Francois Loeb

DAS GABELFRÜHSTÜCK



Schon einmal das 3 Minuten Frühstücksei mit der Gabel verspeisen wollen? Was bei einem Gabelfrühstück mit der Liebsten alles geschehen kann in meiner neuesten Wochengeschichte und dem Dreisatzroman zu ergaumen, nicht zu ergaunern:
DAS GABELFRÜHSTÜCK
“Kommst du mit mir zum Gabelfrühstück?“, flötete mit süsser Stimme meine studentische Kommilitonin an diesem strahlenden Sonntagmorgen. Der blaue Himmel umkränzte dabei ihr von goldbraunem Haar umflutetes Haupt. DIE WORTE WIE EIN WUNDER! SEIT MONATEN, gefühlt als Äonen, HOFFE ICH auf diese WORTE VON IHR. Hoffnung, die sich erfüllt. Fühlt sich grandios an. Grandios — ein viel zu schwacher Ausdruck. Freudentaumel in meiner jugendlichen Seele. Alles, was meine Augen erblicken, steht deshalb auf dem Kopf. Buchstaben wagen Kopfstände an Plakatsäulen. Fühlt sich verrückt an. Ist es wohl auch. Halte das spontane ‚JA‘ zurück. Wäre es doch ohne jeden An-Stand, ihr gleich wie aus der Pistole zu antworten. Verzögerung einschalten. Sekunden anhalten. Die zwei Buchstaben schockgefroren auf meiner heissen Zunge zwischenlagern. Langsam auftauen. Zungenfrost entsteht in Sekundenschnelle.
Und endlich kommen leise und überlegt erst ein J und dann das A über meine bibbernden Lippen, obwohl mir ein Gabelfrühstück völlig unbekannt ist. Doch Risiken sind in Erfüllung tiefer Wünsche mitzutragen. Zu wagen. Zu tragen. Auch wenn diese schwer wiegen. An Vierzigtonner erinnern. Gabelfrühstück. Gibt es dort Gabeln zu verspeisen? Aus Schokolade oder Schock-O-Lade? Wird man dort mit Gabeln gestochen? Oder besteht ein Rechtschreibfehler? Will meine Flamme mich zu einem Kabelfrühstück einladen? Mich dort verkabeln lassen, damit ich sie nicht mehr umwerben, sondern sie mich dann per Kabel steuern kann? Trotz meines JA-Worts gehen so viele Gedanken im Stechschritt und überaufrechter Haltung durch meinen Körper. Die dadurch ausgelösten geladenen Teilchen suchen nach Bodenhaftung. Nach Erdung. Lassen mich erzittern. In meinen Grundfesten erbeben. Und dieses vermaledeite Frühstück soll erst in 17,5 Stunden stattfinden. Wie nur soll ich diese Zeit mit all den an meinem Körper nagenden Sorgen überleben? Entschliesse mich zum Unterleben. Versuche, Vorfreude und Erfüllung aus dem Unterbewusstsein zu aktivieren.
Suche dazu die psychiatrische Gebrauchsanleitung. Sapperlot, muss diese irgendwo abgelegt haben, samt Risiken und Nebenwirkungen. Durchsuche jede Ecke meines Körpers. Werde endlich im Nabelbereich meines Fleisches fündig. Die Nabelschnur muss es richten. Doch verstehe ich deren Sprache nicht. Und alle Übersetzungstools scheitern erbärmlich. Halte mich mit glücklicherweise entdeckten und gleich angeschnallten Steigeisen an einer Gabelung der Schnur angeseilt fest. Erkenne, dass meine Traumfrau mich zum Gabelfrühstück an der entscheidenden Gabelung meines Lebens eingeladen hat. Vollführe einen Luftsprung in mein neues Sein. Weine vor Freude und ob der ausser Rand und Band tanzenden empathischen Gefühle. Lasse mich von all dem treiben. „Endlich, endlich angekommen“, rufe ich der Nabelschnur zu. Klettere daran hoch, immer höher. Bis Schwindel mich erfasst und ich dadurch loszulassen habe. Die Steigeisen verhaken sich in meiner Zukunft, die in den herrlichsten Farben schillert. Mich empfängt. Umarmt. Ummantelt. Mich an die Hand nimmt. Mich zum Gabelfrühstück ganz ohne Kabel oder Gabel, hin zum wahren Glück der Zweisamkeit führt.
Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:
MITTERNACHTSFRÜHSTÜCK
Frühstück um Mitternacht
Der Hunger gleich danach hungrig
Fordernd lauthals gurgelnd sofort erwacht.
Sei es wie es sei es folgt
Nolens volens
Morgenkaters
Lauthalsig
Labernd
Vater.
Heyheyhey und nochmals hey lieber
Spätstück wählen um damit sicher rücklings
Ins mikroskopisch Bonsaiglück flugs zu schlittern.
Herzlichst
François Loeb
Hat die Wochengeschichte und der Dreisatzroman gefallen, dann bitte Teilen und meine HP francois-loeb com beifügen. Vielen Dank!

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Francois Loeb).
Der Beitrag wurde von Francois Loeb auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.07.2024. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Francois Loeb als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Ein Tiger schleicht durchs Puppenhaus von Florian Seidel



Rapunzel in Puppengesprächen, Adoptivkinder auf Zeitreisen, Fragebögen, Bekundungen am Bauch der Sonne. Rätsel und Anspielungen, die uns, an Hand scheinbar vertrauter Muster, in die Irre führen. Florian Seidel hält seine Gedichte in der Balance zwischen Verschweigen und Benennen, zwischen Bekanntem und Unbekanntem. Jeden Augenblick könnte alles aus dem Gleichgewicht geraten, uns mitreißen, uns enden lassen in einem Augenblick der Verwirrung. Die in dem Gedichtband „Ein Tiger schleicht durchs Puppenhaus“ versammelten Texte schildern Suchbewegungen. Glückspiraten, Tiger, Jäger und andere Unbehauste in jenen Momenten, da die Realität Schlupflöcher bekommt und wir uns selbst im Spiegel sehen. Ein ungewöhnlich großes Sprachgefühl und vor allem die Bildhaftigkeit machen die Qualität dieser Lyrik aus.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Freundschaft" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Francois Loeb

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Verpixelt von Francois Loeb (Sonstige)
Sein letzter Brief von Rainer Tiemann (Freundschaft)
Ali von Claudia Lichtenwald (Gesellschaftskritisches)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen