Eine niederbayrische Weihnachtsgeschichte
Na, mei liaba, es war scho a Kreitz damois, mit dera staadn Zeit. Dass’ drausst oft so bitterkoit war, dass ganze Eisbleamewiesn an de Fensterscheim blüaht ham, des waar ja no ganga, owa wia langsam, dass’ manchmoi dahitröpflt is, bis endlich Weihnachtn do war, na, des war kaum zum aushoitn.
No ja, wenigstns war der gefürchtete „Niklotog“ scho übastand’n, und recht guad a no, weil se wieda amoi rausgstellt hod, dass a da Nikolaus ned oiss woaß.
Und so hob a me heuer umso mehr g’frein kenna, auf’n heilig’n Abend, wo s’Christkindl auf d’ Welt owa kimmt, und an alle rechtschaffna Menschn, und a sechana war e ja eijtz a wieda, ollahand Geschenke verteilt.
Allerdings hod ma se damois mit da Schenkerei gar ned so leicht do, weil d’Zeit ned grod de beste war. Untam Johr, do hods eh kaum wos gem. Ja, no ned amoi zum Geburtstag! Wenn, dann ollerhöchstn’s zum Namenstag, auf den d’Leut ba uns drunt im Gäuboden vui mehra Wert g’legt ham.
Wobei e ja do a wieda zs’kurz kemma bin, weil mei Nam, der „Helmut“, im katholischen Niederbayern no ned amoi im Kalender g’standn is.
Also war’s für mi als Kind nix neijs, dass’ ned oiss gibt, wos ma se ejbuidn tat, owa g’hofft hobe scho, dass grod auf Weihnachtn, a b’sondara Wunsch in Erfüllung gang.
No ja, und an sechan hed e scho ghabt.
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Mei Wunschzettel, bei dem freilich d’Mamm a wengl mitg’hoiffa hod, der war scho längst gschriem.
„Liebes Christkindl“, is drom gstandn.
„I wünsch ma nix andas, als wia an Tretroller. A rote Farb soll a hom und wenn’s ned z’fui Arbat mocht, waar’s schee, wenn a Gummireif’n hed.“
Ja, und um jedn Irrtum auszuschliaßn, hob en sogar no mit Buntstiften dazua gmoin.
Den Zettl hodn d’Mamm dann in a Kuvert eine g’steckt, und drausst af s’Fenstabrettl g’legt, damit’n s’Christkindl mitnehma ko.
Und des, des muaß scho direkt drauf g’wart hom, weil kaum hob a me umdraht, war’s Kuvert weg.
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Ja, und dann is weida ganga mit da Warterei.
Jedn Tog auf d’Nacht, bin i am Küchnstuhl drom kniat, hob ma an da gläsern Eisbleamewiesn d’Nosnspitzn platt druckt, zu de Stern auffe g’schaut und g’hofft, dass e irgendwo do drom s’Christkindl fliang siehg.
Und tatsächlich, je näher der ersehnte Tog zura kemma is, desto öfter hob es fliang sehng.
Dass owa do drom im Himmel zwoa Christkindln unterwegs san, des hob e ned g’wußt.
Na, des hob e dann vom Vata erfahrn.
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Des oane, hod a gsagt, waar s’Reichendorfer Christkindl und des kam zu de „bessern Leut“, und s’anda, des Armendorfer, des kimmt zu de „Hintan“, - zu sechane Leut, wia mia san.
„Ja, und warum des?“ hob en g’fragt.
Do hod a anscheinend ned recht g’wisst, wos a song soi, er hod ganz schee umananda druckst.
„Jaaaa, des kannt a ma eijtz aaa ned so genau erklärn“, hod a gmoant, des hed wos mim Plotz in da Himmelswerkstott zum doa. Es waar nämlich a so, dass de größan Sachan blos s’Reichendorfer Christkindl mocht.
„Ja, und wos san d‘n dann größane Sachan, wuit i wissen. „G’hört äbba do a Rolla a dazua?”
A Rolla, hob e gmoant, der waar doch gar ned so grouß.
„Ja meij Bua, i woaß’s scho, mia duads ja a leid, owa für’s Armendorfer Christkindl, do is sogar a sechana sauba z’grouß.”
So, eijtz hob es gwißt! - Nix werds mim Rolla. -
Mi hods in meim Elend bloß no a so gstoussn und d’Mamm, de hod mitgwoant.
„Geh her zu mir Bua“, hods gsagt, „schau des is hoid aso, oans is arm und s’anda reich, es geht hoid ned übaroi g’recht zua.“
„Ja, manchmoi kannst moana, no ned amoi do drom im Himmel.“
Owa mi hod eh nix, und neamand mehr tröstn kenna.
I war fertig mit dera Welt, ja, und sogar mim Himmel.
I hobs dann da Großmamm vozeijht, wias do drom zua geht, und wia gemein, dass des is.
Warum muaß’n eijtz im Himmel drom zwoa Christkindl gem, und ausgrechnat a no a arms und a reichs?
„Ja, Großmamm, und desweng kriag i a koan Roller, hod da Papp gsagt.“
„Moanst, dass wos huifft“, hob es g’fragt, wenn e eah nomoi schreib, dass ja i do gar nix dafür konn?“
„Dat’st ma du vielleicht dann heiffa beim schreim?“
D, Großmamm hod g’lacht, und hod ma an kloan Patscha af d’Ohrn auffe gem.
„Na, Bua“, hods g’sagt, „des mocht ma vui andas, - mir zwoa.“
Der Briaf, der kam eh z’spät, hods gmoant.
„Na, woasst wos, des mocht ma ganz andas. Do rede glei seijba mim Christkindl, vielleicht losst se do doch no wos mocha.“
„Ja, Großmamm, ja mei, des waar ja gaaanz guad!!“ „Und du glaubst, dass des mit dir redt?“
„Des waar fei des anda, -- des Reichendorfer Christkindl!“
„A wos“, hods gmoant, des waar gleich, „bet no du fleißig zum Jesukindl dann werds scho ren mit mir.“ Ja, und des hob e dann a gmocht, owa wia!
Da Helmut, hod ned blos bet, na, „gefleht“ hod a zum Jesu Kindl, dass
s‘Christkindl mit da Großmamm redt.
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So, und dann war a endlich do, der „Heilige Abend“.
I hobs kaum no dawartn kenna. - Ob d’Großmamm wos ausgricht hod bam „Reichendorfer Christkindl“?
Wia ein Wuida bin i nei g’rennt in d’Stubn.
Owa dann, - wos für a Enttäuschung, - oiss war do, blos koa Tretroller!
A kloana, roter Hoizlasta mit am Anhänger is nebam Christbaum gstandn, und aufm Tisch, in am gross’n Teller, san rotbackade Äpfel, Orangen und a kloans Sackal volla Walnüss gleng.
In am andan Teller Weihnachtsplatzl, und a paar schockoladene Kringel, de innen drin aus weiss’n Zuckerguss warn und de e normalerweis für mei Lebn gern „schnabuliert“ hed.
Blos heut, do hed e koa oanzigs mög’n. Na, ganz bestimmt ned, und wenn e vohungert waar.
Ja, no ned amoi woana hob e kenna, so beleidigt war e.
Jawohl, i war stinksaua auf oiss, wos im Himmel drom umananda fliagt.
So, und dann hob a me um mein Hoizlasta kümmert, hob prüft wia schnell se d’Radln drahn, und drauf gwart, dass endlich d’ Großmamm kimmt.
Wo s’n heut no grod bleibt? I waar so gern mein Kummer los worn.
Und dann klopfts an d’Stubntür.
D’Großmamm war’s, sie hod me gar ned zu Wort kemma lassn. Dass blos a weng späta worn is hods gmoant, weil s’Christkindl bei ihr wos vorbeibrocht hed.
I soi doch amoi drausst am Gang nochschaun, weils leicht sa kannt, dass des wos für mi is.
Ja, darennt hed a me boid am Türstock, a so hods ma pressiert.
Suppntellagrosse Aug’n hob i kriagt, wia i do draussn an Roller steh siehg, genau an sechan wia a ma g’wünscht hob.
Aus rot lackiertm Blech war a, mit weiße Gummireif’n, ja sogar a Klingel war dro an da vochromt’n Lenkstang. Und hint’n, a Gepäckträger. Haargenau so a Rolla, wira letzte Wocha beim Seebauer, am Marktplatz drom, im Schaufenster g’standn is.
Mein Gott, i hobs kaum glaum kenna, i war af oamoi da glücklichste Bua vo ganz Niederbayern.
I hob vor Freud a gar nimma g’wisst, bei wem e übaroi dank schee song muaß.
Beim Christkindl, - owa bei wos für oan?
Bei jedm, weil’s ja heut olle zwoa bei mir do warn, -- des Armen- und des Reichendorfer!
Ja, und bei meiner Großmamm, weil ja de mim Christkindl g’redt hod.
„Geij Großmamm, wennst wuist“, hobe ihr vosprocha, „dann derfst fei ollawei mit meim Rolla fohrn.“
Sie hod owa gmoant, dass des für a oids Leut nix waar, weil a se koan Fuaß mehr brecha mecht.
„Ja, mei Großmamm, wennst Angst host, dann nimm a de hoid a so mit.“
„Dann sitzt de einfach hintn am Gepäckträger auffe, und wennst de ganz fest ba mia eihoitst, dann konn da überhaupt nix passiern.“
No ja, a lustigs Buidl waar’s ja scho g’wen, i voan am Führerstand und d’ Großmamm hint drom am Gepäckträger, drum hams a olle mitanand lacha miassn, - außer mir, weil i des damois tatsächlich ernst g’moant hob.
Ja, für mi war d’ Welt und a da Himmel wieder in Ordnung.
Danoch hods no wos guads zum Essn gem,- Bratwürstl mit Erdäpfebrei und Sauerkraut. Und danoch, do bin i blos no auf meim Rolla g’sessn und hob unsan Christbaum og’schaut.
Und der hod fast aso g’strahlt wia i.
Ja, und des war’s dann mit meiner G’schicht vom dopplt’n Christkindl.
Wos ma da Papp damois vor Weihnachtn song wuit, des hobe erst begriffa wia i scho a wenig größer war.
Es hod hoid seimois, wia ba so vui Familien, a ba uns dahoam hint und vorn nia glangt.
Ja, und dann hobe a no erfahrn, dass d’Großmamm in dera schlecht’n Zeit ihr Erspartes g’opfert hod, blos weil’s mi, den kloan Habenichts glücklich sehng wollt.
Und mei Freud, hods gsagt, - des waar des schönste und kostbarste Weihnachtsg’schenk g’wen, des sie jemals vo äbban kriagt hod.
helmut h. 2024
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Der Beitrag wurde von Helmut Hartl auf e-Stories.de eingesendet.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.12.2024.
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