Andreas Rüdig

Der Nachzehrer

Nachzehrer ist eine übliche Bezeichnung im deutschen Volksglauben für einen Wiedergänger oder Untoten, der den Vampiren nah verwandt ist und mit ihnen wesentliche Eigenschaften teilt.

Im Gegensatz zu einer lange verbreiteten Auffassung in der Volkskunde beschränkt sich das Verbreitungsgebiet des Nachzehrers keineswegs auf die teilweise slawisch geprägten Gebiete im Osten und Nordosten Deutschlands, sondern er war auch bis ins Rheinland verbreitet. In der Eifel wurden beim Auflassen alter Friedhöfe Skelette entdeckt, die mit dem Gesicht nach unten lagen – ein eindeutiges Zeichen für die Bestattung einer Leiche, die für gefährlich gehalten wurde.

Er liebt die Nacht und ihre Dunkelheit - "in meiner Wohnung ist dann Licht tabu," berichtet Lorenz Dirkmann. Er gehe gerne nachts spazieren, schaue in die dunkelsten Ecken und passe auf die Geschöpfe der Nacht auf.

"Ich wäre gerne Nachtwächter bei uns in der Stadt geworden," erzählt der junge Mann. Das habe aber eine unliebsame Episode auf dem Friedhof der Unorganisierten Kirche verhindert.

Aber was ist im Detail genau passiert? Man sage der unorganisierten Kirche nach, sie beerdige auch Untote, Wiedergänger, Zombies und andere Personen. "Lange Zeit habe ich das natürlich nicht geglaubt," betont Lorenz seine Einstellung. Doch dann sei er in einer kalten Winternacht an dem unbeleuchteten Friedhof vorbeigekommen. Und habe bemerkt, wie sich an seinem Sarg, der neben einem offenem Graf stand, der Deckel öffnete. Zuerst habe ien Totenschädel mit ein paar wenigen Haaren darauf herausgeschaut. Dann der übrige verwesende Körper hinzugekommen.

Anfangs sei er sehr erschreckt gewesen, blickt Lorenz zurück. Doch dann sei er auf die Leiche zugestürmt und habe sie wieder in den Sarg gedrängt und den Deckel zugemacht.

Ein schwerer Fehler, wie sich später herausstellte. Er habe sich an Marc Aurel, dem Maskottchen des Friedhofs, vergriffen ("Meine Güte, war die Gestalt warm und verschwitzt!") und deswegen einer nächtlichen Tätigkeit nicht würdig.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.07.2024. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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