Francois Loeb

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Um zu wissen welchen Nutzen mathematische Lebensentwürfe besitzen, unbedingt die neueste Wochengeschichte auus meiner FEDER lesen:
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„Du kannst dir nicht vorstellen, was ich für Mühe mit Mathematik, aber insbesondere mit Geometrie hatte. Gerade. Hypotenuse. Schenkel. Integralrechnung. Alles böhmische Dörfer für mich. Dörfer mit potemkinschen Gebäuden. Von der Dorfschenke zum Palast des Dorfvorstehers mit einer steinernen Fassade, hinter der in einem gut mit Nummernschloss abgesicherten Tresorraum meine Fähigkeiten in diesen exakten Fächern verriegelt lagen und noch heute liegen. Denn wie sollte ich je zu diesem gelangen, der mir Türen dieser Wissenschaften öffnen würde, wenn zuvor ebensolche Kenntnisse vonnöten sind?“
So klagte mir meine Klassenkameradin vor beinahe über 70 Jahren in einer trauten Stunde, die nicht mit Mathematik oder Geometrie, sondern mit Küssen erfüllt war. Wundersame Erinnerungen an die erste grosse Liebe, die mich heute noch in meinem hohen Alter in meinen Träumen begleitet. Was hätte daraus werden können? Eine nimmer endende Liebesgeschichte? Oder doch nicht? Ein Rosenkrieg, dem ich dank der Träumereien glücklich entgangen bin? Solche Gedanken begleiten meine alten Tage bis zu dem Zeitpunkt, als ich meinen Mut in beide Hände nehme und beschliesse, meinen Träumen Einhalt zu gebieten. Endlich die Wirklichkeit wahrzunehmen, mich zur Fahndung nach meiner ersten Liebe aufzuraffen.
Als erstes entschliesse ich mich, einer Detektei mit langjähriger Erfahrung - diese wirbt mit der Gründung im Jahre 1881 - den Auftrag zu erteilen, sich auf die Suche nach ihr zu machen. Bei der sehr dünnen Kenntnislage meinerseits verlangt der Inhaber dieses Dienstleisters eine hohe Vorauszahlung, ohne als Grund mein fortgeschrittenes Alter anzugeben. Diese Begründung hätte mich verletzen können, eröffnet mir viel später der feinfühlige Herr, der stets eine bunte Fliege zur Schau trägt. Doch er müsse als kleines Unternehmen immer mit dem Schlimmsten rechnen und ob meine einstigen Erben eine Detektei-Rechnung anerkannt hätten, sei gewiss sehr unwahrscheinlich. Doch ich greife der Zeit voraus. Denn ein Freund wurde der Fliegenträger, der, das ist erstaunlich, hoch allergisch auf störende Fliegen reagiert. Er hat stets einen elektrischen Fliegentöter in der Mappe, um dieser Allergie Herr, genauer gesagt Frau, zu werden. Ihm sei sehr daran gelegen, die neuen Regeln der politischen Correctness einzuhalten, denn viele seiner zahlreichen Kundschaft komme aus dieser Ecke des Berufslebens.
Tatsächlich gestalteten sich die Nachforschungen äusserst kompliziert und anstrengend. Meine Angaben, eine Frau meines Alters zu suchen, deren einzigen Makel, ein vollständiges Unverstehen mathematischer und geometrischer Zusammenhänge herauszufinden als ausschliesslicher Hinweispunkt gegeben sei, so der in diesem Sommer besonders mit Fliegenbeute gebeutelten Fliegenträger, analog der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen, um nicht, was bestimmt moderner klingen würde, die digitale Bezeichnung zur Hand zu nehmen, die er jedoch selbst nicht kenne. Es gebe in meiner Altersklasse unendlich viele, neben weiblichen auch männliche Nichtversteher dieser hohen Kunst der Synapsen-Verknüpfungen. Wer diese nicht herstellen könne, sei zu bedauern. Doch er werde sein Bestes leisten, trotz allem, so hoffe er, handle es sich statt einer Stecknadel um eine Stricknadel in der Fallmasche, um meinen absonderlichen Suchwünschen gerecht zu werden.
Monatlich erhalte ich seitdem zusammen mit der Stundenaufstellung und deren Begleichungsnota, so nennt er die Abrechnungen, einen kurzen negativen Bericht seiner Nachforschungen.
Doch heute, nach 3,666 Jahren und der erfolgten Überweisung beträchtlicher flüssiger Mittel, neben selbigen als Trinkgeld schwarz, nie weiss, in die Hand gedrückten Banknoten, erreicht mich die fröhliche Botschaft: ER HABE MEINE KLASSENKAMERADIN GEFUNDEN! Sie sei wohlauf, lasse mich bestens grüssen, aber ich käme für sie nicht mehr infrage. Denn sie habe Rache an der Gerade genommen und nur noch die ungeraden Jahre gelebt, sodass ihr Alter jetzt die Hälfte des meinen betrage. Sie verlange von mir, dies zu respektieren. Es liege in meiner Schuld, dass ich nicht auch auf diese mathematisch-geometrisch geniale Lösung gekommen sei ...
MATHE
Wo mathematische Liebe
Auf fruchtbar Boden fällt
das verpasste Leben
in Bruch zerfällt.
Selbst in Träumen aufgehellt
Wissbegierig gleich gerade
Mäuschenstill beginnt.
Gleich der neue Traum
Erwirbt sich unbewussten
Raum als humusreicher Clown.
Herzlichst
François Loeb
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