Christian Berg

Reisen auf die Philippinen, nach Indonesien und ins Ich

3. März

 

Morgens die letzten Reisevorbereitungen. Das letzte Zusammensein mit Nico. Ich bin traurig, ich werde ihn sehr vermissen. Er sagt, dass er mitkommen möchte, ich erkläre ihm, dass das nicht ginge, beim nächsten Mal.

 

Manuela kommt seit gestern mit allerlei Forderungen auf den letzten Drücker. Sie möchte Nicos Reisepass, sie möchte mehr als EUR 200.- für Nico und sie für die letzten 3 Wochen des Monats. Sie möchte den Schlüssel für das Schlafzimmer. Ich kann ihr nur den geben, die anderen Dinge nicht. Ich versuche ihr zu erklären, dass das sehr kurzfristig sei. Ich erkläre ihr meine schwierige Situation. Ich erkläre ihr, dass nach allen Erfahrungen, die ich seit September des Vorjahres gesammelt habe, EUR 200.- reichen würden.

 

Manuela glaubt mir das alles nicht, sie vertraut mir nicht. Wieder diese den Nerv tötenden Diskussionen, die zu nichts führen und so frustrierend sind, weil Manuela sich jeglichen, unstrittigen Argumenten von mir verschließt. Es ist sinnlos, mit jemandem zu sprechen, der nichts, absolut nichts von einem annimmt.

 

Ich schlage Manuela ein Gespräch, gegebenenfalls bei einer Beratungsstelle, für den April vor, damit wir uns über alles friedlich einigen können. Sie lehnt das ab. Auf dem Flug nach Manila denke ich daran, wie Manuela und ich in Aachen oft im Hochzeitsgarten saßen. Ich denke an unsere Hochzeitsfeier. Traurig, wie das alles mit uns gekommen ist.

 

4. März

 

Auf dem Flug bin ich teilweise müde und angestrengt, teilweise traurig wegen Manuela und Nico, teilweise euphorisch, wenn ich mir Situationen in den nächsten 4 Wochen ausmale. Die Flüge von Hamburg nach Amsterdam und von Amsterdam nach Manila sind relativ stresslos und schneller als ursprünglich befürchtet. Ich kann zwar nur 5 Stunden im engen Flugzeug schlafen, aber das geht gerade noch.

 

In Manila werde ich etwas hektischer. Der dortige Flughafen ist nämlich in vier Terminals unterteilt, die wiederum kilometerweit voneinander entfernt sind. Ich komme also an Terminal X aus Europa an und muss von Terminal Y innerhalb der Philippinen weiterfliegen. Die Zeit zwischen den Flügen ist knapp, die Situation mit den vier Terminals war mir nicht bekannt.

 

Ich nehme mein Gepäck am Laufband in Empfang und eile dann nach draußen. Brütende Hitze und schwüle Luft erwarten mich. Ich muss schnell den Shuttle Bus finden, der zu meinem Terminal fährt. Zeit verstreicht …

Ich nehme den Bus und erreiche Terminal B. Dort muss ich die Eingangskontrolle und den Gepäck-Check passieren. Ich bin mittlerweile schon verschwitzt, habe aber noch einen Moment, um auf dem Herren-WC meine Kleidung zu wechseln, alles vorzubereiten, mich vorzubereiten für die Begegnung mit Jenesis ...

 

und dann komme ich in Cagayan de Oro an und Jenesis ist nicht da. Es ist ein sehr kleiner Flughafen und ich nehme mir die Zeit, immer wieder zwischen den dort ankommenden Passagieren und wartenden Menschen, zwischen Gepäckträgern und Taxifahrern, zwischen Leuten, die Obst und Getränke verkaufen, hin und her zu laufen und nach Jenesis zu suchen – vergebens.

 

Ich fahre mit dem Taxi ins Hotel und bin traurig und enttäuscht. Später erreiche ich Jenesis telefonisch und sie sagt mir, ihre Großmutter sei krank, sie würde versuchen, am nächsten Nachmittag zu kommen.

 

Mal sehen …

 

 

5. März

 

Der Taxifahrer Ernie weckt mich um 9:30 Uhr – ich habe etwa 12 Stunden geschlafen. Etwas verlorenen Schlaf von der Vornacht wieder aufgeholt. Nachts war ich allerdings 1-2 Stunden wach – ich wachte um 3 Uhr auf, dachte an Jenesis, Manuela und das wenige Bargeld, das ich bis Ende März zur Verfügung haben würde. Ich überlegte die entsprechenden Sparmaßnahmen.

 

Ernie teile ich deshalb mit, dass ich seine Dienste als Taxifahrer nicht länger bezahlen könne. Er trägt es äußerlich gefasst und bietet mir, erneut, die Hand seiner Tochter an, möchte Treffen mit deren Freundin und mit seiner Nichte arrangieren, und bietet mir eine andere Frau an, die mit mir – gegen Bezahlung – eine Nacht im Hotel verbringen würde. Letzteres lehne ich ab.

 

Ich sehe mir mein Hotel an. Eine großer Eingangsraum mit Restaurant, überdacht (das Restaurant sollte ich dann nur einmal nutzen ...). Draußen ein kleiner Swimming Pool mit angrenzendem Whirlpool. Dahinter das Haupthaus, Zimmer mit Poolblick. Dann noch 5 Apartelles und – hinter dem Restaurant – einige Standard-Zimmer. Ich bin in einem davon. Auf dem Hotelgelände gibt es einige Pflanzen und eine kleine Rasenfläche. Ein schlichtes, kleineres, preisgünstiges Hotel – das allerdings meilenweit vom Stadtzentrum entfernt liegt.

 

Anschließend fahre ich zum ersten Mal mit dem Jeepney - dem ikonischen Verkehrsmittel auf den Philippinen-, für 7 Pesos ins SM-Shopping Center. Jeepneys sind mittels Stahlträgern (um)gebaute, riesige “Kleinbusse” mit bis zu 24 Sitzpätzen. Im hinteren Teil des Fahrzeugs sitzen die Passagiere auf zwei parallelen, sich gegenüber liegenden Bänken. Das wird extrem eng, wenn der Jeepney vollbesetzt ist. Es ist dann schwierig, aus- und einzusteigen und sich durch die Sitzenden zu quetschen. Im vorderen Teil können der Fahrer und zwei bis drei weitere Fahrgäste Platz finden. Die Jeepneys haben ein Metalldach, das Schatten gewährt. Sie werden in der Regel kunstreich angemalt und dekoriert, sowie mit reflektierenden Motorhauben und Kotflügeln aus Chrom versehen. Moderne Jeepneys werden in der Fabrik gefertigt.

 

Bei SM tausche ich Dollar gegen Pesos. Ich kaufe eine Kleinigkeit zum Frühstücken, um für die nächsten Tage das Frühstück im Hotel sparen zu können. Zurück fahre ich ein bisschen – kostenlos – Jeepney, den Rest der Strecke gehe ich. Ich fange an, die Umgegend zu erkunden und das Leben auf den Philippinen aufzunehmen.

 

Wenn Jenesis nicht mehr auftauchen sollte, sollte ich mich nicht in Abenteuer flüchten, sondern zuversichtlich das nächste Treffen abwarten. Ich sollte die Zeit nutzen, um zu mir selbst zu finden und über mich selbst und alles andere nachzudenken.

 

Und ich sollte auch darüber nachdenken, was ich gegen meine Sucht, meine Gier nach Zärtlichkeit tun kann. Wie ich mich selbst beruhigen kann, ohne mich immer sofort und in Schnellschüssen in Abenteuer zu stürzen.

 

Im 1.Teil von Dale Carnegies Sorge dich nicht – lebe!“ geht es darum, den Tag zu nutzen, für den Tag zu leben. Ok, ich habe kaum Probleme damit, den Tag zu leben. Ich denke, mein Problem ist aber, dass ich bei (fast) allem, was ich tue, ein Ziel, einen Wunsch im Hinterkopf habe und deshalb – während ich den Tag lebe – auch krampfhaft versuche, das jeweilige Ziel zu erreichen. Ich kann nicht einfach so den Tag genießen! Und wenn ich dann das jeweilige Ziel nicht erreiche, bin ich enttäuscht und neige zu Kurzschlusshandlungen …

 

Ein Beispiel: “Den Tag nutzen” würde für mich heute bedeuten, abends in eine Bar tanzen zu gehen. Doch das würde ich nicht um des Tanzens willen tun, sondern ich hätte das Ziel, jemanden kennenzulernen, und mehr. Sollte ich dieses Ziel nicht erreichen, wäre ich enttäuscht und müsste mit meiner Enttäuschung fertig werden.

 

Die Lösung Carnegies wäre dann wohl, das nicht erreichte Ziel sofort abzuhaken, und den nächsten Tag vollkommen neu zu beginnen. Das ist für mich (noch) schwer zu realisieren …

 

Wenn ich versuche zu definieren wer, was, wie ich bin, fällt es mir leicht zu definieren, was ich möchte. Es fällt mir schwer zu definieren was ich bin. Also wieder die Ziele und Erwartungen. Ich scheine ein Mensch zu sein, dessen Dasein von Erwartungen – unerfüllten und, weniger: erfüllten – geprägt ist.

 

Vielleicht ist der Schlüssel für mich, einfach nur zu sein, einfach zu leben – ohne Ziele, ohne Erwartungen. I've got no expectations!“ Und Niederlagen sofort abhaken, sich damit abfinden, vergessen! Unangenehmes geistig akzeptieren und dann versuchen, es abzumildern. Gewillt sein, die Dinge so zu nehmen wie sie sind.

 

Wahrer innerer Frieden entsteht, wenn wir das Schlimmste hinnehmen können. Vielleicht ist ein besonderer Schlüssel noch, davon auszugehen, dass meine Erwartungen nicht erfüllt werden. Wenn ich mich auf das “Schlimmste” gefasst mache, kann es nur besser werden.

 

Wie kann ich weniger zielorientiert leben?

Und wenn ich schon teilweise zielorientiert bin, wie kann ich es zustande bringen, nicht abhängig vom Erreichen meiner Ziele zu sein?

 

Wenn ich das Leben/den Tag genießen möchte, muss ich mich schon in Situationen begeben, in denen ich den Tag genießen kann. Und das sind - außer Körperpflege, wie: ein Vollbad nehmen, Massage, Sauna etc. immer Situationen mit anderen Menschen. Denn in Situationen alleine neige ich zu Passivität/Konsum – Filme sehen etc., und das möchte ich nicht.

 

Ich muss lernen, ohne Erwartungen in Situationen mit anderen Menschen zu gehen. Auch ein Stück weit ohne Hoffnungen. Das kann ich – aus heutiger Sicht – am besten, indem ich mir die Erwartungen und Hoffnungen zwar zugestehe, gleichzeitig aber fest davon ausgehe, dass sie nicht erfüllt werden und dies schon im Vorfeld akzeptiere und mir schon im Vorfeld zurechtlege, wie ich damit umgehen werde, wenn meine Erwartungen nicht erfüllt werden (“Damit umgehen” kann definitiv nicht heißen, zu Erwartungen und Hoffnungen bezüglich der nächstfolgenden Situation überzugehen).

 

Nach Dale Carnegies Lehre sollte ich überlegen, was bei dieser Reise das Schlimmste, das passieren könnte, ist. Das Schlimmste wäre, dass keine einzige der geplanten Begegnungen zustande käme. Das Zweitschlimmste wäre, dass die eine oder andere Begegnung zustande kommt, aber sich im Verlauf der Begegnung nichts ergibt. Bei beiden Szenarien gäbe es keine schlimmen Konsequenzen für mich. Ich muss nur die Enttäuschung über meine nicht erfüllten Erwartungen und Hoffnungen akzeptieren. Ich muss das als Lotteriespiel sehen, das ich spielen muss, um irgendwann einmal einen Treffer zu haben. Und ich muss möglichst viel Interessantes sehen und erleben, um einfach an Erfahrungen, Eindrücken und Wissen über die Welt zu gewinnen.

 

Sich in Gedanken darauf vorbereiten, das Schlimmste zu akzeptieren - falls nötig – heißt doch nichts anderes als: Offen zu sein für alles was passieren kann! Und aus dem, was dann passiert, das Beste zu machen!

Nicht enttäuscht zu sein, zumindest nicht ab dem nächsten Morgen ...

 

6. März

 

Ich schlafe wieder mit Unterbrechung, aber insgesamt lange genug. Von etwa 9 Uhr abends bis 3 Uhr morgens, und von etwa 5 Uhr morgens bis 8 Uhr. Ich beeile mich mit dem Frühstück, weil ich schnell eine Mail an Jenesis schreiben möchte, um meine Enttäuschung über ihr Nichterscheinen auszudrücken, sie zu bitten, bis spätestens heute zu kommen und – wenn sie nicht kommt – mir das an sie transferierte Geld zurück zu erstatten. Sollte sie beides nicht tun, drohe ich damit, sie auf der Dating site sperren zu lassen, über die wir uns “kennengelernt” haben. Mehr kann ich nicht tun.

 

Ich rechne weder damit, dass Jenesis noch kommt, noch, dass sie mir das Geld überweist, doch ich möchte alles mir mögliche getan haben, um – nach Carnegie – die schlimmen Dinge abzumildern/zu ändern.

 

Ich gehe zur SM-Shopping Mall und stelle fest, dass sie erst um 10 Uhr öffnen – 1 ½ Stunden Wartezeit für mich (später lerne ich, dass diese für deutsche Verhältnisse späte Öffnung von Einkaufszentren hier auf den Philippinen Standard ist).

 

Ich versuche, auch aus dieser Situation das Beste zu machen (der Gang zurück ins Hotel kommt nicht in Frage, das lohnt sich nicht, und es ist jetzt schon zu warm dafür) und setze mich nach draußen, um die Leute auf der Straße zu beobachten. Viele Erkenntnisse gewinne ich nicht – die Frauen hier sind nicht besonders schön, schöne Frauen bilden die Ausnahme. Die Frauen sind nicht hochnäsig, eher schüchtern. Sie sind auch nicht interessiert daran, (Blick-)Kontakt mit einem Ausländer aufzunehmen.

Die Männer sehen meistens ganz cool aus. Irene, die Tochter von Ernie, dem Taxifahrer, erzählte mir vorgestern, dass die philippinischen Männer “süß” seien, aber oft zwei Frauen parallel hätten (ich hatte ein von ihrem Vater vermitteltes Date mit Irene in einem Strandrestaurant).

 

Endlich in der Shopping Mall wechsele ich Euro in Pesos und stürze zum Internetcafé. Dort erleide ich einen Schock – obwohl ich mich seit gestern auf das Schlimmste vorzubereiten versuche: Es gibt eine Mail von Mary Jane und sie schreibt mir, dass sie mich nicht treffen kann, weil sie deprimiert sei und im Moment nicht bereit für eine Beziehung ist. Mein Blutdruck geht nach unten, mir wird etwas schwindelig. Von den vier geplanten Treffen erschien mir das mit Mary Jane – neben dem mit Neneng – das sicherste zu sein. Umso enttäuschter bin ich von ihrer Mail. Ich antworte ihr und erkläre, dass ein Nichttreffen nicht in Frage käme, ich hätte schon alles bezahlt und bekäme das Geld nicht zurück. Wir sollten uns – als Freunde – treffen und dann weitersehen.

 

Wenn ich versuche, die vier Frauen zu verstehen, mit denen ich mich verabredet hatte, kann ich feststellen, dass ich Jenesis und Mary Jane Geld überwiesen habe. Beiden habe ich signalisiert, dass eine große Menge Geld von mir im Moment aber nicht zu erwarten sei. Beide haben abgesagt. Emy, mit der ich mich ursprünglich treffen wollte, hat auch abgesagt – obwohl ich auch ihr erklärte, dass mein Flug schon bezahlt wäre. Auch Emy habe ich einmal signalisiert, dass von mir keine finanzielle Unterstützung kommen wird, solange ich in Deutschland bin. Bei Emy könnte auch ein anderer Mann im Spiel sein.

 

Es bleiben Bella und Neneng. Beiden habe ich kein Geld gegeben. Beiden habe ich aber signalisiert, dass ich nicht bereit sei, Geld an sie zu transferieren, solange ich noch in Deutschland bin.

 

Die Frage ist nun, ob es einen Unterschied macht, ob die Frau schon Geld von mir erhalten hat oder nicht. Wenn ja, dann könnte ich noch auf ein Treffen mit den beiden hoffen.

 

Wenn nein, und wenn es eher darum geht, zu testen, wie zahlungswillig und zahlungsfähig der Mann ist, muss ich davon ausgehen, dass kein einziges der geplanten Treffen zustande kommt!

 

Davon sollte ich jetzt ausgehen, es akzeptieren, und überlegen, wie ich damit umgehen kann.

 

Nach dem Internetcafé kaufe ich im Supermarkt ein und begegne dann auf dem Weg hinaus einer schönen Frau, die mir lange direkt in die Augen sieht und mich anlächelt. Ich schmelze dahin!

 

Ich bin schon draußen und entscheide mich dann, umzukehren und vor dem Supermarkt auf sie zu warten. Als sie mit ihrer Freundin hinauskommt, folge ich den beiden und spreche sie dann an. Es redet in der Folge hauptsächlich die Freundin mit mir, meine Auserkorene ist zu schüchtern.

 

Es stellt sich heraus, dass die beiden in meinem Hotel arbeiten und die Frau mir zulächelte, weil sie mich erkannte – ich aber nicht sie. Wieder eine zerschlagene Hoffnung – ihr Lächeln hatte wohl nur die Ursache des Wiedererkennens. Die beiden sagen, wir könnten am Freitag gemeinsam tanzen gehen, ich schlage ein früheres Treffen, nach Feierabend, vor. Auch hier sollte ich mir keine Hoffnungen machen ...

 

Mein inneres Problem, und damit das, was ich noch lernen muss, ist dies: Selbst wenn ich Gründe weiß, weshalb das Schlimmste passieren wird und meine Erwartungen nicht erfüllt werden, schwingt gleichzeitig immer noch die Hoffnung mit, und ich male mir in Tagträumen Situationen aus, in denen etwas Gutes passiert. Das macht es mir dann schwer, damit klarzukommen, wenn tatsächlich ausschließlich das Schlimmste passiert.

 

7. März

 

Wow, gestern Nacht war für mich das Schönste, was ich seit sehr, sehr langer Zeit erlebt habe! Ich habe mich seit vielen Jahren nicht so amüsiert, nicht soviel Spaß gehabt. Auf der einen Seite zeigt mir das, wie gut es ist, offen zu bleiben, vom Schlimmsten auszugehen, um dann umso glücklicher und positiv überrascht zu sein, wenn nicht das Schlimmste eintritt, sondern etwas Schönes.

 

Auf der anderen Seite habe ich gestern selbst in den schönsten Momenten immer noch mein Ziel angestrebt, meine Hoffnungen gehabt (Erwartungen konnte ich zumindest ausschalten). Damit zerstöre ich etwas die Magie des schönen Moments – für mich selbst und für andere Hauptpersonen. Es gelingt mir noch nicht, in Situationen nur zu sein – ohne Ziele.

 

Was passierte: Gestern Nachmittag übergab ich meiner Auserkorenen, Jasmin, einen Hamburg-Teddy, berichtete ihr, was ihr Lächeln in der Shopping Mall mit mir gemacht habe und erklärte ihr, dass ich mich nach ihrem Feierabend gerne mit ihr treffen würde. Sie sagte, sie wisse nicht, ob das ginge. Sie würde bis 21:30 Uhr arbeiten. Ich sagte, dass ich gegen 21:15 Uhr da sein würde, um auf sie zu warten. Ich sagte ihr meinen Namen und las den ihren von ihrem Namensschild ab.

 

Danach versuchte ich in meinem Hotelzimmer, meine Erwartungen herunterzuschrauben und vom Schlimmsten auszugehen. Ich ging davon aus, dass ein Treffen mit Jasmin nie zustande kommen würde, dass sie mir vielleicht sogar direkt sagen würde, dass sie kein Interesse an mir habe. Ich ging davon aus, dass sie in einen anderen Mann verliebt sei (ich hatte beobachtet, wie positiv sie auf einen Filipino reagierte, der auf der Bildfläche erschien). Ich ging davon aus, dass - selbst wenn ein Treffen zustandekommen würde – nichts weiter passieren würde.

 

Trotzdem blieb in mir die Hoffnung und ich hatte Tagträume von Jasmin und mir.

 

Am Abend begrüßte sie mich zunächst formell mit “Yes, Sir“, was mich enttäuschte (erst viel später sollte ich lernen, dass das auf den Philippinen …). Ich fragte sie, ob sie meinen Namen vergessen hätte. Später sprachen wir sehr nett, ich war supercharmant, und teilweise amüsant. Ich bot ihr mehrere Möglichkeiten für ein Treffen an, immer mit der Aussage, dass es ihre Entscheidung wäre. Sie sprach von einer Verschiebung ihrer Arbeitszeit für den nächsten Tag, weshalb ein Treffen am Abend oder am nächsten Morgen schwierig wäre …

 

Etwas später kam plötzlich ein überraschender Vorschlag: Wenn ich damit einverstanden wäre, dass ihre Kollegin mitkäme, könnten wir doch am Abend etwas unternehmen. Ich war natürlich einverstanden und wir einigten uns gemeinsam mit der Kollegin, Melissa, darauf, eine Art “Karaoke-Raum”, “Green Box“, zu besuchen. Dort könnte ich besser mit Jasmin sprechen als in einer Diskothek. Der “Fachbegriff” für diesen Videoke-Raum ist wohl “KTV Bar”.

 

Es kam dann noch eine weitere Kollegin, Ednel, hinzu – sie sagten, dass dann Melissa mit Ednel und ich mit Jasmin sprechen könnten.

 

Ich musste sehr lange auf die 3 Frauen warten und befürchtete schon, sie hätten mir nur Sand in die Augen gestreut oder Jasmin wolle mir nicht offen sagen, dass sie sich nicht mit mir treffen möchte. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, die Hotelangestellten würden in ihren eigenen Apartments außerhalb des Hotels leben, und ich ging davon aus, das Schlimmste wäre eingetreten und die Frauen hätten das Hotel schon längst durch einen Hinterausgang verlassen. Ich sagte mir aber auch, ich sollte nicht so absolut negativ denken wie mein Freund Alex.

 

Doch dann kam sie ...

 

Wir nahmen ein Taxi und der Spaß begann. Melissa war sehr lustig. Jasmin taute immer mehr auf. Ich machte den einen oder anderen Scherz.

Wir gingen in ein Etablissement, das zunächst wie ein Puff erscheinen mag. Unten der Empfang, dann ein Treppenhaus, 3 Etagen und Zimmer. In jedem Zimmer gibt es ein Sofa, Sessel, einen Tisch, einen Fernseher und eine Gesangsanlage mit 2 Mikrophonen. Wir buchten ein Zimmer für 3 Stunden und bestellten uns Getränke und Chips.

Im Zimmer gibt es umfangreiche Listen mit Songs und wir wählten Songs aus, sangen Karaoke und tanzten. Wir hatten sehr viel Spaß, ich amüsierte mich prächtig!

 

Jasmin und ich sprachen. Ihre erste Frage: “Wie alt bist du?“ Sie ist 23, wird am 10. März 24. Sie hat eine dreijährige Tochter. Sie ist seit 2 Jahren vom Vater des Kindes getrennt, die Beziehung dauerte 2 Jahre. Sie studiert Hotelmanagement und wird in 6 Monaten ihr Studium abschließen. Der zukünftige Job im “Kingston Lodge“, dem Hotel, ist ihr sicher (jetzt ist sie ein Trainee). Sie fragte auch über mich, und ich erzählte ihr von mir. Es kam aber kein intensives Gespräch zustande, vielleicht wegen der Lautstärke der Musik, vielleicht weil sie nicht Feuer fängt und kein intensives Interesse an mir entwickelt.

 

Sie berührte mich, als wir im Taxi nebeneinander saßen, sie berührte mich auch auf dem Sofa. Zufall oder Absicht? Mit zunehmenden Zeitfortschritt versuchte ich mein Ziel umzusetzen, mehr Körperkontakt, eine Umarmung oder sogar einen Kuss zu erreichen. Dabei zerstörte ich etwas den Moment, verkrampfte leicht. Ich legte vorsichtig meine Hand auf ihren Rücken, doch ich merkte schon, dass sie nicht empfänglich darauf reagierte. So blieb es, bis wir uns später im Hotel “Gute Nacht“ sagten.

 

Am Ende des Abends war ich leicht euphorisch – leider nicht ganz “neutral” zu sehen, sondern eventuell minimal beeinflusst von einem Glas Rumtee, das ich getrunken hatte – und bedankte mich bei den Frauen für den schönen Abend. Wir gingen noch kurz durch das Zentrum von Cagayan de Oro, liefen in der Dunkelheit durch nun einsame Einkaufsstraßen, über uns hingen schon die Girlanden, Plakate und Stofffiguren, die das nächste Volksfest, die nächste Fiesta oder Straßenparade ankündigten. Wir liefen vorbei an den Eingangstüren von Restaurants und Clubs, einige Male konnte ich einen Blick durchs Fenster hinein werfen. Dann fuhren wir ins Hotel, sie auf ihre Zimmer, ich auf meines …

 

Jasmin ist in meinem Kopf, ihr Bild vor meinen Augen. Doch ich weiß, dass sie mich zwar mag, aber keine Beziehung mit mir aufnehmen möchte. Sie möchte ihre Ausbildung beenden und für ihre Tochter sorgen. Sie sagte zu mir, dass ich sicherlich jemanden zum Heiraten auf den Philippinen finden werde. Ich sagte ihr, dass ich diesen jemanden schon gefunden hätte (sie!). Sie verstand das, reagierte aber nicht darauf.

 

Ich bin so hungrig auf Liebe, dass ich mich kaum unter Kontrolle halten kann und oft zu direkt an die Frauen herangehe. Dass mir die Kontrolle sehr schwerfällt, liegt aber auch ein Stück weit an der Einsamkeit und Langeweile, die ich hier empfinde.

 

Am Nachmittag entspanne ich mich bei wunderbaren Wetter an einem kleinen Tisch auf der Rasenfläche des Hotels, trinke Kaffee und lerne Graham kennen, einen 70-jährigen Neuseeländer. Wir kommen ins Gespräch über das Klima in Asien – bis er mir von seinen Erlebnissen mit Frauen auf den Philippinen erzählt, und ich ihm von den meinen. Es stellt sich heraus, dass er schon auf eine mehrjährige Erfahrung mit einschlägigen Begegnungen verweisen kann. Eine Frau zum Heiraten sucht er gar nicht mehr, er hat für sich entdeckt, dass kurze Kontakte und Spaß haben viel befriedigender ist. Geld muss man dabei wohl immer etwas bezahlen, und sei es in der Form von Geschenken.

 

Graham zeigt mir zwei interessante Webseiten und empfiehlt mir, für die Annahme, dass mein Treffen mit Mary Jane in Mandaue/Cebu nicht zustande kommen wird, mich schon jetzt nach “Ersatz” umzusehen. Ich gehe ins Internetcafé, registriere mich und schaue mich um.

 

Nach der Euphorie der letzten Nacht falle ich heute in ein Loch – hauptsächlich wegen Jasmin. Ich muss aufpassen ...

 

Ernie, der Taxifahrer, und seine Tochter Irene (die angekündigt hatte, gestern oder heute zu mir ins Hotel zu kommen) tauchen auch nicht mehr auf. Ich vermute, weil sie gesehen haben, dass das Geld bei mir nicht so locker sitzt.

 

Sollte ich Jasmin sofort abhaken, vergessen? Vorher möchte ich mit ihr sprechen, alles versuchen, noch ein Treffen hinzubekommen. Aber davon ausgehen, dass das Schlimmste passiert, sie ein Treffen ablehnt und mir erklärt, sie habe absolut kein Interesse an mir.

 

Bei allem, was ich auf dieser Reise tue, sollte ich mich an Alex' Worte erinnern: Ich muss erkennen, wann ein

Ja“ eigentlich ein “Nein“ bedeutet. Ich muss wissen, dass es in manchen Kulturen Schwierigkeiten gibt, “Nein“ zu sagen. Wie bei Ernie, der lieber das Telefon auflegte, als “Nein“ zu sagen (er wollte mir nicht die Telefonnummer seiner Tochter geben).

 

Am Abend versuche ich es noch einmal bei Jasmin. Ich nehme ihr den Druck, sage, dass wir nicht unbedingt heiraten müssten. Ich sage ihr, dass ich ihr gerne bei ihren Fahrkosten und Ausgaben für ihre Familie helfen möchte. Ich sage ihr, dass ich mich in sie verliebt habe, speziell in ihr Lächeln. Ich sage, dass wir einfach so bis zu meiner Abfahrt am Samstag Zeit miteinander verbringen könnten. Jeder würde Liebe brauchen und ich würde gerne sehr zärtlich zu ihr sein.

 

Jasmin ist zurückweisend. Sie sagt, wir könnten Freunde sein. Sie sagt, dass sie morgen Abend keine Zeit habe. Sie vermeidet Körperkontakt mit mir, bleibt auf Distanz. Als es mir gelingt, ihre Hand zum Abschied zu bekommen und ich ihre Hand küssen möchte, zieht sie diese zurück.

 

Wie gehe ich damit um? Ich ging vom Schlimmsten aus, einer Zurückweisung. Aber ich hoffte noch. Ich versuchte, das Schlimmste zu ändern. Das werde ich auch morgen versuchen, sie weiß jetzt, was ich will und kann sich entscheiden.

 

Ich werde gleich morgen früh damit fortfahren, Treffen in 3 verschiedenen Städten, beginnend mit dieser Stadt, Cagayan de Oro, über das Internet zu organisieren.

 

Bislang bin ich noch relativ gefasst. Die große Frage ist aber – wie immer –, ob die großen und kleinen Enttäuschungen – das Nichterscheinen von Jenesis, die Mail von Mary Jane, die Zurückweisung seitens Jasmin – innerlich Spuren hinterlassen. Ich denke, dass ich Jenesis gedanklich abgehakt habe. Die Kosten für den Flug nach Cagayan und das Hotel haben sich allein schon durch die wunderbare letzte Nacht gelohnt. Bei Mary Jane und Jasmin versuche ich noch, das Schlimmste zu ändern ...

 

8. März

 

Ich habe mich umentschieden. Ich werde nicht mehr aktiv versuchen, ein Treffen mit Jasmin hinzubekommen. Sie weiß jetzt, was ich will und kann auf mich zukommen, wenn sie möchte. Ich kann mich allenfalls am Nachmittag und Abend ein-, zweimal zeigen, um ihr die Gelegenheit dazu zu geben.

 

Doch das wird nicht passieren. Jasmin ist nicht dumm, und sie ist stolz. Hinzu kommt, dass sie wahrscheinlich andere Männer hat, die um sie werben.

 

Für sie spielt das Alter auch eine wesentliche Rolle. Das war ihre erste Frage an mich.

Ich überlege noch, ob wir bei Facebook Freunde werden sollten, wie von ihr vorgeschlagen …

 

Pünktlich um 10 Uhr bin ich im Internetcafé und versuche Treffen zu organisieren. Gut: Es haben tatsächlich 6 Frauen positiv auf meine Einladung zum Treffen in Mandaue reagiert (wobei das nichts heißen mag, es könnte sich noch herausstellen, dass die eine oder andere Transportkosten als Vorschuss von mir möchte oder nicht am Flughafen erscheint oder erscheint, mich sieht und erlebt, und dann den ganzen Plan abbläst – da hilft nur: Vom Schlimmsten ausgehen, immer lächeln und innerlich positiv und gefasst sein).

 

Schlecht: Eine neue Mail von Mary Jane. Sie sagt noch einmal, ich solle mein Ticket zurückgeben, sie könne mich nicht treffen. Ich sage erneut, dass das nicht ginge und appeliere an ihre Freundschaft und Ehrlichkeit.

 

Es gibt schnelle Rückmeldungen für Treffen in Cagayan de Oro und Davao City. Nach 4 Stunden kann ich nicht mehr und kehre ins Hotel zurück. Dort erwartet mich eine lächelnde Jasmin (ich schmelze dahin!) und eine Kollegin, die mich für den Abend zum gemeinsamen Schwimmen einlädt.

 

Ich stürze gleich zur Rezeption, leihe mir ein Handy und rufe bei 2 Kontakten in Cagayan de Oro an. Der Vorschlag, mit Jasmin und ihren Kolleginnen und Kollegen schwimmen zu gehen, reizt mich nicht besonders - ich würde lieber ein Quäntchen Zärtlichkeit erfahren. Und die Chance, dass sich da etwas mit Jasmin entwickelt, sehe ich als “Null“ an (Wieder denke ich so zielorientiert und bin nicht offen. Vielleicht würde es wieder so ein netter Abend wie vorgestern werden).

 

Leider stellt sich heraus, dass die Kontakte nicht in Cagayan de Oro sind/wohnen, sondern 1 bis 6 Stunden Fahrzeit davon entfernt, in anderen Städten. Die eine bittet mich, ihr Geld für die Busfahrt zu senden, was ich ablehne. Die andere gackert mit ihren Freundinnen/Schwestern, was ich nicht mag.

 

Die ganze Kommunikation ist schwierig und geprägt von technischen Unzulänglichkeiten und fehlendem Guthaben oder Batterieladung. Es gefällt mir nicht, dass Jasmin meine Schwierigkeiten beobachten kann, vielleicht hört, dass ich mit Frauen spreche, vielleicht es von ihrer Kollegin (der Handy-Besitzerin) erzählt bekommt. Der Gedanke, als Lustmolch zu gelten, ist mir peinlich.

 

Nach dem Essen (wie immer these days: 4 Käsetoastbrote) und missglückten Versuchen, 2 andere Kontakte anzurufen, gehe ich zurück ins Internetcafé und organisiere weiter Treffen.

 

Ich kann auf zwei Dinge ein klein wenig stolz sein: Erstens habe ich heute wenig Geld ausgegeben, bin dadurch wieder im Plansoll und spare schon ein wenig für Davao und Mandaue. Zweitens ist es mir gelungen, mich zu kontrollieren und keinerlei Kurzschlussaktionen zu machen. Ich ging auch nicht auf die Angebote meiner Kontakte ein. Und ich rief einen Kontakt, der mir sehr geldgierig erschien, gar nicht an. Ich werde bis mindestens Davao stark bleiben. Sollten sich die Dinge dort negativ entwickeln, werde ich trotzdem versuchen, bis Mandaue stark zu bleiben. Sollten sich die Dinge auch dort negativ entwickeln, werde ich versuchen, bis Bandung stark zu bleiben …

 

Ich wage zu hoffen, dass Bella mich nicht enttäuschen wird. Wenn sie halbwegs ehrlich ist, würde sie mir schreiben, falls sie mich nicht treffen möchte. Das hat sie bisher nicht getan. Sie könnte es noch bis morgen tun, danach müsste sie davon ausgehen, dass ich schon unterwegs bin. Ich warte ab, ob von ihr etwas kommt …

 

Wenn sie mich treffen möchte, wäre das Schlimmste, was passieren könnte, dass ich sie in Malalag abholen müsste – das würde ich verkraften.

 

Trotz meiner allgemeinen Kontrolle bin ich innerlich weiterhin so hungrig nach Liebe, dass ich mich selbst mit Schaum vor dem Mund herumlaufen sehe. Ich spüre, dass ich immer intensiver Frauen ansehe, und habe Befürchtungen, dass die Frauen meinen Hunger unangenehm bemerken. Die Kontakte in Mandaue, Cagayan de Oro und Davao haben ihn mit Sicherheit bemerkt ...

 

Die Strategie für die nächsten 3 Wochen könnte sein, im Falle, dass die geplanten Treffen mit Bella und Neneng zustande kommen, langsamer zu agieren, am ersten Tag nur bis zum ersten Kuss zu gehen. Bei anderen Treffen, also höchstwahrscheinlich in Mandaue, eventuell auch in Davao, könnte ich mehr riskieren.

 

9. März

 

Ghazal sagt, das Leben sei zu kurz, man solle es genießen (sinngemäß, wenn ich mich recht erinnere). Vielleicht hätte ich doch gestern Abend mit zum Schwimmen gehen sollen – ohne Ziele, einfach den Moment leben …

 

Es gibt noch Versuche mit Kontakten in Cagayan de Oro, doch die Zeit ist zu kurz. Eine sagt mir am Telefon zu, um 4 Uhr zum Hotel zu kommen. Ich erwarte das nicht, bleibe aber bis 4:35 Uhr vor dem Hotel sitzen. Es ist heiß und staubig dort am Straßenrand, es gibt kaum Schatten. Ich lese ein Buch, versuche mich zu konzentrieren und nicht von den vorbeigehenden Menschen, den Autoabgasen und der bleiernen Hitze ablenken zu lassen. Schließlich gehe ich ins Internetcafé.

 

Ich war heute viel weniger begierig als in den letzten Tagen. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass ich viel zu beschäftigt war. Ich verbrachte etwa 6 Stunden im Internetcafé und am Telefon, viel Zeit verwendete ich für Körperpflege, etwas Zeit für Lesen und Jasmin anschauen.

Ich habe wieder etwas Geld gespart.

Ich bin stark geblieben bis Davao.

 

Ab morgen greift meine neue “Graham”-Taktik. Es wird eine Frau, Joanne, die Nacht mit mir im Hotel verbringen. Ich habe ihr Zurückhaltung versprochen, ich bin schon froh, endlich wieder neben einer Frau zu schlafen.

 

Ich habe mich ansatzweise in sie verliebt. Die anderen Frauen aus Davao sind erstmal nicht sehr interessant. Sie sehen nicht sehr schön aus, oder ich konnte sie nicht erreichen, um dann ein Treffen zu vereinbaren.

 

Ich habe Bella eine Mail geschrieben, ob sie die Busfahrt nach Davao bezahlen könne. Ich werde natürlich als erstes in Davao bei ihr anrufen, dann bei Joanne. Doch ich rechne mit dem Schlimmsten bezüglich Bella und habe sie fast schon innerlich abgeschrieben. Sie hat allerdings keine Mail gesendet.

 

Jenesis – abgeschrieben. Mary Jane – hat mir heute wieder ablehnend korrespondiert – abgeschrieben, ich habe schon Alternativen in Mandaue gefunden. Jasmin – siehe unten. Jetzt freue ich mich auf Joanne. Ich hoffe auf einen wunderbaren Samstagabend und einen herrlichen gemeinsamen Sonntag. Dann wird man sehen …

 

Heute hatte ich mit zwei Frauen in der Shopping Mall angenehmen Augenkontakt ...

Am ersten Tag sollte ich nicht einmal bis zum ersten Kuss gehen, das habe ich schon gelernt. Höchstens ein Küsschen auf die Wange. Der erste Kuss kommt am zweiten Tag ...

Eine 18-jährige aus Davao fragte mich – angesichts meiner sehr direkten Avancen -, ob ich verrückt sei …

 

Nun zu Jasmin: Wir blieben heute beide relativ cool, sie natürlich mehr als ich. Ich fragte sie, ob sie noch immer bei Facebook mit mir befreundet sein möchte und wir tauschten unsere Namen und Mailadressen aus. Ich schieb ihr dann im Internetcafé eine lange, offenherzige, sehr emotionale Mail und gratulierte ihr zu ihrem Geburtstag. Die Mail kam zurück – Empfänger unbekannt!

 

Bei Facebook konnte ich sie unter ihrem angegebenen Namen nicht finden …

 

Ich war leicht enttäuscht und verärgert, versuchte gegenzusteuern. Vielleicht lag es daran, dass die Filipinos nicht “Nein” sagen möchten. Sie hatte also falsche Angaben gemacht.

 

Zurück im Hotel erfuhr ich, dass sie schon mit einer Kollegin entschwunden war. Gemeinsam feiern in Downtown. Toll, dass sie mich nicht eingeladen hatte. Ein Kollege war so nett, ihre Handynummer zu erfragen, ich sprach mit ihr. Sie sagte, die Angaben wären korrekt gewesen und verprach mir, sich bei mir elektronisch zu melden. Abwarten …

 

Es ist verrückt – ich habe wegen Jasmin Liebeskummer, das habe ich seit 22 Jahren nicht erlebt! Ich benehme mich ihr gegenüber nicht wie ein über 40-jähriger, sondern wie ein Schuljunge. Wenn ich sie nicht sehe, hält sich noch alles im Rahmen, wenn ich sie sehe, verliere ich fast den Verstand.

 

10. März

 

Nach 7 Stunden Schlaf wache ich um 6:30 Uhr auf und verlasse nach 7 Uhr das Hotel. Der Bus nach Davao fährt gegen 8:15 Uhr ab. Ich sehe auf der achtstündigen Fahrt (viele Unterbrechungen wegen Straßenarbeiten) zum ersten Mal ein Stück Landesinneres. Ich stelle fest, dass die Landschaften auf der südlichen Halbkugel oder in Äquatornähe, die ich kenne, gar nicht so unähnlich sind, ob es Südamerika, Afrika oder Asien ist. Es gibt hier viele Bananenbäume und einige Palmen, Häuser und Boden erinnern mich an Äthiopien. Hier ist es allerdings weniger arm als in Afrika. Zwischendurch kommen wir durch ein kleines Gebirge, die Landschaft ist grüner als in Küstennähe, die dichteren Baumgruppen und Pflanzen erinnern mich an die Busfahrt von Rio de Janeiro nach Belo Horizonte.

 

Ich komme um etwa 5:30 Uhr nachmittags im Hotel an und rufe nach dem Einchecken als erstes bei Bella an. “Unattended”, das Telefon ist wahrscheinlich ausgeschaltet. Im Laufe des nächsten Tages bin ich zwar leicht traurig über Bellas Nichterscheinen, aber nicht so enttäuscht – ich habe das schon erwartet und versucht, mich darauf einzustellen.

 

Ich rufe bei Joanne an und sie kommt eine Stunde später ins Hotel. Wir fahren zusammen zu “Jack's Ridge”, einem großen, offenen Restaurant mit grandiosem Panoramablick über die Stadt. Dunkelheit bricht herein, wir schauen auf die flimmernden Lichter Davaos. Das ist wie die Szene mit Ryan Gosling und Emma Stone in “La La Land”, in der sie auf die Lichter des nächtlichen Los Angeles hinabblicken. Es ist romantisch, ein Ort, beinahe geschaffen für Liebespaare - aber nun einmal auch ein Platz und eine Atmosphäre, die wir mit den anderen Gästen teilen müssen. Joanne gibt mir Signale, die ich sowohl positiv als auch negativ interpretiere.

 

Wir brechen auf, fahren zu Joannes Wohnung und bald geschehen einige positive Dinge: Ich warte in einem Fastfood-Restaurant auf Joanne, wir wollen – wie verabredet – die Nacht gemeinsam im Hotel verbringen, ohne dass etwas passiert. Sie kommt und teilt mir mit, dass sie doch nicht kommen könne, weil es ihre Tante, bei der sie wohnt, nicht erlaubt hätte. Ich bin enttäuscht und zeige es. Ich bestehe darauf, dass Joanne das macht, was sie selbst möchte und mit ins Hotel kommt. Wir hätten das so geplant und sie sei erwachsen und könne für sich selbst entscheiden.

 

Im Laufe der Diskussion kommen wir uns näher. Ich berühre sie mehrmals und nehme ihre Hand. Sie bringt zum Ausdruck, dass sie unbedingt in der folgenden Nacht ins Hotel kommen möchte. Ich spüre, dass sie an mir interessiert ist.

 

Schließlich einigen wir uns auf einen meiner Kompromissvorschläge: Sie kommt mit ins Hotel und wird das Hotel gegen 5:30 Uhr verlassen, um rechtzeitig, bevor ihre Tante aufwacht, zuhause zu sein, so dass die Tante ihre Abwesenheit gar nicht mitbekommen wird.

 

Ich verstehe, wieviel Joanne tut, um mich nicht zu verlieren (womit ich gedroht hatte). Dass sie mit mir ins Hotel kommt, ist für mich gleichbedeutend mit einem ersten Kuss!

 

Im Hotel waschen wir uns (getrennt) und liegen schon auf dem Bett, als das Telefon klingelt und Joannes höchst verärgerte Schwester Joanne damit droht, alles auffliegen zu lassen. Ich bin damit einverstanden, dass Joanne nach Hause fährt. Sie erklärt mir, dass auch bei einer Begegnung mit einem Filipino dieser sich erst einmal bei der Familie der Frau vorstellen müsse, bevor diese die Nacht mit ihm verbringen dürfe.

 

Beim Abschied möchte sie von mir einen Kuss auf die Wange bekommen ...

 

 

11. März


Ich kann nicht sofort einschlafen, so aufgeregt bin ich nach der Begegnung mit Joanne. Ich denke an sie, an Situationen unseres Abends … und an kommende Situationen.

 

Das Zimmer hier ist bei weitem nicht so gut wie das in Cagayan de Oro. Es ist klein, und es ist laut, so dass ich nachts des öfteren durch Geräusche und Stimmen im Flur aufwache.

 

Joanne weckt mich gegen 7:40 Uhr mit Kaffee und Frühstück von McDonalds. Es ist mir unangenehm, dass sie mich verschlafen sieht. Natürlich können wir nicht gleich die Atmosphäre zwischen uns, die wir gestern beim Abschied hatten, wiederaufnehmen. Sie sagt, dass wir uns in ihrem Lunch break sehen würden …

 

Ich komme erstmal in Ruhe hier an, rasiere mich und gehe dann ins Internetcafé. Bella hat sich nicht gemeldet und ist auch wieder nicht telefonisch erreichbar. Vielleicht wird irgendwann einmal eine Mail mir irgendeiner Ausrede kommen … Auf jeden Fall kann und sollte ich sie möglichst schnell abhaken.

 

Mary Jane hat wieder geschrieben, keine Antworten auf meine Fragen, keine Erklärungen, nur eine knappe Bekräftigung, dass sie mich nicht treffen kann. Ich antworte, indem ich an ihre christliche Nächstenliebe und an ihre Gastfreundschaft appeliere. Und ich frage sie, ob sie mir einen sicheren Schlafplatz am Strand empfehlen kann. Das wird natürlich nichts an ihrer grundsätzlichen Entscheidung ändern, ich hoffe höchstens noch auf ein Fitzelchen Hilfe von ihr.

 

Aber mal ehrlich: Vielleicht reibt mich dieses wiederholte Appelieren per Mail mehr auf, als wenn ich versuchen würde, die Sache möglichst schnell abzuhaken. 4 geplante Treffen, 3 Pleiten, das ist hart. Trotzdem sollte ich versuchen, auch in Bezug auf Neneng vom Schlimmsten auszugehen. Immerhin wollte sie EUR 50.- von mir, für ihre Fahrt zum Hotel, worauf ich mich nicht einließ …

 

Für heute werde ich nichts machen und mich ganz auf Joanne konzentrieren. Sollte es heute nicht so gut laufen wie gestern, kann ich mich morgen um jemand anderes bemühen, wahrscheinlich dann jemand weniger gut aussehendes ...

 

Außerdem würde ich mich morgen schon um Begegnungen in Mandaue und Bandung bemühen.

 

Ich muss mit meinem Geld aufpassen, ich kann nicht jeden Tag soviel ausgeben wie gestern.

 

Es haben mir auch Alex, Gertrud, Hans-Joachim und Jacqueline Kretschmer geschrieben. Von letzterer gibt es keine gute Nachricht bezüglich der Mietsache. Dass Gertrud und Hans-Joachim sich nach meinem Wohlbefinden erkundigen, rührt mich!

Macht mich aber auch einen Hauch traurig hier, einsam fühlend.

 

Ich bin erst vor einer Woche auf den Philippinen angekommen, doch es kommt mir länger vor. Cagayan de Oro, das Hotel, der Weg zur Shopping Mall … aber vor allem natürlich Jasmin sind noch sehr präsent in meinem Kopf. Jetzt muss ich mich erst einmal in Davao akklimatisieren. Wird Joanne mir dabei helfen?

 

Als ich noch in Hamburg war, konnte ich es in den letzten 2 Wochen nicht mehr erwarten wegzukommen. Ich hielt es kaum noch zu Hause aus, fühlte mich nicht wohl, wie eingesperrt mit meinem Schlafsack im Wohnzimmer. Ich war mir sicher, Jenesis zu treffen und wieder körperliche Nähe zu erfahren. Wie naiv ich war!

 

Jetzt denke ich an Nico und mir kommen die Tränen. Heute falle ich mal wieder in ein Loch, nach dem insgesamt gelungenen Abend gestern. Wie letzte Woche, am Tag nach dem Abend im Karaoke-Raum.

 

Hier wird übrigens auch Sonntags gearbeitet. Auch Joanne muss arbeiten, weshalb meine Hoffnungen auf einen großartigen gemeinsamen Sonntag geplatzt sind.

 

Heute ist (bis jetzt) kein guter Tag. Ich verspüre einen Hauch von Verliebtheit in Joanne. Es ist bezeichnend, wie schnell das bei mir geht, wie ich von einer Hoffnung zur nächsten stürze, oder besser: taumele. Bezeichnend, wie ich meinen Wunsch nach Liebe schnell wechselnd in verschiedene Personen hineinprojeziere.

 

Umso trauriger, dass die Sache mit Joanne nach einem Tag schon wieder vorbei zu sein scheint. Ich denke, dass sie mich wirklich mag, aber sie kann nicht die Konventionen in ihrer Familie überwinden. Am Nachmittag überrascht sie mich damit, dass ihre Tante nicht wolle, dass Joanne mit mir im Hotel übernachte. Das kann ich nicht akzeptieren, denn so bliebe uns kaum Zeit, um uns kennenzulernen. Also gebe ich Joanne die Blumen und das Geschenk für ihren Sohn, die ich gekauft hatte, und beende die Begegnung. Sie war übrigens zu diesem Treffen mit ihrer Schwester und Freunden gekommen, was ich als positiv auffasse.

 

Aber um ehrlich zu mir selbst zu sein: Wenn es mir wirklich um das Kennenlernen und den Aufbau einer langfristigen Beziehung gegangen wäre, hätte ich Joannes Weg akzeptiert, hätte ihre Freunde und ihre Familie kennengelernt und wäre in einigen Monaten wieder nach Davao gekommen.

 

Doch darum ging es mir nur als eventuellen zweiten Schritt. Der erste Schritt wäre Zärtlichkeit gewesen, und den konnte sie nicht mit mir gehen.

 

Letztendlich ging es mir bei allen vier geplanten Treffen hier um Körperkontakt, darum endlich wieder Zärtlichkeit zu geben und zu erfahren. Wenn bei einem Treffen auch der zweite Schritt, der Aufbau von etwas Langfristigem, sich als möglich herausgestellt hätte, umso besser, dann hätte ich neue Hoffnung gehabt.

 

Ich bin ein wenig traurig, denn ich mochte Joanne sehr gerne und ich vermisse sie schon jetzt. Aber vielleicht ist es gut so, denn ich sollte mich auch daran erinnern, was ich eigentlich will: Entweder eine zärtliche Romanze ohne zu große Erwartungen auf beiden Seiten, hier. Oder eine Beziehung mit einer Frau ohne Kind, um mit ihr einige Jahre in Unabhängigkeit das Leben genießen zu können. Danach vielleicht Kinder. Beide Optionen waren mit Joanne nicht möglich.

 

Es gibt heute ein weiteres wichtiges und trauriges Ereignis: Nach mehreren vergeblichen Versuchen erreiche ich Bella telefonisch. Beim ersten Gespräch sagt sie mir, sie hätte kein Geld für die Fahrt nach Davao. Beim zweiten Gespräch biete ich ihr an, nach Mahalag zu kommen, um sie abzuholen. Sie sagt: “It's up to you”. Ich frage sie noch einmal, ob sie bereit sei, bis Samstag mit mir im Hotel in Davao zu bleiben. Sie bejaht. Dann aber plötzlich, im Zuge der üblichen Verständnisschwierigkeiten am Telefon, macht sie eine Kehrtwende und bittet mich, ihr das Geld für die Fahrt nach Davao zu senden. Ich sage, dass ich sie gerne abholen würde, das wäre nicht kompliziert und ich würde dann auch ihre Heimatstadt sehen. Sie sagt, ich würde ihr nicht trauen und legt den Hörer auf.

 

Was soll ich darüber denken? Was soll ich machen? Wir haben uns noch nie gesehen und ich habe schlechte Erfahrungen mit anderen Frauen gemacht. Wenn ihr die Begegnung mit mir wirklich wichtig wäre, würde sie mich doch nicht aus Deutschland anreisen, ein Hotelzimmer für uns mieten und dann wegen so einer Kleinigkeit das Treffen platzen lassen ...

 

Auf der anderen Seite: Wenn ich ihr 500 Pesos für den Bus transferiere und sie das Geld kassiert, ohne zu kommen, wäre das kein großer “Gewinn” für sie. Was hätte sie von 500 Pesos? Könnte ihr dieser Vertrauensbeweis wirklich so wichtig sein?

 

Aber warum hat sie mir nicht einmal per Mail geantwortet und ihren Standpunkt dargelegt? Warum legt sie das Telefon auf?

Mit so jemand kann ich keine langfristige Beziehung aufnehmen.

 

Aber auch die “Graham-Methode” muss hinterfragt werden. Vielleicht beherrsche ich sie einfach noch nicht gut genug: Entweder wollen die Frauen Geld von mir, zu viel Geld. Oder sie sind so vorsichtig, dass Übernachten im Hotel und Schritt 1 allenfalls sehr spät in Frage kommen.

 

Nach dem, was mit Bella passiert ist, muss ich wirklich davon ausgehen, dass auch Neneng nicht kommen wird. Auch sie wollte Geld für die Fahrt ins Hotel, auch ihr habe ich geschrieben, dass ich sie lieber abholen würde.

 

Sie schrieb mir, dass ich sie doch nicht am vereinbarten Ort abholen könne. Ich sollte jetzt für mich entscheiden, ob ich so tun sollte, als hätte ich diese Nachricht nicht rechtzeitig gelesen – in der Hoffnung, dass sie alles tun wird, um zu mir zu kommen. Oder ob ich ihr antworten sollte, um die Dinge jetzt zu klären und keine Überraschung zu erleben wie mit Bella – nämlich, dass Neneng mir vor Ort am Telefon mitteilt, sie hätte kein Geld gehabt, um zu kommen und wolle mich auch nicht mehr treffen, weil ich ihr keines gesendet hätte.

 

und dann habe ich ein bewegendes Telefongespräch mit Emy, meiner ersten wirklich emotionalen Internet-Begegnung aus den Philippinen.Wenn ich sie richtig verstehe, sagt sie unter anderem, dass sie sehr viel arbeite, dass sie ihre Familie versorgen oder helfen müsse, und dass sie “nicht nur Blumen verkaufen” würde. Es ist vermutlich so wie ich schon länger geahnt habe: Sie muss sich Geld im horizontalen Gewerbe verdienen. Es ist so traurig!

 

Sie sagt mehrmals “My Craig”, so wie im Januar, als wir unsere Gespräche begannen. Ich frage sie, wie lange am Tag sie mich sehen könnte, wenn ich zu ihr käme. Sie antwortet: eine Stunde! Wenn ich sie richtig verstehe, schränkt sie selbt dies noch ein und sagt etwas wie da könnten aber andere Personen (“Customers”?) sein, die warten würden.

 

Ich frage sie, ob sie “schlechte Leute” getroffen hätte, sie bejaht. Ich frage sie, ob es eine Chance gäbe, dass sie von diesen Leuten loskäme, sie verneint. Emy tut mir so leid.

 

Ich werde sie wieder anrufen und sie erst einmal fragen,wo sie ist …

sie ist in Kidapawan, und das sind leider 4 Stunden mit dem Bus von Davao. Ich bin jetzt sehr traurig über Emy. Ihr Schicksal bewegt mich. Ich überlege, von der “Graham-Methode” Abstand zu nehmen.

 

Allerdings hatte ich mich schon für den Abend mit Joy verabredet …

 

Ich habe ein gutes Gespräch mit der Hotel-Rezeptionistin und erzähle ihr meine ganze Geschichte. Sie sagt, ich solle vorsichtig sein, viele (nicht alle) Filipina hätten hauptsächlich finanzielle Interessen. Sie glaubt auch Bella nicht, sondern liegt gleich mit meiner Interpretation.

 

Joy kommt mit zwei Freundinnen, Jizibil und Jill, wobei mir Jizibil fast mehr zusagt als Joy. Und sie ist auch bei “DateInAsia”! Insgesamt ist das Treffen nicht sonderlich nach meinem Geschmack (wir gehen in eine Coffee Bar), vielleicht weil ich nicht ungestört mit Joy reden kann, vielleicht weil die drei etwas unter sich reden.

Vielleicht auch, weil ich Joy einfach nicht so gerne mag.

 

Ich muss aber auch endlich verstehen, dass es ein falsches Vorhaben von mir war, die “Graham-Methode” anwenden zu wollen. Das kostet selbstverständlich auch etwas Geld, das ist nicht mit 1000 Pesos für eine Woche getan, sondern eher mit 1000 Pesos für einen Tag. Soviel Bargeld habe ich gar nicht zur Verfügung!

 

12. März


Gestern abend und jedes Mal, wenn ich in der Nacht aufwachte, musste ich sehr intensiv an Emy denken. Ihr Schicksal berührt mich zutiefst, ich bin innerlich völlig aufgewühlt.

 

Ich reime mir jetzt alles so zusammen, dass Emy schon angefangen hatte, im horizontalen Gewerbe zu arbeiten, bevor wir uns kennenlernten. Für sie war “International Cupid” die womöglich letzte Hoffnung, aus den Klauen ihres Zuhälters und aus ihrem jetzigen Leben herauszukommen.

 

Als wir dann chatteten und ich ihr schrieb, dass ich das Gefühl hätte, für sie zu sorgen und sie zu beschützen, glaubte sie, ihren Retter gefunden zu haben. Sie war sich sehr sicher mit mir und schaltete deshalb ihr Profil auf “International Cupid” ab, wahrscheinlich auch aus Angst, dass es ihr Zuhälter entdecken könnte.

 

Als sich ihre finanzielle Situation vor ihren letzten Prüfungen verschärfte, bat sie mich einmal um Hilfe (was sie eigentlich vermeiden wollte). Ich lehnte ab, weil wir uns noch nicht getroffen hatten, und verwies auf die europäische Kultur.

 

Das zwang Emy vermutlich, sich in einen Abwärtsstrudel und größere Abhängigkeiten und Zwänge zu stürzen. Gleichzeitig zog sie sich von mir zurück, weil sie zu erkennen glaubte, dass ich sie nicht in der von ihr erhofften Form retten würde.

 

Es stellt sich jetzt heraus, dass sie nicht nur Geld für ihre Prüfungen brauchte, sondern auch für ihre Familie braucht. Vielleicht hat sie auch ein Kind, who knows. Deshalb geht sie nun wohl in ihrer Heimatstadt dieser Arbeit nach …

 

Lange geschlafen, dann endlich die Kontaktlinse herausbekommen, die ich seit dem vorherigen Abend im Auge hatte. Kaffee getrunken.

 

Mein erster Gang führt mich zur Arbeitsstelle von Joanne. Ich mag sie sehr gerne, sie ist ruhig, und vor allen Dingen: ehrlich. Ich möchte sie in den nächsten Tagen einfach so häufig sehen wie möglich, auch ohne jegliche Berührung. Und ich möchte eine E-Mail-Korrespondenz mit ihr. Zum Glück ist sie nicht wütend über meine Zurückweisung vom Vorabend. Sie hatte auch schon bei mir im Hotel anrufen wollen.

 

Danach kaufe ich im Supermarkt ein, und es gelingt mir glücklicherweise, einen angerissenen 20-Euro-Schein zu tauschen, wodurch ich mehr Geld für einen Tag habe ...

 

Anschließend hole ich Joanne ab und wir haben Lunch break (sie) und Frühstück (ich) zusammen. Ich hatte etwas für sie eingekauft.

Nach dem Essen halte ich ihre Hand und streichele ihren Arm. Ich halte eine Hand auf ihrem Rücken. Ich will ihr Gesicht streicheln, doch sie weist das zurück.

 

Anschließend gelingt es mir nicht, ein bisschen “draußen” zu machen oder etwas von der Stadt zu sehen. Ich bin fast 3 Stunden im Internet beschäftigt – hauptsächlich damit, Kontakte in Davao und Mandaue zu finden …

 

Joanne sagt mir für den Abend ab, sie muss sich irgendwo wegen eines Nebenjobs vorstellen. Ich bin in diesem Moment froh über ihre Absage, denn ich hatte schon eine vage Verabredung mit einer anderen Frau, Lyca.

 

Leider stellt sich heraus, dass Lyca weiter entfernt vom Zentrum wohnt. Und sie will, dass ich als erstes zu ihr käme und mich bei ihren Eltern vorstelle. Ich gehe davon aus, dass, wenn ich das täte, Lyca die Nacht mit mir im Hotel verbringen dürfte. Aber ich hätte es durch die Geschichte mit Joanne besser wissen müssen. Ich hatte zwar in den Internet-Messages und am Telefon deutlich zum Ausdruck gebracht, was ich wollte. Und Lyca, die nicht so toll aussieht und keine Arbeit hat, hatte positiv darauf reagiert, mich “my prince” genannt. Aber Lycas Englisch ist nicht sehr gut, sie könnte mich falsch verstanden haben.

 

Ich gebe also sehr viel Geld für eine Taxi-Fahrt zu Lyca (und später zurück) aus. Lyca erwartet mich an der Straße. Sie lebt in ärmlichen Verhältnissen, wir laufen über einen Sandweg zum Haus. In der abendlichen Düsternis muss ich aufpassen, nicht über herumliegende Zweige zu stolpern oder in Pfützen zu treten.

 

Das Haus ist eine selbstgebaute Holzhütte mit Bambusstäben als Fußboden. Vater, Mutter und etwa 5 Geschwister leben unter einem Dach. Alle sind sehr nett zu mir, man bietet mir Wasser an. Lyca ist ebenfalls sehr nett und offen. Wir halten sofort Händchen. Auch ich bemühe mich, nett zu sein, bin ruhig und lächele viel.

 

Doch nach einigen Minuten komme ich auf den Punkt und möchte die förmliche Erlaubnis von Vater und Mutter erfragen, mit Lyca aufbrechen zu dürfen. Ich spreche – wegen besserer Englischkenntnisse – mit der Mutter. Sie lehnt es, trotz verschiedener Angebote meinerseits (z.B. meinen Pass dort zu hinterlegen), strikt ab, dass Lyca sofort mit mir mitkommen könne. Allenfalls würde sie mit Lycas älteren Bruder sprechen und der würde vielleicht seine Erlaubnis für die kommenden Tage geben.

 

Je mehr ich zu verhandeln versuche, desto zurückweisender wird die Mutter – und später auch Lyca. Selbst wenn Lyca sich am nächsten Tag tagsüber mit mir treffen würde, müsste ihre Schwester sie begleiten.

 

Ich bitte Lyca um einen Spaziergang, um zumindest noch einen Kuss von ihr zu bekommen. Doch auch diesen Kuss verweigert sie – zu viele Motorradfahrer und Autolichter around. Sie willigt auf eine Umarmung ein, zieht sich aber sofort wieder von mir zurück.

 

Zurück im Hotel liegt eine SMS einer anderen Frau, Angeline, vor. Ich solle mich nach ihrer Arbeit, um 21 Uhr, bei ihr melden.

 

Ich bin aufgeregt und gleichzeitig emotional aufgewühlt von allem, besonders von Emy und meiner Sehnsucht nach Nico, weniger von Bella und Joanne.

 

Das Treffen mit Angeline kommt tatsächlich zustande. Ich muss ein Taxi zu einer etwas entfernteren und für den Taxifahrer nicht einfach zu findenen Kirche nehmen, und nach einigen Suchschwierigkeiten sehe ich Angeline und ihre Sicherheitsbegleitung an der Straße stehen.

 

Sie hatte mir schon angekündigt, dass ihr Cousin mitkommen, sich aber später wieder von uns zurückziehen würde. Sie hatte versprochen, die Nacht mit mir im Hotel zu bleiben.

 

Der Cousin entpuppt sich als Ladyboy mit dem kuriosen, glitschigen Namen “Oily”. Angeline sieht ok aus, klein, schlank, gutes Englisch, nicht doof. Wie Joanne hat sie einen sieben Monate alten Sohn, Dylan (!), wie Joanne ist sie schon seit langem getrennt vom Vater des Kindes. Dieser ist verschwunden ... Angeline erklärt mir, dass auf den Philippinen der Vater eines Kindes nicht gezwungen ist, das Kind zu akzeptieren. Und deshalb auch nicht für das Kind bezahlen muss!

 

Angeline ist ziemlich tough, sie hat den Kindesvater zurückgewiesen als dieser im vierten Schwangerschaftsmonat doch plötzlich zu seiner Verantwortung stehen wollte. Sie arbeitet nicht nur für ihr Kind und sich, sondern auch für ihre drei jüngeren Geschwister und für ihre Mutter, die im letzten Jahr einen Schlaganfall hatte. Der Vater arbeitet auch, verbraucht aber sein Einkommen ausschließlich für sich, er trinkt sehr viel. Angeline tut jeden Tag 12 Stunden ihren Dienst als Kassiererin in einem Lacoste-Laden in einer großen Shopping Mall. Allerdings nur mit Zeitvertrag, der Job endet am 23. März. Sie sucht nun nach einem AuPair-Job im Ausland. Sie hat auch schon einmal eine schlechte Erfahrung gemacht, als sie mit 4 Freundinnen einen Job in einem “Kentucky Fried Chicken” auf Malaysia antreten wollte, dieser sich aber als einschlägiger “Club” herausstellte. Zum Glück gelang es den Mädchen, nach 5 Tagen zu fliehen – ohne dort “gearbeitet” zu haben, so sagt Angeline zumindest...

 

Sie hatte zwei boyfriends in ihrem 23-jährigen Leben, ich bin ihr erstes Treffen über diese Dating Site – die sie in einem Jahr kaum besucht hat.

 

Wir fahren zu dritt zu einem Videoke-Raum (KTV Bar), wie in Cagayan de Oro. Ich freue mich zuerst darüber, buche aber glücklicherweise nur 1 Stunde. Der Raum hier ist enger, schlecht beleuchtet und mit kaltem Linoleum-Fußboden ausgelegt. Unsere Vergnügung ist ganz kleines Kino, weil die beiden nicht singen können und wollen, und auch ich nach zwei schlechten Versuchen keine Lust mehr habe. Wir trinken jeder 1 oder 1½ Flaschen leichtes Bier und haben einen Snack. Ich sehe meine erste Kakerlake auf den Philippinen, und sie ist riesig groß. Ich sehe,wie sie irgendeinen Essensrest vom Fussboden isst.

 

Wir fahren ins Hotel und gehen, nachdem sich der Cousin verabschiedet hat, auf mein Zimmer. Sie möchte sich nicht duschen, wäscht sich wohl, ich wasche mich und putze Zähne. Sie möchte fernsehen, ich lehne ab und mache nur Ton an, das Bild verdunkele ich. Sie möchte nicht, dass wir uns ausziehen, sondern erst einmal angezogen auf dem Bett liegend miteinander sprechen.

 

Wir liegen umarmt, ihr Kopf an meiner Brust, ich streichele ihren Bauch. Wir erzählen uns über uns, ich streichele ihren nackten Bauch, ihre Arme, ihren Hals, ihr Gesicht.

 

Ich fange an, ihr Gesicht und ihre Haare zu küssen, ich drehe ihren Kopf langsam zu mir, bis ich ihre Lippen finde.

 

Wir küssen uns, und es ist sie, die mit Zungenküssen beginnt, eine Idee zu schnell für meinen Geschmack. Die Zungenküsse scheinen sie sehr zu erregen (in St. Petersburg hätte ich geschrieben “erregen sie sehr” …) und sie geht dazu über, ihre Scheide an mir zu reiben (sie trägt Mini-Rock und Schlüpfer, ich Jeans mit Gürtel). Leider bricht sie das Küssen ziemlich schnell ab und möchte auch im weiteren Verlauf kaum noch im Gesicht geküsst werden.

 

Sie ist jetzt wirklich erregt und ich gehe mit meiner Hand in ihren Schlüpfer und helfe nach. Vorher hatte ich schon ihren BH abgenommen, ihr nette Worte gesagt und ihre Brüste mit Händen, Fingern und Lippen liebkost.

 

Ich bin mit meiner Hand an und in ihrer Scheide, reibe und schiebe. Ich ziehe ihren Schlüpfer aus, küsse sie überall auf ihren Körper und beginne sie zu lecken. Dazu nehme ich sie, ich selbst sitzend, unter ihren Po greifend, und hebe sie hoch an meinen Mund. Sie kommt.

 

Ich mache weiter, sie ist jetzt nicht mehr initiativ. Leider hatte ich vergessen, die Air Con einzuschalten, vermutlich ist es auch das, was sie schnell ermüden lässt. Ich bitte sie, meine Hosen auszuziehen, stehe vor ihr. Sie zieht nur die lange Hose aus, macht nicht das Mögliche. Ich ziehe meine Unterhose etwas später selbst aus.

 

Ich reibe mein Glied an ihrer Scheide und versuche, das Perineum zu berühren (es ist sehr dunkel im Zimmer). Schließlich dringe ich langsam in sie ein, sie genießt es, wird wieder lauter.

Wir schlafen lange miteinander, in verschiedenen Positionen. Sie blutet schwach, am nächsten Tag erkenne ich, dass es wohl nur die Menstruation ist. Sie ist jetzt sehr müde und bittet mich schließlich zu kommen, was ich nach einiger Zeit auch tue. Wir trinken Wasser und schlafen dann sofort ein. Ich umarme sie.

 

Ihr Wecker klingelt um 4 Uhr, sie hatte schon bei unserem Eintreffen im Hotel angekündigt, dass sie nicht bis zum Morgen bleiben können werde. Als ich aufwache, fühle ich mich sehr glücklich und euphorisch, und bleibe es auch noch nach ihrem Gehen, kann nicht sofort wieder einschlafen.

 

Ich bin sehr nett zu ihr, sage ihr, dass ich die nächste Nacht wieder mit ihr verbringen möchte, wir aber nur Sex miteinander haben würden, wenn sie es wolle. Ich gebe ihr 200 Pesos Taxigeld (sie wird nur 80 Pesos brauchen) …

 

13. März


Ich wache vor 10 Uhr auf und fühle mich traurig und alleine. In der Nacht hatte ich noch gedacht: Eine Nacht kann alles ändern, jetzt werde ich für den Rest der Reise stark und ausgeglichen bleiben und keine Bekanntschaften mehr suchen. Ich errechne später auch, dass ich in 9 Tagen schon zu viel Geld ausgegeben habe und jetzt sehr sparsam sein muss. Umso besser also, dass ich alleine bleiben kann.

 

Doch ist das wirklich so, wird es so bleiben? Ich spüre sehr klar, dass Angeline keine Gefühle für mich hat, und das macht mich sehr traurig.

 

Ich telefoniere mit Joanne und besuche sie auf ihrer Arbeit. Sie sagt, dass sie noch nicht wisse, ob sie mich am Abend sehen könne. Ob sie mir übel genommen hat, dass ich gestern ihr Gesicht streicheln wollte?

 

Ich besuche Angeline auf ihrer Arbeit, schlage ihr vor, sie nach Feierabend abzuholen und Dylan zu besuchen. Ich möchte heute auch ein kleines Geschenk für Dylan kaufen (wie schon für John). Aber auch Angeline möchte keine klare Verabredung treffen, sagt, sie würde mir abends texten.

 

Ich sollte mich schon mal darauf einstellen, heute Abend und heute Nacht alleine zu bleiben. Und dann sollte ich wirklich alleine im Hotel bleiben ...

 

Im Jeepney auf dem Weg zu Angeline muss ich wieder einige Male an Nico denken und mir kommen jedes Mal die Tränen. Und ich denke sehr viel an Emy und bin traurig. Ich muss mich zwingen, sie zu vergessen, ich kann ihr nicht helfen, und die Gedanken an sie, ihr Bild in meinem Kopf, die Erinnerung daran, wie sie mit ihrer ziemlich tiefen, etwas heiseren, erschöpften Stimme “My Craig” und “I missed jou” sagt, ziehen mich nur runter.

 

Ich sitze nun schon seit 2 Stunden im “People's Park” und schreibe – und das ist ganz gut so.

 

People’s Park” ist ein relativ kleiner Park. Am Eingang/Ausgang wird jeder Parkbesucher inspiziert, um die Sicherheit aller zu gewährleisten, ein typisches Merkmal der “Law and order”-Politik von Rodrigo Duterte, damals Bürgermeister von Davao. Rechts hinter dem Eingang befindet sich der riesige “Durian dome”, ein Gebäude, dessen Dach die berühmte einheimische Frucht nachbildet. In der nächsten Ecke liegt der “Sunken garden”. Der Gehweg verläuft einmal im Kreis um den Park, vorbei an Pflanzen und Blumen, vielen kleineren Skulpturen, einer monumentalen Statue des Philippinischen Adlers, einem kleinen Regenwäldchen hinten links, künstlichen Wasserfällen, Fontänen, die nachts “tanzen”, Fischteichen und einem Kinderspielplatz. Schüler und Studenten üben auf der Rasenfläche in der Mitte für ihren Sportunterricht, andere Menschen nutzen den Park zum Jogging. Der Park ist sauber und wird täglich instand gehalten. Die Besucher sind von der strengen Kontrolle eingeschüchtert und verhalten sich hier disziplinierter als anderswo auf den Philippinen (wo überall achtlos Plastikflaschen und anderer Müll weggeworfen werden).


 

Ich habe nach einigem Suchen ein schattiges Plätzchen gefunden (die Luftfeuchtigkeit ist jetzt, 15 Uhr, relativ hoch), sitze auf der Bank, und über Lautsprecher läuft Muzak.

Auch die Filipinos leiden ein wenig unter der Schwüle. Die Temperaturen liegen zwischen 25 und 32° C.

 

Auf dem Rückweg zum Hotel lerne ich an einem Straßenbarbecue Bernard kennen, ein netter Mann, der mich zu einem Getränk einlädt. Ich esse zum ersten Mal geröstete Bananen, heiß und hier etwas zu klebrig. Strange. Auch Bernard möchte mich mit einer “Chick” verkuppeln, das ist hier wohl nicht nur Taxifahrern vorbehalten. Disgusting.

 

Um 18 Uhr gehe ich zu Joannes Arbeit und fahre dann mit ihr und 3 Arbeitskollegen im Jeepney in ein Open Air-Restaurant. Ja, Joanne mochte nicht, dass ich ihr Gesicht streicheln wollte. Alles zwischen uns ist geringfügig abgekühlt, nicht mehr wie in den ersten zwei Tagen. Ich stelle fest, dass ich sie zwar weiter sehr gerne mag, ihre ruhige Art, aber sie viel weniger attraktiv finde als am Anfang. Es stört mich nicht, dass sich Joanne nach dem Restaurant verabschiedet, denn ich erwarte eine Textnachricht von Angeline oder Anrufe von zwei anderen Frauen, wenn ich ins Hotel komme.

 

Nichts dergleichen! Ich gehe ins Internetcafé und kommuniziere mit Mandaue und Deutschland, setze aber auch zwei letzte Nachrichten an Emy und Bella ab. Es gibt eine gute Nachricht meiner Anwältin hinsichtlich der Mietsache.

 

Zurück im Hotel bin ich tatsächlich ziemlich ruhig, nicht mehr so emotional aufgewühlt. Es gibt noch Telefonate und Textmessages mit Jeniffer, einem weiteren Kontakt. Doch das ist brotlose Kunst, ihre Eltern erlauben ihr nicht, nachts bei mir im Hotel zu bleiben.

 

Angeline hat sich gar nicht mehr gemeldet. Entweder ist sie zu müde für heute oder die 200 Pesos “Taxigeld” waren weniger als sie erwartet hatte. Mal abwarten …

 

Es war ein Fehler hierherzukommen. Ich möchte nie wieder einen Single-Urlaub in einem armen Land machen, wo sich die Frauen für einen interessieren, weil man ein vermeintlich wohlhabender Ausländer ist. Es ekelt mich schon eine Spur an.

 

Joanne möchte morgen Mittag mit mir philippinische Früchte kaufen gehen. Ich lasse es auf mich zukommen …

Ihre Geschichte ist identisch mit der von Angeline. Auch der Vater von John akzeptierte sein Kind nicht und verschwand. Joanne suchte ihn lange (sie waren 5 Jahre zusammen), bis sie irgendwann aufgab.

 

14. März


Heute ist ein Tag, an dem ich innerlich ruhiger wurde – vielleicht weil ich den ganzen Tag unterwegs und äußerlich beschäftigt war.

 

Erst einmal lange geschlafen und dann in der Hotel-Lobby auf Jeniffer und ihre Schwester Vanessa gewartet. Sie verspäten sich, hatten Probleme, das Hotel zu finden. Doch Jeniffer möchte mich unbedingt kennen lernen.

 

Wir fahren zusammen im Taxi zu einer Mall, der Gaisano oder G Mall. Wir essen Pizza und trinken Eistee. Ich ärgere mich, wieder soviel Geld auszugeben, ich wollte doch in den nächsten Tagen sparsam sein.

Jeniffer ist sehr nett, doch lange und gut sprechen können wir nicht, sie muss zur Arbeit und es ist laut bei “Pizza Hut”.

 

Ich fahre zurück ins Hotel und gehe ins Internetcafé. Kontakte in Mandaue bearbeiten, langsam wird es Zeit! Gute Nachricht aus Deutschland – ich habe den Kredit der Postbank erhalten ...

 

Und ich finde unverhofft eine schnelle Antwort von Emy in meinem Postfach. Es ist wieder sehr bewegend. Sie sagt mir, dass sie noch nicht im horizontalen Gewerbe gearbeitet hatte, als wir uns kennen lernten. Sie begann erst damit, als sich ihre finanzielle Situation Ende Januar verschärfte und ich ihr auch nicht helfen konnte.

 

Emy deutet an, dass sie sich von mir retten lassen würde. Ich bin wieder aufgewühlt und denke intensiv an sie.

 

Kurze Begegnung mit Joanne auf ihrer Arbeit. Sie hat nicht am Mittag bei mir angerufen, angeblich zu viel Arbeit.

 

Um 18:30 Uhr bin ich wieder mit Jeniffer verabredet, doch ich würde mich jetzt lieber um Emy kümmern. Jeniffer verspätet sich wieder, sagt, dass sie mir eigentlich absagen wollte, weil sie länger arbeiten musste, doch sie konnte mich nicht erreichen und ist deshalb gekommen. Wir sprechen ganz nett, ich nehme ihre Hand, doch dann kommt eine SMS von ihrem Chef, dass sie sofort zu einer Emergency-Sitzung kommen müsse …

 

Ich eile zurück ins Hotel, keine Nachricht, kein Anruf für mich. Ich rufe bei Emy an, frage, ob sie meine Mails vom Nachmittag gelesen hat. Sie bejaht, sagt, dass sie schon geantwortet hätte, fängt an zu weinen und ist nicht mehr zu hören. Ich gehe wieder ins Internetcafé, setze noch eine Mail an Emy ab, mit dem Vorschlag, mit ihr nach Cebu und dann nach Manila zu fliegen. Zurück im Hotel texte ich ihr. Doch dann sagt mir die Frau vom Hotel, dass man für Inlandsflüge in den Philippinen auch einen gültigen Reisepass benötige ...

 

Alle Hoffnung dahin, Emy hat keinen gültigen Reisepass. Ich texte ihr wieder, bedaure sehr.

 

Doch vielleicht ist es besser so – für mich. Ich weiß nicht, wie es mit Emy werden würde, sie hat viele Probleme, ein Trauma, müsste in Deutschland für ihre Familie arbeiten. Und mittlerweile habe ich mich in Ghazal verliebt und habe ein besseres Gefühl mit ihr.

 

Und wie sollte ich Emys Flucht finanzieren? Ich müsste ihr ein Flugticket nach Cebu kaufen, und eines von Cebu nach Manila. Ich müsste wahrscheinlich zumindest am Anfang ihr Leben in Manila finanzieren. Das hätte ich alles kaum gekonnt.

 

Ich möchte Emy gerne helfen. Doch wahrscheinlich ist es gesünder für mich, wenn ich sie möglichst schnell vergesse ...

 

Inzwischen bin ich übrigens in Davao angekommen, denke nicht mehr an Cagayan de Oro und Jasmin. Jetzt denke ich an Nico, Emy, Angeline, Emy und die Kontakte aus Mandaue …

 

Aber es ist so überfüllt, laut und hektisch hier. Obwohl Davao ähnlich viele Einwohner wie Hamburg hat, sind die Straßen hier bei Tageslicht immer voll, auf den Bürgersteigen drängen sich die Menschen (so dass ich lieber am Straßenrand gehe, weil es schneller ist), die Abgase der Autos hängen in der schwülen Luft, die Shopping Malls sind bis in den späten Abend hinein knackig voll, im Internetcafé gibt es keinen freien Platz. Und es gibt kaum einen ruhigen Ort.

 

Meine Zeit hier ist beherrscht von Personen, die ich nicht “habe”: Jasmin, Nico, Emy, Mary Jane, Bella, Jenesis.

 

Dabei sollte ich die Zeit genießen und mich über die Personen freuen, die ich habe, so wie Angeline (wenn auch nur für eine Nacht).

 

15. März

 

Heute war der bisher “ruhigste” Tag in Davao, ich habe niemanden gesehen, außer einmal kurz Joanne auf ihrer Arbeit. Ich habe ein bisschen kommuniziert, aber schon mehr mit Deutschland als mit Mandaue, geschweige denn Davao.

 

Der Tag endet, wie im Moment immer, blue, in Gedanken an meine Emy. Eben war ich im Internetcafé und schrieb ihr eine (vorerst) letzte Mail, mit vielen guten Wünschen, Ratschlägen, ansatzweise mit Aufarbeitung. Ich versuchte, Vorwürfe möglichst zu vermeiden. Ich versuchte, nicht zu negativ zu schreiben, schrieb aber, dass Tränen in meinen Augen seien.

 

Angeline hat sich übrigens nicht mehr bei mir gemeldet, obwohl ich sie mehrmals angeschrieben und -getextet habe. Ich frage mich wirklich, was ihr nicht gefallen hat.

 

Morgens hatte ich um 9 Uhr eine Verabredung mit Jeniffer, sie kam nicht. Eine Stunde gewartet, dann gegangen. SIM-Card gekauft. Internetcafé. Irgendwann kam dann wohl ein Text von Jeniffer auf das Handy der Frau vom Hotel, doch da bin ich mir jetzt auch nicht mehr sicher. Bei Facebook hatte sie mich geadded und über ihren Status “I miss someone” geschrieben. Ob damit ich gemeint war? Abends texte ich sie mehrmals an, sie entschuldigt sich, sagt, dass sie soviel arbeiten müsse.

 

Bei der Bank of Philippines einen Traveller Cheque über USD 50.- eingelöst. Das ging relativ unkompliziert, aufgrund der schon fortgeschrittenen Tageszeit aber auch langsam. Normalerweise darf man die Schecks nur bis 12 Uhr einlösen.

 

Lange Zeit im Internet mit einem Kontakt aus Davao, Debbie, verplempert, die letzlich doch nicht bereit war, mit mir ins Hotel zu gehen.

 

Danach Fahrt im Jeepney zum Magsaysay Park. Hat mir nicht so gut gefallen, ist eher ein Vergnügungspark, vielleicht wie Coney Island. Zum ersten Mal auf den Philippinen am Meer gewesen! Spät, spät …

 

Im City Tourist Office einen besseren Stadtplan und ein Heftchen über Davao bekommen.

 

Danach im Jeepney zurück zur San Pedro Street. Einmal den falschen Jeepney genommen. Dann eine Tortur – Nachmittagshitze, Abgase, volle Straßen, Stau wegen der beginnenden Festivals in Davao.

 

Neben der City Hall den Schachspieler gesucht, den ich am ersten Tag kennengelernt hatte. Er hatte mir den Weg gezeigt, um Blumen für Joanne zu kaufen. Nicht gefunden, aber gegen einen anderen peinlich im Schach verloren …

 

Es gibt viele junge Menschen auf den Philippinen, das Straßenbild ist geprägt von Jugend. Die Menschen vermehren sich viel, 5 Kinder in einer Familie ist normal. Andererseits ist die Lebenserwartung sehr niedrig. Deshalb dieses Bild.

 

Joanne verspricht mir, sich am nächsten Tag bei mir zu melden, heute abend habe sie keine Zeit. Mal schauen …

 

Es kommt mir so vor, dass viele philippinische Frauen nicht genau darüber nachdenken, was sie wollen, und über die Konsequenzen dessen, was sie tun. Sie lernen im Internet einen Prinzen oder “Retter” aus Europa kennen und denken, dann würde schon alles laufen. Doch wenn er sie dann treffen will, haben sie Angst und kommen nicht zum Treffen, oder kommen nicht, weil der Retter nicht so zahlungswillig ist wie gedacht. Und wenn sie ihn treffen, haben sie vor lauter Arbeit gar keine Zeit, ihn kennenzulernen.

 

16. März

 

Letzter Tag in Davao. Noch ruhiger als gestern. Versucht, mit Mandaue zu kommunizieren und mich zu entscheiden, mit wem ich die Woche verbringen werde bzw. wen ich zuerst treffen werde. Internetcafé, zum ersten Mal seit einer Woche keine neue Message für mich bei “Date in Asia”. Angeline und Jeniffer haben sich auch nicht gemeldet. Text an Joanne gesendet. Ihre Antwort: Sie musste wegen einer “emergency” an einen Ort außerhalb von Davao. Wer's glaubt ...

 

Weit gelaufen (Aldevinco Mall) um gute Postkarten zu finden – vergebens. Im Supermarkt zwei typisch philippinische Früchte gekauft: Pomelo (sehr, sehr lecker) und Mangosteen (noch leckerer!). Der Marsch durch die Hitze bringt mich dazu, ein Nachmittagsbier zu trinken.

 

Meine Favoritin für Mandaue, eine 18-jährige, sagt leider ab. Eine andere scheide ich vorerst aus, sie hat 2 Kinder. Bleiben noch 2 Kontakte. Ich entscheide mich für die, die mir ein kostenloses Zimmer bieten kann …

 

Haare gewaschen, auf die Straße gegangen, versucht etwas von dem Festival zu sehen, das heute stattfindet, doch die Straßenparade am Vormittag habe ich verpasst, und am Abend sehe ich auch nichts besonderes mehr. Internetcafé und Telefon – dem vorletzten Kontakt ab-, dem letzten zugesagt.

 

Dann wird es immer hektischer und zeitlich enger. Ein weiterer Kontakt aus Mandaue möchte mich unbedingt im Videochat sehen. Ich eile zurück ins Internetcafé, im Chat stellt sich allerdings heraus, dass diese Frau überhaupt nicht auf meiner Wellenlänge ist. Ihre Geschichte gemahnt geringfügig an Emy: In ihrer Familie gibt es 10 (!) Geschwister und die Eltern, aber nur sie und eine Schwester haben Arbeit und müssen die ganze Familie versorgen. Sie arbeitet in einer Shopping Mall …

 

und dann textet mich plötzlich Emy an! Es folgt ein intensives Hin- und Hertexten, inzwischen bin ich wieder im Hotel. Dort muss ich auf die erneuten Emy-Emotionen erst einmal ein Bier trinken. Ein letztes kurzes Gespräch mit Emy, das wollte ich eigentlich aus Angst vor zuviel Emotionen und späteren Erinnerungen vermeiden. Das Gespräch wird unterbrochen, wie so häufig Verbindungsprobleme, und ich rufe nicht mehr an.

 

Ich sage Emy, sie solle über ihre Familie nachdenken und auch der Familie Verantwortung für sie geben, nicht nur Verantwortung für die Familie übernehmen.

 

Ich sage, wir sollen in touch bleiben und sie solle versuchen, ihren Pass zu erneuern. Ich schreibe ihr, dass der einzige Grund, dass ich noch einmal in meinem Leben auf die Philippinen zurückkehren würde, sie sei.

 

Ich gebe dem Mann aus Kuwait das Handy zurück, das er mir gestern freundlicherweise geliehen hatte. Er schenkt mir eine philippinische SIM-Card. Ich bin gespannt, ob dort sogar noch Guthaben drauf ist …

 

17. März

 

Nach einer kurzen Nacht, nur etwa 5 Stunden Schlaf, weckt mich das Hotel um 4:30 Uhr. Abschied vom Zimmer, Abschied aus Davao. Ich erinnere mich daran, wie ich vor einer Woche hier angekommen bin, noch voller Gedanken an Cagayan und Jasmin, aber auch voller Hoffnung auf Joanne (und einem Fünkchen Hoffnung auf Bella).

 

Jetzt ist alles anders. Cagayan und Jasmin aus meinen Erinnerungen verschwunden, Joanne und Bella nicht mehr wichtig. Wichtig war hier Angeline. Obwohl unsere Begegnung kurz war, hat sie mir gut getan und mich ruhiger gemacht. Aber am wichtigsten war Emy. Ich hätte nie gedacht, dass eine Abwesende so viel Macht über meine Gedanken und Gefühle haben könnte. Und ich fühle mich mies dafür, dass ich Emy im Februar aus meinen Gedanken und Gefühlen verloren hatte. Das ist ein Nebeneffekt, wenn man “mehrgleisig” fährt. Man fährt mehrgleisig aus Selbstschutz. Damit habe ich mir selbst geholfen, aber Emy ein kleines bisschen dabei geholfen, sich selbst zu schaden.

 

Auf der anderen Seite sollte ich mir auch ehrlich eingestehen: Emy war ziemlich am Anfang meiner Zeit bei “International Cupid”. Sie überrollte mich mit ihrem Profiltext und ihrer ersten Mail. Ich überrollte sie mit meiner vorgefertigten emotionalen Liebeserklärung. Damals hatte ich noch nicht das Schema, mit dem ich die Frauen dahingehend überprüfte und abklopfte, ob sie zu meinen Zukunftsvorstellungen passen würden. Es geschah einfach zwischen Emy und mir, ohne analytische Tiefe, nur mit emotionaler Tiefe. Dann verloren wir uns. Als sie mir für unser Treffen absagte, berührte mich das kaum noch, ich besorgte mir einfach “Ersatz”.

 

Wenn ich jetzt analytische Tiefe an Emy anlege, muss ich konstatieren, dass sie zwar diese emotionale Aura hat, aber vielleicht nicht die Intellektualität, die ich mir wünschen würde. Sie missversteht mich ziemlich oft. Sie trifft wirklich dumme Entscheidungen.

 

Es ist also fraglich, ob zwischen uns eine stabile Beziehung entstanden wäre. Auch deshalb, weil ich Emy eben noch nicht darauf abgeklopft hatte, ob sie den von mir erträumten Lebensweg mitgegangen wäre. Das wäre vermutlich nicht möglich gewesen, denn sie äußerte auch hier mehrmals, dass sie in Deutschland hätte arbeiten wollen, um ihre Familie zu unterstützen.

 

In Davao habe ich fast gar nicht im Buch von Dale Carnegie gelesen. In Cagayan de Oro verbrachte ich viel Zeit lesend im Hotelzimmer. In Davao war ich fast immer unterwegs – zum einen, weil ich mir vorher viele Begegnungen organisiert hatte, zum anderen, weil ich direkt im Zentrum, mit Zugang zu Internetcafé und allem war, und weil ich damit beschäftigt war, Treffen in Mandaue zu organisieren.

 

Ich hoffe darauf, dass ich in Mandaue zu beschäftigt sein werde, um zu lesen. Und ich möchte nicht im Vorfeld Kontakte in Bandung organisieren, aus Angst, Neneng könne das mitbekommen, und im Vertrauen auf ihr Kommen. Mal abwarten, inwieweit sich die indonesische Mentalität von der philippinischen unterscheidet.

 

Der Chat mit Wella gestern, in dem sie mir erzählte, die Männer hätten immer nur Sex mit ihr gesucht, und sie danach verlassen, bestätigt meine Erkenntnis, dass die philippinischen Frauen eher schwach und bedauernswert sind. Sie lassen sich sehr früh schwängern, teilweise mehrmals, die Männer verlassen sie dann, und die Frauen können zusehen, wie sie mit ihren Kindern überleben. Vernünftige Arbeit gibt es kaum. Unheimlich viele “normale” Frauen bieten sich deshalb in Stadtzentren abends auf der Straße an.

 

Nochmal zu Emy: Ich denke auch, dass die meisten Gefühle, die ich jetzt für sie habe, aus Mitleid oder Helferinstinkt resultieren. Geringfügig auch aus schlechtem Gewissen. Ich glaube, dass meine Gefühle

für sie jetzt stärker sind als im Januar. Doch damals war es nur Interesse, Faszination, Erotik und Hoffnung, jetzt sind es Anteilnahme und meine Schuldgefühle. Von “real love”, wie sie sich wir beide wünschen, ist das weit entfernt …

 

Eigentlich weiß ich ziemlich wenig von Emy. Schon vor einigen Wochen, als sie sagte, dass sie zurück zu ihrer Familie gehen wolle, fiel mir auf, dass ich nicht einmal weiß, ob sie noch Vater und Mutter hat. Ich wollte unsere gesamte Korrespondenz nachlesen und sie nach ihrer Familie fragen. Doch dazu kam es nicht mehr, nachdem sie mir abgesagt hatte.

 

Der Flug von Davao über Manila nach Cebu verläuft ruhig. Ich bin phasenweise sehr müde, nach dem wenigen Schlaf. In Manila habe ich Aufenthalt, lese ziemlich viel Dale Carnegie und beobachte die Leute.

 

Im Flugzeug nach Cebu setze ich mich neben einen sonnenbebrillten, nach Business und intellektuell aussehenden Mann, ca. 30. Er macht sich lange irgendwelche Notizen. Ich bete für Emy, bin noch immer emotionsgeladen. Ich schreibe in dieses Tagebuch. Endlich fliegen wir ab und ich blicke erneut auf die Wolkenkratzer von Manila.

 

Ich frage meinen Sitznachbarn, ob das Geschäftshäuser oder auch Wohnhäuser seien. Er sagt, beides. Ein Gespräch zwischen uns entsteht, er fragt mich zunächst nach den Wohnvorlieben der Europäer. Er stellt sich vor und nimmt seine Sonnenbrille ab. Sein Name ist Audrey Dones Gorriceta und er ist eine, wenn auch kleine, philippinische TV-Persönlichkeit. Er moderiert auf Sportkanälen oder sagt Boxkämpfe an. Er trägt wohl die Sonnenbrille im Flugzeug, weil er dort nicht von Filipinos angesprochen werden möchte.

 

Er fragt mich nach dem Grund meines Besuches hier und ich erzähle ihm meine Geschichte. Er sagt, dass ich mir mehr Zeit und Intensität hätte nehmen sollen, um die Frauen erst einmal per Korrespondenz und Gespräch kennen zu lernen. Er sagt, dass ich auch gesellschaftlich etwas höher stehende oder etwas gebildetere Frauen aus Metropolen wie Manila hätte anschreiben sollen. Er bejaht, dass Jenesis, Bella und Mary Jane mich wohl in irgendeiner Form auf meine Zahlungswilligkeit testen wollten oder einfach professionell kleine Summen von ausländischen Kontakten zusammenerbitten.

 

Er enthüllt, dass er selbst noch extremer unterwegs sei als ich: Er versucht, sich für jede Stadt, in der er für seine Fernsehauftritte absteigt, im Vorfeld eine Geliebte für das Hotel zu organisieren. Wie bei dem Neuseeländer Graham, den ich im Hotel in Cagayan traf.

 

Audrey sagt, dass ich sehr hungrig, in Eile und abenteuerlustig sei. Wir beschließen, Facebook-Freunde zu werden, und er nennt mir die Dating-Site, die am vielversprechendsten für mich sei: “Tagged.com”.

 

Durch unser Gespräch vergeht der Flug von Manila nach Cebu tatsächlich “wie im Flug”. Wir kommen in Cebu-Mactan an, ich greife mein Gepäck und sehe mich vor dem Flughafen nach meinem Kontakt Jenevieve um.

 

Ich finde sie nicht, wir hatten verabredet, dass sie ein Schild mit ihrem Namen halten sollte. Ein freundlicher Polizist bietet mir seine Hilfe an und ruft bei Jenevieve an, ich habe ja kein Handy. Ich stelle mich darauf ein, dass Jenevieve nicht gekommen ist, das wäre kein großes Drama für mich.

 

Doch dann steht Jenevieve vor mir, sie ist mit ihrer Tante Maruja, ihrer Cousine und ihrer anderen, bezaubernden 9-jährigen Cousine gekommen.

 

Der Polizist bittet mich um einen “Tip”, was mich schon sehr erstaunt. Ich gebe ihm 50 Pesos, doch er sagt, das sei nicht genug und verlangt 1000 Pesos. Unglaublich!

 

Ich gebe ihm noch weitere 10 Pesos, mehr habe ich nicht klein, und 200 oder 1000 Pesos möchte ich ihm nicht geben.

 

Eine Taxivermittlung bietet 500 Pesos Festpreis für die Fahrt vom Flughafen nach Consolacion, dem Ort von Jenevieve und ihrer Familie. Ich lehne ab, man hatte mir in Davao geraten (Alpha, die Arbeitskollegin von Joanne, die in Cebu wohnt), nicht auf Festpreis zu fahren, sondern nur mit eingeschaltetem Taxameter. Als wir in Consolacion ankommen, beträgt der Fahrpreis dann auch keine 500, sondern nur 190 Pesos!

 

Im Laufe des Abends fahren wir noch dreimal Taxi, und immer wollen die Taxifahrer betrügen. Die Masche: Wenn man nicht passend bezahlt, sondern etwas mehr gibt, behaupten die Fahrer, kein Wechselgeld zu haben.

 

Die Familie von Jenevieve ist supernett, alle wohnen im Haus der Tante (dort wohnt noch ein weiterer Cousin). Die Tante hat Jenevieve vor einigen Monaten bei sich aufgenommen, weil Jenevieve keine Arbeit fand und ihrer Mutter nicht zur Last fallen wollte. Jetzt hilft sie der Tante etwas im Haushalt, hat aber meistens Langeweile und verbringt ihre Tage mit Schlafen und Fernsehen. Jenevieve ist ein einfaches Mädchen und mit ihren 21 Jahren dementsprechend oberflächlich und jugendlich-träumerisch. Sie ist schüchtern, aber dennoch haben wir von Anfang an leichten Körperkontakt. Sie sieht nicht besonders gut aus.

 

Der Restnachmittag und frühe Abend verläuft nicht ganz nach meinem Geschmack. Vielleicht auch, weil ich zwar begrüßt und sogar vorgeschlagen hatte, was wir unternehmen, aber nicht erwartet hatte, dass dies mit soviel Stress, vielen Menschen, lauter Musik und so weiter verbunden sein würde.

 

Ich lade meine Sachen im kleinen, gemieteten Apartment der Tante ab, 3 Zimmer plus WC-Duschkombination. 1 Zimmer ist Wohnzimmer und Küche, in den anderen beiden Zimmern schlafen 5 Personen.

 

Danach fahren wir in den Supermarkt einkaufen, ich gebe mehr als 1000 Pesos aus, ich weiß nicht warum. Soviel habe ich in CDO und Davao nie ausgegeben.

 

Ich hatte der Tante versprochen und vorgeschlagen, ihr einen Mixer/Zerkleinerer zu kaufen, ihr alter war kaputt gegangen und nicht genügend Geld da, einen neuen zu kaufen. In der Shopping Mall gibt es leider keine Mixer, so dass wir mit einem weiteren Taxi zu einer weiteren Shopping Mall fahren müssen. Die Tante arbeitet währenddessen, am Samstagabend, sie arbeitet an jedem Tag der Woche.

 

Schließlich kaufe ich den Mixer, wir fahren zurück und ich esse ein wenig, Jenevieve will nicht viel. Ich probiere endlich die Frucht Durian, jene Spezialität aus Davao, mag sie aber überhaupt nicht.

 

Ich habe heute 2647 Pesos ausgegeben, das ist leider der bisherige Rekord. Das sind zwar nur etwa 46 Euro, aber angesichts meines schmalen Budgets von 920 Pesos (knapp 17 Euro) pro Tag ist das absolut zu viel. Besonders Supermarkt, Mixer und die vielen Taxifahrten schlugen hinein.

 

Ich bin ohnehin schon müde, Jenevieve ist es gegen 20 Uhr auch. Ich erwarte nun, dass wir – wie verabredet – gemeinsam in einem Zimmer schlafen. Doch Jenevieve überrascht mich negativ und sagt, ich habe ein Zimmer für mich allein. Ich bin enttäuscht und diskutiere mit ihr, sie sagt, sie müsse erst einmal ihre Tante fragen, wenn diese von der Arbeit käme. Die Tante hatte am Nachmittag schon davon gesprochen, zwischen Jenevieve und mir käme erst Freundschaft, dann mehr. Jenevieve allerdings hatte vorgeschlagen, mich ihren Eltern vorzustellen …

 

Ich verweise darauf, dass mir Jenevieve geschrieben hatte, sie könne selbst entscheiden, ob sie mit mir die Nacht verbringen würde oder nicht. Ich stelle zum wiederholten Male fest, dass die Aussage eines philippinischen Menschen nicht bindend sein muss.

 

Nachdem die Tante gekommen war, einigen sich die beiden wohl darauf, dass Jenevieve mit mir in einem Zimmer schlafen darf. Doch die Zimmertür muss offen bleiben, davon lässt sie sich nicht abbringen.

 

Das Licht im Nebenraum bleibt die ganze Nacht über an. Jenevieve legt sich auf Distanz zu mir hin und dreht mir den Rücken zu.

 

Ich versuche noch mit ihr zu diskutieren, sage ihr dann aber, dass ich noch nicht wisse, ob ich am nächsten Tag dableiben würde. Ich schlafe ok, aber die offene Tür, die Geräusche, die vorbeihuschenden Familienmitglieder stören mich.

 

18. März

 

Am nächsten Morgen bin ich gefasst und nehme in Ruhe mein Frühstück ein. Ich nutze das Internet. Ich borge mir ein Handy und rufe bei Mary Jane an, die mir mit ruhigen Worten bedeutet, dass sie nicht einmal dazu bereit sei, einen Kaffee mit mir zu trinken. Sie fragt mich, wo ich sei und wünscht mir alles Gute. Ich verabschiede mich. Dann rufe ich andere Kontakte an und ein Kontakt, Jeaneth, klingt vielversprechend. Sie möchte mit mir ins Hotel kommen.

 

Ich verabrede mich mit ihr im SM Mandaue und gebe Jenevieve einen Vorwand, um alleine wegfahren zu können. Sie trägt das gelassen, ohne große Überraschung, hat wahrscheinlich schon mit meinem Rückzug gerechnet.

 

Ich lasse mich von einem Motorradfahrer für 10 Pesos zur Hauptstraße fahren, ohne Helm natürlich. Helm oder Gurt im Auto werden hier, 2012, kaum genutzt. Danach weiter im Jeepney nach Mandaue, ich möchte die Ausgaben von gestern heute wieder einsparen.

 

Im SM beginnt die Hektik. Wieder viel zu viele Menschen, auch an diesem Sonntagmittag (auf den Philippinen haben die Shopping Malls an jedem Tag der Woche geöffnet). Wieder ist alles laut, es gibt keinen ruhigen Platz. Plötzlich ist die Batterie des geborgten Handys leer, wie sollen Jeaneth und ich uns jetzt finden?

 

Es gelingt mir unter Mühe und Stress – und einem netten Gespräch, mit Hilfe eines Filipino, der in Europa gearbeitet hat – in einem Kentucky Fried Chicken an der Ladestation die Batterie aufzuladen. Ich eile hinaus und texte Jeaneth. Ich sehe eine Frau, die ebenfalls textet, das könnte sie sein, ich bin mir nicht sicher. Nach einigem Hin- und Hertexten gibt sie mir endlich eine gute Beschreibung und wir finden uns. Sie hat schon länger auf mich gewartet.

 

Wir müssen etwas herumlaufen, um einen halbwegs ruhigen Ort zum Sprechen zu finden. Sie sieht gut aus, schlank, für philippinische Verhältnisse groß.

 

Wir nehmen ein Taxi zu einer anderen Shopping Mall, Ayala, und laufen dort herum, auf der Suche nach einer Formel 1-Übertragung. Wir essen etwas, leckere philippinische Spezialitäten, sie hat einen guten Cocktail aus Banane, Melonen und Grenadinen-Sirup. Sie hat zwei Kinder, auch zwei Söhne, der jüngere (Gekko) lebt beim Vater, der ältere (Kent) bei Jeaneth' Mutter. Die Mutter lebt in der Nähe von Manila, der Vater der Kinder ist mit einer anderen Frau verheiratet und lebt im Süden, in Mindanao. Jeaneth ist 27.

 

Alles ist ganz easy, so dass mir die entgültige Entscheidung, von Jenevieve wegzugehen und ein Hotelzimmer für Jeaneth und mich zu nehmen, leicht fällt. Wir fahren zu einem Guesthouse, das billigste Zimmer, das ich finden konnte, und sehen uns die Zimmer an. Das ist nicht toll, schlechter als Cagayan de Oro oder Davao, ohne Aircon, aber noch ok. Es gelingt mir, ein etwas besseres Zimmer zum niedrigeren Preis zu bekommen – wir sind die einzigen Gäste. Jeaneth ist nicht begeistert, merkt wohl auch, dass ich sparen will, toleriert aber alles und ist ruhig. Ich sage ihr, dass ich nun meine Sachen holen würde, über meinen Schlafplatz der Vornacht hatte ich ihr eine Notlüge aufgetischt. Sie möchte mitkommen, doch das kann ich natürlich nicht machen und bitte sie

darum, entweder auf mich zu warten oder schon ihre Sachen zu holen. Sie ist einverstanden. Kurz bevor mein Taxi kommt, telefoniert Jeaneth und ist ein bisschen aufgeregt und nervös.

 

Ich fahre wieder nach Consolacion und eröffne der Familie, dass ich gehen werde. Niemand ist überrascht. Ich bedanke mich für alles. Ich packe meine Sachen zusammen, während das Taxi wartet. Ich verabschiede mich und Tränen kommen in meine Augen, als ich das süße und wunderschöne 9-jährige Mädchen sehe. Ich sage Jenevieve, dass ich ihr auf Facebook schreiben werde.

 

Mit Jenevieve und mir wäre es nie zu etwas Ernsthaften gekommen, sie ist zu jung, zu einfach, nicht hübsch und nervte mich mit ihrer Fernsehsucht. Ihr Englisch ist ok, der Wortschatz aber nicht groß.

 

Ich komme zurück ins Hotel und Jeaneth ist nicht da! Ich bin überrascht, aber nicht geschockt, nur etwas beunruhigt. Der Typ vom Hotel sagt mir, Jeaneth hätte ihre Sachen von zu Hause holen wollen.

 

Nach etwa zwei Stunden Wartens werde ich unruhig und texte Jeaneth an. Wie befürchtet und schon andernorts erlebt, ist ihre Antwort, dass sie leider nicht kommen könne, sie habe ein Problem.

 

Alles bricht zusammen, für einen Moment wähne ich mich vor dem Nichts. Ich habe eine Woche kostenlose Unterkunft bei einer netten Familie verloren und muss jetzt das Hotel bezahlen. Allerdings ist Consolacion zu weit weg von Mandaue-Zentrum und Jenevieve hätte mir auch nicht viel zeigen können. Sie ist erst einige Monate hier und kennt zu wenig.

 

Aber mir droht wieder eine Nacht alleine – und ich war mir so sicher, dass Jeaneth 5 Tage permanent bei mir bleiben würde – sie hatte mir gesagt, dass sie sogar ihre Abrufbereitschaft – sie arbeitet standby als Tischreinigerin in einem Hotel, wegen dieser Arbeit war sie nach Mandaue gekommen – für diese Tage gecancelt hatte, nur um permanent mit mir zusammensein zu können.

 

Ich versuche, per Texten und am Telefon mit Jeaneth zu diskutieren. Sie muss kurzfristig 4000 Pesos tuition fee für ihren Sohn aufbringen und möchte am nächsten Morgen das Geld von einer Bekannten leihen. Ich ahne, dass das nicht der wahre Grund ist, weshalb sie nicht im Hotel blieb. Schließlich könnte sie die Nacht hier verbringen und am Morgen zu der Bekannten fahren.

 

Ich biete Jeaneth 2000 Pesos Hilfe an, doch sie lehnt ab.

Daraufhin texte ich einem weiteren Kontakt, Gina, die ich bisher mit Ausreden hingehalten hatte. Ich möchte nicht alleine im Hotel bleiben. Gina war neben Jenevieve die einzige, die sich sofort bereit erklärt hatte, mit mir ins Hotel zu kommen. Also könnte ich es probieren.

 

Gina ist einverstanden, dass ich zu ihr komme, eine abendliche, abenteuerliche Taxifahrt in einen eher armen Bezirk (Barangay) von Mandaue, Paknaan. Sie textet, dass sie an einem “Oneshop Bakeshop” auf mich warten würde, doch in Paknaan gibt es vier (!) dieser Shops. Als das Taxi am letzten ankommt, ist keine Frau zu sehen. Ich texte wieder …

 

Schließlich tauchen Gina und ihre Cousine Mylen auf. Gina ist ziemlich vollschlank, mehr als ich vorausgesehen hatte. Mylen gefällt mir besser, doch Gina ist mein Date …

 

Wir gehen durch schmale, dunkle Gänge zwischen Holzhütten zum “Haus” von Gina. Sie geht mit einer Taschenlampe voran, zeigt mir den Weg, damit ich nicht über große Steine oder andere Hindernisse stolpere. Das ist eine “squatter area”, ein Slum. “Squatter” bedeutet in diesem Fall nicht besetzte Häuser, sondern selbst gebaute Hütten auf einem nicht belegten Gebiet – ohne gesetzliche Erlaubnis. Gina wohnt hier mit ihrer Familie – Vater, Mutter, Gina, die zwei Kinder von Gina, Richie und Nicole, Mylen und zwei weiteren Cousinen oder Cousins. Von den acht Leuten in der Familie arbeiten nur zwei – Gina und ihr Vater. Sie verdienen 400 Pesos am Tag, das sind etwa 7 Euro. Davon müssen 8 Personen essen. Und die Kosten für Wasser, Strom und Haus, 2000 Pesos im Monat, müssen bezahlt werden.

 

Das “Haus” ist aus Holz und Bambus, ein Raum mit Ventilator an der Decke, etwa 12 qm groß (dunkel, spärlich beleuchtet). Eine Treppe führt zu einem zweiten Raum, wahrscheinlich der Schlafraum.

 

Wir machen ab, dass Gina, Mylen und ich irgendwo etwas trinken gehen, Gina dann mit mir ins Hotel kommt und Mylen ins Haus zurückkehrt. Gina ist schüchtern und ängstlich wegen ihrer Fülle. Ich versuche ihr die Angst zu nehmen, indem ich ihre Hand halte und ihr nette Worte sage.

 

Wir fahren zu dritt mit einem Tricycle, einem Motorrad mit Beiwagen, auf dem bis zu 7 Personen incl. Fahrer Platz haben. Ich hatte übrigens in Cagayan ein normales Motorrad gesehen, auf dem 5 (!) Personen saßen, Eltern und Kinder.

 

Wir fahren zu einer Tankstelle, kaufen 6 Dosen Bier und Chips, und setzen uns an einen Plastik-Tisch draußen auf der Tankstelle. Das ist hier wohl so üblich.

 

Mylen, 23, sucht auch einen Mann. Ich erwähne die Möglichkeit Alex. Gina hatte übrigens nicht in ihrem Profil angegebn, dass sie zwei Kinder hat. Wir tauschen uns über alles aus. Der Vater von Ginas Kindern hat sie verlassen und lebt jetzt mit einer anderen Frau zusammen, “but that's okay”. Ich nehme weiter Gina ihre Ängstlichkeit. Schließlich bezahle ich Mylen ein Taxi nach Hause und nehme mit Gina ein Taxi zum Guesthouse.

 

Im Zimmer angekommen werden wir ziemlich schnell intim. Doch es ist keine zärtliche Intimität, so wie ich sie mir wünsche, es ist nur ein Koitus, ohne längeres Vorspiel. Ich bringe sie zweimal zum Orgasmus, das genießt sie. Doch sie bleibt passiv. Und sie möchte mich die ganze Zeit über nicht auf den Mund küssen. Geschweige denn Zungenküsse.

 

Wir schlafen ein, ich möchte sie aber nicht umarmen oder berühren. Sie steht früh auf und fährt nach Hause, ich gebe ihr Geld für Taxi und Gemüse. Sie lädt mich für mittags zum Essen mit ihrer Familie ein.

 

 

 

19. März

 

Ich schlafe lange und muss mich dann sputen, um bei der Bank Traveller Cheques in Bargeld umzutauschen. Ich habe kein Bargeld mehr, auch gestern habe ich viel zu viel ausgegeben, hauptsächlich für Taxi, Gina und Restaurant mit Jeaneth. Ich möchte jetzt gar nicht mehr Taxi fahren und benutze Tricycle und Jeepney, um zur Bank zu kommen. Den Preis für das Tricycle kann man verhandeln, das lerne ich.

 

Die Umtauschaktion kostet Zeit, die Bank hier berechnet leider auch einige Pesos Gebühren. Ich habe nur einen Kaffee getrunken und nichts gefrühstückt. Aber ich möchte zu Gina, ihre Familie kennen lernen, ihre Nachbarschaft ansehen, und mich für den Tag von dem Geld, das ich Gina gegeben habe, vollfressen, denn ich muss jetzt sparen. Ich rechne aus, dass ich statt wie bisher mit 920 Pesos nunmehr mit 600 Pesos am Tag kalkulieren muss.

 

Von Gina möchte ich nichts mehr.

 

Ich fahre mit dem Jeepney nach Paknaan und habe einige Schwierigkeiten, mich dort zurechtzufinden. Mylen holt mich an einem Baumarkt ab und wir fahren mit dem Tricycle zu einem Treffpunkt. Von dort mit Ginas Bruder auf dessen Motorrad zu einer Art schäbigen Schmalspur-Internetcafé/Spielsalon, das Ginas Bruder managed. Seine 20-jährige Kindfrau ist gerade schwanger. Später lerne ich Ginas Mutter, Vater, Kinder, weitere Familienmitglieder und Freunde kennen, esse zwei Teller, trinke Cola und lasse mich in der Umgegend herumführen. Kaum zu beschreibende Armut, überall Müll, überall Leute, die keine Arbeit haben und herumgammeln, überall kleine Kinder. Kaputte Holzhütten mit Wellblech-Dächern, Sandwege.

 

Es ist schockierend, wie ungebremst hier jedes Jahr neue Kinder gezeugt werden. Die meisten Filipinos sind katholisch. Wie gut haben es die Kinder bei uns, wie wohlbehütet und sauber können sie aufwachsen …

 

Aus der Distanz sehe ich ein großes Binnenteil vom Meer, aus dem Jugendliche Plastiktüten herausziehen und waschen. Die verkaufen sie dann für 5 Pesos das Kilogramm an “Junk Shops”. Das ist ihre Arbeit, das ist ihr “Lebensunterhalt”.

 

Gina und Mylen bringen mich zum Jeepney, machen einige Fotos. Ich denke, dass ich Gina nicht mehr wiedersehen werde. Sie bittet mich noch um 500 Pesos für Essen (das ich dann auch hätte mitessen können). Ich erkläre ihr meine beengte finanzielle Situation und lehne Ginas Bitte ab.

 

Abends bin ich auf dem Weg zum Internetcafé, als mich ein weiterer Kontakt, Emy Rose, 20, antextet. Ich habe zwar nach der letzten Nacht keine besonderen “Ambitionen” mehr hier, und ich muss jetzt Geld sparen, doch sie erklärt sofort, zu mir kommen zu wollen und wir treffen uns beim Internetcafé.

 

Emy Rose ist eine unheimlich kleine Frau, etwa 1,35 m, zwei Köpfe kleiner als ich. Sie wirkt wie ein kleines Mädchen. Selbst die Filipinos mustern sie.

 

Aber sie ist irgendwie clever, ein typisches Web-Kind unserer Zeit, sie hat ein feines Gesicht – wie ich mehr und mehr konstatiere, je länger ich es beobachte – und geheimnisvolle Augen. Ihr Gesicht ist schön.

 

Sie hat noch nie mit einem Mann geschlafen, nur einen geküsst. Sie hatte schon einmal eine reine “Internet-Beziehung” mit einem Filipino. Von insgesamt 8 gleichaltrigen Mädchen in ihrer Clique haben 5 schon ein Kind oder sind schwanger, sie ist eine von dreien, bei denen das nicht so ist.

 

Sie lebt zusammen mit ihrer Mutter und ihrer zehnjährigen Schwester.

 

Ich finde Emy Rose unheimlich süß. Vielleicht habe ich einen Funken Mitleid mit ihr, wegen ihres kleines Wuchses. Sie hat bisher einen Mann durch eine Dating-Site getroffen, Bob, ein älterer US-Amerikaner. Bob bestellte mehrere Frauen im 30-Minuten-Takt zu einem Treffpunkt und schaute sie sich an. Die Frauen bekamen voneinander mit. Frech!

 

Ich weiß, dass mit Emy Rose nichts passieren wird – sie ist zu vorsichtig, die Zeit ist zu kurz, mein Hunger erst einmal wieder gestillt. Aber ich mag sie sehr gerne als Menschen, ich mag ihr Gesicht, ich mag ihre Lippen. Ich sage ihr, dass ich schon sehr glücklich sein würde, wenn ich sie in den nächsten Tagen küssen würde.

 

Wir sitzen übrigens in einer Tankstelle zusammen, in Anlehnung an den Vorabend mit Gina. Auf dem Nachhauseweg fängt es an, in Strömen zu regnen. Ich habe Turnschuhe an und beschließe zu laufen. Was für ein abenteuerliches Bild: Ich bin tausende Kilometer weit weg von meiner Heimat, zum ersten Mal in Asien, und laufe am späten Abend, in der Dunkelheit, bei strömendem Regen, in einem relativ armen Viertel, über glitschige Straßen, durch Pfützen, den Jeepneys, Autos, Tricycles, Motorrädern und Fahrradfahrern ausweichend, wie beim entspannten Jogging zurück zum Hotel.

 

Das ist wie in einem John Irving-Roman. Oder wie im Film “Magnolia”.

 

Jeaneth ist es heute nicht gelungen, die 4000 Pesos von ihrer Bekannten zu bekommen. Sie hält den Kontakt zu mir aufrecht und würde abends zu mir ins Hotel kommen, wenn ich das Taxi bezahlen würde. Ich schreibe, dass ich maximal 150 Pesos bezahlen könne, doch das reicht nicht für das Taxi. Jeaneth lehnt es ab, einen Jeepney zu mir zu nehmen. Sie nennt mich “thrifty”. Ich bin stolz auf mich, weil ich konsequent meinen Sparzwang über meine romantischen Bedürfnisse gestellt habe. Auch weil diese im Moment nicht so groß sind.

 

Und ich habe heute den bisherigen “Minusrekord”, den Sparrekord aufgestellt, und nur 174 Pesos ausgegeben ...

 

Jeaneth schreibt mir, dass sie nicht nur einen Ausländer für eine Beziehung sucht, sondern jemanden, der ihr mit ihrem harten Leben “hilft”. Das ist ihre Bedingung für den Start einer Beziehung.

 

20. März

 

Für diesen Morgen bin ich für 11 Uhr mit einem weiteren Kontakt, Rowella, verabredet. Treffpunkt: auf dem Gelände ihrer Firma “Innodata”, in ihrem “lunch break”.

 

Ich stehe um 8 Uhr auf, lasse alles in Ruhe angehen, frühstücke mal wieder und nehme dann den Jeepney. Ich erhalte einen Text von Jeaneth, sie möchte mich treffen, wir einigen uns auf 12 Uhr in der “Park Mall”. Ich habe auch mit Rowella keine großen Ambitionen. Ich möchte sie einfach sehen und dann entgültig entscheiden. Immerhin hatte mir ihre Freundin Roulette geschrieben, Rowella würde “alles” tun, was ich wolle.

 

Ich bemühe mich, einen Platz zu finden, an dem ich ungestört mit Rowella sprechen kann – ruhig, ohne vorbeilaufende und Rowella ansprechende Kollegen. Sie mag meine Bemühungen wahrscheinlich nicht so gerne. Wir setzen uns schließlich und ich komme ziemlich schnell auf den Punkt, frage sie, ob wir zusammen sein können. Sie zögert, vertröstet mich. Es kann sein, dass sie von meiner Erscheinung nicht beeindruckt ist – ich komme mit Kappe, T-Shirt und Jeans. Oder sie spürt, dass ich keine großen finanziellen Ressourcen habe.

 

Das interessiert mich nicht mehr, sie interessiert mich nicht. Ich freue mich auf das Treffen mit Jeaneth und fahre und laufe zur Park Mall, der bislang angenehmsten Mall, die ich auf den Philippinen gesehen habe – nicht “crowded”, etwas kleiner, ruhiger, angenehm, etwas besser situierte Menschen.

 

Jeaneth hat sich sehr sexy angezogen. Es wird klar, dass sie mit mir zusammen sein möchte, es wird klar, dass sie die 4000 Pesos von mir braucht. Ich mache den Fehler, alle meine Wünsche auf den Tisch zu legen und sie nach den ihren zu fragen. Das hat zur Folge, dass ich ihr anbiete, die 4000 Pesos zu besorgen, indem ich Alex und meine Mutter bitte, mir per Western Union 100 US-Dollar zu transferieren.

 

Wir sitzen auf einer Bank, berühren uns gelegentlich und halten manchmal unsere Hände. Jeaneth sagt, dass sie am morgigen Abend nach ihrer Arbeit zu mir ins Hotel kommen könnte, und dann bis Freitagmorgen, meinem Abflug, bei mir bleiben würde.

 

Vielleicht ist es falsch, jetzt dieses Geld Jeaneth zu geben. Ich werde mich bemühen müssen, nicht nach einem “Gegenwert” zu suchen. Aber ich habe durchaus Interesse an einer Heirat mit Jeaneth – selbst, wenn sie ihren älteren Sohn mit nach Deutschland nehmen würde. Jetzt schnell intim zu werden, wäre kein perfekter Start für eine Ehe. Doch es wird mir schwer fallen, auf den “Gegenwert” zu verzichten, Jeaneth sieht gut aus und hat einen tollen Körper.

 

Ich spüre eine Austauschbarkeit der Frauen, das Individuum ist nicht mehr so wichtig, mein Jägerinstinkt und meine Ego-Befriedigung dominieren. Das widert mich an. Ich muss aufpassen, nicht völlig den Respekt, die Wertschätzung der anderen Person zu verlieren.

 

Ich kann 3 US-Dollar, die ich noch hatte, in Pesos eintauschen, und gebe die ca. 143 Pesos Jeaneth, für ihre Fahrkosten. Danach schreibe ich 2 Mails an Alex und meine Mutter, bitte um 100 USD. Das ist sehr unangenehm, denn ich muss jetzt meinen Aufenthaltsort offenbaren. Besonders unangenehm meiner Mutter gegenüber.

 

Jeaneth und ich essen etwas bei Jollibee, einem philippinischen Fastfood-Restaurant. Danach sitzen wir wieder zusammen auf der Bank, unterhalten uns gut über unsere Leben, unsere Vergangenheit und Zukunft, über Deutschland und die Philippinen. Ich halte Jeaneth umarmt. Ich streichele ihren Arm, ihre Haut ist angenehm weich.

 

Sie hat Problem mit ihren Augen. Ich sage, dass sie unbedingt einen Arzt aufsuchen müsse. Dabei stellt sich heraus, dass sie noch nie in ihrem Leben einen Arzt besucht hat, selbst nicht während ihrer zwei Schwangerschaften. Ihre Kinder kamen zu Hause zur Welt.

 

Wir verabschieden uns, sie muss zur Arbeit. Ich fahre zu einem Ort, “Atrium”, den mir Rowella empfohlen hatte, und bekomme dort eine Karte von Cebu. Inzwischen hatte mir Emy Rose getextet und ich bitte sie, mich im “Atrium” zu treffen. Wir fahren zusammen zur City Hall im Zentrum, nichts Besonderes. Im Tourist Office bekomme ich weitere Karten und Informationen. Danach fahren wir zur “Park Mall”, Kaffee trinken, reden (über Schwangerschaft und Verhütung), ich kaufe im Supermarkt ein.

 

Ich muss 20 Minuten an zwei verschiedenen Kassen warten, weil die Kassencomputer abstürzen. Doch das bringt mich nicht aus der Ruhe. Hinzugelernt oder nur weil im Urlaub? Emy Rose besucht derweil den “CR” (Comfort room – WC).

 

Das Maximum, das ich von Emy Rose möchte, ist, sie zu küssen, ihre Lippen sind schön. Doch leider ist sie erkältet, so dass ich darauf verzichte.

 

Wir fahren zurück, ich gehe noch ins Internetcafé, auf dem Weg zurück zum Hotel regnet es wieder intensiv. Diesmal gehe ich, ich habe nicht die passenden Schuhe, um zu laufen.

 

21. März

 

Ich schlafe gut, frühstücke in Ruhe, trage in diesen Bericht nach und sehe CNN. Heute habe ich nur wenig vor: Noch einmal zum Tourist Office fahren und fragen, wie ich Mary Jane finden kann, Internet checken, Manuela zum Geburtstag gratulieren, Mieter Kotzow schreiben. Geld sparen. Toastbrot kaufen. Mich vorbereiten und auf Jeaneth warten. Lesen.

 

Ich fahre mit dem Jeepney ins Zentrum, die Leute im Tourist Office sind wieder sehr hilfsbereit. Sie bringen mich zur Comelec, der Wahlkommission, und dort sieht man im Wahlregister nach. Doch Mary Jane ist leider nicht registriert. Was kann ich noch tun? Man empfiehlt mir, mir eine andere Frau zu suchen.

 

Ich fahre zurück, kaufe ein, esse und hänge im Hotel ab. Ich werde schläfrig. So wie in Cagayan de Oro, da habe ich manchmal auch nachmittags im Hotel geschlafen. Ich merke jetzt, dass ich in den letzten 2 Wochen ziemlich beschäftigt war. Und ich merke, dass Nichtstun müde macht. So verschlafen viele arbeitslose Filipinos (so wie Jenevieve) ihre Zeit, ihr Leben.

 

Ich gehe ins Internetcafé, versuche bei Jet Airways per Skype-Call herauszubekommen, wie hoch meine Gebühr bei Ausreise aus den Philippinen sein wird. Emy hat mir geschrieben. Ich antworte noch nicht. Ghazal hat mir geschrieben. Ich werde aus Indonesien antworten, aus Angst, dass sie herausfindet, dass ich auch auf den Philippinen war. Ich schreibe Kotzow, Alex und meiner Mutter. Sie hat mir schon das gewünschte Geld, und mehr, transferiert, ich notiere die Nummer.

 

Zurück im Hotel, versuche ich, mit Emy Rose und Jeaneth zu kommunizieren, doch das ist jetzt schwer, denn ich habe kaum noch Load-Credit mehr. Emy Rose schreibt, dass sie jetzt richtig erkältet sei, ich gebe ihr Tipps. Sie fragt mich, ob sie mich um einen Gefallen bitten kann, ich antworte, dass es darauf ankäme, welcher. Danach keine Antwort von ihr.

 

Plötzlich kommt ein Text von Jeaneth, dass sie zu mir unterwegs sei. Ich dusche schnell, ziehe mich vernünftig an, trage einen guten Duft auf, dann ist sie schon da. Es ist etwa 8 Uhr abends, ich hatte sie um 11 Uhr erwartet. Ich freue mich.

 

Sie sieht toll aus, wir bestellen Pizza, essen, ich erwarte einen romantischen Abend. Sie packt ihre Sachen in den Schrank in meinem Zimmer.

 

Sie sagt, und ich sehe, dass sie sehr müde ist. Doch ich denke, dass trotzdem ein bis zwei Stunden Zärtlichkeit im Zimmer möglich sein sollten. Als sie sagt, dass sie müde sei, bitte ich sie aufs Zimmer. Doch sie möchte nicht, bleibt mit mir in der Hotellobby sitzen, wo der Boy penetrant in unserer Nähe bleibt. Jeaneth schlägt ein Magazin auf.

 

Ich bin überrascht von ihrem Verhalten. Ich hole mir mein Buch und schalte den Fernseher aus, um den Boy zu vertreiben. Das gelingt. Dann möchte Jeaneth mit mir ins Zimmer.

 

Sie zieht sich nicht aus, hat T-Shirt, BH, Slip und Short an. Ich habe meine Unterhose an. Ich mache das Licht aus. Sie legt sich ganz an die Wand, dreht den Rücken zu mir und deckt sich komplett zu. Sie bietet mir kein Stück Decke an!

 

Ich versuche sie zu streicheln und zu umarmen. Sie erklärt mir, dass sie seit 4 Jahren keinen Sex gehabt hätte und deshalb noch nicht dafür bereit sei.

 

Nach einigem Hin und Her erkläre ich mich einverstanden, dass wir nur liegen und ich sie höchstens umarme. Doch ich kann nicht schlafen, es ist zu früh und ihr Körper ist zu schön und zu verlockend. Es kommt mir vor wie Folter, einfach neben ihr zu liegen und sie nicht küssen und streicheln zu können.

 

Ich denke an den morgigen Tag und die morgige Nacht. Mein Plan war, mit Jeaneth Cebu-Delikatessen kaufen zu gehen, mit ihr an den Strand zu fahren und mich um einen Augenarzt für sie zu kümmern.

 

Jetzt habe ich starke Zweifel, ob ich überhaupt bis zu meiner Abreise einen Kuss von ihr bekommen werde. Ich sehe mich schon den ganzen morgigen Tag hinter ihr herbetteln – solch eine Situation mag ich nicht, ich möchte die Zuneigung einer Frau sofort oder zumindest ziemlich schnell bekommen. Ich hasse es zurückgewiesen zu werden.

 

Ich wäge ab: Wenn ich Jeaneth aufwecke und ihr erkläre, dass ich so nicht könne, dass es wie Folter für mich sei, und ihr anbiete, ihr Taxi nach Hause zu bezahlen, läge die Entscheidung bei ihr. Sie könnte immer noch überlegen, mit mir intim zu werden und das Geld für ihren Sohn zu bekommen oder nach Hause zu fahren und auf das Geld zu verzichten.

 

Ich wecke Jeaneth, sie entscheidet sich für den zweiten Weg und geht. Ich bin allein, etwas durcheinander und leicht traurig – aber nur schwach. Ich lenke mich ab, indem ich Dale Carnegie lese, und schlafe ein …

 

22. März

 

Am Morgen wache ich auf und bereue meine Entscheidung nicht. 4000 Pesos sind auch für mich Geld, das ich brauche (ca. 75 EUR). Was Jeaneth und mich eint, was wir gemeinsam haben, ist fehlendes Vertrauen bis hin zu Angst: Ich wollte das Geld nicht einem Menschen geben, den ich kaum kenne, der noch wenig Zuneigung zu mir zeigt und von dem ich mir nicht sicher bín, ob er und ich eine gemeinsame Zukunft aufbauen können. Jeaneth wollte nicht mit jemandem intim werden, den sie kaum kennt.

 

Vielleicht ist Jeaneth etwas zu ruhig für mich, vielleicht hätte sie in Deutschland ihre Mutter, Schwester, und ihren jüngeren Sohn vermisst. Wir hätten uns auch in den ersten Jahren nicht nur auf uns fokussieren, unsere Beziehung entwickeln und leben können, denn ihr älterer Sohn wäre bei uns gewesen.

 

Aber ich verstehe auch Jeaneth. Im Laufe des Tages diskutieren wir per Mail und Messages. Ich sage ihr, dass ich meine Wünsche von Anfang an deutlich artikuliert hatte. Sie wusste, dass wir im Hotel nicht nur nebeneinander schlafen würden, sondern dass wir uns küssen und streicheln würden. Sie hatte in ihrem Profil sinngemäß geschrieben, dass sie einem Mann, der ihren Sohn und sie finanziell unterstützen würde, alles geben würde. Durch ihr ewiges Hin und Her, ihre Unentschlossenheit, haben wir viel Zeit verloren. Sie ist für mich vergleichbar mit Joanne in Davao.

 

Sie sagt, sie sei nicht wie andere Filipina, die One-Night-Stands mit Ausländern haben würden, um etwas Geld zu verdienen. Das heiße ich gut. Aber ich wollte auch keinen One-Night-Stand, sondern eine Woche, mit der Option auf Heirat.

 

Da kommt dann wieder ins Spiel, dass die Frauen nicht bereit sind, auf meine Wünsche einzugehen, weil sie schon sehen, dass ich nicht das entsprechende Geld, den “Gegenwert” zu bieten habe. Jeaneth nannte mich “thrifty”, d.h. “sparsam” oder sogar “knauserig”.

 

Jeaneth hatte gehofft, dass ich ihr die 4000 Pesos auch geben würde, ohne intim mit ihr zu werden. So haben wir beide erst einmal auf den “Gegenwert” gewartet, ohne bereit zu sein, vorher zu geben.

 

In einer Message wirft sie mir dann noch vor, zu spät zu einem Treffen gekommen zu sein, sie nicht schnell genug gefragt zu haben, ob sie Hunger habe, und ihr nicht einmal das Taxi nach Hause bezahlt zu haben. Ich weise das alles zurück ...

 

Es kommt ein anderer Text von Emy Rose, die ich noch versucht hatte zum Abschied zu treffen. Der Text gibt mir zu denken, denn Emy Rose nennt mich einen “selfish man”. Sie hätte mir immer geholfen, wenn ich sie brauchte, doch als sie mich gestern um einen Gefallen bat, hätte ich nicht reagiert.

 

Das ist so nicht richtig, ich habe ja reagiert, danach sie nicht. Es stellt sich heraus, dass sie mich um Geld für Medikamente bitten wollte. Ich biete ihr an, ihr 200 Pesos zu geben, viel mehr geht nicht, denn ich muss morgen noch essen und trinken. Ich würde ihr das Geld geben, wenn sie bis 8 pm in mein Hotel käme.

Vielleicht versteht sie die Bitte, ins Hotel zu kommen, falsch. Vielleicht sind ihr auch 200 Pesos zu “thrifty”. Ich stelle das mit dem Hotel klar. Sie verabschiedet sich per Text und verspricht mir, nach meiner Ankunft zu Hause zu schreiben.

 

Was habe ich heute noch gemacht? Morgens bin ich ins Zentrum, zum “Mercado” mit vielen Straßenhändlern gefahren und habe philippinische/cebuanische Spezialitäten gegessen: “Budbud”, gekochter Reis, in Bananenblätter eingelegt, “Biko”, klebriger Reis, in Kokosmilch gekocht und mit Caramel durchmischt, “Lechon” (in der Gaisano Mall), geröstetes Schweinefleisch in Essig und Chili.

 

Dann mehr als zwei Stunden im Internetcafé verbracht, hauptsächlich, um mit Jeaneth zu kommunizieren, aber auch mit Deutschland und mit drei anderen Frauen aus Mandaue. Ich bin ein verdammter Spieler, ein Jäger ...

 

Die Verbindung ist langsam, einmal stürzt der Browser ab und eine schon fertig geschriebene, doch noch nicht gesendete Mail an Alex ist weg. Als ich das Internetcafé verlasse, ist mir schwindlig und ich habe Orientierungsprobleme, auf der Straße stolpere ich beinahe.

 

Emy geantwortet, wieder Wünsche für sie ausgesprochen, ihr gesagt, dass ich sie noch immer heiraten möchte, sie aber vorher treffen muss. Ihr erneut geraten, ihren Pass zu erneuern. Sie schrieb wiederholt, dass sie hoffe, dass wir uns eines Tages begegnen. Sie entschuldigt sich in jeder Mail für irgend etwas. Einen richtigen Dialog haben wir nicht, doch den hatte/habe ich mit kaum einer philippinischen Frau.

 

Am Nachmittag versucht, mit Jeaneth, Emy Rose und den drei anderen Frauen zu kommunizieren, was schwer ist, weil ich kein “Load” mehr auf meinen philippinischen SIM-Karten habe, und dieses auch nicht für die wenigen Stunden erneuern möchte. Ich kann also nicht mehr texten.

 

Etwas fern gesehen, gegessen, die Zeit verstreicht schnell, dann ist es acht Uhr abends und ich bereite mich zum Schlafen vor, denn ich muss um 4:30 Uhr aufstehen, um 5:15 Uhr soll mich das kostenlose Taxi abholen.

 

Doch dann komme ich mit Kevin, einem der beiden Hotelboys, ins Gespräch. Thema natürlich: die philippinischen Frauen. Er sagt, dass alle philippinischen Frauen von den ausländischen Männern Geld wollen. Geld heißt nicht nur ein paar hundert, sondern mindestens 1000 Pesos am Tag, Geschenke, Sicherheit. Wenn die Ausländer das gäben, würden die Frauen im Gegenzug alles tun. Er sagt, dass das, was ich den verschiedenen Frauen anbot oder gab (gar nichts bis 1000 Pesos), wohl zu wenig war, und sie sich deshalb nicht mit mir einließen.

 

Ich beschließe, Kevin und Ruel 100 Pesos zu schenken, sie beschließen, mich zum gemeinsamen Rumtrinken einzuladen.

 

Dann wird es schnell etwas wild und lustig. Kevin stellt mich einer Freundin, einer 19-jährigen aus Leyte vor. Ich chatte mit ihr per Text, wir sehen uns über Webcam (sie im Internetcafé mit zwei Begleiterinnen im Hintergrund, ich mit Kevin und Ruel neben mir), gleichzeitig spricht sie über Handy mit Ruel und mir. Für mich ist das mehr ein Spaß. Und ein weiterer Versuch, mir möglichst viele Optionen für die Zukunft zu eröffnen.

 

Aber ich hatte auch drei Optionen, als ich auf die Philippinen gekommen bin – und keine einzige habe ich getroffen. Ich hatte mindestens 5 Optionen in Davao und noch mehr in Mandaue – und konnte am Ende, nach all dem betriebenen Aufwand, froh sein, zwei One-Night-Stands gehabt zu haben.

 

Ich werde Facebook-Freund mit dem Mädchen, Kevin und Ruel. Kevin bittet mich darum, ihm meinen Schildkröten-Ohrenstecker zu schenken, was ich tue. Den hatte ich schon seit 2000, Jessica-Zeiten. Eine schöne Erinnerung, hat mir Glück gebracht, aber auch nicht (in den letzten Monaten der Beziehung), deshalb mache ich Kevin gerne die Freude.

 

Im Facebook-Chat, den ich fast noch nie benutzt habe, chattet mich Yasmine aus Italien/Marokko an. Ich schreibe ihr, dass ich “busy at work” sei, bitte sie darum, mir eine Mail zu schreiben.

 

Währenddessen hat mir auch Jeaneth noch einmal geschrieben. Sie gibt mir recht, dass wir zu wenig Zeit hatten. Sie bittet mich, ihr nur noch per Mail zu schreiben, nicht mehr über die Dating-Site. Sie wolle die Dating-Site nicht mehr nutzen. Das erfreut mich. Ich interpretiere das so, dass sie es mit mir ernst meint, und sich auf mich konzentrieren möchte. Ich frage sie, ob ich das richtig interpretiere. Ich erkläre ihr, dass ich nach der schlechten Erfahrung mit Jenesis, von der ich ihr erzählt hatte, vorsichtig damit geworden bin, Geld zu geben. Jeaneth wünscht mir einen guten Heimflug. Wenn sie wüsste …

 

Vor dem Chat mit dem Mädchen aus Leyte hatte noch Pamela, eine der drei Abend-Kandidatinnen, angerufen. Mit der hatte ich schon von Davao aus Kontakt, sie ist wirklich interessiert. Aber auch sehr anständig. Ich hatte zwar heute direkt geschrieben, was ich wollte, doch das hat sie alles nicht so richtig verstanden. Sie möchte mich im SM treffen. Ich sage, dass ich nur ein Taxi dorthin nehmen würde, wenn sie garantieren würde, mit mir ins Hotel zu kommen. Das möchte sie nicht. Ich bitte noch Kevin, ihr genau zu texten, was ich möchte. Sie antwortet, dass sie nicht käme,ich könne mir ein Callgirl holen. Sie wünscht mir einen guten Flug.

 

Etwas angetrunken falle ich um 0:15 Uhr ins Bett …

 

23. März

 

ich werde um 5:15 Uhr geweckt, das Taxi ist da, Kevin und Ruel haben es nicht geschafft, mich um 4:30 Uhr zu wecken. Schnell die letzten Sachen gepackt, dann ohne Kaffee und ohne Frühstück ins Taxi gestiegen.

 

Das Taxi vom Hotel zum Flughafen würde nur 110 Pesos kosten (dies bezahlt das Hotel). Ich ärgere mich ein wenig, denn das bedeutet, dass Jeaneth – die nicht so weit vom Flughafen entfernt wohnt – an jenem Abend durchaus für bis zu 150 Pesos das Taxi zu mir hätte nehmen können.

 

Ich putze auf dem Flughafen Zähne, kämme mich und frühstücke. Kaffee gibt es später im Flugzeug nach Manila.

 

Ich verlasse Cebu, ich verlasse Mandaue. Insgesamt hat es mir hier “am besten” gefallen, wenn ich das so euphemistisch sagen darf: Ich hatte mehr Kontakt und mehr Gespräche mit Leuten als in Davao und Cagayan de Oro. Ich war mehr auf der Straße unterwegs und habe Land und Leute etwas besser kennenlernen können. Ich habe gelernt, mich selbst zurechtzufinden.

 

Nachdem ich in Manila sämtliche restliche Gebühren für die Ausreise bezahlt und etwas Cola gekauft habe, bleiben noch 520 Pesos in meinem Portemonnaie. Schade, die hätte ich sehr gerne Jeaneth oder Emy Rose gegeben.

 

Am Ende war ich so sparsam, dass ich mit meinem mitgebrachten Geld locker hingekommen und sogar noch einen kleinen Betrag verschenken konnte. Das von meiner Mutter transferierte Geld für Jeaneth habe ich nicht genutzt. Schade, dass ich für diese Aktion meinen Aufenthaltsort preisgab. Und das wäre gar nicht erforderlich gewesen, denn ich kann mir das transferierte Geld an jedem Ort der Welt auszahlen lassen.

 

Ich bin froh, endlich die Philippinen zu verlassen, mir hat es insgesamt nicht gefallen, hauptsächlich, weil viele Leute unehrlich sind und man sich nicht auf das verlassen kann, was sie schreiben. Und sie lesen nicht das, was ich schreibe, sondern das, was sie herauslesen wollen.

 

Jetzt geht es nach Indonesien und ich bete, dass die Frauen dort etwas anders sind, und Neneng nicht die Tatsache, dass sie mich einmal um 50 Euro für die Fahrt von ihrem Ort nach Bandung gebeten hat, und ich antwortete, ich würde sie stattdessen mit dem Taxi abholen, zum Anlass nimmt, an meinem Zahlungswillen zu zweifeln und nicht ins Hotel zu kommen. Das ist eine ähnliche Situation wie mit Bella in Davao. Auch Neneng hat mir bis gestern nicht geschrieben. Es wäre ok, wenn sie nicht im Hotel erscheinen, aber zumindest zulassen würde, dass ich sie mit dem Taxi abhole. Ich harre der Dinge …

 

Eigentlich wünsche ich mir, nicht nach Indonesien zu fliegen, sondern nach Hause. Alles klar strukturiert und organisiert da. Und im Hintergrund schimmert der Besuch bei Ghazal, schon 5 Tage nach meiner Rückkehr nach Deutschland. Wieder eine andere Kultur, wieder andere Menschen, wieder eine andere Persönlichkeit. Ich hoffe sehr, dass ich - angesichts der Kürze der Zeit zum Verarbeiten und der raschen Wechsel der Orte und der Kulturen – einigermaßen in der Lage sein werde, die richtigen Schlüsse aus meinen neuen Erfahrungen zu ziehen und ruhig und gut vorbereitet nach Marokko zu fliegen.

 

Und mich dort gut zu benehmen! Nicht auf den ersten Kuss mit Ghazal zu drängen, sondern geduldig auf ihn zu warten.

 

Mein neuer philippinischer Freund Audrey gab übrigens für Treffen mit philippinischen Frauen folgende Faustregel aus: Wenn du merkst, dass es nichts “auf Dauer” ist, muss nach zwei, drei Tagen spätestens der erste Kuss passieren. Wenn es etwas auf Dauer werden soll, warte länger auf den ersten Kuss.

 

Ich wollte den ersten Kuss meist schon am ersten, spätestens am zweiten Abend ...

 

Ich fliege von Manila nach Jakarta über Singapur und habe dort 6 Stunden Aufenthalt auf dem Flughafen. Mein erster Eindruck beim Anflug ist - wie erwartet - sehr gut. Ich sehe ein sehr klar strukturiertes Stadtbild, saubere Straßen und Häuser, Strände, eine hochinteressante Architektur der großen und kleineren (mit Spitzdach, sehr unüblich außerhalb von Europa) Häuser.

 

Und dann der Flughafen! Das ist der Hammer. Der Flughafen übertrifft alle, die ich bisher gesehen habe, einschließlich Istanbul. Alles ist mit Teppich ausgelegt, weitläufig, ruhig, sicher, bequem. Überall gibt es Stationen mit freiem Internet-Zugang. Die Comfort Rooms sind großzügig mit Marmor, Wasserhähnen mit Bewegungsmelder und modernem Händetrockner ausgestattet. Das Personal ist präsent und kompetent. Man kann in USD, Euro und etwa 4 weiteren Währungen Cash bezahlen. Ich bezahle bei Starbucks einen großen Kaffee mit 4 Euro, tausche dann die 520 Pesos in 15,05 Singapur-Dollar und kaufe nochmal 3 Gerichte bei Starbucks. Das SGD-Papiergeld ist sehr faszinierend, eigenartiges Papier, teilweise durchsichtig.

 

Jeaneth und Emy haben wieder geschrieben. Emy schreibe ich, dass ich frühestens im Juli zu ihr kommen kann. Ich bitte sie herauszufinden, wie teuer die Verlängerung ihres Passes sein wird und biete ihr an, das zu bezahlen. Ich bitte sie, mir ihre finanzielle Situation und die ihrer Familie klar darzulegen. Ich schreibe ihr, dass wir uns treffen müssen, bevor wir heiraten. Ich sage, dass ich nicht weiß, warum ich diese Gefühle für sie habe, aber dass ich sie habe.

 

Bei Jeaneth, die ich ja im Gegensatz zu Emy schon gesehen habe, verhält es sich anders. Sie fragt mich, wie sie eine ernsthafte Beziehung mit mir beginnen könne, wenn ich ihr jetzt nicht helfen würde. Wieder dieses Spiel, wer den ersten Schritt macht, welche Vorbedingung erfüllt werden muss, um den gewünschten Gegenwert zu erhalten. Ich stelle nochmal klar, dass ich Liebe nicht kaufe, dass ich jetzt kein Geld an sie überweisen werde, dass die Chance da war, dass ich Jeaneth das Geld gebe, dass ich eine ernsthafte Beziehung mit Jeaneth aufbauen möchte und dann auch für sie und ihren Sohn sorgen werde. Aber ich spüre schon, dass das mit Jeaneth zu nichts führen wird, sie wird den Kontakt zu mir wohl abbrechen, wenn ich nichts zahle.

 

Um 20:30 Uhr fliege ich von Singapur nach Jakarta ab. Eine Stunde später komme ich in Indonesien an … und sofort ist alles anders! Ich muss 250.000 Rupiah Visagebühr bezahlen, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich befürchte, nicht mehr genügend Bargeld für den Bus nach Bandung und das Taxi dort zu haben. Ich rechne nochmal nach und stelle fest, dass 250.000 Rupiah nicht 25 USD entsprechen und ich etwas zuviel bezahlt habe. Der Beamte, der die Visaplakette ausgibt, bestätigt das und sagt, dass an der Zahlstelle oft zuviel verlangt, also betrogen werde. Ich gehe zurück und diskutiere mit dem Kassierer, verlange, den Manager sprechen zu dürfen. Ich biete dem Kassierer an, 230.000 Rupiah zu zahlen. Der Kassierer wird sehr aufgebracht, nimmt schießlich 50.000 Rupiah aus einer Tasche oder von woanders her, da bin ich mir nicht sicher, und lässt mich nur 200.000 Rupiah bezahlen.

 

Als ich nach dem Weg zum Bus frage, möchte der Mann, der ihn mir zeigt, prompt Geld von mir – sehr unangenehm. Draußen stürzen sich sofort Taxifahrer und andere zwielichtige Figuren auf mich und bieten mir “günstigen” Door-to-door-Transport an. Ich lehne ab, und versuche die Busunternehmen zu finden, die nach Bandung fahren. Das Problem – kaum jemand spricht Englisch!

 

Das hatte ich nun gar nicht erwartet, und das ist ganz anders als noch auf den Philippinen. So extrem habe ich das lange nicht mehr erlebt, vielleicht in Frankreich oder Brasilien. Ich muss einen Polizisten um Hilfe bitten, der schließlich mit den Leuten vom Busunternehmen redet.

 

Die indonesischen Männer sehen anders aus als die Filipinos. Irgendwie hässlicher, pickliger, ungesund, dreckig, schmierig, langhaarig. Niemand tut etwas, alle reden miteinander, lachen, denken cool zu sein, schieben sich gegenseitig Verantwortung und Arbeit weiter. Und das wichtigste: Alle rauchen, manche vielleicht nicht nur Zigaretten.

 

Der Bus fährt mit dreißig Minuten Verspätung um 23 Uhr ab, aber er fährt, und er fährt schnell. Ich lerne einen netten Mann aus Bandung kennen, Mugi, der Englisch spricht, mir hilft, und veranlasst, dass der Bus direkt an meinem Hotel hält.

 

Ich spare also das Taxi-Geld, und der Bus Jakarta-Bandung kostet auch weniger als erwartet: 90.000 Rupiah.

 

Ich bin jetzt hundemüde! Auf der Fahrt nach Bandung denke ich noch einmal intensiv an Emy. Jetzt werde ich wohl ziemlich schnell die Philippinen und alles, was ich dort erlebt habe, hinter mich lassen. Denn hier ist alles anders …

 

Leider ist es zu dunkel, um etwas zu sehen, aber ich begreife, dass Jakarta eine riesige Stadt ist. Wir fahren sehr lange, bis wir überhaupt die Stadt verlassen haben. Es herrscht Linksverkehr, Steuer rechts, wie in England. Die Autobahnen sind sehr gut, wie in Europa, viel besser als auf den Philippinen. Sie sind 2- bis 4-spurig. Es kommt mir so vor, als würde ich unterwegs viel Industrie sehen – Indonesien ist eine emerging economy. Slums sehe ich nicht – aber es ist auch dunkel.

 

Ich weiß nicht, wann wir in Bandung ankommen, es mag gegen 2 Uhr sein. Mugi bezahlt eine kurze Taxifahrt. Dann der Schock: Das Hotel ist verschlossen, niemand reagiert auf Rufen und Klopfen. Ich bin müde und auf dem Weg zu verzweifeln. Mugi holt jemandem vom benachbarten, großen “Aston”-Hotel und fährt dann weiter. Jetzt habe ich niemanden mehr, der Englisch spricht.

 

Auch der Aston-Security-Typ fragt mich nach “money” - eklig. Wir laufen in der Dunkelheit einige Male zwischen den Hotels – das Aston liegt rückwärtig auf einem kleinen Hügel - hin und her, und um mein Hotel herum, ich immer mit meinem Koffer und zwei Taschen.

 

Der Manager des Aston-Hotels ist sehr nett, lässt mich das Internet nutzen, spricht mit der Polizei und lässt mich schließlich von zwei Mitarbeitern zur Polizei fahren. Dort soll es jemanden geben, der Englisch spricht.

 

Bei der Polizei ist es ähnlich wie am Flughafen. Alle sprechen miteinander, Polizei und Hotelangestellte, man lacht, man raucht – niemand ist verantwortlich. Ich mache mehrere Vorschläge, wie mir geholfen werden kann – niemand trifft eine Entscheidung. Ich verlange nach dem diensthabenden Offizier, doch der schläft. Schließlich sagt man mir, jemand würde für mich das Schloss zum Hotel öffnen. Der Englisch sprechende Polizist würde mitkommen. Zwischenzeitlich hatte dieser bei Neneng angerufen, um 3 Uhr nachts, und ich hatte kurz mit ihr gesprochen. Sie empfahl wohl, dass ich ein anderes Hotel nähme. Doch dafür habe ich kein Bargeld.

 

Das Versprechen der Polizei ist ein Trick, um mich loszuwerden. Die anderen Polizisten kommen nicht mit, nur die beiden Hotelangestellten und ein Polizist (?) in Zivil fahren mit mir. Der Polizist tut aber auch nichts anderes als wir schon eine Stunde vorher versucht hatten. An der Eingangstür rütteln und rufen.

 

Dann erreicht der Aston-Hotel-Typ wie durch ein Wunder endlich eine der drei Handy-Nummern meines Hotels. 5 Minuten später kommt jemand, um zu öffnen. Um 4 Uhr morgens kann ich mit jemandem vom Hotel auf Englisch sprechen und bekomme einen Schlafplatz: einen Raum, sehr nahe an der Straße, sehr laut, ohne richtiges WC. Aber das ist ok, und ich kann immerhin etwa 7 Stunden schlafen …

 

24. März

 

Am Morgen wird es etwas besser. Ich spreche mit dem Hoteltypen. Dieser ist untröstlich, sein Bruder, der eigentlich das Hotel leitet, läge auf der Intensivstation und könne nicht sprechen. Deshalb wusste man nichts Genaues über mein Kommen. Und der Internet-Hotel-Bucher hätte versehentlich mein Zimmer doppelt belegt. Der Hoteltyp bietet mir zwei Nächte Kompensation an. Ich bekomme ein besseres Zimmer, mein “richtiges” Zimmer soll ich am nächsten Tag bekommen. Man ist so nett und besorgt mir einen Wasserkocher für meinen Kaffee. Ich bekomme alle Schlüssel, die ich brauche.

 

Um 11 Uhr war Neneng über Handy nicht erreichbar und ich hatte Mühe, mir keine Sorgen zu machen. Doch eine Stunde später erreiche ich sie und wir verabreden tatsächlich, dass ich sie um 14 Uhr am vereinbarten Treffpunkt mit dem Taxi abhole.

 

Ich dusche, rasiere mich, ziehe mich gut an und freue mich. Pünktlich stelle ich mich an die Straße, um ein Taxi zu nehmen. Ich hatte schon in Deutschland bei “Google Maps” gesehen, dass die Entfernung zwischen Hotel und Treffpunkt nicht groß ist, ich dachte sogar, ich könne laufen. Ich dachte, das Taxi könne nicht teuer sein, und ein Typ vom Hotel (der allerdings kein Englisch spricht) bestätigt das, er schätzt 50.000 Rupiah für eine Strecke.

 

Welch fatale Fehleinschätzungen!

 

Der Taxifahrer spricht kein Wort Englisch. Er hantiert pausenlos am Taxameter herum. Er fasst mich ständig an, er spricht dauernd von “money” und bittet mich, die Autobahn-Tolls zu bezahlen. Es kommt mir vor, als führe er einen riesigen Umweg. Ich bekomme es mit der Angst zu tun!

 

Ich notiere mir Taxinummer und Fahrernamen. Plötzlich bietet mir der Fahrer sein Handy an und ich kann Neneng sagen, dass ich unterwegs bin und ihr von meinen Befürchtungen berichten. Wir sind jetzt noch immer 15 km vom Ort des Treffpunkts entfernt. Schon lange ist der von mir erwartete Betrag überschritten. Doch schließlich erreichen wir den Ort und ich denke, dass der Taxifahrer irgendwelche Leute nach dem Weg fragen möchte. Eine alte Frau weist uns weiter. Ich möchte einer jungen Frau den Zettel mit den Angaben zum Treffpunkt zeigen. Da sagt sie zu mir, dass sie Neneng sei! Sie spricht ein wenig Deutsch. Doch sie sieht vollkommen anders aus als auf den Fotos: leicht dicker im Gesicht und Körper, Zahnspange, schlechte Haut.

 

Ich spreche noch kurz und nett mit der alten Frau, Nenengs Stiefgroßmutter, und anderen Stiefgeschwistern. Eine Stiefschwester spricht ebenfalls Deutsch. Wir setzen uns auf die Rückbank des Taxis und brechen auf. Ich bin glücklich - Neneng ist das einzige der geplanten vier Treffen, das wirklich zustande gekommen ist. Sie lächelt und ist sehr positiv, wir sprechen ein wenig Deutsch, hauptsächlich Englisch. Sie erzählt mir, dass sie ihren Deutsch-A1-Test bestanden hat. Ich sage, dass sie ein guter und ehrlicher Mensch sei …

 

Alles scheint gut zu sein, das Ziel ist nun, Bargeld zu besorgen, indem ich irgendwo das Geld abhebe, dass mir meine Mutter via Western Union überwiesen hatte.

 

Doch der Plan scheitert tragisch und führt fast dazu, dass die Begegnung mit Neneng sofort wieder endet. Nach langer Suche finden wir eine Möglichkeit, Western Union zu nutzen, doch dort sagt man uns, dass die Money Transfer Number falsch sei! Neneng ist inzwischen sehr genervt von der Geldsuche, von meinem Misstrauen dem Taxifahrer gegenüber, von ihrer Rolle als Übersetzerin. Sicherlich heißt sie auch nicht gut, dass ich kein Bargeld dabei habe, das ist von mir als Deutschen doch zu erwarten …

 

Wir fahren ewig durch viel Verkehr zum Hotel. Neneng wirft mir vor, ich hätte das Hotel übersehen, dabei war der Taxifahrer auf der falschen Straßenseite gefahren. Als wir zum Hotel kommen, ist Neneng – wenig überraschend - von dessen Aussehen enttäuscht, das Hotel ist nicht einmal ein durchschnittliches Guesthouse. Neneng wirft mir vor, ich hätte die Hotels, die sie mir empfohlen hatte, nicht gebucht. Sicherlich weiß sie auch, dass diese etwas teurer sind und mag sich denken, dass ich nicht soviel Geld besitze, wie sie vielleicht erhofft hatte.

 

Ich biete dem Taxifahrer an- immer mit Neneng als genervter Übersetzerin – ihm sein Geld – stolze 530.000 Rupiah – am Montag zu zahlen und ihm meine Passkopie zu geben. Er möchte meinen Pass, das möchte ich nicht. Ich versuche mit dem Hotelmanager zu sprechen, doch der ist nicht in der Stadt. Ich gehe wieder zum Aston-Hotel und wieder hilft man mir sehr nett. Es gibt keine Möglichkeit, meine Traveller Cheques irgendwo einzutauschen – Wochenende. Schließlich kommt der Hotelmanager mit mir zum Taxifahrer und überzeugt diesen endlich, bis Montag zu warten.

 

Endlich ist dieser Mann weg! Zwischenzeitlich wollte ich abwechselnd vor Verzweiflung weinen und dem Taxifahrer vor Wut an den Kragen gehen. Ich mache ihn dafür verantwortlich, alles zwischen Neneng und mir zu zerstören. In einer Situation sagte Neneng, dass sie nach Hause gehen wolle.

 

Jetzt versuche ich , Neneng zu beruhigen und die Scherben aufzufegen. Neneng wirft mir vor, ich hätte ihr nicht getraut und ihr deshalb nicht die 50 Euro für das Taxi überwiesen. Ich streite das ab. Ich bitte Neneng um Vertrauen und um Nachsicht für meine schlechte Planung. Ich sei doch zum ersten Mal in Indonesien.

 

Der Abend endet beruhigt und in besserer Stimmung seitens Neneng. Ich bitte meine Mutter und Alex per Internet um eine erneute Western Union-Überweisung bzw. Korrektur der letzten. Neneng und ich essen indonesisch (an der Straße), trinken Kaffee im Internetcafé, ich kaufe ihr Zigaretten (das hatte sie mir verschwiegen), sehen meine Fotos auf Facebook an.

 

Es gibt nur einen Wermutstropfen: Neneng sagt, sie könne nicht mit mir im selben Zimmer schlafen, dann würden die Leute die Polizei rufen. Sie hätte mir das auch vorher per Mail geschrieben.

 

Doch das hat sie definitiv nicht getan, und sie wusste, dass ich ein Zimmer für 2 Personen reserviert hatte. Ich vermute, dass ihr Wunsch nach getrenntem Schlafen Resultat des heutigen Nachmittags ist. Doch vorerst zwinge ich mich dazu, ihren Wunsch zu akzeptieren. Ich möchte einen schönen nächsten Tag mit ihr haben und den ersten Kuss bekommen …

 

25. März

 

Etwas länger geschlafen (9 Stunden), aber mehr Schlaf nachholen wollte mein Körper wohl nicht. Ich war um 23 Uhr ins Bett gegangen, Neneng schon um 21 Uhr. Um 9 Uhr klopfe ich bei ihr an – keine Reaktion. Ich trinke Kaffee, etwas später kommt sie, hat die Kleidung gewechselt. Wir sitzen sehr lange zusammen und unterhalten uns gut. Sie ist intelligent und interessiert, alles über Deutschland und Europa zu erfahren. Ich höre im Laufe des Tages immer mehr über sie und ihre Familie. Ich höre, dass sie schon einmal für 3 Monate in Deutschland bei ihrer Stiefschwester war. Ich erfahre, dass sie neben einem französischen Boyfriend auch einen in Indonesien und – für wenige Tage – einen in Deutschland hatte. Ich erfahre, dass vor mir schon zwei andere Deutsche über die Dating site zu ihr nach Indonesien gekommen wären, der eine für 3 Tage, der andere für 1 Woche. Beide wollten sie nicht heiraten, sondern nur Spaß haben. Mit beiden war sie im Hotel, allerdings in getrennten Zimmern, einmal sogar zusammen mit ihrer Cousine. Wenn das stimmt, liegt ihr Wunsch nach getrenntem Schlafen doch nicht an den Ereignissen vom vorherigen Nachmittag.

 

Wir haben ein sehr leckeres, billiges Mittagessen in einem “Imbiss”, mit Soja-Sprossen und Tofu (“Kupat Tahu”). Wir gehen in eine “Shopping Mall”, wo hauptsächlich imitierte Mode von Companies aus Korea und China verkauft wird. Wir besuchen zweimal das Internetcafé, das auf dem Hügel, noch hinter dem Aston-Hotel, liegt. Abends gibt es ein anderes leckeres, billiges Essen, eine Suppe mit Einlage (“Bakso”).

 

Ansonsten sitzen wir im Hotel-Eingangsraum und reden. Das ist alles sehr gut, hat aber einen Wermutstropfen: Ich frage sie sehr viel über sie, über ihre Familie und Indonesien. Sie fragt mich zu Deutschland und Europa, aber kaum über mein Leben. Nur, warum ich geschieden bin …

 

Sie sagt, man könne eine Person am besten kennenlernen, wenn man sie über mehrere Tage einfach sehen, beobachten würde. Das ist eine sehr gute, interessante Theorie – und sie widerspricht völlig meiner Herangehensweise des Abtastens, Abcheckens und direkten Ausfragens.

 

Ich denke, ich kann hier mit und von Neneng viel lernen. Nachdem ich auf den Philippinen zweimal One-Night-Stands hatte, brauche ich nun keine körperliche Nähe mehr. Ich kann hier wirklich lernen, mich mit Nenengs Vorstellungen abzufinden, sie überhaupt nicht zu bedrängen, keinerlei Druck auf sie auszuüben, einfach eine gute Zeit mit ihr zu haben und am Ende zu sehen, ob wir beide eine Beziehung beginnen wollen.

 

Doch ich bin mir nicht sicher,ob ich das durchhalten werde. Heute war ich sehr ruhig, wollte sie nicht einmal berühren. Aber vielleicht werde ich in den nächsten Tagen den ersten Kuss haben wollen. Vielleicht werde ich sie am letzten Tag zu einer Entscheidung über uns drängen.

 

Eine wichtige Prüfung steht für morgen bevor. Wenn ich sowohl Geld durch meine Traveler Cheques als auch von Western Union erhalte, wird Neneng ein besseres Hotel fordern. Das ist noch ok, aber wenn ich in diesem besseren, teueren Hotel zwei Einzelzimmer bezahlen muss – die natürlich viel teurer sind als ein Doppelzimmer - kann ich das vielleicht nicht, ich habe nicht so viel Geld, und will es auch nicht. Ich werde wieder abwägen – wie bei Jeaneth – und vielleicht denken, dass die Chancen bei Neneng nicht eindeutig genug sind, aber vielleicht auch ich sie nicht so gerne mag, um zu viel Geld für ihre Wünsche auszugeben …

 

Im Hotel habe ich jetzt mein gebuchtes Zimmer bekommen, was wiederum schlechter ist als mein Zimmer von letzter Nacht. Neneng und ich verabschieden uns früh und ziehen uns auf unsere getrennten Zimmer zurück …

 

 

26. März

 

Einigermaßen geschlafen, mit einer Unterbrechung. Zeitig aufgestanden, ich wollte gegen 9 Uhr bei der Bank Central Asia sein, um meine verbliebenen Traveler Cheques einzutauschen und endlich Bargeld in ausreichender Menge zu haben.

Neneng hat schlecht geschlafen, lächelt überhaupt nicht, hat schlechte Laune.

 

Wir brechen ohne Frühstück auf, es gibt nichts mehr außer Kaffee. Auf dem Weg probiere ich noch den Eintausch bei einer anderen Bank und das Geld von Western Union zu bekommen – beides erfolglos. Mir wird noch einmal bestätigt, dass die Ursache des Problems bei Western Union das falsche Bestimmungsland sei – statt der Philippinen muss es nun Indonesien sein.

 

Ich bin mir auch nicht mehr sicher, dass ich die Cheques bei der Bank Central Asia tauschen kann, nachdem man mir bei der anderen Bank die irre Auskunft gegeben hat, das sei in ganz Indonesien nur möglich, wenn man ein Konto bei der entsprechenden Bank habe.

 

Doch der Tausch gelingt - mit ziemlich hohen Gebühren.

 

Nun wieder liquide, fühle ich mich fast euphorisch, und Neneng wohl auch – sie möchte als erstes ein Restaurant ansteuern. Wir sind in einem besseren Viertel von Bandung, Dago, und “frühstücken” in einem gediegenen Restaurant, “The Food Opera”. Neneng hat eine reguläre indonesische Mahlzeit, ich einen großen indonesischen Kaffee und arabische Snacks. Das macht uns bis zum Abend völlig satt.

 

Der Chef des Restaurants, Benni, spricht sehr gut Englisch, hat lange Zeit als Seemann gearbeitet, war auch in Deutschland. Er bietet mir sein Laptop für Internet-Nutzung an. Alles ist sehr angenehm.

 

Benni sagt, dass die Taxifahrt vom Hotel nach Baleendah maximal 100.000 Rupiah kosten dürfte. Für den Weg hin und zurück und den kleinen Umweg zum Central Post Office mit 15 Minuten Wartezeit veranschlage ich deshalb 300.000 Rupiah.

 

Wie sich herausstellt, hat der Taxifahrer schon mehrmals an diesem Morgen SMS an Neneng gesendet und sie genervt. Wir bitten ihn, um 17 Uhr zum Hotel zu kommen, und ich sage Neneng, dass sie bei dem Treffen nicht dabei sein sollte, ich möchte sie raushalten.

 

Wir fahren heute nur mit Angkot-Vans, dem billigen öffentlichen Verkehrsmittel. Auf den Straßen gibt es hier übrigens ungewöhnlich viele Motorräder, denn ein Motorrad ist auch für viele Indonesier erschwinglich.

 

Wir fahren zum Tourist Office von Bandung, doch dort kann man mir weder Stadtplan noch sonstige Informationen über Bandung mitgeben, alles sei weg, erst im nächsten Monat gäbe es neues Material.

 

Wir sind jetzt im Zentrum, im Alun-Alun-Bezirk. Neben der zentralen Moschee kaufe ich für 15.000 Rupiah (EUR 1,50) eine Kappe, wie sie alle indonesischen Präsidenten tragen. Wir trinken Cola und Saft in einem kleinen “Park” und es gibt ein Missverständnis mit Ärger auf Seiten Nenengs über mein Angebot, ihr Load für ihr Handy zu schenken.

 

Doch zurück im Hotel bemüht sie sich um Schlichtung, was ich positiv als Zeichen auffasse, dass sie an unserer Beziehung interessiert ist. Ich nehme ihre Hand, sage ihr, dass ich mich freue, und erkläre ihr meine positive Interpretation.

 

Vor diesem Gespräch, heute und auch gestern, hatte ich allerdings schon überlegt, und ansatzweise vorbereitet, Neneng das Geld für die Fahrt nach Hause zu geben und die letzten Tage hier allein zu verbringen, dann hauptsächlich im Hotel. Sie ist mir manchmal zu kompliziert, und vor allem: Sie hakt eine Sache nicht schnell ab, sondern kommt immer wieder darauf zurück. Sie ist ein kleines bisschen rechthaberisch, erinnert mich manchmal an Alex.

 

Auch wenn es nur Kleinigkeiten sind, hätte ich kein gutes Gefühl dabei, eine ernsthafte Beziehung mit Neneng zu beginnen. Es sollte von Anfang an möglichst alles stimmen und harmonisch sein. Das Gegenbeispiel wäre Cida, wo es von Anfang an Probleme gab, und ich so doof war, trotzdem eine Beziehung mit ihr zu beginnen.

 

Mir missfällt auch, dass Neneng mir nicht vorher gesagt hat, dass sie in getrennten Zimmern schlafen möchte. Und sie muss sich in den letzten Monaten unheimlich verändert haben, sie sieht im Vergleich zu ihren Fotos aus wie ein anderer Mensch.

 

Im Hotel hält Neneng einen Nachmittagsschlaf, ich lerne meinen Zimmernachbarn, einen Studenten, kennen, bin kurz im Internetcafé, und bereite mich auf die Begegnung mit dem Taxi-Fahrer vor.

 

Der kommt pünktlich um 5. Ich hatte vorher das Eingangstor zum Hotel verschlossen und mit dem Englisch sprechenden Hotelmanager, Gunadi, verabredet, dass dieser dem Taxifahrer meinen Standpunkt telefonisch erläutern würde.

 

Ich drücke also dem Taxifahrer 300.000 Rupiah in die Hand, erkläre auf Englisch, lasse das Wort “Polisi” fallen. Der Taxifahrer akzeptiert erwartungsgemäß nicht und redet auf Indonesisch auf mich ein. Ich bitte ihn darum, bei Gunadi anzurufen. Nach dem Telefonat gebe ich dem Taxifahrer erneut das Geld in die Hand, fange an zu schreien und wiederhole “Go” und “Polisi”. Der Taxifahrer greift das Geld, versucht dabei auch, meine Hand zu greifen und ist natürlich höchst aufgebracht. Ich gehe ins Hotelinnere und verschließe die Tür zum inneren Bereich. Ich warte, ob der Taxifahrer verschwindet oder ob es ihm gelingt, nach innen zu kommen.

 

Cecep vom Hotel taucht auf, und ich telefoniere noch einmal mit Gunadi. Der beruhigt mich, sagt, der Taxifahrer würde nichts weiter unternehmen. Neneng kommt hinzu und ist nicht erfreut über meine Aktion. Sie hat Angst vor der Rache des Taxifahrers. Ich versuche sie zu beruhigen, was mir im Laufe des Abends auch gelingt. Doch für Neneng sind diese meine Aktionen “shameful”, sie hätte dem Taxifahrer das verlangte Geld gegeben, wäre einem Konflikt ausgewichen. Immanent wirft sie mir wahrscheinlich auch vor, “thrifty” zu sein, schließlich bin ich doch ein “wohlhabender” Europäer. Frauen mögen keine “thrifty” Männer.

 

Es gelingt mir, einen ganz netten Abend mit Neneng zu haben. Ich kaufe ihr Handy-Guthaben, wir gehen in eine Mall und trinken leckere Milchshakes, essen (sie wieder eine indonesische Mahlzeit, ich indonesischen Kuchen), wir gehen ins Internetcafé und nutzen separat das Internet.

 

Endlich kann ich Ghazal schreiben und ihr “Lovin you” von Minnie Riperton senden. Ich hatte damit gewartet, bis ich in Indonesien bin – aus Angst, sie könne über die IP-Adresse herausfinden, dass ich mich auf den Philippinen aufhalte. Es ist komisch, jetzt Ghazal zu schreiben, ich habe schon vieles über sie wieder vergessen und ich habe vor allem nicht mehr das Gefühl für sie, das ich noch vor einem Monat hatte. Aber vielleicht ist das auch besser so, vielleicht kann ich dadurch offener und mit weniger Erwartungen nach Marokko fliegen.

 

Ich schreibe auch an Emy, ziemlich kurz und eher formal, ich stelle ihr zwei Fragen zu ihrer letzten Mail.

 

Ich öffne Facebook, sehe viele neue Benachrichtigungen, Messages und Freundschaftsanfragen. Als ich letztere aufrufe, erkenne ich das Gesicht des Besitzers des Internetcafés, Agus. Unglaublich! Wie hat mich der Typ bei Facebook gefunden? Nur mit meinem Namen und meinem Foto? Wahrscheinlich mit einem “Keylogger” ...

 

Auf alle Fälle werden wir Freunde und sitzen noch mit Neneng und Agus' Frau zusammen. Ich schlage vor, an einem Abend etwas gemeinsam zu unternehmen.

 

Ich bekomme auch eine Message von Melanie, dem Mädchen aus Leyte, und antworte ihr ausführlich. Das ist vielversprechend …

 

27. März

 

Am Morgen klopfe ich zweimal an Nenengs Zimmertür – sie lässt mich insgesamt 2 Stunden warten. Gunadi, der “Hotelmanager” kommt, ich bezahle 100.000 Rupiah für eine Nacht Nenengs Zimmer (die ersten beiden Nächte wurden mir mit meiner Kompensation für die ersten Unannehmlichkeiten verrechnet). Gunadi sagt mir, dass es besser gewesen wäre, den Taxifahrer voll zu bezahlen. Ich kenne das Land hier nicht, das sei Asien, nicht Europa, und hier könne alles passieren. Er fragt mich, was ich machen würde, wenn der Taxifahrer wieder auftauchen und mich bedrohen würde.

 

Neneng kommt hinzu und tauscht einige Worte mit Gunadi aus. Dabei sagt Gunadi wahrscheinlich – auf Indonesisch – das Gleiche zu ihr, was er schon zu mir gesagt hat. Gunadi gibt uns dann sehr gute Tipps für Orte, die wir in Bandung besuchen können. Wir möchten uns als erstes über meinen Bus für Samstag erkundigen, danach zur “Paris Van Java”-Mall, frühstücken. Gunadi sagt auf Englisch, dass es einen direkten Angkot von unserer Straße bis zur Mall gäbe. Er bestätigt meine Frage, dass der Angkot an der Highway-Überführung nach links abbiegen würde, nicht nach rechts Richtung Bahnhof.

 

Auf dem Weg zum Busunternehmen ärgert mich Neneng wieder maßlos mit ihrer Rechthaberei: Ich habe Probleme, mich zu orientieren, kann mich noch nicht an den Linksverkehr hier gewöhnen, weiß deshalb nicht, auf welcher Seite wir den Angkot nehmen müssen. Das wirft Neneng mir vor.

Wir nehmen den Angkot, doch nur für wenige hundert Meter, das ärgert mich – wir hätten auch gehen können. Neneng sagt allerdings, dass sie wegen Ceceps Auskunft, das Busunternehmen sei weiter weg, den Angkot genommen habe.

 

Als wir den nächsten Angkot zur Mall nehmen, Neneng aber nicht den Fahrer nach Bestätigung des richtigen Weges fragt, frage ich Neneng, ob sie sicher sei, dass dieser Angkot zur Mall führe. Sie bejaht.

Doch dann stellt sich heraus, dass wir an der Highway-Überführung noch einmal den Angkot wechseln müssen, und ich beginne – mehr oder weniger mit Absicht – zum ersten Mal einen Streit mit Neneng. Ich werfe ihr vor, den falschen Angkot genommen zu haben, denn laut Gunadi gäbe es eine direkte Verbindung Hotel-Mall.

 

Wir erreichen die Mall, hier gefällt es mir sehr gut, ruhig, schattig, angenehme Leute, westliche Etablissements. Wir “frühstücken”, besser: Ich habe eine Kombination aus Frühstück und Mittagessen.

 

Neneng erhält eine SMS. Sie könne sich am nächsten Morgen für einen Job im Büro vorstellen. Das läuft über eine Freundin, und es ist ziemlich sicher, dass sie den Job bekommen wird.

 

Ich sage zu ihr, dass sie gerne dorthin gehen könne. Das heißt, dass sich unsere Wege trennen werden. Ich bin froh über diese Gelegenheit, denn ich wollte Neneng ohnehin heute Nachmittag 200.000 Rupiah für das Taxi geben und sie bitten nach Hause zu fahren. Vorher wollte ich sie nur noch fragen, was sie über “uns” denkt.

 

Neneng zeigt keine Reaktion auf unsere bevorstehende Trennung. Sie sagt auch nicht, dass sie nach dem Vorstellungsgespräch zurück ins Hotel kommen könnte. Sie sieht genauso wie ich, dass es für uns keine Zukunft gibt.

 

Wir verlassen die Mall, fahren zum Central Post Office (Kantor), und endlich kann ich das Geld von meiner Mutter über Western Union bekommen. Sie hatte das Bestimmungsland von Philippinen zu Indonesien geändert.

 

Inzwischen hatte es zu regnen begonnen, und Neneng bestätigt mir, dass, wenn es in Indonesien regnet, der Regen heftig sei. Wir sind gezwungen, etwas im Postgebäude zu warten.

 

Ich möchte die Zeit nutzen und jetzt Neneng fragen, was sie über uns denkt, ich frage sie, was sie über unsere letzten Tage zusammen denkt. Doch wieder missversteht sie mich, wieder gibt es schlechte Stimmung auf ihrer Seite.

 

Nach einigen Minuten – es regnet noch immer – stelle ich meine Frage erneut, diesmal schriftlich. Nenengs Antwort ist kurz: “Bad days”. Darauf kann ich nichts mehr sagen, außer “Oh, I'm sorry about that”.

 

Wir verlassen das Postgebäude, ich laufe jetzt barfuß, denn ich möchte mir keine nassen Strümpfe und Schuhe holen und meine kleine Erkältung (vom Ventilator in meinem Zimmer) noch verstärken. Auf dem “Nachhauseweg” sprechen wir kaum ...

 

Doch zurück im Hotel haben wir unser insgesamt bestes Gespräch. Wir sprechen über Familie in Indonesien, über Verhütung, über Sex. Dabei stellt sich etwas für mich sehr überraschendes heraus: Neneng ist noch Jungfrau. Sie hat nicht einmal mit ihrem französischem Boyfriend Sex gehabt, als sie drei Monate bei ihm in Frankreich war. Sie konnte ihm gegenüber durchsetzen, in getrennten Zimmern zu schlafen.

 

Sie möchte also – wie alle gläubigen Muslims – erst Sex nach der Heirat haben. Sie sagt, dass 80% der indonesischen Muslim-Männer sich wünschen würden, dass ihre Frau bei Heirat noch unberührt sei.

 

Nenengs Offenbarung beruhigt mich ungemein – vor allem natürlich, weil ich auf mich schließe und erkenne, dass ihr Verhalten nicht viel mit mir, sondern vor allem etwas mit ihrer Religion und Einstellung zu tun hat.

 

Sie sagt auch nochmal, dass sie, um mich zu treffen, das Vorstellungsgespräch für einen anderen Job verpasst hat, und ich kann besser einordnen, weshalb sie vielleicht am ersten Tag unserer Begegnung nicht völlig offen und gutgelaunt war.

 

Einschub: Eine sehr gute Regel von Neneng ist (analog zu Carnegie), nichts – also keinen Streit und keinen Ärger – aus einer kleinen Sache zu machen. Wenn man etwas aus einer kleinen Sache macht, macht man nur eine große Sache daraus.

Schade nur, dass Neneng selbst diese Regel nicht richtig befolgt …

 

Wir machen noch ein gemeinsames Foto, ich gebe ihr 210.000 Rupiah, dann gehen wir zur Straße, umarmen uns und Neneng nimmt den nächsten Angkot.

 

Ich stürze gleich zum Internetcafé, möchte über DateInAsia Treffen in Bandung organisieren. Doch es stellt sich heraus, dass die indonesische Regierung DateInAsia geblockt hat (am nächsten Tag werde ich erfahren, dass tausende Seiten geblockt sind!). Ich beschließe, mich bei Tagged.com anzumelden, der Seite, die mir Audrey empfohlen hatte. Ich verbringe etwa 4 Stunden im Internet, schreibe viele Kontakte in Bandung an – und tatsächlich: eine Frau möchte sich mit mir treffen.

 

Ich warte dann 1 Stunde auf sie, wieder ist es ein Problem, dass ich kein Handy habe. Sie war sich wohl nicht sicher, ob ich sie wirklich sehen wollte und konnte mich dann nicht mehr erreichen.

 

Ich gehe schlafen.

 

28. März

 

Es ist mein Geburtstag. Ich bin allein in einem fremden Land. Doch es ist anders als in St. Petersburg vor 5 Jahren. Ich fühle mich nicht alleine, habe einige Bekanntschaften hier gemacht, andere auf den Philippinen und around the world, einige Freunde und Verwandte gratulieren mir per Mail zum Geburtstag.

 

Nach dem Morgenkaffee gehe ich zur “Paris Van Java”-Mall, frühstücke und trinke zwei Honig-Zitronen-Tees – ich bin durch den Fön in meinem Zimmer, den ich nachts hatte laufen lassen, noch immer leicht erkältet.

Der Tee schmeckt sagenhaft lecker, ich frage nach dem Rezept.

 

Ich möchte mich heute treiben lassen, es gibt mehrere Optionen – in dieser Mall bleiben und Leute beobachten, warten, dass mich Leute ansprechen oder zu einer anderen Mall, “Cihampelas Walk”, fahren und das gleiche tun. Ich schaue mir noch das “Mansion” an, mehr eine Bar als ein Club, und scheide es als Lokalität für heute abend aus.

 

Ich gehe zurück Richtung Hotel, ins Internetcafé. Es ist ein weiter Weg und es ist warm, so dass ich schwitzend im Internetcafé ankomme. Ich möchte natürlich meine Kontakte auf Tagged und meine Geburtstagsmails checken. Doch ich werde sofort von Agus einer Frau mit Kopftuch, Cucu, vorgestellt, die Englisch spräche und mit mir zu einem Ort fahren würde, an dem traditionelle indonesische Musik gezeigt wird. Darüber hatte ich mit Agus, Neneng und Lulu, Agus' Frau, am Vortag gesprochen.

 

Also breche ich mit Cucu und Lulu in Cucus Auto am frühen Nachmittag Richtung “Saung Angklung Udjo” auf. Vorher noch kurz mit Neneng telefoniert – ich wollte sicher sein, dass wir zum richtigen Ort führen, und Cucus Englischkenntnisse stellen sich als weniger als rudimentär heraus. Das Telefonat mit Neneng ist – wie einige Momente zwischen uns in den letzten Tagen – zu kompliziert. Und sie gratuliert mir nicht zum Geburtstag …

 

Wie immer habe ich falsche Ideen, falsche Erwartungen. Ich denke, dass Cucu Single ist und dass Agus – vielleicht, weil er meine gestrigen Versuche mit DateInAsia mitbekommen hat – mich mit ihr verkuppeln möchte. Ich freue mich.

 

Doch schon im Auto stellt sich heraus, dass Cucu Kinder hat. Ich frage sie, wo ihr Mann sei, und sie sagt, dieser arbeite in Jakarta.

 

Cucu ist eine der schlechtesten Autofahrerinnen, die ich je erlebt habe, aber das Auto, ein Mazda, ist gut und modern. Beim Rückwärtseinparken schaltet sich eine Kamera ein und man kann genau den Parkbereich, mit grün-geld-roten Feldern sehen.

Doch das hilft Cucu nicht …

 

Als wir im “Udjo” ankommen, hat schon eine Vorstellung – für Schulklassen begonnen, für die nächste Vorstellung müssten wir zwei Stunden warten. Ich entscheide mich, mit Lulu und Cucu in die laufende Vorstellung zu gehen und handele einen ermäßigten Eintritt aus.

 

Da sitzen etwa 300 Schulkinder in einer Halle im Zirkuszelt-Format, sind fröhlich, singen, schlagen das Angklung - ein Bambusgerüst mit zwei größeren und einem kleineren Bambusstab – und haben viel Spaß. Die Moderatoren switchen wegen mir sofort und erklären nun parallel in Indonesisch und Englisch.

 

Jeder Zuschauer/Teilnehmer hat ein Bambusgerüst in der Hand, diese sind durchnummeriert, jede Zahl steht für einen Ton. Ich habe 4 = Fa/F. Uns wird erklärt, wie wir das Bambusgerüst halten und schlagen müssen.

 

Dann spielen die 300 Zuschauer, zusammen mit einer unterstützenden Band auf der Bühne, verschiedene indonesische und internationale (“Can't help falling in love”) Lieder. Zuerst einfache Melodien und Harmonien, dann komplexer.

 

Das Coole ist, dass die Moderatoren die zu spielenden Töne per Handzeichen – wie Dirigenten – anzeigen. Jede Handhaltung steht für eine Nummer/einen Ton. Man muss also aufpassen, bis die zum eigenen Ton passende Handhaltung gezeigt wird, und dann schnell reagieren und sein Bambusgerät schütteln. Die Moderatoren wechseln in faszinierendem Tempo zwischen den jeweils benötigten Handhaltungen ...

 

Nach der Musik gibt es Tanz, Polonaise und anderes im mittleren Bereich, und Cucu fordert mich auf mitzumachen. So geselle ich mich hinzu, ein indonesisches Mädchen nimmt meine Hände und ich mache die Tänze mit. Das ist alles sehr süß für mich und ich fühle mich gut (nicht super gut, aber angenehm).

 

Cucu und Lulu machen noch einige Fotos, dann fahren wir zurück. Dabei erlebe ich wieder etwas, was ich schon bei anderen Auslandsaufenthalten erlebt habe: Die Leute machen oft nicht das, was man vorher “verabredet” hatte, sondern ändern die Pläne – ohne einem das mitzuteilen. Man kann nur zusehen und alles geschehen lassen.

 

Vielleicht liegt das an den unterschiedlichen Kulturen, vielleicht an den Verständigungsproblem – in Deutschland würden Gastgeber das jedenfalls nicht mit ihren Gästen machen. Man würde immer umfassend über die Pläne und Möglichkeiten informieren und über alles im Vorfeld sprechen.

 

Doch ich habe gelernt und rege mich deshalb nicht darüber auf. Ich sage nur – wenn ich im letzten Moment gefragt werde – was ich möchte und nicht möchte. Zum Beispiel mit den beiden in ein japanisches Restaurant im Dago-Bezirk gehen und Buffet für 100.000 Rupiah pro Person zu genießen. Später denke ich, dass ich dahin gerne mal alleine gehen würde.

 

Letztendlich landen wir wieder im Internetcafé und ich esse lediglich “Bakso”, die scharfe Suppe mit Fleischbällchen.

 

Ich bin wieder im Internet und verabrede mich erneut mit Ella, der Frau, auf die ich am Vorabend vergeblich gewartet hatte. Ich schreibe Ghazal. Gina aus Mandaue versucht mit mir zu chatten, doch ich schreibe, dass ich in Indonesien, dann in Marokko sei und mich anschließend bei ihr melden würde.

 

Erneut kommt die Begegnung mit Ella nicht zustande, es hat wieder angefangen phasenweise heftig zu regnen, und sie schreibt mir, dass sie deshalb nicht kommen könne.

 

Beim Warten auf Ella im Hotel lerne ich Derry (Daree) kennen, ein Hacker aus Bandung, der für das indonesische Informationsministerium arbeitet und unter anderem damit beschäftigt ist, Internet-Seiten zu blockieren! Eine andere Aufgabe ist es, über das Internet auf die Spur von Kriminellen oder Terroristen zu kommen, was ihm und seinen Kollegen auch schon erfolgreich gelungen ist.

 

Wir haben ein interessantes Gespräch und er erzählt mir einige Dinge über Indonesien. Das ist keine Demokratie, die Wahlzettel werden nicht korrekt ausgewertet, die Opposition ist eine Schein-Opposition, die in Wirklichkeit mit der Regierung befreundet ist. Das Land hat immense Resourcen, doch die Elite ist korrupt, so dass die Einkünfte aus internationalen Geschäften in den Taschen von 10 Prozent der Bevölkerung landen, während 90 Prozent arm bleiben.

 

Derry lässt mich sein Laptop nutzen, und damit kann man auch blockierte Seiten aufrufen (er greift über eine spezielle SIM-Card auf andere Server zu als die für die Öffentlichkeit). Es gibt eine freundliche Nachricht für mich von Emy Rose aus Mandaue, was mich positiv überrascht ...

 

29. März

 

Nach dem Morgenkaffee gehe ich gleich ins Internetcafé, denn Agus hatte versprochen, “Kupat Tahu”, jenes indonesische Gericht aus Tofu, Soja-Sprossen und Erdnuss-Sauce, das ich gerne mag, für uns zu kaufen und gegebenfalls für mich warmzuhalten, falls ich später käme.

 

Doch als ich erscheine, fragt er mich, ob wir mit dem Motorrad losfahren könnten, um Kupat Tahu zu kaufen – so verstehe ich jedenfalls. Also fahren wir auf seinem Motorrad los … und der Weg wird immer länger!

 

Wir nehmen eine Abkürzung von der Pasteur Street nach Dago über einen Friedhof und fahren tatsächlich mit dem Motorrad zwischen den Teilnehmern einer Beerdigung hindurch - und an offenen Särgen vorbei. Ich blicke auf schluchzende Frauen, Trauernde in Schwarz, aber auch farbenprächtig in Rot- oder Orangetönen, Blumengestecke, Geistliche und Sargträger, die zwischen den Grabstätten manövrieren. Die Ähnlichkeiten sind kaum existent, aber ich muss an eine Szene aus Coppolas Frühwerk “Dementia 13” denken.

 

Die Fahrt geht weiter, ich kann etwas von Bandung sehen, doch ich bin nicht konzentriert, sondern denke an Gina, Ghazal und andere. Wir fahren auf größeren Straßen und auf kleinen Wegen mit aufgerissenem Asphalt und Steinen. Die Fahrt wird noch länger. Inzwischen haben wir Kupat Tahu gekauft, doch Agus hatte mir gesagt, dass wir zum Haus von Cucu führen. Und das ist weltweit entfernt …

 

Endlich kommen wir dort an, in einem Außenbezirk von Bandung. Das Grundstück ist ein Traum, an einer dicht bepflanzten Schlucht, mit kleinem Springbrunnen, asiatischen Möbeln aus Holz, Bambus, geschmackvoll eingerichtet, ruhig, eine Haushälterin empfängt uns.

 

Cucu ist nicht da, ihr Vater ist gestern verstorben. Wir nehmen unser Kupat Tahu, endlich mein Frühstück, ich verschlinge zwei Portionen. Wir machen Fotos.

 

Cucu kommt mit ihren zwei Kindern und ist überraschend ausgeglichen, lächelt wie am Vortag. Ich telefoniere mit Cucus Mann, der Dokumentarfilme dreht und digitale Konservierung historisch wertvoller Gegenstände betreibt. Das Grundstück (1000 qm) und Haus (150 qm) hat 150.000 US-Dollar gekostet, nicht viel für deutsche Verhältnisse.

 

Agus drängt zum Aufbruch. Auf dem Rückweg besuchen wir noch seine Eltern, ich werde überall stolz präsentiert. Für viele meiner neuen Bekannten auf den Philippinen oder hier bin ich der erste Freund aus Deutschland.

 

Zurück im Internetcafé versuche ich weiter Datings in Bandung in die Wege zu leiten. Nach einer kurzen Comfort Room-Pause im Hotel bin ich wieder im Internet und öffne eine unglaubliche Mail von Ghazal!

 

Der Betreff der Mail ist “My life” - auf Arabisch. Der Inhalt der Mail bläst mich weg! Es ist so, als wäre es Ende Februar – alle Gefühle für Ghazal sind wieder da. Ich fühle mich so ruhig, ausgeglichen und von ihr angenommen! Ich schreibe ihr zurück und äußere den starken Wunsch, heute mit ihr zu chatten, zu sprechen, sie über Webcam zu sehen.

 

Dann gibt es wieder den starken indonesischen Nachmittagsregen, heute noch länger als in den letzten Tagen. Es gibt zwischenzeitlich keine Internet-Verbindung. Agus und Lulu laden mich immer wieder dazu ein, mit ihnen in ihrem Raum zu sitzen, bieten mir Essen und Trinken an, machen mir kleine Geschenke – ein Ring, ein Stein, ein Foto. Agus möchte gerne meine Radio gesteuerte Funkuhr als Erinnerung an mich haben und ich schenke sie ihm. Es stört ihn nicht, dass auf der Uhr immer die deutsche Zeit laufen wird – in Indonesien gibt es kein Signal für Funkuhren.

 

Nana und seine Freundin kommen hinzu, Nana spricht gut Englisch. Wir verabreden uns für den nächsten Tag.

 

Ich beschäftige mich mit Ghazal, lese ihre älteren Mails. Um 21 Uhr abends (14 Uhr in Marokko) ist sie online und wir treffen uns im Chat. Hektisch versuche ich mit Hilfe von Agus und Nana Webcam und Audio vorzubereiten, doch das ist alles schwierig und gelingt nur halb. Aber Ghazal und ich sehen uns, wenn auch nur kurz. Wir chatten eine Stunde.

 

Plötzlich sind meine Gefühle wieder anders. Der Gedanke, ich könne zu alt für Ghazal sein, kommt erneut auf – immerhin liegen 23 Jahre zwischen uns.

Aber vor allem glaube ich in unserem Dialog zu spüren, dass ihr Interesse an mir immens ist, aber sie selbst wenig zu erzählen hat. Es ist mir schon etwas unangenehm, dass sie immer nur fragt, was ich erlebt habe und wie ich mich fühle. Ich bitte sie wiederholt darum, von sich zu erzählen, wie es ihr und ihrer Familie ginge, was sie in den letzten vier Wochen gemacht habe. Ihre Antworten sind sehr kurz. Entweder weil sie nicht viel erlebt hat oder weil wir noch zu weit voneinander entfernt sind, zuwenig voneinander wissen, dass ich die Details ihres Lebens hören und interessant finden könnte.

 

Doch mein Verdacht ist, dass es nicht sehr viel “Tiefe” in ihrem Leben gibt, schließlich ist sie erst 24. Das macht mir Sorgen. Ich sorge mich darum, dass wir uns gegenseitig mit Worten verliebt und euphorisch gemacht haben, aber bei unserer Begegnung vielleicht feststellen werden, dass zuwenig “Substanz” dahinter steht.

 

Ich sorge mich darum, dass ich irgendwann all den Respekt und die Liebe, die ich jetzt für Ghazal empfinde, verlieren werde, dass sie mich vielleicht langweilen wird.

 

Ich bin wirklich verunsichert und denke, dass es das Beste sein würde, schnell zu schlafen. Das tue ich auch, ich bin müde und schlafe sofort ein …

 

aber es ist gut, dass Ghazal wieder so stark und präsent in meinem Leben ist. Ich habe keine Ambitionen mehr auf Kontakte hier. Und ich beginne mich auf meinen Besuch in Marrakesch vorzubereiten – nur noch eine Woche ...

 

30. März

 

Am Morgen kaufe ich für umgerechnet 10 Euro eine Quartz-Uhr mit Batterie. Danach halte ich mich mit Unterbrechungen den ganzen Tag bei Agus und Lulu im Internetcafé auf. Agus kauft für mich günstig (“special price”) eine Webcam – für umgerechnet 13 Euro! In meinem Kopf ist Ghazal, und zwei Lieder, die ich bei Cucu im Auto gehört hatte:”Set fire to the rain” von Adele und “Wishing on a star” von Seal.

 

Am Nachmittag kommt (mit einigen Kommunikationsschwierigkeiten wegen fehlendem Handy meinerseits) doch noch das Treffen mit Ella, dem Kontakt aus “Tagged.com” zustande. Sie sieht nicht so toll aus, komische, große Kopfform, schlechte Gesichtshaut. Wir reden. Sie hat zwei Kinder, 10 und 5, ist aber nicht verheiratet, der Kindesvater ist weg und zahlt nichts. Sie leben bei ihrer Mutter, beide haben keine Arbeit. Es ist ihr Bruder, der die Familie durchfüttert.

 

Wir kuscheln ein bisschen, ich streichele sie. Sie fängt plötzlich an, mich heftig zungenzuküssen. Sie zieht sich aus. Schließlich schlafen wir miteinander ...

 

Ich frage sie, ob sie schon einmal mit einem Ausländer Sex gehabt hätte. Sie verneint. Sie habe seit etwa 3 Jahren keinen Sex mehr gehabt.

 

Beim Abschied auf der Straße bittet sie mich um eine Umarmung und einen Kuss …

 

Ich gehe wieder ins Internetcafé. Inzwischen ist auch Nana eingetroffen. Er nimmt mich mit seinem Motorrad mit und ich kann die wichtigsten indonesischen Gerichte probieren, die ich noch nicht kannte (ich kannte Kupat Tahu und Bakso, sowie “Batagor” (Seafood in süßerer Erdnusssauce)): “Sate Padang” (Fleischspieß (Rind) in sehr leckerer, schärferer Erdnusssauce), “Cilok” (Tepung Kanji-Bällchen (Taprioka-Mehl) in süßerer Erdnusssauce), “Soto Ayam” (Huhn, Nudeln, Ei, Zwiebeln) und mein Favorit (vor “Cilok”) “Tahu Gejrot” (Tofu, brauner Zucker, Zwiebeln, Chili). Alles lecker – ich bin vollgefressen!

 

Bei der Fahrt durch Bandung sehe ich wieder, wie groß die Fläche der Stadt ist,vermutlich mit Hamburg vergleichbar. Die Einwohnerzahl liegt ebenfalls bei 2 Millionen, so dass sich die Menschen ziemlich verteilen – und die Wege bisweilen weit sein können. Wenn man, wie ich, die Stadt nicht kennt, kommen einem die Distanzen manchmal endlos vor.

 

Zurück ins Internetcafé, dann ich ins Hotel, frisch machen, Sachen packen.

Am Abend fahre ich mit Agus, Lulu, deren Sohn und Nana – auf zwei Motorrädern – nach Punclut, einem hohen Punkt im Norden Bandungs. Dort gibt es eine Perlenkette von “Restaurants”, in denen die Gäste in riesigen Gazebos, auf vielen großen, farbigen Kissen mit Samtbezug auf dem Boden sitzen – wie in arabischen Ländern, ohne Shisha. Ganz okaye Aussicht von oben auf einen Teil von Bandung, flackernde Lichter, gedämpfte Verkehrsgeräusche ...

 

Die Atmosphäre dort ist wunderbar, entspannt und romantisch. Ich bedaure es, nicht mit Neneng an diesem besten Ort der Stadt gewesen zu sein. Allerdings hätte dies nichts zwischen uns geändert. Und vielleicht wäre es mit Neneng auch nicht so nett gewesen wie mit den Freunden.

 

Nana erzählt mir, dass jeden Sonntag in der Umgegend ein Markt stattfindet. Auch den hätte ich gerne mir Neneng besucht. Allerdings hatte ich am letzten Sonntag fast gar kein Bargeld mehr - unmöglich, dorthin zu kommen, geschweige denn, etwas zu erwerben.

 

Auf dem Rückweg kauft mir Agus noch einen Kuchen als Reiseproviant. Im Internetcafé schenkt er mir einen USB-Stick mit einigen Fotos. Dann kommt der Abschied von diesen lieben Menschen. Mit ihnen habe ich mich noch wohler gefühlt als mit den Freunden in Dahab, 2007. Und genauso wie ich nach Dahab zurückkehren will, möchte ich wieder nach Indonesien zurück, um meine neuen Freunde zu treffen.

 

Im Hotel erwartet mich ein Brief von Daree mit einem detaillierten Ablauf für den nächsten Tag – sehr süß. Daree hatte mir angeboten, mich mit nach Jakarta zu nehmen.

 

Um 23:30 Uhr schlafe ich ein …

 

31. März

 

ich schlafe nicht besonders gut und werde schließlich gegen 6:15 Uhr von Darees Klopfen geweckt. Nach kurzem Frühstück verlassen wir mit einem Mietwagen inkl. Fahrer das Schrott-Hotel und Bandung.

 

Zum ersten Mal sehe ich größere Teile der Landschaft hier in West Java. Ich bin überrascht wie grün es ist, ähnlich wie in Deutschland, viele Pflanzen und Bäume.

Keine trockene Erde wie auf den Philippinen oder in Afrika. Doch Daree sagt, die gäbe es hier auch. Und die Qualität und Größe der Autobahn sei auch nur in West Java so gut, im Umkreis von Jakarta. Woanders gäbe es gar keine Autobahn.

 

In Jakarta sehe ich wahnsinnig viele Hochhäuser (Firmen) und Shopping Malls. Hier durch die Straßen zu fahren, gemahnt an eine Fahrt durch die City Nord-

Gebäude und 70er Jahre-Architektur in Hamburg. Einziger Unterschied: Hier gibt es mehr Bäume und mehr Grün an den Straßen.

 

Wie öde ist für mich die Vorstellung, eine Hausfrau oder/und Mutter zu sein und einen Großteil meines Lebens beim Schlendern (mit Kindern, mit Freundinnen) durch Shopping Malls zu verbringen.

 

Ich bin mit dem Fahrer unterwegs (während Daree eine Präsentation im “Microsoft Auditorium” hält) und brauche viel Zeit, um die Adele-CD und besonders die Seal “Soul 2”-CD zu finden. Ich lade den Fahrer (der heißt auch Agus!) zum Essen ein. Zum Betrachten von Sehenswürdigkeiten bleibt dann leider keine Zeit mehr …

 

Daree und Agus bringen mich zum Soekarno-Hatta-Flughafen (groß, separierte Gates wie Gartenhäuser, etwas veraltet). Abschied. Natürlich lange nicht so herzlich wie von den anderen Freunden in Bandung.

 

Ich verlasse Indonesien und fliege über Kuala Lumpur, Malaysia (wo man mit einem richtigen Zug, wie eine U-Bahn, zu den Gates fahren muss) nach Amsterdam.

 

Im Flugzeug denke ich zurück: In Indonesien möchten die Leute nicht, dass man ihnen Geld und Geschenke gibt. Es war schwer, Agus, Nana und die anderen zum Essen einzuladen. Ich schenkte Agus meine Uhr und mein Eau de Cologne, aber Geld verweigerte er. Für Neneng bezahlte ich natürlich alles. Auf den Philippinen ist es umgekehrt: Die Leute erwarten, dass man alles für sie bezahlt. Und wenn Freunde oder Familie dabei sind, soll man für alle bezahlen – siehe Davao. Und die Leute erwarten auch, dass man ihnen Geld- oder andere Geschenke macht.

 

In Indonesien wird keine Frau mit ins Hotel kommen, wenn sie überzeugte Muslimin ist (und noch relativ jung). Dann ist sie wahrscheinlich noch Jungfrau und wird körperliche Liebe erst nach der Heirat wollen. Auf den Philippinen ist die Familie das Hindernis, wenn die Frau bei der Familie lebt, muss sie um deren Erlaubnis fragen. Wenn nicht, ist theoretisch alles möglich. Wenn man großzügig ist und die Frau unterstützt (wie es mit Jeaneth hätte sein können), auch praktisch.

 

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Menschen in Indonesien herzlicher und wärmer sind. Die auf den Philippinen eher berechnend und unehrlich. Klar gibt es in beiden Ländern gute und weniger gute Menschen.

 

Auf den Philippinen sind Familien mit 4 bis 8 Kindern normal, in Indonesien sind es eher 1 – 3 Kinder. In Indonesien wird Verhütung genutzt, auf den Philippinen selten.

 

 

1. April

 

Der Rückflug ist ok, ich sehe ein bisschen in “Melancholia” von Lars von Trier hinein. Doch ich hätte besser einen Fensterplatz genommen, kann nicht richtig liegen, immer nur in kurzen Schüben schlafen.

 

Dann passiert mir ausgerechnet beim letzten von ungefähr 20 Flügen auf dieser Reise, ausgerechnet beim “vertrautesten” Flughafen das einzige Malheur der Reise. In Amsterdam vertrödele ich meine Zeit auf dem Flughafen, bin schließlich 5 Minuten vor Abflug nach Hamburg am Gate – doch man hat mein Gepäck schon ausgeladen, ich darf das Flugzeug nicht mehr besteigen, völlig übermüdet muss ich zusätzliche 3 ¾ Stunden auf dem Amsterdamer Flughafen warten.

 

Als wir gegen Mittag Hamburg anfliegen, ist es ganz anders als so häufig in der Vergangenheit, z.B. als ich aus St. Petersburg zurückkam: Ich freue mich nicht, wieder hier zu sein, im Gegenteil, ich denke mit Grauen an den Alltag hier. Ich vermisse die Philippinen und die Freunde in Indonesien.

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.07.2024. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Gestatten, dass ich mich vorstelle. Ich heiße Pedro und bin ein Graupapagei, ja, genau, der mit dem schwarzen Krummschnabel, der weißen Maske, dem grauen Gefieder und den roten Schwanzfedern. Meine drei Freunde Kasimier, genannt »Karl-Karl Kasel«, Grete, genannt »Motte-Maus« oder »Prinzessin«, Peter, genannt »O«, und ich leben seit Dezember 1994 in einem schönen Einfamilienhaus in einem Dorf in der Vorharzregion. Ich habe mir vorgenommen, aus meinem Leben zu berichten, was mir alles so passiert ist, wie mein Tagesablauf ist und war und was mich alles so bewegt.

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