Günther Würdemann

Schmetterlinge im Bauch und Insekten im Leibchen


Eine Geschichte, wie sie nur das Leben selber schreiben kann, aus der
Erlebniswelt jung verliebter Leute.
Eigentlich ist das eine Binsenweisheit: Es gibt immer ein erstes Mal. Aber : Es gibt immer auch nur ein erstes Mal.
So begann auch die Geschichte mit ihr und ihm. Beide kannten sich schon sehr lange, hatten in der Sandkiste gemeinsam gespielt und zu festlichen Anlässen auch schon mal eine Sandtorte gebacken, wurden allmählich von ihren Eltern groß gezogen, besuchten die gleiche Schule, die gleiche Klasse, machten den gleichen Schulabschluss und lernten sich zu gleicher Zeit mögen und lieben. So gut, so schön. Aber es sollte noch schöner kommen. Beide wussten aus Erfahrung, dass sie noch keine gemacht hatten, zumindest ein jeder mit dem anderen Geschlecht oder auch mit dem Geschlecht des anderen.
Also beschlossen sie irgendwann, als die Gelegenheit günstig schien, dieses nachzuholen. Was lag da näher, als in den Wald oder Park zu gehen. Um das Ganze romantisch ablaufen zu lassen, musste Mondschein her und natürlich Waldeinsamkeit. Denn nur ein solches Umfeld versprach Waldeslust. Der Mond schien hell, aber nicht ganz so hell, denn es hätte ja sonst jemand …aber das sollte er ja nicht. Es war schon dunkel und die Sonne hatte vor ungefähr einer Stunde ihre für heute letzten Strahlen auf die Erde geschickt und sich dann so langsam hinter dem Horizont davon gemacht. Das war die Zeit zum Eintritt in die Erlebniswelt. Beide fassten sich bei den Händen, jeder an den Händen des anderen, und so schlenderten sie so mir nichts dir nichts in die aufsteigende Dunkelheit. Zuerst sagte er nichts, dann antwortete sie ihm in der gleichen Art und Weise. Sie hatten ja sich und das sagte alles. Er überlegte hin, sie überlegte her und plötzlich trat eine Bank, eine Sitzbank in ihr Leben. Sie kreuzte sozusagen ihren Weg und lud sie dazu ein, sich dort in aller Breite zu platzieren. Also nahm jeder der beiden auf einer der Bankhälften Platz und wartete der Dinge, die da kommen sollten. Obwohl sie in der Dunkelheit kaum etwas sehen konnten, ahnten sie sich und sahen sich doch an. Endlich fasste sie nicht nur seine Hand sondern sich auch ein Herz und hub an zu sprechen: „Nicht wahr, Liebling, ein schöner Abend.“ Er genoss ihre warme, weiche Stimmlage und nickte nur still vor sich hin. Sie hatte ihm aus der Seele gesprochen. Er überlegte. Nachdem er sich nach ungefähr fünf Minuten noch immer nicht zu einer Antwort durchgerungen hatte, öffnete sie erneut den Mund und ließ ihrer Stimme freien Lauf. „Merkst du es auch, Liebling?“ „ Was meinst du. Liebes ?“, kam die Gegenfrage. „ Es kribbelt so bei mir an den Füßen“, schwärmte sie. „Ja, Liebes, jetzt merke ich es auch bei mir“, antwortete er dieses Mal und das immerhin im vollständigen Satz. Sie drückte erst seine Hand und sich dann an ihn. „Es kriecht ganz langsam höher. Jetzt ist es schon an den Knien.“ Weil er sie an Größe um einige Zentimeter überragte, war es bei ihm erst bei den Waden angekommen. Sie seufzte tief und innig. Ein wunderbar wohliges Gefühl durchfloss ihren Körper. Sie wartete seine Antwort nicht ab. „Jetzt ist es bei mir schon am Bauchnabel angekommen. Ein unbeschreibliches Gefühl.“ Er sagte schon wieder nichts. Ihre Erregung wurde heftiger. Sie rückte näher zu ihm hin, denn irgendwann musste es ja passieren. Jetzt regte sich auch etwas in ihm, auch er merkte intensiver, wie es in und an ihm emporstieg und ein seltsam kribbelndes Gefühl auf seiner Haut hinterließ. Ihr schien der Moment gekommen. Sie rückte so eng es ging an ihn heran, bis sie ihn ganz nah bei sich spürte. Sie wunderte sich, dass er gar nicht stimmungsvoll reagierte. Er ähnelte in diesem Moment mehr einem gesülzenen Dackel denn einem bis über beide Ohrläppchen verliebten Jüngling. Vielleicht war das Kribbeln bei ihm noch nicht an der richtigen Stelle angekommen? Wollte oder konnte er nicht? Sie konnte kaum noch an sich halten. Auch in ihm kam Bewegung hoch. Doch bevor sie die Gelegenheit nicht nur beim Schopfe sondern auch sonst wie packen wollte, entströmte ihren Lippen eine letzte schmachtende Frage: „ Oh, Liebling. Ist das ein schönes Gefühl. Ist das Liebe?“ Er hatte lange an sich gehalten, aber jetzt sprudelte es wie ein Wasserfall aus ihm heraus: „ Nein, Ameisen!“

Eigentlich wollte ich eine Liebesgeschichte so mit Herz/Schmerz schreiben, aber dann fiel mir dieser dumme Witz mit den Ameisen ein und schon war es mit der ernsten Absicht vorbei. Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.(Schiller/Wallenstein)
Ich gebe euch Recht: So kann man mit dem Thema "LIEBE" nicht umgehen.Und dann noch platonisch, weil ja weiter nichts passiert.
Liebende aller Länder, verzeiht mir.
Günther Würdemann, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.11.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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