Brigitte Waldner

Wissenschaftliche Forschungsarbeit

Gestern habe ich an einer Meinungsumfrage teilgenommen,
die für eine wissenschaftliche Forschungsarbeit diene.
Sie wurde mir im Internet per E-Mail angeboten.
Ich dachte, es ginge um Naturwissenschaft.
Ich wollte gerade mit dem Hund auf Auslauf gehen,
und stand unter Zeitdruck.

Es ging um Mode, wenn ich Bekleidung im Geschäft
oder im Internet kaufe, wie ich mich fühle.
Es ging bei fast jeder Frage um Gefühle, Gefühle, Gefühle.
Wie ich mich fühle in einer Umkleidekabine,
wenn die Anziehsachen passen und nicht passen.
Wie ich mich fühle, bei lauter nerviger Musik,
ob ich dann die Bekleidung nicht kaufe.
Wie ich mich fühle, wenn ich die Sachen im Internet bestelle,
und warum ich lieber im Internet bestelle.
Wie ich mich fühle, wenn ich sie daheim anprobiere;
ob ich mich besser fühle, wenn ich daheim mehr Zeit habe,
um eine Entscheidung zu treffen.
Ob ich daheim die neue Bekleidung zu jener anprobiere,
die ich besitze.
Wie ich mich fühle, wenn die vom Internet bestellten
Bekleidungsstücke nicht passen.
Wie ich mich fühle, wenn ich retournieren müsste.
Ob ich tatsächlich retourniere, wenn etwas nicht passt.
Ob ich Angst habe, in eine Umkleidekabine zu gehen
und mich beobachtet fühle,
ob ich mich ungern dort ausziehe
und ob ich zuwenig Platz habe.

Gegen Ende kamen überraschend wenige politische Fragen.
Ob ich an der Nationalratswahl teilgenommen habe in 2019.
Ob ich an den beiden EU-Wahlen teilgenommen habe,
die vorletzte und die letzte vom Sonntag.

Und dann kam die scheinbar wichtigste Frage,
ohne dass sie als solche bezeichnet wurde:
Wie werden Sie bei der nächsten Nationalratswahl wählen?
Sie findet am 29. September in Österreich statt.
Ich habe die Partei angekreuzt, die ich wählen sollte.
Ob ich sie wählen werde, das steht in den Sternen,
das weiß ich heute noch nicht.
Wie ich mich in der Wahlkabine fühle?
Ob ich das gefragt wurde, kann ich mich nicht mehr erinnern.

Ich habe dort keine Gefühle. Ich bin dort beschäftigt
mit dem Hund an der Leine, dass ich für Gefühle keine Zeit habe.
Dann kam noch eine Modefrage und am Ende die Frage,
wie es mir jetzt am Ende der Befragung geht.
Dann habe ich eine Wut gehabt,
dass ich SCHLECHT angekreuzt habe,
Eine Ankreuzmöglichkeit für „wütend“ gab es nicht.
Dann gab es noch ein Eingabefeld,
ob man noch dazu etwas sagen möchte.
Ich habe hineingeschrieben, dass sie mir zwei
politische Fragen reingepfeffert haben,
die mit einer Modeumfrage nichts zu tun haben
und nicht dazu gepasst haben.
Am Morgen, zwölf Stunden später, durchschaue ich,
worum es mutmaßlich ging.
Viele Fragen waren darauf abgezielt, wie man sich
in einer Umkleidekabine fühlt, ob man Angst hat,
sich beobachtet fühlt, der Spiegel verzerrt, das Licht stört,
und einiges mehr, woran ich mich nicht mehr erinnere.
Da gab es viele Möglichkeiten, anzukreuzen.
Die Wahlkabine ist ähnlich einer Umkleidekabine zu sehen.
Handelt es sich bei dieser Forschungsarbeit
um eine Diplomarbeit eines Studierenden?
Hat er die Umfrage in Auftrag gegeben?
Das ist meine persönliche Spekulation hinterher.
Während der Umfrage habe ich das nicht durchschaut.
Kennt jemand aus Österreich diese Umfrage?
Man hat Kabinen miteinander verglichen.
Hat noch jemand von den österreichischen Lesern und Leserinnen
an dieser Umfrage teilgenommen? Sie ist aktuell. Sie dauert 20 Minuten.
Im Nachhinein betrachtet, halte ich sie für interessant.

© Brigitte Waldner
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.06.2024. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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