Günter Weschke

Der Wind singt dir sein Lied



Drei Freunde sitzen zusammen am See und Angeln.
Nach ein paar Stunden packen sie ihre Sachen zusammen und gehen in ein  nahes Wirtshaus.
“Also Männer, diesen Tag heute können wir Vergessen, drei Männer und kein Fisch!”
Manuel, Thomas und Norbert leeren ihre Gläser und bestellen gleich noch eine Runde.

Manuel sagt plötzlich: “Pech beim Angeln, aber Glück in der Liebe!”

Thomas und Norbert blicken ihn an, “Wie meinst du das, Glück in der Liebe?”

“Na ja, ich habe euch bisher nichts davon gesagt, ich wollte erst selbst sicher sein, dass es diesmal etwas Besonderes ist!”

“Na und, ist es?”

“Ja, ich denke schon.
Ich habe euch doch erzählt, dass im neuen Schulsemester, eine neue Lehrkraft angefangen hat, eine siebenundzwanzig jährige Lehrerin für Französisch und Mathematik. Sie hat eine kleine Tochter von zwei Jahren, ist geschieden und besitzt das alleinige Sorgerecht!”

“Und der Vater?”

“Der lebt in Berlin und besucht seine Tochter in unregelmäßigen Abständen!”

“Also dann, Glückwunsch von uns!”

“Es scheint jetzt auch die richtige Zeit zu sein, ich werde bald einunddreißig, sie ist achtundzwanzig!”

Manuel und seine Cloudette sind seit einiger Zeit zusammen gezogen,
Cloudette stammt aus Paris und kam der Liebe wegen nach Deutschland.
Ihre kleine Tochter Lina, ist ihr ganz großes Glück.

Manuel besitzt hier in München eine schöne Wohnung, gegenüber dem Englischen Garten, das Kinderzimmer haben sie gemeinsam eingerichtet. Manuel ist ganz stolz auf “seine “ kleine Tochter.

Gern hält er sie in seinen Armen, summt ein Lied, dabei und küsst sie auf die Wange.

Er bringt sie morgens in den Kindergarten und holt sie am Nachmittag dort ab.
Lina kommt ihm immer mit ausgebreiteten Armen und vor Freude Kreischend entgegen.
Er hebt sie dann empor, wirbelt sie herum und Beide lachen voller Glück.

Manuel und Cloudette verstanden sich sehr gut, ihre Liebe wuchs auf einen guten Boden.
Abends, wenn Lina bereits schläft, sitzen sie im Wohnzimmer, genießen einen guten Wein und aus ihren Augen blitzt die Freude, denn Vertrauen und Verlangen, sind die feste Basis für eine wachsende Liebe.

Diese glückliche Zeit wird jäh unterbrochen, als Lina eines Tages aus der Schule kommt, ihren Vater böse anstarrt und unverhofft sagt:
“Du bist nicht mein Vater, du bist ein ganz gemeiner Lügner, ihr Beide, Mama und du, habt mich jahrelang belogen!”

“Aber Lina, wie kommst du denn darauf?”

“Ich habe in der Schule an einem Projekt teilgenommen, es heißt:
“Sind meine Eltern auch meine Eltern?”
Dazu brauchte ich nur ein Haar aus deinem Kamm!”

“Also erstens ist das nicht zulässig, ohne dass ich meine Einwilligung dazu gegeben hätte und Zweites, auch wenn ich nicht dein Erzeuger bin, liebe ich dich wie meine eigene Tochter!”

“Nein, wer lügt dem glaubt man nicht!”

Lina ist vierzehn und steckt in einer schwierigen Phase ihres Lebens.
Sie zieht sich immer mehr zurück, bleibt auf ihrem Zimmer.

Manuel und Cloudette sind fassungslos und handlungsunfähig, sie halten zusammen, was aber das Zusammenleben mit Lina immer unerträglicher macht.

Lina geht nicht auf die Schule, an der ihre Eltern unterrichten und so entschließt sich Manuel, den Rektor von Lina aufzusuchen.

Bei diesem Gespräch erfährt er, dass Lina bereits seit längerer Zeit, auffällig geworden ist.
Seit sie mit Gerald zusammen ist, er ist ein Klassenkammerad von Lina, ist sie immer unaufmerksamer geworden.
Der Direktor weiter: “Er ist ein Sitzenbleiber, einer der sich gern schlägt, einer der sogar schon mit einem Messer in die Schule kam!”

Manuel ist schockiert.
Zuhause sitzen er und Cloudette beisammen und beratschlagen, was zu ist.

Drei Wochen danach, läutet es am frühen Morgen an der Haustür.
Manuel öffnet und sieht sich zwei Polizisten gegenüber.

Die Beamten stellen sich vor, Manuel lässt sie ins Haus.

“Uns liegt eine schwere Anschuldigung gegen sie vor, wendet sich einer der Beiden an Manuel, ihre Tochter Lina beschuldigt sie, sie in ihrem Zimmer sexuell berührt zu haben!”

Cloudette ist blass geworden, Manuel starrt an die Wand, er atmet tief durch, das kann doch wohl nicht wahr sein.
“Cloudi, hol bitte Lina aus ihrem Zimmer!”

Nach geraumer Zeit erscheinen Beide wieder im Wohnzimmer.

Ein Polizist sagt: “Wiederhole bitte, was du uns berichtet hast!”

Lina blickt zu Boden, leise, fast flüsternd sagt sie, etwas stockend:
“Ja, Paps hat mich im Zimmer berühren wollen!”

“Lina, so etwas kannst du doch nicht tun, sei ehrlich, sag die Wahrheit!”

“Es ist die Wahrheit!”

Cloudette schluchzt und nimmt ihre Tochter in den Arm.

Ziehen sie sich bitte an, wir nehmen sie mit zum Revier.

Wie betäubt geht Manuel, zieht sich an, will sich von Cloudette verabschieden, die sich jedoch wortlos umdreht.

Es wird ein Protokoll angefertigt und Manuel wird dem Haftrichter zugeführt.
“Sie werden in Untersuchungshaft gehen, bei derart schweren Anschuldigungen, muss ich sie hier behalten!”

Ehe Manuel sich umsieht, steht er in einer kleinen Zelle, allein.

Er bittet, ein Telefonat führen zu dürfen.

Manuel ruft seinen Freund Thomas an.
In kurzen Worten erklärt er seine Lage und bittet dann, Thomas möge doch zu Cloudette fahren, die für ihn ein paar Sachen, Rasierzeug etc.
Zusammenpacken möchte.
“Ich brauche die Sachen, denn ich weiß nicht, wie lange ich hier bleiben muss!”

Nach sechs Monaten in der U-Haft, wird das Urteil verkündet.
“Drei Jahre ohne Bewährung!”
Cloudette und Lina sind nicht anwesend.

Nach drei Jahren wieder Frei.

Eines sommermorgens, die Nebel liegen noch über dem See,  geht ein Mann an das Ufer, lange steht er und schaut auf die kleinen Wellen, ein leichter Wind läßt das Wasser Kräuseln, das nahe Schilfrohr wiegt sich im Wind und der Mann lauscht dem sanftem Rauschen des Windes nach.

Er nimmt die mitgebrachte Angelrute, befestigt einen blinkenden Köder an den Haken und wirft mit Schwung die Schnur aus.

Das Tanzen der Pose, deren leuchtendes Rot in der Sonne funkelt, ist das Einzige Glücklichmachende in seiner Nähe.




















































 











 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.07.2024. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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