Günter Weschke

Recht und Gerechtigkeit


Der Bruder

Reite weiter, fremder Reiter,
reite in das Abendrot.
Bleibst du hier, mein fremder Reiter,
bist du Morgen früh schon Tod.

Die Sonne steht schon tief, als ein Reiter in das Wüstenkaff -Bella Horizonte - einreitet, er sieht übermüdet aus, auch sein Gaul schleppt sich nur noch so dahin.
Am Saloon gleitet er vom Pferd, führt es in den dahinter liegenden Stall, wo ein Bursche ihm das Pferd abnimmt.
Hier, reib ihn ab´, gib ihm genug Wasser und ein paar Hände voll gutes Futter…da nimm,. der Dollar ist für dich.
Vor dem Saloon bleibt er einen Augenblick stehen, nimmt den Stetson ab und klopft ihn am Türpfosten ab, ebenso seine Hosenbeine und seine Weste.
Der lange Ritt hatte eine Menge Staub angesammelt.
Durch die Pendeltür betritt er das Innere des Saloons.
Er bleibt einen Augenblick stehen, der Raum ist verqualmt, ein paar Cowboys lungern an der Theke herum, an einem der Tische wird gepokert, auf einer Bank sitzen ein paar Mädels, warten auf einen Drink, oder auf einen der Kerle, der mit ihr auf ihr Zimmer gehen möchte.

Billy Kenton, geht an den Tresen und bestellt sich ein Bier.
Der dicke Wirt stellt das Glas vor ihm hin und fragt, “Na, fremd hier!”
“No, eigentlich nicht, sieht doch ein Saloon so wie jeder andere aus!”
“Suchst du Arbeit?”
“No, bin ein freier Mann, reite Morgen weiter, will rüber nach Pueblo!”
Mach mir bitte noch ein Bier, noch eine Frage, kann ich ein Zimmer haben?”
“Natürlich, ich habe sogar ein Zimmer mit einer Badewanne!”
“Mann, das nehme ich, ich brauche ein heißes Bad, eine Fasche Whisky und eine hübsche Puppe für die Nach!
Aber jetzt kannst du mir ein Steak in die Pfanne hauen, mit Speck und Bratkartoffel!”

Nachdem er gegessen hatte, stellt er sich an den Tisch, wo gepokert wird.
Als ein Platz frei wird, fragt Billy, “Kann ich hier mit Einsteigen?”
“Klar, wenn du Kohle hast!”
“Hab ich!”
Nach einer Stunde will er den Tisch verlassen, aber einer der Spieler, sagt:
“Du willst doch wohl jetzt nicht gehen, wo du uns ganz schön abgezockt hast, also los, noch eine Revanche!”
Widerwillig setzt sich Billy an den Tisch.
“O.K. nur eine Runde!”
Als die Karten gegeben waren sieht Billy, er hat ein -Full House- auf der Hand.
Also das geht gar nicht, die Kerle waren schon sauer gewesen, dass er so viel Geld gewonnen hatte, da kann er doch jetzt nicht mit diesem Blatt kommen.
Er legt seine Karten verdeckt vor sich hin und sagt: “Also Jungs, ich Passe!”
Verblüfft sehen sie ihn an,: “Na dann lass mal Sehen!”
Als er nicht handelt, deckt sein Tischnachbar die Karten auf.
“He seht mal, der hat ein -Full House-!”
“Sag mal, bist du ein Falschspieler?”
“Warum wolltest du nicht weiter spielen?”
“Eben, weil es mir unangenehm war, schon wieder solch ein Glück zu haben!”
“Ja, das ist schon komisch, los, rück mal das gewonnene Geld wieder raus!”
“Das habe ich ehrlich gewonnen!”
“Das sagen alle Falschspieler!”
“Zum letzten Mal, leg die Kohle wieder auf den Tisch!”
“Nein, holt sie euch doch!”
Im gleichen Moment zog er seinen Colt und legte auf die Spieler an.
Henry Guero zog blitzschnell, aber Billy war schneller, tödlich getroffen sackte Guero zu Boden.
Da flog die Pendeltür auf und der Sheriff stürzte in den Saloon, er hatte seinen Colt in der Faust.
“Halt, Stopp, was geht hier vor?”
Alle schrien durcheinander.
In der Zwischenzeit hatte einer den Doc gerufen, der konnte aber nur noch den Tod von Guero feststellen.

Der Sheriff nahm Billy’s Arm und zog ihn hinter sich her, bis zu seinem Office.
Hier nahm er den Colt von Billy an sich und sperrte ihn in eine Zelle.
Die Spieler waren den Beiden gefolgt und standen jetzt im Office des Sheriff’s.
“So, jetzt mal den Hergang schildern, aber bitte nur einer von euch!”
Er nahm ein Protokoll auf und erklärte zum Schluss, “Der Kerl wird Morgen Früh, kurz nach Sonnenaufgang gehenkt. Er ist ein Falschspieler und Mörder!”

Ein einsamer Reiter, reitet von Norden in das Kaff - Bella Horizonte - ein.
Sein schwarzer Stetson ist mit grauem Staub bedeckt, ebenso seine Reithose und auch seine Weste, nur seine Beiden, tief hängenden Colt’s, funkeln silbern in der Morgensonne.

Er sieht schon von weiten, dass sich eine Gruppe Menschen in der Mitte des Dorfes versammelt haben.
Als er näher kommt, sieht er den Galgen.
Dann sieht er den großen, schlanken Kerl, der mit gefesselten Händen davor steht.
Er hat seinen Bruder sofort erkannt.

Er bleibt auf seinem Pferd sitzen.
“Good Morning Sheriff, was geht hier vor?”
“Du siehst es doch. Wir hängen einen Falschspieler und Mörder!”
“Wie ist der Mord passiert?”
“Wir haben den Kerl beim Falschspiel ertappt und als er sein bereits gewonnenes Geld wieder herausgeben sollte, hat er sich geweigert und seinen Colt gezogen!”
“Der Spieler Guero war fasst schneller, aber der Kerl hat ihn einfach über den Haufen geschossen!”
“Das hört sich jetzt aber nach Notwehr an!”
“Bleib hier, oder reite weiter, wir werden jetzt unsere Arbeit tun!”
“Stopp!”  Der Reiter klappte sein Revers zurück und man konnte einen Marshall Stern sehen.
Mein Name ist, Kenton, Marshall Kenton, ich werde den Mann mit nehmen und dem Bezirksrichter in Alamo vorstellen.

Die Umstehenden Männer begannen zu Murren, denn den Spaß wollten sie sich nicht so einfach nehmen lassen.

Nachdem der Marshall auch vom Sheriff das Protokoll erhalten hatte,
hätte er eigentlich weiter Reiten müssen, mit dem Gefangenen, aber der weite Ritt bis hier her, hatte ihn doch schon etwas mitgenommen, sein Gaul brauchte auch einen Tag Ruhe.
So kam es, dass er im Saloon das Zimmer bekam, welches sein Bruder, einen Tag zuvor, beziehen wollte.
Billy sollte bis zum nächsten Tag in der Zelle des Sheriff’s bleiben, dort war er sicher untergebracht.

Am nächsten Morgen, wurde laut an seine Tür geklopft, als er öffnete, stand der Sheriff vor der Tür, er teilte dem Marshall mit, dass der Gefangene in der Nacht geflohen sei.
Er habe sofort eine Posse zusammen gestellt und die Verfolgung, des Geflohenen aufnehmen lassen.

Man hörte von der Straße Gejohle, ein Blich nach draußen zeigte, wie die Posse zurückkam, sie hatten Erfolg, über eines der Reiterlosen Pferde, lag eine Gestalt, vor dem Office schnitt jemand die Fesselung durch und ein Toter Mensch fiel auf den Boden.
Es war Billy Kenton.

Nachdem sich der Marshall angekleidet hatte, ging er hinüber zum Office der Sheriff’s.
Sein Bruder lag noch immer am Boden, er sah, dass er ein Einschussloch in der Stirn hatte.
Er sah sich in der Runde um.
“Wer von ihnen hat den Mann erschossen?”
Es meldete sich der Bruder des erschossenen Spielers, Tom Guero.

“Die Posse hat also einen waffenlosen Geflohenen erschossen?”
“Na ja, er hat auf unser Rufen, stehen zu bleiben, nicht reagiert und als er sich zu uns umdrehte, glaubte ich, eine Waffe in seiner Hand zu sehen!”

“So und da haben sie also sofort, gezielt geschossen!”

“Sheriff, geben sie dem Mann eine Zelle!”
“Ich verhafte auch sie, denn sie hätten die Posse begleiten müssen, die Leute waren ohne jede Aufsicht, da sehen sie jetzt, was dann alles passieren kann!”

Billy Kenton, wurde auf dem Stiefelhügel von Punta Arena beigesetzt.

Am nächsten Morgen, ritten der Marshall, der Sheriff und der Gefangene nach Alamo.

Nach kurzer Verhandlung wurde der Todesschütze zum Tode verurteilt, der Sheriff bekam, wegen Verletzung der Aufsichtspflicht, ein Jahr.






















 

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