Ob eventuell ich der Einzige wäre, der am Hoffenheim-Stadion vorbei - in Hoffenheim - auf den Berg emporgestiegen und im Wald dort restlos verschwunden bin?
Dieses Hoffenheim ist ein Dorf im sogenannten Kraichgau, einer ehemaligen Kornkammer des Großherzogtums Baden. Gleich neben der Autobahn Mannheim-Nürnberg-Prag. Es unterscheidet sich von anderen Dörfern dieses sträflich unterschätzten Landstrichs durch nichts (Stichworte weiter unten: „Tabak, Zuckerrüben, Bio-Diesel“). Aber der Kraichgau ist die Toskana. (Ich weiß, ihr glaubt es mir nicht.)
Hoffenheim ist seit Anfang der siebziger Jahre, seit der Kommunalreform, unter Marinerichter Dr. Hanns-Martin Filbinger, ein westlicher und eingemeindeter Vorort der Einstmals-beinahe-Freien Reichsstadt Sinsheim, die jedoch im direkten Vergleiche mit Hoffenheim grausam abstinkt.
Das neueste Hoffenheim-Stadion befindet sich, seit SAP-Mitbesitzer Dietmar Hopp (Wiesloch-Walldorf, draußen in der Rheinebene, beim Golfplatz, also nicht im Kraichgau) einen Dorfverein („TSG 1899“) aufgekauft und in die Bundesliga katapultiert hat (siehe weiter unten: „Macht des Kapitals“), nicht mehr am Ort, also Hoffenheim, dem echten, sondern in der Kernstadt, also in Sinsheim drüben mittlerweile.
Das Stadion, wo die Besoffenen hin und herkommen, ist nicht in Hoffenheim, wo ich auf den Berg stieg (wie mindestens Peter Handke doch gewiss auch), sondern an selbigem Berge hangelt heute sich noch immer fest das Trainings-, während das formidable Bundesliga-Stadion der Blauen (siehe unten auch: „Deutschland, aber normal“) im unansehnlichen Gewerbegebiet von Sinsheim thront, unweit der extra desterwegen auf Betonstelzen neu errichteten Station „Sinsheim-Arena“ der S-Bahn Rhein-Neckar samt Badelandschaft und Hotelkomplex. Direkt an der Autobahn mithin. Etwas östlich der matten Perle des Elsenztals.
Das urige und nach wie vor durchweg originale Hoffenheim befindet sich mehrere Kilometer stramm westlich, Heidelberg zu und immer noch von althergebrachten Düften der Durchfahrtsstraße benetzt.
Ja - und einen Fußball-Platz von SAP, genauer gesagt, der Hopp-Stiftung, gibt’s dann auch noch in Zuzenhausen.
Sowie dort, auf keinen Fall zu unterschlagen, der zum Glück Interkulturelle Kindergarten (siehe auch noch mal: „Deutschland, aber normal“) der Dietmar-Hopp-Stiftung.
Was für eine Magie geht seit Menschengedenken von diesem Wort aus: „Hoffenheim“! „Wir heißen euch Hoffenheim.“ „Das größere Hoffenheim.“ „Hoffenheim stirbt zuletzt.“
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.11.2024.
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