Cornelia Moritz

Folge den Schatten und Du erreichst das Licht

 September 2022

Inzwischen ist es Spätsommer geworden und die ersten kleinen Stürme ziehen über das Land hinweg. Zeit für uns aufzubrechen. Unser nächstes Ziel ist die ostfriesische Karibik des Nordens, die Insel Langeoog.
Schnell sind die Koffer gepackt und wir sitzen mit Hera im Auto Richtung Fähre. Unsere Hündin erträgt die Autofahrt wie immer in Stille, aber im Inneren brodelt es in ihr. Der 48-stündige Transport von Griechenland nach Deutschland macht das Autofahren nicht zu Heras Leidenschaft. Mit genügend Pausen ist nach drei Stunden endlich der erste Deich in Sichtweite.

Hera nimmt eine gekrümmte Körperhaltung ein und legt ihre Ohren nach hinten, um uns zu signalisieren, dass die Fähre auch kein besseres Transportmittel ist. Mit eng geführter Leine und einem ständigen Blickkontakt zu ihr suchen wir uns, wie immer, ein friedliches Plätzchen an Deck.

Rau, aber herzlich ist der ganz besondere Empfang auf Langeoog. Einsame Idylle, die uns mit Salzwiesen und viel Sand auf unserer Fahrt mit der bunten Bimmelbahn in den einzigen Ort der autofreien Insel begleitet. Hera nimmt die Ruhe wahr und wird neugierig. Sie wittert Hasen und Feldmäuse in der langsam vorbeiziehenden Landschaft. Das kann schön werden und die Stimmung unserer Hündin hellt sich auf. Noch weiß sie nicht, dass jagen hier verboten ist.

Wir spüren Wind und Sonne auf unserer Haut beim Ankommen am Strand, die salzige Gischt des Meeres sprüht in unsere Gesichter und wir lassen uns für ein entspanntes Mittagsschläfchen alle drei glücklich in den warmen Sand plumpsen. Die nächsten Tage sind geprägt von leeren Stränden und freier Entfaltung. Hera beschnüffelt ausgiebig das angespülte Strandgut und entdeckt bei Ebbe die am Spülsaum sichtbaren Käferschnecken, Schlangensterne oder Moostierchen. Wir genießen die tiefstehende Sonne des Spätsommers, das ganz besondere Licht, den unendlichen Blick und die Spiegelungen im Watt. Die Heimkehr der Zugvögel, die in großen Schwärmen die Nordseeinseln anfliegen, kann man fast täglich beobachten. Ebbe und Flut zeigen sich verlässlich im Wechsel und bei unseren langen Spaziergängen am Strand kann Hera nach Herzenslust mit den Kumpels toben, buddeln und die Welt entdecken. Auch unsere Hündin nimmt die Urlaubsstimmung wahr und entspannt sich maximal.

Am nächsten Morgen starten wir gemütlich mit den Rädern Richtung Paradies Ostende. Schnell sind wir durch den Ort und mitten im Nationalpark im nackten Nirgendwo zwischen Himmel und Erde. Unser Weg führt uns durch das wunderschöne Pirolatal, einer wilden Dünenlandschaft mit noch teilweise blühenden Weiden. Bald schon haben wir die „Meierei“, das Ausflugslokal am Ostende erreicht und den weiteren Weg zur äußersten Spitze, dem Osterhook, legen wir nach einer Verschnaufpause zu Fuß zurück. Hera kann es kaum erwarten, den Radanhänger zu verlassen und den restlichen Weg auf ihren Pfoten zurück zu legen. Weiter geht es über den Naturpfad, wo wir am Wegesrand noch etwas Strandkamille und einige Strandastern entdecken können. Wir ziehen unsere Schuhe aus und der weiche, weiße Sand ist eine Wohltat für unsere Füße. Hera läuft vorneweg und kann kaum erahnen, was es für eine Welt hinter den Dünen zu erobern gibt. Erst kaum spürbar und dann mit voller Wucht überwältigt uns der unberührte Naturstrand mit dem weißen Sand soweit das Auge blickt … und noch weiter.
Ein einzigartiges Naturgeschenk, das wir erleben dürfen und Hera ist nicht mehr zu halten. Sie stürmt los, hüpft wie ein junges Reh und schlägt Haken wie ein Hase quer über den Naturstrand, bis sie im Rausch der Freiheit völlig erschöpft einfach liegen bleibt und sich auf den Rücken rollt. Wahre Glückseligkeit, schmucklos schön.

Das ist ein weiterer Lieblingsplatz, den wir in diesem Urlaub unbedingt ein zweites Mal aufsuchen müssen. Hier erleben wir die Leichtigkeit, entdecken verwehte Spuren im Sand, hören wortlose Stimmen in den Dünen und erleben die friesische Freiheit. Mitten in dieser Einsamkeit liegt ein gestrandetes Oberdeck eines Katamarans am Strand und lädt uns zum Verweilen ein. Wir blinzeln in die Sonne und werden geblendet von dem Lichtspiel zwischen tiefblauem Himmel und weißem Sand. Himmlischer kann ein Paradies nicht sein. Ganz erfüllt von dieser Stimmung machen wir uns auf den Heimweg.
Hiiiilfeeee! Schlange in Sicht am nächsten Strandtag Die Aufregung unserer Hündin ist ihr sehr anzumerken. Was macht MEINE grüne Schlange, die sonst mit Leckerlis gefüllt ist, in der tosenden Nordsee? Menschen …, oft kann man sie einfach nicht verstehen. Das Gummitier reitet auf den Wellen und die Empörung von Hera ist spürbar. Sie muss die Situation jetzt dringend retten, sonst wird das geliebte Tier vom Meer verschlungen. Schnell und mutig sind die Vorderpfoten in den auslaufenden Wellen versunken und das Maul bekommt die Schlange zu fassen. Mit etwas Anstrengung kann unsere Hündin das lange Gummitier an Land ziehen. Wann begreifen die Menschen, dass Kokonis in den seltensten Fällen Wasserratten und Wellen gefährlich sind …

Der Urlaub neigt sich dem Ende und wir sind erschöpft von den langen Wegen quer über die wunderschöne Insel. Deshalb setzen wir uns hin, um ein wenig auszuruhen und zu plaudern. Die müde gelaufenen Pfoten unserer Hündin genießen die letzten Tage im Müßiggang am Strand, das Geschehen beobachten, dösend in der Sonne liegen und die Zeit vollständig auskosten. Wir lassen uns treiben, sammeln Treibgut und entdecken Schätze versunkener Welten.

Und dann ist dieser Zauber vorbei und es geht zurück in die Heimat.
Bleibt auch in Zukunft gerne bei uns. Es geht auf eine weitere Insel. 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.06.2024. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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