roms geäußert worden.
Zögernd begann sie: „Manchmal denkt man, es wäre die große Liebe, doch dann stellt sich heraus, dass sie nicht groß genug ist. Und auch der andere Teil kann vielleicht diese Liebe nicht empfinden, weil er dazu aus gewissen Gründen unfähig ist ...“
Die Colonia schaute sie aufmerksam an und sagte nach einer Weile: „Der Thumelicus ist ein seltsamer Mann mit seltsamen Neigungen, aber er ist nicht böse. Ich habe ihn lieb. Und obwohl er ein erwachsener Mann ist und so viel älter als ich, denke ich, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben.“
Vanadis war gerührt, wieder schloss sie die Kleine in ihre Arme und flüsterte ihr zu: „Du hast recht, er ist nicht böse, er hat nur Schreckliches erlebt. Und ich kann ihm nicht geben, was er braucht, aber ich glaube, eine so liebe Freundin wie du es für ihn bist, die ist sehr wichtig für ihn.“
Vanadis war froh, dass die Colonia das Geheimnis des Thumelicus kannte, dass sie wusste, wer er in Wirklichkeit war. Sein Vater hatte einst das Römische Reich erschüttert bis in seine Grundfesten. Doch viel bemerkenswerter war, dass die Colonia das Wesen dieses unglücklichen Mannes verstand und akzeptierte. Das war wirklich ein Wunder. Und das hier in Rom! Zwei so verschiedenartige Menschen, altersmäßig weit voneinander entfernt. Der eine ohne jeden Besitz, der andere reich, sie stammten aus unterschiedlichen Völkern, das eine wild und unbesiegt außer von sich selber, das andere fast immer siegreich. Unglaublich!
Nein, die Colonia würde ihn nicht verraten, Colonia war so ein liebes und kluges Kind. Doch geschlagen mit einer schrecklichen Mutter.
Oh je, die Sidonia ... Was würde nun passieren? Vanadis kam zum ersten Mal der Gedanke, dass sie nun allein an der Front stand. Die Caenis war nicht da, und der Zorn dieser schrecklichen Mutter würde sich nun auf sie, Vanadis, richten. Die Herrin hatte sie mit einem mörderischen Blick angeschaut. Man hatte ihr den herrlichen Sklaven Imaginus genommen und instinktiv gab sie wohl ihr die Schuld daran. Sie würde sich dafür rächen, das ahnte Vanadis, doch hatte sie keine Idee, wie die Herrin das bewerkstelligen würde. Und so wiegte sie sich in einer Sicherheit, die trügerisch sein konnte. Doch war das ganze Leben nicht trügerisch?

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.12.2023. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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